Württemberg-Teck, Ludwig, Herzog 

Andere Namensformen:
  • Louis
Geburtsdatum/-ort: 30.08.1756; Treptow an der Rega/Pommern
Sterbedatum/-ort: 20.09.1817; Kirchheim unter Teck; begr. in der Stiftskirche Stuttgart
Weitere Angaben zur Person: Religion: evangelisch
Verheiratet: 28.10.1768-7.10.1793 Maria Anna, geb. Fürstin Czartoryska
28.1.1797 Henriette, geb. von Naussau-Weilburg
Eltern: Vater: Herzog Friedrich Eugen von Württemberg (21.1.1732-22.12.1797)
Mutter: Friederike Sophie Dorothea, geb. Prinzessin von Brandenburg-Schwedt (18.12.1736-9.3.1798)
Geschwister: Friedrich II./I. (6.11.1754-30.10.1816)
Eugen (I.) Friedrich Heinrich (21.11.1758-20.6.1822)
Sophie Dorothee (Maria Feodorowna) (23.10.1759-5.11.1828)
Wilhelm (27.12.1761-10.8.1830)
Ferdinand (21.10.1763-20.1.1834)
Friederike Elisabeth Amalie Auguste (27.7.1765-24.11.1785)
Elisabeth Wilhelmine Luise (21.4.1767-18.2.1790)
Wilhelmine (3.6.1768-22.10.1768)
Carl Friedrich Heinrich (3.5.1770-22.8.1791)
Alexander (I.) (24.4.1771-4.7.1833)
Heinrich Friedrich Karl (3.7.1772-28.7.1838)
Kinder: 6; Adam Karl Wilhelm (16.1.1792-27.7.1847), Maria Dorothea (1.11.1797-30.3.1855), Amalie (28.6.1799-28.11.1848), Pauline Therese Luise (4.9.1800-10.3.1873), Elisabeth (26.2.1802-5.12.1864), Alexander (9.9.1804-4.7.1885)
GND-ID: GND/132356716

Biografie: Wolfgang Kress (Autor)
Aus: Lexikon Haus Württemberg, S. 343-345

Seine Kindheit verbrachte Ludwig im Schloß zu Treptow, dem Garnisonsort des Vaters. Der Siebenjährige Krieg führte zeitweise zur Flucht der Familie. Danach übernahm der eine Verwundung auskurierende Vater die strenge Erziehung der Kinder, die, anders als er selbst, evangelisch waren. 1769 übersiedelte die Familie nach Mömpelgard. Nach einem 3jährigen Bildungsaufenthalt mit seinen Brüdern im nahen Lausanne und mehreren Bildungsreisen trat Ludwig 1774 in preußische Dienste ein. Auf Fürsprache von Friedrich dem Großen erhielt er, wie sein Bruder Friedrich, von Herzog Carl Eugen im September 1776 eine Apanage. Sein Verhältnis zu Friedrich, dem späteren König, war stets gespannt. Im Oktober wurde er einem Regiment zugewiesen, 1778 übernahm er dessen Kommando. Da Ludwig mehr Personal beschäftigte, als er bezahlen konnte, begann er Schulden zu machen. Am 28. Oktober 1784 heiratete er in ihrer polnischen Heimat die vermögende Prinzessin Maria Anna Czartoryska. Vor allem Friedrich und seine Schwester Sophie Dorothee, die spätere Zarin Maria Feodorowna, hatten Bedenken gegen die Ehe und fürchteten politische Verwicklungen, da Ludwigs Schwiegervater die polnischen Nationalisten anführte. Das Paar lebte in Treptow, danach in Stargard, wo Ludwig so militärisch streng mit seiner Frau umging, daß die Schwiegermutter vermitteln mußte. Nach einem Brief der Zarin, erhielt Maria Anna Schläge, wenn sie Ludwig die Stiefel nicht auszog oder seine Wäsche nicht wusch.
Mitte der 1780er Jahre durfte Ludwig unter Beibehaltung seiner preußischen Dienste in die polnische Armee eintreten. Er wurde Ritter des polnischen Weißen Adlerordens (1784), erhielt das polnische Bürgerrecht (1789) und wurde ein Jahr später polnischer – im gleichen Jahr auch preußischer – Generalleutnant und Kommandant von Warschau. Im Januar 1792 wurde der Sohn Adam geboren, im Juni verließ Ludwig, kommandierender polnischer General, angesichts einer russischen Übermacht den polnischen Kriegsdienst. Als Bruder der späteren russischen Zarin konnte er keine Armee gegen Rußland kommandieren. Außerdem hatte Preußen seine Dienste angefordert. Maria Anna trennte sich nun von ihrem als „Verräter“ gebrandmarkten Mann, der Polen aus Furcht vor Anschlägen unter Zurücklassung seiner Habe verlassen mußte. Am 7. Oktober 1793 wurde die Ehe in Gnesen in zweiter Instanz geschieden. Für Ludwig bedeutete dies den Verlust von mehr als einer halben Million Goldgulden aus der Aussteuer.
Ludwig kehrte zurück zu seinem preußischen Regiment und nahm ab Juli 1792 an Kämpfen gegen Frankreich teil. Im Herbst erhielt er den Schwarzen Adlerorden. Nach Zwistigkeiten mit der militärischen Führung wurde er 1794 beurlaubt, um seine Familien- und Finanzangelegenheiten in Württemberg zu regeln. Gemäß dem Ehevertrag mußte Maria Anna ihm Adam übergeben. Im Juli 1795 wurde er als Nachfolger seines Vaters Gouverneur von Ansbach-Bayreuth. Am 28. Januar 1797 heiratete er Henriette von Nassau-Weilburg in Schloß Eremitage in Bayreuth. Das Paar hatte 4 Kinder. 1798 erwarb er Schloß Wallisfurth bei Glatz als ständiges Domizil. Im Frühjahr 1800 verließ er als Generalfeldmarschall die preußischen Dienste und diente bis 1806 Rußland als General mit einem Kürassierregiment, das seinen Namen trug, und als Gouverneur von Riga. Auf Fürsprache seiner Schwester erhielt er vom Zaren Alexander 1804 das Gut Würzau in Kurland auf 50 Jahre übertragen, um durch die Einkünfte Schulden abzutragen. 1806 kam Ludwig mit seiner Familie nach Württemberg. Wegen des Bündnisses mit Frankreich konnte er nicht mehr nach Rußland zurück. In württembergischen Diensten war er Feldmarschall und seit 1807 Inhaber eines nach ihm benannten Jägerregiments. Sein Verhältnis zu König Friedrich blieb weiterhin gespannt. Der König hatte ihm 1809 zur Verbesserung der Einkünfte den Buchenbacher Hof bei Winnenden zugewiesen. Kurz danach kam es zu einem Eklat, weil ein Diener Ludwigs von jungen Männern, die mit der Begründung, sie müßten auf Ludwigs Gut arbeiten, sich vom Wehrdienst befreien lassen wollten, Geld annahm. Ob Ludwig zur Deckung seiner Schulden beteiligt war, bleibt unklar. In die Affäre verwickelt war auch Carl Maria von Weber, der Geheime Sekretär von Ludwig und Musiklehrer seiner Kinder, der sich wegen hoher Schulden in Schlesien nach Stuttgart abgesetzt hatte. Da er Gelder von Ludwig, die er nach Fertigstellung einer Oper hatte zurückzahlen wollen, veruntreute, wurde er auf Befehl des Königs am 10.2.1810 des Landes verwiesen. Im gleichen Jahr versuchte Ludwig, private Wertgegenstände aus Würzau zu holen. Als er nach Warschau kam, ließen ihn seine Gläubiger für fast ein Jahr in Haft nehmen. Nur durch Bemühungen von König Friedrich konnte er 1811 nach Württemberg zurückkehren. Auch mit Hilfe des Zaren kam es 1814 zu einem Vergleich, obwohl Ludwigs Schulden von über einer Million Gulden ursprünglich nicht einmal zur Hälfte durch Vermögen gedeckt waren. Seit 1811 war Ludwig und seiner Familie Schloß Kirchheim unter Teck als Wohnsitz zugewiesen.
Quellen: HStA Stuttgart, E- und G-Bestände.
Nachweis: Das Haus Württemberg: ein biographisches Lexikon / hrsg. von Sönke Lorenz ... In Zusammenarbeit mit Christoph Eberlein ... und dem Institut für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. Stuttgart; Berlin; Köln 1997; Bildnachweise: Haus Württemberg

Literatur: Rudolf Bütterlin, Malvina oder der Instinkt des Herzens. Zur Biographie von Marianne Czartoryska, Herzogin von Württemberg, in: ZWLG 48 (1989), S. 223–238.
Soldatisches Führertum, Teil 3, hrsg.von Kurt von Priesdorff, Hamburg o.J.
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