Württemberg, Pauline Therese Luise, Königin 

Andere Namensformen:
  • geb. von Württemberg
Geburtsdatum/-ort: 04.09.1800; Riga (Lettland)
Sterbedatum/-ort: 10.03.1873; Stuttgart; begr. in der Gruft (Protestantische Abteilung) der Schlosskirche Ludwigsburg
Weitere Angaben zur Person: Religion: evangelisch
Verheiratet: 19.4.1820 König Wilhelm I. von Württemberg
Eltern: Vater: Herzog Ludwig von Württemberg (30.8.1756-20.9.1817)
Mutter: Henriette, geb. Prinzessin von Nassau-Weilburg (22.4.1780-2.1.1857)
Geschwister: Adam Karl Wilhelm (16.1.1792-27.7.1847)
Maria Dorothea (1.11.1797-30.3.1855)
Amalie (28.6.1799-28.11.1848)
Elisabeth (26.2.1802-5.12.1864)
Alexander (9.9.1804-4.7.1885)
Kinder: 3; Katharina (24.8.1821-6.12.1898), Karl Friedrich Alexander (6.3.1823-6.10.1891), Auguste Wilhelmine Henriette (4.10.1826-3.12.1898)
GND-ID: GND/121572005

Biografie: Otto-Heinrich Elias (Autor)
Aus: Lexikon Haus Württemberg, S. 310-311.

Pauline wuchs als drittes von fünf Geschwistern zunächst in Riga, wo ihr Vater als Gouverneur von Livland in russischen Diensten stand, sowie auf dem kurländischen Gut Wurtzau auf. Ab 1806 lebte die Familie wieder in Stuttgart und Ludwigsburg, ab 1811 in Kirchheim unter Teck, dem Alterssitz des Herzogs Louis. Sie erhielt eine sorgfältige Erziehung, unter anderem Musikunterricht durch Karl Maria von Weber, den Sekretär ihres Vaters. Nach dem Tod des Vaters begleitete sie die Mutter 1817/18 auf einer einjährigen Italienreise.
Neunzehnjährig heiratete sie am 18. April 1820 ihren Vetter, König Wilhelm I., nach dem tragischen Tod von dessen zweiter Frau Katharina. Unter dem Vergleich mit der bedeutenden Vorgängerin, der sie auch noch ähnlich sah, hat sie ihr Leben lang gelitten; er verhindert bis heute ihre gerechte Würdigung als eigenständige Persönlichkeit.
Die ersten anderthalb Jahrzehnte der Ehe, in denen Pauline drei Kinder gebar, darunter den ersehnten Thronfolger, verliefen harmonisch. Die junge Königin wurde den Aufgaben, die Familie und Repräsentation an sie stellten, voll gerecht. Sie begleitete Wilhelm auf manchen seiner Reisen; in Paris wurde sie als die „schöne Stuttgarterin“ bewundert. Daß ihr Gatte, wohl geprägt durch die Defizite der eigenen Kindheit, mit der eigenen Familie relativ distanziert umging, scheint die Ehe nicht beeinträchtigt zu haben.
Erst als der König gegen Ende der 1830er Jahre ein festes Verhältnis mit der Hofschauspielerin Amalie von Stubenrauch einging, zerbrach die Ehe. Obwohl er zunächst die äußeren Formen des Familienlebens und der gemeinsamen Repräsentation in der Öffentlichkeit peinlich genau wahrte, blieb die Affaire nicht verborgen. Nicht nur die Familie, in der die beiden bereits erwachsenen Töchter zum Vater hielten, sondern auch der Hof zerfiel in zwei Parteien. Hackländer zufolge hat Pauline die Krise „durch schroffes Auftreten und berechnete Kälte“ noch verschärft. Schließlich resignierte sie „mit bescheidener Beschränkung auf den der Frau, auch der fürstlichen, angemessenen Lebenskreis“, den der engeren Familie (Gerok).
Spätere Beobachter schildern sie als eine herzensgute, tief religiöse, über politische Fragen mit gesundem Menschenverstand urteilende Frau. Einen Kreis von Freunden und Vertrauten hat sie immer behalten, aber aus dem Mittelpunkt des Staatswesens zog sie sich zurück. Nur wenn der König auf Reisen war, repräsentierte sie den Hof. Ihre letzten Lebensjahre verbrachte sie überwiegend auf ihrer Besitzung Seefeld bei Rorschach in der Schweiz.
Nach Wilhelms Tod hatte sich herausgestellt, daß Pauline im Erbe übergangen worden war. Sein Begräbnisplatz an der Seite der Vorgängerin stand von vornherein fest; so blieb der Frau, die offiziell mehr als vierzig Jahre an seiner Seite gestanden hatte, nur eine einsame Grabstätte in der Gruft des Ludwigsburger Schlosses.
Die von Katharina begonnene soziale Arbeit hat Pauline fallweise gefördert und weitergeführt, aber nicht maßgeblich geleitet. Ihr eigenes Werk ist die Stiftung einer Anstalt für arme, verwaiste und verwahrloste Kinder, die Stuttgarter „Paulinenpflege“.
Quellen: HStA Stuttgart, Bestände G 271, E 55.
Nachweis: Das Haus Württemberg: ein biographisches Lexikon / hrsg. von Sönke Lorenz ... In Zusammenarbeit mit Christoph Eberlein ... und dem Institut für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. Stuttgart; Berlin; Köln 1997; Bildnachweise: Haus Württemberg

Literatur: Karl Friedrich Gerok, Lebens-Abriß Ihrer Majestät der verewigten König Mutter Pauline von Württemberg. Zur Verlesung in den Kirchen des Landes verfaßt, Stuttgart 1873.
Friedrich Wilhelm Hackländer, Der Roman meines Lebens, Bände 1–2, Stuttgart 1887.
Adolf (Mueller-)Palm, Königin Pauline von Württemberg, Gemahlin Wilhelms I. Ein Lebensbild, Stuttgart 1891.
Das Tagebuch der Baronin Eveline von Massenbach, Hofdame der Königin Olga von Württemberg, hrsg. von Robert Uhland, Stuttgart 1987.
Suche
Durchschnitt (0 Stimmen)