Digitale Rekonstruktion der Hauptsynagoge Mannheim

Rekonstruktion der Mannheimer Synagoge [Quelle: Landesarchiv BW]

Die 3D-Rekonstruktion der Synagoge wurde im Auftrag der Jüdischen Gemeinde Mannheim von der Architectura Virtualis GmbH realisiert und im Zuge eines Kooperationsprojekts mit dem Landesarchiv BW überarbeitet sowie als digitale Panoramaanwendung aufbereitet.

Erläuterungen zum Panorama

1 Toraschrein – oder Aron ha-Kodesch

Der Toraschrein ist der am aufwendigsten gestaltete Bereich einer Synagoge. Er beherbergt die Tora, eine wertvolle, handgeschriebene Pergamentrolle. Jede Tora besteht aus dem gleichen Text - die Fünf Bücher Mose. Bis heute wird eine Tora von einem Toraschreiber mit der Hand geschrieben und zwischen zwei Stäben aufgerollt. Eine Gemeinde besitzt oft mehrere Torarollen. Der Toraschrein und die gesamte Synagoge sind in der Regel in ihrer Hauptachse nach Jerusalem ausgerichtet.

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2 Toravorhang

Oft befanden sich die Torarollen hinter einem besonders gestalteten Vorhang. Eine Gemeinde besaß auch oft mehrere Vorhänge, die zu verschiedenen Anlässen gewechselt wurden – beispielsweise zu bestimmten Feiertagen. Toravorhänge waren in der Regel einfarbig und mit Gold bestickt.

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3 Bima

Von der Bima aus wurde aus der Tora gelesen. Im Gottesdienst wurde die Torarolle aus dem Toraschrein geholt und zur Bima gebracht. Dort wurde sie auf ein Tuch gelegt und jeweils ein Abschnitt verlesen. In der Mannheimer Synagoge steht die Bima vor dem Toraschrein – ein Kennzeichen der liberalen Liturgie. In orthodoxen Synagogen steht die Bima dagegen in der Mitte des Raums.

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4 Chanukka-Leuchter

Vor dem Toraschrein stehen oft mehrere Leuchter, so auch der Chanukka-Leuchter. Der Chanukka-Leuchter soll an die Wiedereinweihung des zweiten Tempels in Jerusalem erinnern. Er hat acht Arme mit je einer Kerze und in der Mitte einen weiteren Arm für eine Kerze, mit der die anderen angezündet werden.

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5 Lesepult für den Vorbeter

Im Bereich des Torschreins steht auch ein Pult für den Vorbeter. Der Vorbeter ist für die Leitung des Gottesdienstes verantwortlich. Er besitzt oft auch eine Gesangsausbildung, da Gesänge eine große Rolle spielen.

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6 Ewiges Licht – Ner Tamid

Das Ewige Licht befindet sich an Ketten aufgehängt vor dem Toraschrein. Es symbolisiert die Gegenwart Gottes. Auch in einer katholischen Kirche gibt es das Ewige Licht.

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7 Kanzel

Nur in liberalen Synagogen existieren Kanzeln. Von ihr wurden Predigten in deutscher Sprache gehalten.

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8 Frauenempore

Frauen und Männer saßen getrennt voneinander. Die Männer saßen im Hauptraum und die Frauen auf Emporen hinter einer Brüstung.

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9 Romanischer Arkadenbogen

Der Arkadenbogen in der Mannheimer Synagoge ist im neoromanischen Stil gehalten. Neben Synagogen im maurischen Stil ist die Neo-Romanik eine der beiden Hauptstilrichtungen bei Synagogen des 19. Jahrhunderts.

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10 Orgel

Orgeln gab es nur in liberalen Synagogen und stellen eine Neuerung im Gottesdienst des Reformjudentums dar.

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11 Eingang

Der Eingang in den Hauptraum war den Männern vorbehalten. Er lag in der Regel auf der dem Toraschrein gegenüberliegenden Seite des Raumes. Frauen gelangten über Treppen, die außerhalb des Hauptraums lagen, nach oben auf die Emporen.

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12 Männerbereich

Der Hauptraum der Synagoge im Erdgeschoss war den Männern vorbehalten, Frauen saßen auf den Emporen.

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13 Misrach-Fenster

An der Wand oberhalb des Toraschreins befindet sich in Synagogen oft ein rundes Fenster – das sogenannte Misrach-Fenster. Dies geht auf eine Stelle in der Bibel zurück, nach der Daniel dreimal am Tag vor offenen Fenstern in seinem Haus kniete und betete. Die Fenster waren in Richtung Jerusalem geöffnet. (Altes Testament, Buch des Daniels, 6.11)

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14 Bundestafeln

Die Bundestafeln symbolisieren die zwei Steintafeln, die nach biblischer Überlieferung Moses am Berg Sinai von Gott erhalten hat und auf denen die 10 Gebote stehen. Solche zwei Tafeln befinden sich oft als Krönung auf dem Torschrein oder im Außenraum oben auf der Hauptfassade. Bei der Symbolisierung dieser Tafeln findet sich in der Regel in hebräischer Sprache der Anfangsbuchstabe der einzelnen Gebote oder die entsprechende Nummer – fünf Buchstaben / Zahlen je Tafel.

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Liberale Liturgie

Die liberale Liturgie entstand mit der sogenannten Reformbewegung, die sich innerhalb des deutschen Judentums im neunzehnten Jahrhundert entwickelt hat. Merkmale des liberalen Gottesdiensts sind eine gekürzte Liturgie, eine Predigt in deutscher Sprache, die Einführung des Orgelspiels sowie eines Chores, in dem auch Frauen singen.

 

Literaturhinweise

Die Texte basieren u.a. auf Informationen / Formulierungen von Wikipedia, des Jüdischen Museums Frankfurt, aus: Wolfgang Kraus, Hans-Christoph Dittscheid, Gury Schneider-Ludorff (Herausgeber): Mehr als Steine… Synagogen-Gedenkband Bayern - Teilband III/1 (Unterfranken). Lindenberg 2015. S. 854 (Glossar) und aus der Züricher Bibel (2007).