Villingen

von Jürgen Dendorfer

Villingen, Stadtansicht auf einer Karte der Belagerung von 1632/33 (Ausschnitt), kolorierte Federzeichnung, 1633. [Quelle: Landesarchiv BW, GLAK J-E V 1]
Villingen, Stadtansicht auf einer Karte der Belagerung von 1632/33 (Ausschnitt), kolorierte Federzeichnung, 1633. [Quelle: Landesarchiv BW, GLAK J-E V 1]. Zum Vergrößern bitte klicken.

Obwohl Villingen bereits im Jahr 817 erwähnt wird, bleibt seine frühmittelalterliche Geschichte weitgehend im Dunkeln. Erst im 12. Jahrhundert scheinen die Zähringerherzöge auf der Grundlage älterer Besitzrechte vor Ort auf Vogteigut der Klöster St. Peter bzw. St. Georgen im Brigachbogen eine neue Siedlung errichtet zu haben. Im Laufe des 12. Jahrhunderts wurde diese zur Stadt. Nach dem Tod Herzog Bertolds V. 1218 ging Villingen an König Friedrich II. (1212–1250) über und wurde damit zur Reichsstadt, was sie bis zum Ende des Alten Reiches 1806 auch nominell blieb. Allerdings okkupierten um 1251/53 zunächst die Grafen von Fürstenberg die Stadtherrschaft, die sie erst 1282/83 als ewiges Reichslehen erhielten. Dieser Status blieb auch nach dem Verkauf der Stadt 1326 an die Herzöge von Österreich bestehen. Villingen war damit de facto eine habsburgische Landstadt, der in Vorderösterreich als wichtigster Stadt auf der Baar eine gewisse Bedeutung zukam.

Lageplan Villingen: (nur unterstrichene lokalisierbar): <u>1 Johanniter</u>; <u>2 Franziskaner</u>; <u>3 Antoniter</u>; <u>4 Benediktiner St. Georgen</u>; <u>5 Kapuziner</u>; <u>6 Klarissen »Bickentorsammlung«</u>; 7 Franziskanerterziarinnen St. German; <u>8 Dominikanerinnen »Kürnecker Sammlung«</u>; <u>9 Schwesternsammlung »Vettersammlung«</u>; 10 Schwesternsammlung »zur Nikolauskapelle«; 11 Schwesternsammlung »neue Klause bei der St. Nikolaus­Kapelle«; 12 Schwesternsammlung in der »villa Villingen«; <u>13 Schwesternsammlung »zu Waldhausen«</u>; <u>14 Ursulinen</u>. [Quelle: Liegenschaftskataster: Geobasisdaten des LGL Baden-Württemberg Stand 2016, Entwurf: Matthias Untermann, Zeichnung: Heribert Feldhaus]
Lageplan Villingen: 1 Johanniter; 2 Franziskaner; 3 Antoniter; 4 Benediktiner St. Georgen; 5 Kapuziner; 6 Klarissen »Bickentorsammlung«; 7 Franziskanerterziarinnen St. German; 8 Dominikanerinnen »Kürnecker Sammlung«; 9 Schwesternsammlung »Vettersammlung«; 10 Schwesternsammlung »zur Nikolauskapelle«; 11 Schwesternsammlung »neue Klause bei der St. Nikolaus­kapelle«; 12 Schwesternsammlung in der »villa Villingen«; 13 Schwesternsammlung »zu Waldhausen«; 14 Ursulinen. [Quelle: Liegenschaftskataster: Geobasisdaten des LGL Baden-Württemberg Stand 2016, Entwurf: Matthias Untermann, Zeichnung: Heribert Feldhaus]. Zum Vergrößern bitte klicken.

Neben dem sog. »Münster«, das schon in zähringischer Zeit einen Vorläufer besaß, sind bis 1218 keine geistlichen Einrichtungen in Villingen nachweisbar. Erst unter der Stadtherrschaft der Fürstenberger entstanden die ersten Klöster. Zuerst 1253 die Johanniterkommende (1), dann wenig später 1267/68 das wichtige Franziskanerkloster (2). Daneben ist um 1340 noch ein Antoniterhaus belegt (3). Eine Merkwürdigkeit stellt die Übersiedlung des Benediktinerklosters St. Georgen (4) in Folge der Reformation nach Villingen dar. Die Mönche zogen 1536 aus ihrem nahegelegenen, aber nun im Württembergischen liegenden Kloster in die katholisch gebliebene Stadt und zwar in die Räume ihres vormaligen Pfleghofs, vom dem ausgehend sie ein neues Kloster errichteten. Dass im katholischen Villingen 1655 ein Kapuzinerkloster (5) entstand, versteht sich dagegen fast von selbst.

Villingen von Süden, Grafik von Wilhelm Nilson nach einer Zeichnung von Johann Rudolf Follenweider, erste Hälfte 19. Jh. [Quelle: Landesarchiv BW, GLAK J-B Villingen 1]
Villingen von Süden, Grafik von Wilhelm Nilson nach einer Zeichnung von Johann Rudolf Follenweider, erste Hälfte 19. Jh. [Quelle: Landesarchiv BW, GLAK J-B Villingen 1]

Eine Besonderheit Villingens machen die vergleichsweise früh belegten und teilweise über eine außerordentliche Kontinuität verfügenden Schwesternsammlungen aus. An der Spitze steht jene zuerst um 1305 am Bickentor erwähnte Sammlung von Schwestern (6), die bis 1480 unter der Dritten Regel des Hl. Franziskus lebte und dann zum streng klausurierten Klarissenkloster wurde. Als Franziskanerterziarinnen lebten auch Schwestern zu St. German in Waldhausen (7). Unter dominikanischer Obhut standen dagegen die Sammlung beim Oberen Tor, bzw. Kürnecker Sammlung (8), vor allem aber die »Vettersammlung« (9), in der die Kürnecker Sammlung aufging. Daneben gab es seit 1236 eine Reihe von kleineren, mitunter nur vereinzelt nachweisbaren Gemeinschaften (10–13).

Neben den in der Stadt selbst ansässigen religiösen Frauen- und Männergemeinschaften unterhielten eine Reihe von auswärtigen Klöstern Höfe bzw. Häuser in der Stadt: die Zisterzen Salem und Tennenbach, die Benediktinerabteien St. Blasien und St. Georgen, die Rottweiler Dominikaner, die die curia monialium für zwei Frauenklöster vor Ort ausübten, und – erstaunlicherweise – auch das das weit entfernte Dominikanerinnenkloster St. Katharinental bei Diessenhofen, das sich beim Villinger Stadtadel einer besonderen Beliebtheit erfreute.

Das Ende für die meisten Klöster im vorderösterreichischen Villingen kam durch die Josephinischen Reformen (seit 1782). Das Schicksal des letzten verbleibenden Klosters St. Georgen, war mit dem Übergang an Baden und der damit verbundenen Säkularisation besiegelt. Allein am Bickentor bestand eine Frauengemeinschaft fort, die aus Klarissen und Dominikanerinnen (»Vettersammlung«) gebildet wurde und unter der Leitung von Ursulinen (14) als Kloster und Lehrinstitut bis ins 21. Jahrhundert wirkte.

Zitierhinweis: Jürgen Dendorfer, Villingen, in: Badisches Klosterbuch, URL: […], Stand: 31.03.2025.

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