Konstanz

von Wolfgang Zimmermann

Konstanz, Vogelschau der Stadt von Süden, Kupferstich, 1733: 1 Domkirche; 2 Dominikanerinnen Zoffingen; 3 Dominikanerinnen St. Peter an der Fahr; 4 Benediktiner Petershausen; 5 Deutscher Orden Mainau; 6 Dominikaner; 7 Jesuiten; 8 Kollegiatstift St. Johann; 9 Kollegiatstift St. Stephan; 10 Franziskaner; 11 Kapuziner; 12 Augustineremiten. [Quelle: Landesarchiv BW, GLAK Bib. Cw 9453]
Konstanz, Vogelschau der Stadt von Süden, Kupferstich, 1733: 1 Domkirche; 2 Dominikanerinnen Zoffingen; 3 Dominikanerinnen St. Peter an der Fahr; 4 Benediktiner Petershausen; 5 Deutscher Orden Mainau; 6 Dominikaner; 7 Jesuiten; 8 Kollegiatstift St. Johann; 9 Kollegiatstift St. Stephan; 10 Franziskaner; 11 Kapuziner; 12 Augustineremiten. [Quelle: Landesarchiv BW, GLAK Bib. Cw 9453]. Ausschnitt, zum Vergrößern bitte klicken.

Den Mittelpunkt der Konstanzer Sakraltopographie bildete seit dem frühen Mittelalter das Münster als Kirche des Bischofs. Entweder von Windisch an der Aare an den Bodensee verlegt oder im späten 6. Jahrhundert hier neu gegründet, lässt sich das Bistum seit dem frühen 7. Jahrhundert in den Quellen greifen. Die Bischofskirche (1) liegt auf einem Hügel über dem See im Bereich der Ruinen des spätantiken römischen Kastellorts Constantia. Zeitgleich mit dem Münster wird auch die nahe gelegene Kirche St. Stephan (2) erstmals genannt. An der Wende zum 9. Jahrhundert ist eine Gruppe von Kanonikern als Vorstufe des späteren Domkapitels im Umfeld des Bischofs belegt. Bischof Salomo III. (890–919) begründete zudem an St. Stephan ein zweites Kanonikerstift, das seine Wurzeln in Salmsach, im Thurgau zwischen Arbon und Romanshorn gelegen, hatte.

Lageplan Konstanz: 1 Domstift, 2 Kollegiatstift St. Stephan, 3 Kollegiatstift St. Mauritius, 4 Kollegiatstift St. Johann, 5 Benediktinerabtei Petershausen, 6 Schottenkloster St. Jakob, 7 Antoniter, 8 Dominikaner, 9 Franziskaner, 10 Augustinereremiten, 11 Klarissen »Paradies«, 12 Schwesternsammlung »an der Brücke«, 13 Schwesternsammlung »von Au«, 14 Schwesternsammlung »an der Predigerbrücke«, 15 Schwesternsammlung »an der Ecke«, 16 Schwesternsammlung »in der Amelungsgasse«, 17 Schwesternsammlung »beim Haus der Muntprats«, 18 Schwesternsammlung »auf Blatten«, 19 Schwesternsammlung »in der Rossgasse«, 20 Schwesternsammlung »im Steinhaus«, 21 Schwesternsammlung »in der Witten gasse«, 22 Schwesternsammlung »im Turm«, 23 Klause bei St. Paul, 24 Mäntellerinnenhaus, 25 Bruderhaus, 26 Dominikanerinnen St. Peter an der Fahr, 27 Dominikanerinnen Zoffingen, 28 Jesuiten, 29 Kapuziner. [Quelle: Liegenschaftskataster: Geobasisdaten des LGL Baden-Württemberg Stand 2016, Entwurf: Matthias Untermann, Zeichnung: Heribert Feldhaus]
Lageplan Konstanz (kursiv: nicht oder nicht genau lokalisierbar): 1 Domstift; 2 Kollegiatstift St. Stephan; 3 Kollegiatstift St. Mauritius; 4 Kollegiatstift St. Johann, 5 Benediktinerabtei Petershausen; 6 Schottenkloster St. Jakob; 7 Antoniter; 8 Dominikaner; 9 Franziskaner; 10 Augustinereremiten; 11 Klarissen »Paradies«; 12 Schwesternsammlung »an der Brücke«; 13 Schwesternsammlung »von Au«; 14 Schwesternsammlung »an der Predigerbrücke«; 15 Schwesternsammlung »an der Egge«; 16 Schwesternsammlung »in der Amelungsgasse«; 17 Schwesternsammlung »beim Haus der Muntprats«; 18 Schwesternsammlung »auf Blatten«; 19 Schwesternsammlung »am Tulenbrunnen«; 20 Schwesternsammlung »im Steinhaus«; 21 Schwesternsammlung »in der Wittengasse«; 22 Schwesternsammlung »im Turm«; 23 Klause bei St. Paul; 24 Mäntellerinnenhaus (Standort I, II und III); 25 Bruderhaus/ Franziskanerterziarinnen »im Bruderhaus«; 26 Dominikanerinnen St. Peter an der Fahr; 27 Dominikanerinnen Zoffingen, 28 Jesuiten; 29 Kapuziner (Standort I, II und III). [Quelle: Liegenschaftskataster: Geobasisdaten des LGL Baden-Württemberg Stand 2016, Entwurf: Matthias Untermann, Zeichnung: Heribert Feldhaus]. Zum Vergrößern bitte klicken.

Der später heiliggesprochene Bischof Konrad (934-975) aus dem Geschlecht der Welfen verwandelte mit einer zielgerichteten Baupolitik die Stadt Konstanz in ein »zweites Rom«. Der Bau der Mauritiusrotunde, der ein Kanonikerstift (3) angeschlossen war, war mit Sicherheit durch die beiden Pilgerreisen des Bischofs nach Jerusalem inspiriert, befand sich doch in der Mitte des Rundbaus, der an den Kreuzgang des Münsters anschloss, eine Nachbildung des Heiligen Grabes. Mit der Gründung von St. Johann (4) in der Niederburg, 1268 nach dem Vorbild von St. Stephan zum Kollegiatstift erhoben, von St. Paul und St. Lorenz errichtete der Bischof drei Kirchen, die durch ihre Patrozinien sowie durch die Lage in der städtischen Topgraphie an ihre Vorbilder, die Hauptkirchen der Ewigen Stadt erinnerten. Bischof Gebhard II. (979–995) vollendete dieses Raumgefüge, indem er auf der rechten Seite des Seerheins kurz vor 993 eine Benediktinerabtei (5) gründete, die als Reliquie das Haupt des heiligen Papstes Gregor des Großen erhielt. Durch die charakteristische Lage »jenseits des Flusses« sowie die außergewöhnliche Ausrichtung nach Westen bildete die Klosterkirche Charakteristika von Alt-St. Peter in Rom nach. Dies wurde bereits von den Zeitgenossen erkannt, die das Kloster »Petershausen« nannten.

Konstanz um 1575. [Quelle: Landesarchiv BW, GLAK J-B Konstaz 5]
Konstanz um 1575. [Quelle: Landesarchiv BW, GLAK J-B Konstaz 5]

Vermutlich 1142 entstand das Schottenkloster St. Jakob nordwestlich der Stadtmauer (6). Mit dem Anwachsen der Bürgerstadt im Hochmittelalter differenzierte sich die Sakraltopographie weiter aus. Platz für Neubauten fand sich nur noch unmittelbar an den Stadtmauern. Die Antoniter (7) errichteten um 1215 ihr Haus, das der Versorgung von Kranken und Reisenden diente, am wichtigen Ausgang der Stadt vom zentralen Obermarkt nach Westen. Die Dominikaner (8) erhielten 1236 von Bischof Heinrich I. von Tanne (1233–1248) und dem Domkapitel die östlich unterhalb der Bischofskirche gelegene Insel als Platz für ihr Kloster. Seit 1240 lebten Franziskaner (9) in der Stadt, die 1253 ihr Kloster in die Nähe der Stiftskirche St. Stephan, unmittelbar an die westliche Stadtmauer angrenzend, verlegten. Als dritter Bettelorden errichteten die Augustinereremiten 1268 ihr Kloster (10) an der Mordergasse (heute Rosgartenstraße); es grenzte an die gegen die Vorstadt Stadelhofen gelegene »innere« Stadtmauer, der Baugrund war durch die Nähe zum Seeufer schwierig. Auswärtige Abteien errichteten Stadthöfe, die zum Teil mit Kapellen ausgestattet waren, wie etwa Salem, Allerheiligen in Schaffhausen, Marchtal oder St. Blasien.

Seit der Mitte des 13. Jahrhunderts lassen sich zudem Gemeinschaften religiöser Frauen in der Stadt nachweisen, die neue Formen einer weiblichen Vita communis entwickelten, sich zum Teil aber schon nach wenigen Jahren neue Standorte suchten (11–13) oder nur in wenigen Quellenbelegen genannt sind (14–20). Zahlreiche Gemeinschaften waren mit den städtischen Konventen der Bettelorden verbunden: die Schwestern in der Wittengasse (21, nach 1240–1537), die Sammlung »im Turm« (22, vor 1340 – nach 1527) und die Klause bei St. Paul (23, vor 1426/40 – vor 1519) mit den Franziskanern, das Mäntellerinnehaus (24, um 1350 – nach 1547) mit den Augustinereremiten. Die Brüdergemeinschaft (Bruderhaus) widmete sich der Krankenpflege (25, vor 1377–1522, danach bis 1527 Schwesternsammlung). Die ebenfalls in der Mitte des 13. Jahrhunderts erstmals belegten Frauenkonvente Zoffingen (26) und St. Peter an der Fahr (27), die beide von den Dominikanern seelsorgerlich betreut wurden, übernahmen die Augustinusregel, blieben aber unter der Jurisdiktion des Bischofs von Konstanz. Die in enger Nachbarschaft zueinander gelegenen Klosteranlagen bildeten in der Frühneuzeit die einzigen Frauenkonvente in der Bischofsstadt. Während des Konstanzer Konzils (1414–1418) waren zahlreiche Klöster wichtig als Herbergen für die Teilnehmer und als Tagungsorte.

Mit der Durchsetzung der reichstädtischen Reformation in den 1520er Jahren war eine schrittweise Kommunalisierung des Kirchenwesens verbunden. 1525 verbot der Rat den Konventen die Aufnahme von Novizen. Mönche, die aus den Klöstern austreten wollten, wurden vom Rat aus dem Klostervermögen »ausgesteuert«. Widerstand gegen die Politik des Rats kam lediglich aus dem Dominikanerkonvent und – basierend auf ihrer reichsfreien Stellung – von der Benediktinerabtei Petershausen. Im Oktober 1526 zog sich Bischof Hugo von Hohenlandenberg (1496–1530, 1531–1532) aus der Bischofsstadt nach Meersburg zurück, hoher und niederer Klerus folgten in den nächsten Monaten. Die Feier der Messe wurde den Klöstern 1528 untersagt. Die Predigermönche, zeitweilig vom Rat im Kloster inhaftiert, flohen 1530 aus der Stadt. Lediglich die beiden Konvente der Dominikanerinnen (Zoffingen, St. Peter an der Fahr) existierten als »reformierte Frauengemeinschaften« in Konstanz fort. Das Vermögen der Klöster zog der Rat, soweit er darauf zugreifen konnte, ein.

Im »Bildersturm« 1528/29 ließ der Rat in sämtlichen Kirchen die Gemälde, Skulpturen und Altäre entfernen, die liturgischen Geräte wurden eingeschmolzen, die Skulpturen, die »Götzen«, wurden als Fundament in den Befestigungsanlagen in Petershausen eingemauert. Von wenigen Einzelstücken abgesehen, verlor die Bischofsstadt ihre mittelalterliche Sakralkunst.

Mit dem Verlust der Reichsfreiheit und dem Übergang der Herrschaft über Konstanz an Österreich im Oktober 1548 war die Rekatholisierung der Stadt verbunden, die Weltklerus und Ordensgeistlichkeiten die Möglichkeit zur Rückkehr eröffnete. Die Restitution der Stifte und Klöster war mit relativ geringen Ausgleichszahlungen verbunden, die der Rat für die Verluste der Reformationszeit an die Gemeinschaften zu entrichten hatte. Mit der Wiederbesiedlung des Dominikanerinnenklosters St. Peter an der Fahr 1574–77 fand dieser Prozess seinen Abschluss. Lediglich das Schottenkloster und die drei Konvente der Franziskanerterziarinnen konnten nicht an ihre spätmittelalterliche Tradition anknüpfen. Nach heftigen Auseinandersetzungen mit Österreich als neuem Stadtherrn verlegte Bischof Christoph Metzler (1548–1561) 1551 seine Residenz dauerhaft nach Meersburg. Jesuiten und Kapuziner, die Reformorden der katholischen Konfessionalisierung, ließen sich an der Wende zum 17. Jahrhundert in Konstanz nieder. Der Gründung des Jesuitenkollegs (28) in unmittelbarer Nähe zur Bischofskirche in den Jahren 1592/1604 gingen jahrzehntelange Auseinandersetzungen mit dem städtischen Rat voraus, der dies aus Rücksicht auf den konfessionellen Frieden in der Stadt zu verhindern versucht hatte. Die Kapuziner besaßen seit 1603 ein Kloster (29) in der Stadt, das zwei Mal seinen Standort im Lauf des 17. Jahrhunderts wechseln musste.

Der Aufschwung der Klöster in der Barockzeit war auch mit einem Bedeutungsgewinn einzelner Konvente verbunden: Das Kapuzinerkloster war seit 1668 Zentrum der neugegründeten Vorderösterreichischen Provinz, wie auch die Oberdeutsche (Straßburger) Minoritenprovinz seit der Mitte des 16. Jahrhunderts ihren Sitz im Konstanzer Franziskanerkloster hatte. Zeitweise galt dies nach dem Dreißigjährigen Krieg auch für die Augustinereremiten. Die päpstliche Aufhebung des Jesuitenordens 1773, die auch das Konstanzer Kolleg betraf, leitete das Zeitalter der Säkularisation ein. Die josephinischen Klosterauflösungen erfassten auch Konstanz, führten aber nur beim Dominikanerinnenkloster St. Peter an der Fahr zur Aufhebung. Die weiteren Stifte und Klöster wurden nach dem Übergang der Landesherrschaft an Baden 1805/06 schnell säkularisiert. Lediglich das Dominikanerinnenkloster Zoffingen war als »Lehrinstitut« davon ausgenommen und besteht bis in die Gegenwart. Mit der formellen Auflösung des Bistums Konstanz durch Rom fand 1821 auch das Konstanzer Domkapitel sein Ende.

Zitierhinweis: Wolfgang Zimmermann, Konstanz, in: Badisches Klosterbuch, URL: […], Stand: 31.03.2025.

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