Bietigheim - Altgemeinde~Teilort 

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Typauswahl: Ortsteil – Historisches Ortslexikon
Typ: Teilort
Ersterwähnung: 0789

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
An einem nach Süden geneigten Abhang nahe der Einmündung der Metter liegt, von Weinbergen und Wäldern gesäumt, die alte Stadt, deren Grundriss sich dem Gelände anpasst. Zu dem reizvollen Altstadtbild tragen das schmucke Rathaus von 1507 (umgebaut 1608 mit polygonalem Erker an der Frontseite), der Ulrichsbrunnen auf dem Marktplatz von 1549, der Fräuleinbrunnen von 1557 und die mittelalterlichen Gassen bei. Rechts der Enz, der alten Stadt gegenüber, dehnen sich umfangreiche neuere Ortsteile aus. Hier sind Bietigheim und Bissingen baulich vereinigt. Zu den modernen Wohnsiedlungen der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg zählen die Wohngebiete »Buch« mit Hochhäusern (seit 1950), »Streifelbach« (1952), »Grunwiesen« (1950), »Biet« (1970), »Hinter der Kelter« (1970), »Helenenberg« (1965), »Im Feldle« (1969). Außer dem Industriegebiet in der Bahnhofsgegend bestehen seit 1950 weitere gewerbliche Niederlassungen in den Bereichen »Laiern« und »Seewiesen«.
Historische Namensformen:
  • villa Budincheim 0789
  • Bietikeim 1100 [um 1100]
  • Butencheim 1100 [12/13. Jahrhundert]
  • Butickain 1100 [12/13. Jahrhundert]
Geschichte: 789 villa Budincheim, um 1100 Bietikeim, 12./13. Jahrhundert Butencheim, Butickain und ähnlich (Personenname). Frühe Siedlung (zwei Reihengräberfriedhöfe 6./7. Jahrhundert, je einer rechts und links der Enz, außerdem an drei weiteren Stellen Hinweise auf fränkische Bestattungsplätze auf der Gemarkung Bietigheim). 789 erhielt Kloster Lorsch Besitz. Um 870 besaß Kloster Weißenburg einen Fronhof und weitere Güter sowie die Kirche. Im 12. Jahrhundert erlangte Kloster Hirsau Grundbesitz. Kloster Denkendorf erwarb 1288 den Fronhof der Grafen von Vaihingen. Reich begütert war 1313 Kloster Lorch, ebenso das Frauenkloster Pforzheim und das Stift Baden. Ortsadel Ende 11. bis 14. Jahrhundert bezeugt. Die Ortsherrschaft hatten im 13. Jahrhundert die Grafen von Vaihingen inne. Sie kam 1360 an die Grafen von Württemberg. Diese erhoben bereits vier Jahre später das Dorf zur Stadt. Kaiser Karl IV., der hierzu die Genehmigung erteilte, gestattete den Württembergern zugleich, die neue Stadt durch Mauern, Gräben und sonstige Befestigungsanlagen zu sichern, ein Hochgericht und einen Markt zu unterhalten. Bietigheim, an einer Furt, an der die von Cannstatt zum unteren Neckar und zum Rhein führende Fernstraße die Enz überquerte, besaß für Württemberg als Sperriegel gegen das badische Territorium um Besigheim und Mundelsheim eine wichtige strategische Bedeutung. Doch auch als Marktort für den Korn-, Wein- und Viehhandel kam dieser Amtsstadt an der unteren Enz neben Besigheim große Bedeutung zu. Der älteste Teil der Siedlung gruppierte sich um die etwa 1300 abgegangene Burg zwischen Stadtkirche und Schürgertor (Schieringertor) am nördlichen Stadtrand. Seit dem 15. Jahrhundert bildeten sich kleine Vorstädte. Untere (1461), Färbervorstadt vor dem Brunnentor zur Metter, Obere vor dem Haspelturm (auch Bürgerturm genannt). Türme und Wehrgänge wurden nach 1821 bis auf Reste abgetragen. 1810 wurde der Sitz des Oberamt Bietigheim nach Besigheim verlegt, seit 1938 gehört die Stadt zum Landkreis Ludwigsburg. 1635 starben 585 Einwohner an Seuchen; Stadtbrände 1707, 1718 und 1721. Vom 9.-21.4.1945 verlief die Front durch Bietigheim: Franzosen westlich der Enz, deutsche Verteidiger in der Oststadt. Zahlreiche Gebäude durch Artilleriebeschuss zerstört oder beschädigt, 85 Einwohner getötet. In Bietigheim geboren: Sebastian Hornmold (1500-1571), erster württembergischer Kirchenratsdirektor; Johannes Carion (1499-1537), bürgerlicher Name: Johannes Nägelin, brandenburgischer Hofastronom; Gustav Schönleber (1851-1917), Kunstmaler, Professor in Karlsruhe; Erwin Bälz (1849-1913), Professor der Medizin, lange in Tokio tätig, Japankenner.
Ersterwähnung als Stadt: 1364
Wirtschaft und Bevölkerung: Enzflößerei: bis 1865 staatlicher Holzgarten. Frühzeitig gewerbliche Tätigkeit. Im 18. Jahrhundert Filialbetrieb der Ludwigsburger Militärtuchfabrik (1783). 1829 Wetzstein- und Schmirgelwarenfabrik, 1856 Errichtung der Kammgarnspinnerei, seit 1855 holzverarbeitende Industrie, 1887 Glasindustrie, 1899 Gründung der Deutschen Linoleumwerke. Erste steinerne Enzbrücke 1456/61 erbaut. Wichtiger Eisenbahnknotenpunkt seit Mitte 19. Jahrhundert: 1848 Eisenbahnanschluss nach Stuttgart und Heilbronn, 1851/53 Erbauung des Enzviadukts durch Karl Etzel, 1853 Eisenbahnverbindung nach Bruchsal über Mühlacker, 1879 (bis 1945) nach Backnang. Nach 1870 und namentlich seit 1900 und 1914 entstand die umfangreiche Bahnhofvorstadt (Oststadt), seit 1936 große Arbeitersiedlung am »Forst«. Ausgedehnte Neubaugebiete nach dem Zweiten Weltkrieg.

Name: Burg Bietigheim.
Datum der Ersterwähnung: 1000 [Ende 11.-14. Jahrhundert]

Ersterwähnung: 0800 [9. Jahrhundert]
Kirche und Schule: Die Peterskirche (heute Friedhofskirche) an der Stelle eines römischen, vielleicht schon vorrömischen Heiligtums, wahrscheinlich vom Kloster Weißenburg errichtet, in dessen Besitz sie im 9. Jahrhundert war. Den Kirchensatz erwarb 1288 Kloster Denkendorf von den Grafen von Vaihingen. Später an Württemberg gelangt, wurde er von diesem 1411 dem Markgröninger Spital überlassen, das 1422 die Inkorporation der Kirche erreichte. Peterskirche als Pfarrkirche für Bietigheim erst 1496 abgelöst durch die Kirche in der Stadt (Patrozinium : Unserer lieben Frau), die bis dahin nur eine von Schultheiß und Gericht gestiftete Frühmesse gehabt hatte. Im 15./16. Jahrhundert verschiedene Kapellen erwähnt. Peterskirche in gotischer Zeit (um 1390) neu erbaut, Wandbild von 1473; Stadtkirche 1. Hälfte 15. Jahrhundert errichtet, spätgotisch, Schiff 1542/44 erweitert und Westturm anstelle des eingestürzten ehemaligen Burgturms erbaut, der bis dahin als Glocken- und Hochwachtturm gedient hatte. 3 evangelische Kirchengemeinden, und zwar Stadtkirche mit 2 Pfarreien, Friedenskirche (1954 erbaut) und Pauluskirche (1968) mit 2 Pfarreien. 1955/56 katholische Kirche von 1888 durch Neubau ersetzt. Lateinschule 1411 bezeugt, seit 1839 mit Realabteilung, 1908 nur noch Realschule.
Patrozinium: Hl. Petrus
Ersterwähnung: 0800 [9. Jahrhundert]

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