Magdalena Scherer (Lebensdaten unklar)
von Aaron Bauer
![Urfehde der Magdalena Scherer vom 8. Februar 1526. [Quelle: Landesarchiv BW, HstAS A 44 U 4322] Urfehde der Magdalena Scherer vom 8. Februar 1526. [Quelle: Landesarchiv BW, HstAS A 44 U 4322]](/documents/10157/37206241/Urfehde_Scherer_LABW_HStAS_A_44_U_4322.jpg/0a43b256-e633-b94a-6847-f1e4de260da7?t=1758724594473)
Im Hauptstaatsarchiv Stuttgart ist unter der Signatur A 44 U 4322 eine Urfehde überliefert, die nach Ende des Bauernkriegs am 8. Februar 1526 von einer Frau, einer Stuttgarterin namens Magdalena Scherer, geschworen wurde. Über deren Lebensumstände berichtet die Urfehde nur, dass ihr Ehemann ein Stuttgarter Bürgers namens Bastian Duracher war. Mehr gibt die Urfehde über Magdalena Scherers Leben vor 1525 nicht preis.
Umso ausführlicher beschreibt die Urfehde, was sich Magdalena Scherer in den Augen der Obrigkeit im Verlauf des Jahres 1525 zuschulden kommen ließ.
Als Herzog Ulrich Anfang März Stuttgart belagerte, verhielt sich Magdalena erstmals delinquent. Die Urfehde beschreibt, dass sie etliche Frauen dazu angestachelt habe, mit ihr auf die Stuttgarter Stadtmauer zu steigen. Von dort sollen sie die Truppen Ulrichs ermutigt haben, nicht abzuziehen, da man ihnen die Stadttore öffnen würde. Trotz ihrer Bemühungen zogen die herzoglichen Truppen am 13. März von Stuttgart ab, die Belagerung endete – aus Herzog Ulrichs und Magdalenas Sicht – erfolglos.
Einen Monat später erreichte der Bauernkrieg das Herzogtum Württemberg, am 25. April rückten rund 10.000 württembergische Aufständische kampflos in Stuttgart ein, die habsburgische Statthalterregierung war nach Tübingen geflohen. Inwiefern Magdalena Scherer eine Sympathisantin der Sache der Aufständischen gewesen war, geht aus der Urfehde nicht hervor.
Allerdings soll sie, als nach der Schlacht bei Böblingen das siegreiche Bundesheer gegen Stuttgart zog, ihren Unmut über die Niederlage der Aufständischen offen zur Schau gestellt haben: Auf offener Straße soll sie sich „schier biß inn Hindern“[1] entblößt, sich auf den Hintern geklopft und dabei „Beyß mich nitt, Büntlin“[2] gerufen haben. Diese obszöne Verspottung des Schwäbischen Bundes stellt ihr zweites Vergehen dar, das ihr die Obrigkeit später zum Vorwurf machte.
Die Urfehde deutet an, dass Magdalena nach Niederschlagung des Aufstands in Württemberg vorübergehend außer Landes geflohen war. Gegen eine Zahlung von 25 Gulden wurde sie wieder in das Herzogtum eingelassen.
Im Februar 1526 schwor Magdalena Scherer schließlich Urfehde. Sie musste schwören, lebenslänglich nicht mehr ins öffentliche Badehaus zu gehen oder bei einer anderen Person zu baden, fortan keine Hochzeiten, Schenken oder Kirchweihen mehr zu besuchen, nicht mehr auf dem öffentlichen Markt, in der Brotlaube und der „Metzig“ einzukaufen, generell die Läden von Bäckern und Metzgern sowie das Waschhaus zu meiden. Außerdem sollte sie in ihrem Haus keine Besuche mehr empfangen und nur noch auf direktem Wege in die Kirche und von dort sofort wieder nach Hause gehen. Sie musste schwören, sich keinem weiteren Aufruhr anzuschließen und sich fortan gehorsam zu verhalten.
Sollte sie gegen diese Auflagen verstoßen, würde man sie ohne weiteres Rechtsverfahren ertränken. Besiegelt wurde die Urfehde von Johann Stickel und Ulrich Gabler, Bürgermeister und Richter zu Stuttgart.
Das Strafmaß, dessen Einhaltung Magdalena Scherer laut Urfehde schwor, dürfte ihre weitestgehende soziale Isolation bedeutet haben. Auch die angedrohte Ertränkung im Falle weiterer Übertretungen kommt erstaunlich grausam daher, insbesondere im Vergleich zu den gegen andere Akteurinnen des Bauernkriegs verhängten Strafen, wie Margarete Renner oder die im Amt Urach straffällig gewordene Agathe Bosch.
Anmerkungen
[1] Urfehde Magdalena Scherer.
[2] Ebd.
Quellen
- Urfehde der Agathe Bosch, Hauptstaatsarchiv Stuttgart, A 44 U 5889, URL: http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-517717 (aufgerufen am: 23.04.2025).
- Urfehde der Magdalena Scherer, Hauptstaatsarchiv Stuttgart, A 44 U 4322, URL: http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-1083839 (aufgerufen am: 23.04.2025).
Literatur
- Kobelt-Groch, Marion, Aufsässige Töchter Gottes. Frauen im Bauernkrieg und in den Täuferbewegungen, in: Geschichte und Geschlechter, Bd. 4, Frankfurt a. M./ New York 1993.
- Neumann, Franziska, Der selektive Blick. Frauen im Bauernkrieg zwischen Frauen und Geschlechtergeschichte, in: Frauen und Reformation. Handlungsfelder, Rollenmuster, Engagement, hg. von Martina Schattkowsky, Leipzig 2016, S. 153-170.
Zitierhinweis: Aaron Bauer, Magdalena Scherer (Lebensdaten unklar), in: Bauernkrieg, URL: […], Stand: 07.06.2024.

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