Maybach, Wilhelm August 

Geburtsdatum/-ort: 09.02.1846;  Heilbronn
Sterbedatum/-ort: 29.12.1929;  Cannstatt
Beruf/Funktion:
  • Konstrukteur und Pionier im Motoren-und Automobilbau
Kurzbiografie: 1851 zieht die Familie Maybach von Heilbronn nach Stuttgart, wo der Vater in der Klavierfabrik Schiedmeyer arbeitet; 1854 stirbt die Mutter
1856-1869 nach dem Tod des Vaters findet der verwaiste Maybach Aufnahme im Bruderhaus von Gustav Werner in Reutlingen
1865 Begegnung mit Gottlieb Daimler
1869-1872 Maybach folgt Daimler zur Maschinenbau-Gesellschaft Karlsruhe, er wird dort als technischer Zeichner eingestellt
1872-1882 Zusammen mit Daimler wechselt Maybach zur Gasmotorenfabrik Deutz, wo er bald zum Chefkonstrukteur aufsteigt
1882 Daimler wird nach Differenzen mit Nikolaus August Otto und Eugen Langen von der Gasmotorenfabrik Deutz entlassen und gründet in Cannstatt eine eigene kleine Firma, Maybach nimmt das Angebot an, dort technischer Leiter zu werden
1883-1889 Maybach entwickelt zusammen mit Daimler den schnell laufenden Benzinmotor und testet dessen Einsatzmöglichkeiten
1890 Mit der Gründung der Daimler-Motoren-Gesellschaft scheidet Maybach zunächst aus dem Unternehmen aus, betreibt aber zusammen mit Daimler eine eigene kleine Konstruktionsfirma
1895 Maybach kehrt in die Daimler-Motoren-Gesellschaft zurück
1907 Maybach verlässt die Daimler-Motoren-Gesellschaft
1909 Zusammen mit Ferdinand Graf Zeppelin gründet Maybach die Luftfahrzeug-Motorenbau GmbH in Bissingen/Enz (1912 nach Friedrichshafen verlegt); Sohn Karl wird technischer Leiter dieser Firma
Weitere Angaben zur Person: Religion: ev.
Auszeichnungen: Ernennung zum Oberbaurat (1915); Ehrendoktorwürde der Technischen Hochschule Stuttgart (1916); Grashof-Gedenkmünze des Vereins Deutscher Ingenieure (1922)
Verheiratet: 1878 (Maulbronn) Berta Wilhelmine Habermaas (1851-1931)
Eltern: Vater: Christian Carl Maybach (1813-1856), Schreinermeister aus Löwenstein
Mutter: Luise Barbara, geb. Dannwolf (1814-1854)
Geschwister: 4 Brüder
Kinder: Karl (1879-1960)
Adolf (1884-1940, vergast im Rahmen der T4-Krankenmordaktion in Grafeneck)
Emma (1892-1974)
GND-ID: GND/118579517

Biografie: Susanne Schlösser (Autor)
Aus: Württembergische Biographien 1 (2006), 172-173

Maybach hatte keinen leichten Start ins Leben. Der frühe Tod seiner Eltern ließ den Zehnjährigen und seine vier Brüdern mittellos zurück. Im Stuttgarter Anzeiger erschien deshalb ein „Aufruf an edle Menschenfreunde“ mit der Bitte, den fünf verwaisten Knaben zu helfen. Maybach wurde daraufhin von Gustav Werner in dessen Bruderhaus in Reutlingen aufgenommen. In der dazugehörigen Maschinenfabrik wurde er zum technischen Zeichner ausgebildet und hatte Gelegenheit, grundlegende technische Kenntnisse zu erwerben. Dort fand auch die für den weiteren Lebensweg von Maybach wichtige Begegnung mit Gottlieb Daimler statt, als dieser die technische Leitung der Maschinenfabrik des Bruderhauses übernahm.
In den darauffolgenden 35 Jahren arbeiteten die beiden aufs Engste zusammen. Maybach folgte dem zwölf Jahre älteren Daimler zunächst nach Karlsruhe, dann zur Gasmotorenfabrik Deutz. Der dort von Nikolaus August Otto erfundene Viertaktmotor, der von Maybach zur Serienreife gebracht wurde, war die Voraussetzung für das später von Maybach und Daimler in Cannstatt verfolgte ehrgeizige Projekt der Entwicklung eines schnell laufenden Benzinmotors, der in unterschiedliche Fahrzeuge eingebaut werden konnte. Nach jahrelangen Bemühungen gelang dies mit dem Zweizylinder V-Motor mit 1,5 PS. Maybach erkannte aber auch die Notwendigkeit eines eigens für die Motorisierung konstruierten Fahrzeugs und entwickelte mit dem „Stahlradwagen“ die Urform des Autos. Auf der Pariser Weltausstellung von 1889 konnte dieser präsentiert werden.
Da bei der Umwandlung der Daimlerschen Firma in eine Aktiengesellschaft die Stellung von Maybach nicht für beide Seiten zufriedenstellend gelöst werden konnte, schied dieser zunächst aus der Daimler-Motoren-Gesellschaft aus. Dennoch ging die Zusammenarbeit mit Daimler – wenn auch im Geheimen – weiter. Im Gartenhaus des früheren Hotels Herrmann in Cannstatt setzte Maybach seine Motorentwicklungsarbeiten fort, an deren Ende der als Phoenix-Motor bekannt gewordene Zweizylinder N-Motor mit Spritzdüsenvergaser stand. Nach seiner Rückkehr in die Daimler-Motoren-Gesellschaft verwirklichte Maybach mit einem um die Jahrhundertwende auf den Markt gebrachten Rennwagen neue und zukunftsweisende Ideen: Ein leistungsfähiges, betriebssicheres Auto mit 35 PS-Vierzylindermotor – der erste „Mercedes“, der 1901 bei den Autorennen in Nizza seine Feuerprobe bestand. Nach Daimlers Tod im Jahr 1900 und einer längeren Erkrankung im Jahr 1903 wurde die Stellung von Maybach in der Daimler-Motoren-Gesellschaft – trotz all seiner Verdienste – immer schwieriger. 1907 schied er endgültig aus der Firma aus.
Sein ältester Sohn Karl war inzwischen in die Fußstapfen von Maybach getreten. Nach einem Maschinenbaustudium war er bereits jahrelang Assistent seines Vaters bei der Daimler-Motoren-Gesellschaft gewesen und beschäftigte sich ebenfalls mit der Entwicklung von Motoren. Nach dem Zeppelinunglück von 1908 empfahl Maybach dem Grafen Zeppelin eine neue Motorkonstruktion seines Sohnes. Zeppelin ging darauf ein und gründete gemeinsam mit Vater und Sohn Maybach eine Flugmotoren-Fabrik. Diese fertigte schließlich die leistungsstarken Motoren, die der Zeppelin-Luftschifffahrt zum Durchbruch verhalfen – für alle sichtbar bei der viel beachteten Weltfahrt des Luftschiffs LZ 127 „Graf Zeppelin“ 1929, die Maybach kurz vor seinem Tod noch miterleben konnte. Nach dem Ersten Weltkrieg nahm die Maybach-Motorenbau-GmbH unter Karl Maybach als technischem Direktor auch die Produktion von hochwertigen und luxuriösen Automobilen auf und verband mit diesen bis heute untrennbar den Namen Maybach. Bis zum seinem Tod nahm der „König der Konstrukteure“ – diesen Ehrentitel hatte Maybach 1902 auf dem Automobilsalon in Paris erhalten – lebhaften Anteil an der Arbeit seines Sohnes und an der Weiterentwicklung seiner grundlegenden Erfindungen.
Quellen: Daimler-Chrysler Konzernarchiv; MTU Friedrichshafen; StadtA Heilbronn D 031 Maybach-Archiv, ZS 10996 – W. Maybach.
Nachweis: Bildnachweise: Fotos: Daimler-Chrysler Konzernarchiv; StadtA Heilbronn, Fotosammlung.

Literatur: Hubert Weckbach, König der Konstrukteure. W. Maybach, in: Heilbronner Köpfe (Kleine Schriftenreihe des Archivs der Stadt Heilbronn 42), 1998; Harry Niemann, Mythos Maybach, 5. Aufl. 2003.
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