Klöster der Renaissance und des Barock
von Matthias Untermann
Klosterbauten und Ausstattungen der Renaissance
Die Zeit der Reformation führte zur Auflösung zahlreicher Konvente. Von hervorragender Bedeutung ist deshalb der Neubau des 1586 gegründeten Franziskanerklosters St. Luzen bei Hechingen. Die überreiche, einzigartige architektonische und skulpturale Ausstattung der Kirche war trotz des Armutsgebots des Ordens ein Wunsch des Stifters Graf Eitelfriedrich I. von Hohenzollern-Hechingen (1488–1512). Die Verschärfung der Lebensordnung für die Stiftsdamen von Säckingen gab 1565 Anlass zum Bau eines großen Gebäudes für Refektorium und Dormitorium. Das Kloster St. Blasien erneuerte 1578 seine Propstei in Krozingen mit einem schlossartigen Gebäude.
Wichtig sind auch zeitgleiche Reliefs von Hans Morinck in der Benediktinerkirche Petershausen bei Konstanz und in den dortigen Stiftskirchen St. Johann und St. Stephan. Ein bemerkenswertes, großes Bronzekruzifix von 1577 blieb auf der Mainau erhalten. Neu ausgemalt wurde ab 1548 der Altarraum der Benediktinerkirche Mittelzell auf der Reichenau. Charakteristische Glasmalereien von 1567 sind aus der Johanniterkommende Villingen, von 1581 aus dem Zisterzienserkloster Tennenbach überkommen.
Barocke Großklöster
In der Epoche der tridentinischen Erneuerung setzte der Bau des Escorial nördlich von Madrid ab 1563 neue Maßstäbe für die europäische Klosterbaukunst: Die Kirche ist zentral angeordnet und wird beiderseits von schlossartigen Bautrakten mit mehreren Innenhöfen begleitet, die eine prächtige, vierseitige Außenfassade bilden. Die Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg, im Pfälzischen Erbfolgekrieg und im Spanischen Erbfolgekrieg, vor allem aber neue repräsentative Ansprüche der adligen Äbtissinnen und Prälaten führten im 18. Jahrhundert zu einer Vielzahl bedeutender Neubauten.
Damals unterschieden sich die großen Klosteranlagen Mitteleuropas von zeitgleichen Schlossbauten nur noch durch die integrierte Kirchenfassade, aber nicht mehr in der Fassadengliederung der dreigeschossigen Gebäudetrakte mit hervorgehobenen Mittelrisaliten und Eckpavillons sowie in der Grundrissdisposition der Etagen. Um den ersten Hof werden die Räume für den Klostervorsteher (»Prälaten«), für die Gäste und für die Verwaltung angeordnet, um den zweiten Hof die für den Konvent. Der große Festsaal in Tradition des Refektoriums liegt auf der kirchenfernen Seite zwischen den beiden Höfen. Die topographische Situation oder die absichtsvolle Übernahme der mittelalterlichen Kirche bedingte dabei unterschiedliche Lösungen, bei denen die Kirche nicht im Zentrum stand.
Im Bearbeitungsgebiet sind solche großen Klosteranlagen mit langgestreckter Fassade und zwei Höfen nur von alten Frauen- und Männerkonventen errichtet worden. Das größte neugebaute Kloster mit zwei durch einen mittleren Hof getrennten Vierflügelanlagen entstand ab 1698 unter Abt Stephan Jung (1698–1725) nach Planungen von Franz Beer in Salem, neben der alten Kirche. In Ettenheimmünster ließ Abt Johann Baptist Eck (1710–1740) ab 1718 durch Peter Thumb die neue große Klausur neben der etwas älteren, schräg stehenden Kirche errichten. Prächtige Fassaden erhielt auch der von Thumb entworfene große Klosterneubau in St. Peter ab 1724 unten Abt Ulrich Bürgi (1719–1739). In Wald ließ Äbtissin Maria Antonia von Falkenstein (1709–1739) ab 1721 neben dem alten Kloster einen prächtigen Neubau beginnen; allerdings blieb er unfertig. Etwas bescheidener war der 1715–63 mit zwei Höfen ausgeführte Neubau des Augustinerchorherrenstifts St. Märgen, bei dem nur der Prälatentrakt mit einem Mittelrisalit ausgezeichnet war. Selten gelangte die Kirche in die Mittelachse: Im mächtigen Benediktinerinnenkloster Frauenalb kam die ab 1726 ausgeführte großartige Planung Peter Thumbs im zweiten Klosterbauabschnitt nördlich der Kirche mit den Räumen für die Äbtissin nicht mehr zur Ausführung. In St. Blasien entstand 1727–42 nach Entwurf von Franz Beer eine monumentale barocke Klausur mit zwei Innenhöfen, zunächst neben der romanischen Kirche. Erst nach einem Brand ließ Abt Martin Gerbert (1764–1793) ab 1768 durch Pierre Michel d’Ixnard in der Mittelachse des Klosters eine monumentale neue Kirche mit einer riesigen Rotunde und einem angesetzten Psallierchor erbauen, die zwischen den Höfen von Abt und Konvent steht. Die zahlreichen barock repräsentativ neugebauten Wirtschaftsgebäude, die Kirche und Klausurbauten umschließen, zeugen in St. Blasien wie in Salem von der ökonomischen Leistungsfähigkeit der Klöster; in Ettenheimmünster wurde der große barocke Wirtschaftshof abseits von Klausur und Kirche errichtet. An allen drei Orten sind diese Gebäude weitgehend erhalten geblieben.
Eine architektonische Rangstufe tiefer blieben Klöster mit nur einem Hof, aber ebenfalls großen, drei- bis vierflügligen Anlagen zu einer Seite der Klosterkirche, deren langgestrecke, prächtige Fassaden gleichermaßen durch Mittelrisalite und Eckpavillons ausgezeichnet waren, wie in Friedenweiler, Günterstal, Petershausen bei Konstanz, Schwarzach und Tennenbach. Der Westflügel nahm jeweils die Prälatur und die Gästeräume auf, der Südflügel das Refektorium und den Festsaal des Konvents, der Ostflügel den Kapitelsaal; die Zellen waren auf Ost- und Südflügel verteilt. Andernorts bildete die Prälatur einen eigenen Klosterflügel neben der Kirche: Zwei Risalite zeichnen die große barocke Prälatur der Benediktiner in St. Trudpert aus und ebenso in etwas kleinerem Maßstab am Zisterzienserinnenkloster Lichtenthal, dessen Anlage sonst schmucklos blieb.
Ein prächtiges dreiflügliges Schloss mit kleiner Kirche ließ der Deutsche Orden als Kommende auf der Mainau erbauen, während in der Deutschordenskommende Beuggen lediglich die Fassade und die Innenausstattung modernisiert wurden. Überdimensional ist auch die palastartige Straßenfassade der in der Freiburger Innenstadt neuerbauten Kommende des Deutschen Ordens. Diese Bauten spiegeln nur noch adlige Herrschaftsansprüche, nicht mehr monastische Ideale.
Prägende Architekten
Eine große gestalterische Ähnlichkeit zwischen vielen neugebauten Kirchen und Klosteranlagen der Barockzeit entstand durch die Beauftragung immer wieder derselben spezialisierten Architektenfamilien. Sie boten die Gewähr für brauchbare und ästhetisch überzeugende Entwürfe und eine funktionierende Oberbauleitung. Im Bearbeitungsgebiet waren dies überwiegend Vorarlberger Werkmeister und Architekten, zunächst Michael Beer (um 1605–1666) in Inzigkofen (1658–1663) und sein Sohn Ulrich Beer (1655–1714), Laienbruder und Ordensbaumeister der Franziskaner, der die Klöster in Überlingen (ab 1700), Offenburg (1702–1703), Konstanz (ab 1710),Villingen (1705–11) und Hermannsberg (1710–1715) erbaute. Michael Beers Schüler Michael Thumb (um 1640–1690) arbeitete für die Benediktiner in Villingen (ab 1687) und Amtenhausen (um 1690), dessen Schüler Franz Beer (1660–1726) in Wald (ab 1681), Beuron (ab 1694), Gengenbach (1694–1716), Frauenalb (ab 1696) und Salem (1697–1710). Franz Beers älterer Bruder Jodokus Beer (1650–1688) errichtete das Kloster Habsthal (1681–1689) und plante in Wald (ab 1681), sein Neffe und Schüler Jodokus Beer errichtete einen Trakt des Villinger Benediktinerklosters und baute dort das Bickenkloster um. Johann Michael Beer (1700–1767), der Sohn von Franz Beer, entwarf die monumentale Klosteranlage in St. Blasien (1727–1742) und barockisierte die Überlinger Franziskanerkirche (1752–1766).
Hochbedeutend war Michael Thumbs Sohn Peter (1681–1766), der sich mit dem Bau des Klosters Ebersmünster im Elsass (1708–1727) profilierte und die dortige Doppelturmfassade wiederholt umsetzen konnte. Nach seinen Entwürfen entstanden die neuen Klosterbauten in : Ettenheimmünster (1718), Lichtenthal (1722), Schwarzach (1724), Friedenweiler (1725), Tennenbach (1726–1741), Frauenalb (1727–1733), Günterstal (1728–1738), Wippertskirch (1731–1733), Waldkirch (1732–1734), St. Trudpert (1737–1756), St. Ulrich (1739–1744), St. Peter (1724–1756) und Birnau (1747–1750).
Der Deutschordensbaumeister Johann Kaspar Bagnato (1696–1757) entwarf die Kommenden in Mainau (1735–1756) und Beuggen (1752–1757), arbeitete aber auch für andere Orden, für die Johanniter in Heitersheim (1729–1753), für das Stift Radolfzell (1739), die Benediktiner in Krozingen (1749/50) und die Zisterzienser in Salem (1750–1757). Sein Sohn Franz Anton Bagnato (1731–1810) übernahm das Amt des Deutschordensbaumeisters und entwarf die Fassade der Kommende Freiburg, aber auch Bauten anderer Orden, wie die Propsteien in Bürgeln (1762–1764) und Grafenhausen (1763).
Weitere wichtige Klosterbauten dieser Architekten entstanden in Oberschwaben und der Nordschweiz. Sorgfältig gezeichnete Entwürfe, manchmal sogar in großformatige Bücher gebunden[1] oder im Druck vervielfältigt, zeigen die Entstehung der Planungen und trugen zum Ruhm der Architekten bei. Oft wurden sogar kleine Details der Ausstattung in Zeichnungen entworfen. Die ausführenden Maurer, Zimmerer, Schreiner und Maler waren zwar oft an mehreren dieser Bauten tätig, konnten aber keine vergleichbaren Monopole aufbauen.
Über Hechingen-Hohenzollern gelangte der französische Baumeister Pierre Michel d’Ixnard (1723–1795) in die Region, der die bedeutende Klosterkirche St. Blasien (1768–1783) und die Stiftskirche Hechingen (1780–1783) entwarf; in St. Blasien und auch in Salem (1773–1784) war sein Schüler Johann Joachim Scholl tätig. Am kurpfälzischen Hof gehörten die Klosterbauten nicht zu den vorrangigen Aufgaben der teilweise international angesehenen Hofarchitekten. Immerhin wurde der Entwurf von Alessandro Galli da Bibiena für die Mannheimer Jesuitenkirche 1760 in einem prächtigen Tafelwerk publiziert.[2]
Neue Orden
In der Zeit nach dem Konzil von Trient (1545–1563) wurden neue Orden gegründet, die sich auf verschiedenen Ebenen um die Ziele der Gegenreformation und Rekatholisierung bemühten. Große innerstädtische Klöster ließen die Jesuiten in den wichtigsten Städten des Landes errichten. Oft erhielten sie nach römischem Vorbild gewölbte Kirchen mit prächtigen Fassaden und prunkvollen Altären, das Kollegium genannte Kloster bildete eine dreigeschossige Baugruppe, und dem Ordensziel dienten sorgfältig konzipierte, angrenzende Bauten für Gymnasium und Seminarium, oft mit großen Theatersälen. Jesuitenkollegien entstanden in Baden-Baden, Ettlingen, Freiburg, Heidelberg, Konstanz und Mannheim. Die Mannheimer Jesuitenkirche ist die größte Barockkirche der gesamten Region, die dortige Sternwarte demonstriert auch architektonisch den Anspruch des Ordens auf Höchstleistungen in der Wissenschaft. In Bruchsal haben die Jesuiten lediglich von einem kleinen Hospiz aus das Gymnasium betrieben. Der Schulorden der Piaristen errichtete in Rastatt ein bemerkenswertes, noch erhaltenes Gebäude, an das in zwei H-förmigen Querflügeln die Schulräume, die Bibliothek und ein Theatersaal anschlossen. Piaristen wurden auch nach Donaueschingen gerufen, zum angestrebten Klosterbau kam es dort jedoch nicht.
Rekatholisierung und Seelsorge für die einfache Bevölkerung waren Aufgabe der Kapuziner. Dieser Orden hatte als einziger eine zentrale Steuerung für die äußerst schlichten Kirchen- und Klosterbauten, deren gleichartiges Prinzip allerdings auf unterschiedliche Grundstücksbedingungen angepasst werden musste. Alle Klosterbaupläne wurden von der Provinzleitung geprüft und genehmigt, zentral archiviert und sogar in einer Handschrift zusammengestellt.[3] Ungewöhnlich viele zerstörte Anlagen sind durch solche Pläne rekonstruierbar : in Baden-Baden, Breisach, Bretten, Bruchsal, Engen, Heidelberg, Karlsruhe, Konstanz, Mahlberg, Mannheim, Meßkirch, Oberkirch, Oppenau, Radolfzell, Stockach und Walldürn, einzelne nur durch Veduten, wie Markdorf. Nur wenige Kirchen und Klöster blieben bis heute erhalten, so besonders in Haslach, Offenburg und Stühlingen, mit Resten auch in Neustadt, Radolfzell, Staufen, Überlingen, Villingen und Waldshut. Die Kapuziner ließen ihre Klöster entsprechend der Ordensregel unmittelbar außerhalb der Städte bauen. Lediglich in topographisch oder militärisch schwieriger Situation entstanden sie am Stadtrand (Breisach, Offenburg, Mannheim) oder wurden aus strategischen Gründen nachträglich in die Stadt hinein verlegt, wie in Freiburg und Konstanz. In Ladenburg bezogen sie ein Gebäude des Bischofshofs; dort kam es nicht zum Klosterbau. Gleiches gilt für Wertheim, wo sie die Schlosskapelle betreuten. Nur wenige ihrer Klöster zeigen besondere Bauformen: Das Karlsruher Kapuzinerkloster wurde außen wie ein adliges Stadtpalais gestaltet, an dessen Fassade sich die Kirche und der Klausurbau gar nicht abzeichneten. Außerhalb von Philippsburg wurde die alte Wallfahrtskirche Waghäusel den Kapuzinern übergeben. Als 1724 der Speyerer Fürstbischof Damian Hugo Philipp von Schönborn (1719–1743) unmittelbar angrenzend das Lustschloss Eremitage errichten ließ, wurde die Kapuzinerkirche durch ungewöhnliche Einbauten auch zur reich ausgestatteten Hofkapelle.
Regulierte Kanonissen aus Frankreich und Ursulinen aus Italien und Flandern widmeten sich der Schulbildung von Mädchen. Die Klöster mit ihrer Kirche und den angrenzenden Schulräumen mussten in den Städten oft auf engen, stadtmauernahen Grundstücken erbaut werden. In Baden-Baden (Sepulchrinerinnen) und Freiburg (Ursulinen) sind die Klöster noch erhalten, für Breisach, Heidelberg und Rastatt im Bild überliefert. Das Mannheimer Kloster unterschied sich in der Außenansicht nicht von einem großen Stadthaus. In Ottersweier kam ein prächtiger, geplanter Ausbau des Augustinerchorfrauen-Klosters nicht zustande. In Meßkirch verließen die Ursulinen das ihnen provisorisch zugewiesene Stadthaus schon nach wenigen Jahren. Als Exil nutzen die Freiburger Ursulinen einige Jahrzehnte in Staufen ein großes, altes Stadthaus, das sie um eine Kapelle erweiterten.
Ein neuer Orden, der sich der Krankenpflege verschrieb, waren die Barmherzigen Brüder mit Niederlassungen in Bruchsal und Mannheim. Sie ließen kombinierte Kloster- und Hospitalgebäude errichten. In Bruchsal, wo eine kleine, aber architektonisch attraktive Kapelle zum Kloster gehörte, ist eine umfangreiche Planmappe erhalten. In der barocken Planstadt Mannheim zeigt das Kloster die Baugestalt eines adligen Stadthauses und war lediglich durch ein Glockentürmchen ausgezeichnet.
Partielle Barockisierung und kleinere Neubauten
Manche großen Konvente bewahrten ihre mittelalterliche Klosterkirche und ließen sie mit neuen, prächtigen Altären, Orgeln, Kanzel, Gestühl, Skulpturen, Fresken und Stuckarbeiten neu ausstatten. In Bronnbach, Säckingen und Salem ist dies gut erhalten; in Allerheiligen sind einige Altäre andernorts bewahrt. Für Säckingen und Salem sind jeweils zwei aufeinander folgende Neuausstattungen fassbar, in hoch- und spätbarocken bzw. hochbarocken und klassizistischen Formen. In Bronnbach wurde auch das Refektorium prächtig erneuert. In Lichtenthal modernisierte der Zisterzienserinnenkonvent auch das Chorgestühl auf der Nonnenempore und ließ neben der Kirche ganz neue, schmucklose Klostergebäude errichten. Vielerorts, wie in der Stiftskirche Baden-Baden und in Gen¬gen¬bach, wurde die Barockausstattung im 19. Jahr¬hundert entfernt.
Ungewöhnlich anschaulich erhalten ist die barock neugestaltete Stiftsanlage von Waldkirch mit der großen, freistehenden Stiftskirche und den sie umgebenden Stiftsgebäuden für Propst, Dekan, Kustos, Chorherren, Kapläne, Amtsleute und Handwerker. Ein Hauptwerk der barocken Baukunst ist die prächtige Kirche der Salemer Propstei Birnau mit ihrer Ausstattung und der weit über den Bodensee sichtbaren Fassade.
Klöster mit geringeren wirtschaftlichen Möglichkeiten (oder sparsam-vorsichtigerer Klosterleitung) benötigten in dieser Epoche ebenfalls Neubauten. Diese konnten in Größe und Baugestaltung zurückhaltender sein, oft wiesen sie nur zwei Klosterflügel auf und verzichteten auf reich gegliederte Fassaden. Gerade im innerstädtischen Umfeld zwangen vorgegebene, begrenzte Grundstücke oft zur Einschränkung des Bauprogramms. Die zur Betreuung der Schlosskapelle in Ettlingen angesiedelten Franziskaner erhielten ein Haus, das sich nicht von kleineren Bürgerhäusern unterscheidet. Aber auch die Niederlassungen der Johanniter in Bruchsal und Überlingen sowie des Deutschen Ordens in Heidelberg und Weinheim gleichen adligen Stadthöfen; ihre Kapellen waren von der Straße aus gar nicht sichtbar. Diese Anlagen dienten vornehmlich der Besitzverwaltung und waren nicht mehr als dauerhafte Residenz eines hochadligen Komturs konzipiert.
Die Baugestalt ländlicher Adelssitze erhielten die schlossartigen Propsteien des Klosters St. Blasien in Bonndorf, Bürgeln und Gurtweil, des Klosters St. Gallen in Ebringen, des Klosters St. Peter in Sölden sowie des Klosters Schuttern in Wippertskirch. Sie repräsentierten die Ortsherrschaft der großen Klöster, verzichteten aber auf ein klösterliches Raumprogramm. Im Prämonstratenserstift Wyhlen bewohnten der Propst und sechs Konventualen ebenfalls ein großes Haus neben der kleinen Kirche.
Äußerlich schmucklose, teilweise recht große Vierflügelanlagen mittelalterlicher Tradition entstanden im 17./18. Jahrhundert für die Benediktinerklöster Reichenau, Rippoldsau und Schuttern, die Franziskanerklöster in Breisach, Kenzingen, Mosbach, Rastatt, Schwetzingen, Seelbach und Sinsheim, das Willhelmitenkloster in Oberried, das Kloster der Augustinereremiten in Breisach, das Dominikanerinnenkloster Habsthal, das Kapuzinerinnenkloster Pfullendorf, die Franziskanerinnenklöster Säckingen und Villingen (Bickenkloster), das Neukloster in Freiburg sowie das Zisterzienserinnenkloster Wonnental bei Kenzingen. Zweiflüglig blieben die Klöster der Augustinerchorherren in Freiburg und der Kapuzinerinnen in Markdorf, das neue Kloster der Dominikanerinnen in Riegel sowie die Franziskanerterziarinnenklöster in Weppach und Sipplingen, das allerdings ältere Häuser integrierte; in Weppach ist nur das Schiff der Kirche erhalten. Frauenklosterkirchen hatten nun fast immer eine Nonnenempore, viele Männer- und Frauenkonvente nutzten für ihr Chorgebet aber einen abgetrennten Psallierchor.
Die nach Villingen übergesiedelten Benediktiner von St. Georgen bewohnten dort erst ihren Stadthof, errichteten dann Prälatur und Kirche, einen kirchenparallelen Konventsbau und erst zum Schluss einen Verbindungsbau zur Kirche hin. Das Modell der geschlossenen Klosteranlage war für sie nicht mehr aktuell. An der St. Georgener Propstei in St. Ulrich wäre der große, von Peter Thumb entworfene vierflüglige Neubau auf dem schmalen Bergsporn kaum zu realisieren gewesen; ausgeführt wurde dann nur ein Trakt für den Propst.
Das Franziskanerkloster Hedingen erhielt, in mittelalterlicher Tradition des Ordens,[4] einen halböffentlichen Kreuzgang zwischen Kirche und Klausurbau, der nicht den Brüdern diente. Ihr dreiflügliges Kloster hatte einen zweiten Innenhof. Die gleiche Disposition zeigt der Baukomplex des ehemals franziskanischen Augustinerchorfrauenstifts in Inzigkofen. In Laiz und in Möggingen fehlt eine Verbindung zwischen dem dreiflügligen Franziskanerinnenkloster und der Kirche. Einen Kreuzgang und einen zweiten Innenhof hatte auch das 1702/03 wiederaufgebaute Franziskanerkloster in Offenburg. Demgegenüber besteht der gut erhaltene Klosterbau der Franziskaner in Heitersheim lediglich aus einem Flügel mit einer ehemals angrenzenden Kapelle. Im Kloster Fremersberg, in der Waldeinsamkeit gelegen, ließen die Franziskaner 1760 das wiedergenutzte Klausenhaus zu einem richtigen mehrflügligen Kloster ausbauen. Einen komplexen Grundriss mit zahlreichen bis zu viergeschossigen Flügeln weist das ebenfalls einsam gelegene barocke Klarissenkloster in Wittichen auf.
Eines der wenigen erhaltenen barocken Schwesternhäuser ist die Vettersammlung in Villingen mit ihrer kleinen Kirche und einem Konventhaus; sie strebten im 18. Jahrhundert eine klausurierte Lebensweise an. Ganz ähnlich gestaltet war in Freiburg das Regelhaus auf dem Graben. Ein schlichtes Wohngebäude ließen sich die Dominikanerterziarinnen im Dorf Gruol neben der von ihnen mitgenutzten Pfarrkirche erbauen, ebenso die Schwestern des gleichen Ordens in Riegel. Auf den engen Bauplätzen in Gorheim und Rangendingen wurden die Zellen der Schwestern oberhalb der Kirche angeordnet.
Gar keine Neubauten errichteten nach 1736 die Karmeliten in Mannheim, die ein großes Bürgerhaus mit Kapelle bezogen. Gleiches gilt für die Prämonstratenserinnen, die 1774 das obere Schloss in Jestetten als Kloster übernahmen.
Neue Raumanforderungen
In den barocken Kirchen wurde das Chorgebet von vielen Orden neu organisiert. Nach italienischem und französischem Vorbild konnte das Chorgestühl hinter dem Hochaltar in einem »Psallierchor« aufgestellt werden, wie in Schwarzach und St. Blasien. Die Kapuziner haben ihren Psallierchor an dieser Stelle sogar völlig vom Kirchenraum abgetrennt, auch die Jesuiten hatten kein Gestühl in der Kirche. Der Damenkonvent in Säckingen richtete seinen Psallierchor hochgelegen neben dem Chorraum ein. Äbte legten oft Wert darauf, wie die Fürsten in erkerartigen Oratorien ungesehen am Gottesdienst teilnehmen zu können. Eigentümliche kleine, hochgelegene Oratorien für jeweils zwei bis drei Nonnen ließen sich die Dominikanerinnen und Kapuzinerinnen im Mittelschiff der Pfarrkirche von Pfullendorf einbauen; sie waren jeweils durch brückenartige Übergänge von ihren Klöstern aus erreichbar.
Kapuziner und Jesuiten verzichteten auf Friedhöfe, sondern richteten unterirdische, katakombenartige Grüfte ein, in deren Wänden die Konventualen beigesetzt wurden; in Stühlingen ist diese Gruft noch in Benutzung (s. Abb. oben).
Auf der Suche nach neuen Aufgaben richteten nicht nur die neuen Schulorden, sondern auch manche alte Konvente Schulen ein, für die neue, große Gebäude errichtet wurden, wie in Allerheiligen und am Benediktinerkloster in Villingen.
Zur architektonischen Repräsentation gehören im 18. Jahrhundert formale Gärten französischen Typs, mit geometrisch angelegten Wegen, Wasserbecken und Parterres. Sie wurden häufig außerhalb des älteren Klosterbezirks angeordnet, da nur dort der notwendige Platz verfügbar war, lagen jenseits einer Straße und außerhalb der Klausur. Das Kloster Bronnbach ließ die große Orangerie und die Gärten mit thematisch passenden Fresken und Statuen schmücken. Durch Pläne überliefert sind solche Gärten auch für das Damenstift Säckingen, das Zisterzienserinnenkloster Lichtenthal, die Ritterordenskommenden Beuggen und Heitersheim. Eigentümlich ist der rekonstruierte barocke Terrassengarten in Allerheiligen, hoch im Schwarzwald gelegen: Er macht deutlich, dass Abt und Konvent noch keinen Blick hatten für die erst seit der Romantik hochgeschätzte Bergwelt mit den nahen Lierbach-Wasserfällen, sondern für Naturgenuss und zeitgemäße Repräsentation einen geordneten Garten benötigten.
Ausstattung barocker Klöster
Die vielerorts noch vor Ort erhaltene Ausstattung barocker Klöster in Kirchen und Klausurbauten ist unüberschaubar. Hervorragend bewahrt sind die originalen, teilweise einzigartigen und umfangreichen Barockausstattungen in den Dominikanerinnenkirchen Habsthal und Rangendingen, im Kapuzinerkloster Haslach, im Augustinerchorfrauenstift Inzigkofen, im Dominikanerinnenkloster Zoffingen und in der Jesuitenkirche in Konstanz, im Augustinerchorherrenstift Riedern, in der Damenstiftskirche Säckingen, in der Zisterzienserkirche Salem und der zugehörigen Propstei Birnau, in der Stiftskirche Waldkirch und in der kleinen Prämonstratenserkirche Wyhlen. Die frühbarocken Altäre in der Stiftskirche Überlingen sind von überregionaler Bedeutung. Bemerkenswert sind auch die barocken Chorgestühle in Schwarzach, Säckingen und St. Trudpert.
Aus zahlreichen 1802–1806 aufgelösten Konventen sind Altäre, Kanzeln, Orgeln, Gemälde, Skulpturen, Bänke und liturgisches Gerät in umliegende Pfarrkirchen gelangt, gelegentlich dort noch in Gebrauch, nicht selten aber bei neugotischen Neuausstattungen, durch Kriegszerstörung oder infolge der Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil abhandengekommen.
Anmerkungen
[1] Für St. Blasien: GLA G-S Salzmann.
[2] Basilica Carolina 1760.
[3] WLB Cod. Don. 897, Architectura Capucinorum.
[4] Silberer 2016.
Die vollständigen Literaturangaben sowie die Auflösung der Abkürzungen finden Sie hier.
Zitierhinweis: Matthias Untermann, Klöster der Renaissance und des Barock, in: Badisches Klosterbuch, URL: […], Stand: 10.06.2025.

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