Kenzingen, Franziskaner 

Kurzbeschreibung:

1630 Gründung – 1661 Erhebung zum Konvent – 1662 Weihe der Kirche – 1806 Aufhebung

Patrozinium: Josef
Ordensgliederung: Tiroler Provinz vom Hl. Leopold
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Freiburg

Ortsbezüge:
Ordensregel:
  • Franziskaner 1630-1806
Beschreibung:

Name: Mündern brüdern zu Kentzingen (1654);1 Franciscaner kloster (1769);2 Franciscaner convent zu Kentzingen (1773);3 kloster Kentzingen des ordens St. Franziskus (1797)4

Geschichte

1327 wird erstmals eine Niederlassung der Franziskaner in Kenzingen sichtbar.5 Das kleine, von den Mendikanten wohl als Bettelstation genutzte Häuslein lag an der Stadtmauer gegenüber dem Spital in der damaligen Weingasse, der heutigen Spitalstraße. Ein Zusammenhang mit der frühneuzeitlichen Gründung besteht nicht.

1628 stellte die Stadt Kenzingen den zur Tiroler Rekollekten- bzw. Reformatenprovinz gehörenden Franziskanern ein Haus als Unterkunft zur Verfügung.6 Zwei Jahre später waren die ersten Brüder übergesiedelt. Während des Dreißigjährigen Krieges verließen die Mönche das Kloster von 1638 bis 1649.

Die Mönchsgemeinschaft erhob man am 11. Juli 1661 zum eigenständigen Konvent. Der Hauptaltar des Hl. Josef besaß das Privileg des täglichen Ablasses für die Verstorbenen. Er wurde von den Altären der Hl. Anna und der Mutter des Guten Rates sowie des Hl. Antonius von Padua und des Prager Jesuskindes eingerahmt, letzterer diente auch der 1663 gegründeten Erzbruderschaft des Hl. Franziskus.

1632 übertrug man den Kenzinger Franziskanern den Gottesdienst in Emmendingen. 1772 waren sie in über 20 vorderösterreichischen Orten aushilfsweise seelsorgerisch aktiv. Dies führte seit dem beginnenden 18. Jahrhundert immer wieder zu Konflikten mit dem Kenzinger Pfarrklerus. 1784 regelte man dies in einer eigens ausgehandelten Kirchenordnung.7

1676 flohen die meisten Brüder infolge von Kriegseinwirkungen in Konvente in der Schweiz. Der Guardian verblieb zunächst im Kloster, ehe er nach Endingen zog und in der dortigen Peterskirche den Pfarrdienst versah. Die Gründung des Klosters →Seelbach geht auf das Wirken der Kenzinger Franziskaner zurück, die auch dessen ersten Konvent stellten.

1772 erwartete man an jährlichen Einkünften an Fleisch, Gaben, Butter, Eier, Wein, Früchten, Öl, Kraut, Rüben, Holz sowie weitere Spenden im Wert von insgesamt 4.558 Gulden. 1784 kalkulierte man ein jährliches Budget in Höhe von 4.431 Gulden.8

1658/59 lebten vier Patres und neun Laienbrüder im Kloster, 1699 waren es neben dem Guardian zwölf Patres und vier Laienbrüder. Im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts wirkten hier zwischen zwölf und 17 Patres sowie kontinuierlich fünf Laienbrüder,9 wobei die Zahl bis zur Jahrhundertwende sank. Kurz vor der Aufhebung des Klosters sind 1804 zehn Patres und vier Laienbrüder nachzuweisen.

Bei der Auflösung des Klosters im Zuge der Säkularisation gab es Irritationen wegen des Verbleibs der Bibliothek, die entgegen der ursprünglichen badischen Planung 1807 in die Freiburger Universitätsbibliothek integriert wurde.10 Die verbliebenen Franziskanermönche verbrachten ihren Lebensabend im Kloster, eine Auswanderung nach Österreich wurde untersagt.11 Nachdem der letzte Pater 1831 verstorben und die verbliebenen Laienbrüder das Kloster verlassen hatten, erwarb die Stadt Kenzingen 1832 den Klosterkomplex.

Bau- und Kunstgeschichte

Lage

Auf dem Baugelände stand früher ein Hof des Klosters →Tennenbach, von dem die Annenkapelle westlich des Klostergebäudes verblieben war. Der Sturzstein ihres spätgotischen Portals mit Jahreszahl 1499 findet sich heute im Innenhof des Rathauses. Die Ausrichtung der Anlage erfolgte in Rücksicht auf die Siedlungsstruktur, indem die Klosterkirche mit der südlichen Längsseite an der Straße liegt und die Chorachse nach Südosten weist. Der Konvent schließt auf der von der Straße abgewandten Nordostseite an und das weite Gartengelände erstreckte sich bis an die Stadtmauer.

Kirche und Konventsbauten

1657 war der Baubeginn zum Konventsgebäude, das im Jahr darauf bezogen werden konnte. Daran schloss sich der Bau der Kirche an mit der Grundsteinlegung 1659 und der Weihe 1662. Baumeister war Ruffin Laxner und Bauführer Vitus Rastpichler, beides Ordensangehörige. Das Kloster →Ettenheimmünster stellte das benötigte Bauholz zur Verfügung und überließ das beim Abbruch der Nikolauskapelle im abgegangenen Dorf Nidingen südwestlich der Stadt anfallende Baumaterial. Für Werksteinarbeiten fand Buntsandstein aus Vorkommen der Vorbergzone Verwendung.

Die Klosterkirche setzt sich aus einem breiten, einschiffigen Langhaus und einem eingezogenen Chor mit geradem Abschluss zusammen. Das hohe Portal an der Westseite aus seitlichen Pilastern und Rundbogen trägt im Scheitel das Franziskanersymbol mit sich kreuzenden Armen von Christus und Franziskus unter dem Kreuz. Das kleinere südliche Seitenportal wiederholt die Formgebung und zeigt die fünf Wunden Jesu im Scheitel. Langhaus und Chorraum besitzen gleichermaßen eine Tonnenwölbung mit seitlichen Stichkappen. Statt außenliegender Strebepfeiler wirkt die große Mauerstärke dem Gewölbeschub entgegen. Den Gewölben ist jeweils ein Rippensystem aus kantigen Graten zwischen flachen Kehlen aus Stuck aufgetragen. Die Figuration eines Netzgewölbes basiert auf der Verlängerung der Stichkappenkanten, die von Rippen der Gegenseite aufgenommen werden.

Der Konvent nördlich der Kirche bildet ein Geviert um einen Innenhof und umfasst drei Geschosse. Ein umlaufender Gang öffnet sich mit Rundbogenarkaden zum Hof. Vermutlich geht auch ein nach Westen ausgreifender Flügel mit Wirtschaftsräumen auf die Bauzeit zurück. Er steht in Verlängerung des schmalen Flügels entlang der Kirche und schiebt sich vor die Westgiebelwand der Kirche.

Nach Übergang der Klosterbauten an die Stadt 1832 dienten sie der Unterbringung verschiedener kommunaler Einrichtungen, wie ein Spital, Schulräume und ein Kindergarten. Die Annenkapelle wurde abgetragen.

1890 zog man eine Trennwand unter dem Chorbogen ein, um zwei separate Kirchenräume zu schaffen. Das Langhaus dient seither als evangelische Kirche, wo zwischen den belassenen Seitenaltären ein Kanzelaltar vor der Trennwand Aufstellung fand. Der Einbau einer Empore erforderte die Verkleinerung des Westportals. Im Chorraum der Klosterkirche mit dem Hauptaltar richtete man die katholische Krankenhauskapelle ein. Dazu war ein neuer Außenzugang an der Südseite und im Inneren eine Empore für die Ordensschwestern erforderlich.

Ab 1898 stand das Gebäudeensemble dem Krankenhaus zur Verfügung. Im selben Jahr setzte man dem Langhaus einen hohen Dachturm zur Aufnahme dreier Glocken auf. Das Jahr 1927 brachte die Vergrößerung des nach Westen ausgreifenden Flügels zu einer Hakenform, die Schaffung einer neuen Eingangssituation mit überwölbtem Vorplatz und Pförtnerloge, sowie ein weiteres Portal in gestalterischer Anlehnung an die Kirchenportale mit dem Stadtwappen im Scheitel. 1944 wurde die frühere Klosteranlage durch Bomben beschädigt. Bei einer Renovierung des evangelischen Kirchenraums 1961 trat ein neuer Altartisch an die Stelle des Kanzelaltars, während die beiden Seitenaltäre an die Längsseiten rückten. Nach Schließung des Krankenhauses eröffnete 1985 ein Pflegeheim in den Konventsflügeln. Seit 1996 trägt das Langhaus eine Nachbildung des hohen Dachturms.

Materielle Kulturgeschichte, Bauausstattung

Ältestes Ausstattungsstück im evangelischen Kirchenraum ist ein Kruzifix, das in die Zeit um 1600 datiert wird und als Geschenk von Großherzogin Luise hierhergekommen ist. Die beiden Seitenaltäre aus der Klosterzeit stehen an den Längsseiten und sind ohne Altartisch. Jener an der Südwand trägt Antonius von Padua im Hauptbild. Das Monogramm dürfte den Tiroler Künstler Franz Sebald Unterperger nennen. Das Kopfbild zeigt den Ordensgründer Franz von Assisi. Das Hauptbild des Seitenaltars an der Nordwand hat die lesende Maria im Kreis ihrer Eltern Anna und Joachim zum Motiv. Es wird der Brixner Werkstatt von Stephan Kessler zugeschrieben und in die Bauzeit datiert. Im Kopfbild erscheint Nikolaus von Myra, mit dem vermutlich das Patrozinium der Nikolauskapelle, von dem das Baumaterial genommen wurde, fortbesteht. Entwurf und Ausführung der Neugestaltung des Deckengewölbes von 1993/94 als »Himmelswiese« gehen auf Restaurator Bernd Baldszuhn, Offenburg, zurück, inspiriert durch eine Gewölbemalerei im Kloster Heiligkreuztal in Oberschwaben aus dem 16. Jahrhundert.

In der Spitalkapelle steht der klosterzeitliche Hauptaltar mit einem sehr viel später entstandenen Altarbild von Emil Weis mit Jesus, der die Kranken heilt. Zu beiden Seiten stehen Figuren des Franz von Assisi und des Hl. Bonaventura, laut Inschrift 1759 entstanden und mit Monogramm ISB, das bisher nicht entschlüsselt werden konnte. Mariensymbole zieren das Deckengewölbe in den zentralen Rautenfeldern.

Bibliographie

Quellen: Greiderer 1781.

Handbücher und Lexika: KB Emmendingen Bd. 2,1, S. 453 (Jürgen Treffeisen); KDM Bd. 6,1, S. 44 f., 69 (Franz Xaver Kraus); kloester-bw, Franziskanerkloster Kenzingen (Christian Plath).

Literatur: Heil 1999; Heil/Weber 2010/11.

Anmerkungen

  • 1 GLA 208 Nr. 560.
  • 2 GLA 208 Nr. 393.
  • 3 Ebd.
  • 4 Ebd.
  • 5 Nennung der Franziskaner: GLA 66 Nr. 9984, fol. 1, 75 v; GLA 20 Nr. 1210; StadtA FR B 4 Nr. 16, fol. 114.
  • 6 Chronikal überliefert bei Greiderer 1781 II, S. 79 f., 8 6-88.
  • 7 Transkription der Quelle bei Heil 1993, S. 2 0-22.
  • 8 GLA 208 Nr. 393.
  • 9 Heil 1993, S. 29; GLA 208 Nr. 393, 555.
  • 10 GLA 208 Nr. 40.
  • 11 GLA 208 Nr. 585
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Jürgen Treffeisen [Autor]
  • Stefan King [Autor]
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