Konstanz, Benediktiner Petershausen
| Kurzbeschreibung: | 983 Gründung – vor 1159 Doppelkloster – 1529 Auszug des Abtes aus der reformierten Reichsstadt nach Überlingen – 1556 Rückkehr nach Petershausen – 1581/97 Inkorporation der Benediktinerabtei St. Georgen in Stein am Rhein – 1802 Aufhebung – 1831 Abbruch der Klosterkirche Patrozinium: Gregor der GroßeOrdensgliederung: 1603 Oberschwäbische BenediktinerkongregationKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, kein Landkapitel |
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| Beschreibung: | Name: monasterium sancti Gregorii (994);1 monasterium sancti Gregorii pape, quod dicitur domus Petri (Mitte 12. Jh.);2 abbatia Petrishusensis (1155);3 imperiale monasterium Petrusianum, vulgo Petershausen juxta Constantiam (1715)4 GeschichteHistorische EntwicklungDie Gründung des Klosters Petershausen ist das Werk Bischof Gebhards II. (979–995) von Konstanz; die Wunder, die er dabei vollbracht haben soll, waren das wichtigste Argument für seine Heiligsprechung 1134.5 Petershausen liegt am Nordufer des Rheins unmittelbar gegenüber dem Stadtkern von Konstanz. Den Baugrund ertauschte Gebhard von der Abtei →Reichenau, der damals die gesamte südliche Bodanrückhalbinsel gehörte. Damit griff der Bischofssitz erstmals auf das nördliche Rheinufer aus, und die Bischöfe gewannen die vollständige Kontrolle über den verkehrswichtigen Rheinübergang. 983 erfolgten die Grundsteinlegung für die Klosterkirche und die Weihe einer Michaelskapelle. Dann suchte Gebhard zwölf geeignete Mönche aus, die nach der Benediktsregel leben sollten. 989 bestätigte Papst Johannes XV. (985–996) die Gründung, und er schenkte Gebhard das Haupt Papst Gregors des Großen. Mit der Weihe der Gregorsbasilika als Klosterkirche am 28. Oktober 992 und der Berufung des Mönchs Pericher aus Einsiedeln zum Abt kam die Gründung zum Abschluss.6 Mit Petershausen vollendete Gebhard das Kirchenbauprogramm, das sein Vorgänger Konrad angestoßen hatte: Die Patrozinien der Konstanzer Kirchen sollten denen der römischen Hauptkirchen entsprechen. In Rom steht jenseits des Tibers der Petersdom; darum setzte sich für das Konstanzer Gregorskloster jenseits des Rheins sofort der Name »Petri domus« oder deutsch »Petershausen« durch. Da die Mittel der Bischofskirche begrenzt waren, wandte Gebhard sein Familienerbe für die Errichtung Petershausens auf, weshalb er das Kloster zugleich als Memorialstiftung für sich und seine Eltern verstand; nach seinem Tod am 27. August 995 wurde er nicht in seiner Domkirche, sondern in der Krypta der Petershauser Klosterkirche bestattet. Auch die wesentlichen Außenbeziehungen des Klosters waren durch Gebhard bestimmt worden: Er übergab dem Kloster seine Ministerialen und erteilte ihnen ein Dienstrecht; den Eigenleuten im Dorf Petershausen gab er ein Hofrecht, mit dem er ihnen den Todfall erließ und das Fischen und den Fährbetrieb gestattete, um das Fehlen einer Allmende auszugleichen.7 Gebhards persönlicher Einsatz und Aufwand bewirkten, dass seine Familie die Vogtei über Petershausen behielt und zusammen mit ihrem adeligen Verwandtschaftskreis dem Kloster als Begräbnis- und Memorialort stark verbunden blieb, so dass es im 11. Jahrhundert eher als Adelskloster denn als bischöfliches Eigenkloster betrachtet werden kann.8 Gleichwohl beaufsichtigten die Bischöfe die Gütergeschäfte des Klosters und setzten die Äbte ein. Gebhard und seine Nachfolger wünschten ein strenges benediktinisches Leben in Petershausen, weshalb sie die Äbte bevorzugt aus dem Konvent von Einsiedeln bestellten.9 Daraus erwuchs ein Konflikt, weil die Abtei dem Einfluss der Bischöfe zu entkommen suchte. Unstimmigkeiten zwischen Abt Meginrad und Bischof Otto I. (1071–1080) endeten mit dem Rücktritt des Abts im Jahr 1080/81. Dem Bischof Gebhard III. (1084–1110) war Petershausen wieder eng verpflichtet: Als ehemaliger Hirsauer Mönch und Kopf der gregorianischen Partei in Schwaben setzte er in Petershausen eine Klosterreform nach Hirsauer Vorbild durch, was Abt Lutold und Schulmeister Rupert zum Weggang ins Kloster →Reichenau veranlasste. Dann berief Gebhard den Hirsauer Mönch Theoderich zum Abt (1086–1116), einen Sohn des Grafen Kuno von Achalm und energischen Reformer. Die Hirsauer Reform ermöglichte ihm auch die Angliederung eines Frauenkonvents, womit Petershausen ein Doppelkloster wurde, eine geistliche Lebensform, die in der Petershauser Chronik ausdrücklich begrüßt wurde.10 Im Zuge der Reform gründete beziehungsweise erneuerte Theoderich von Petershausen aus weitere Klöster, so dass von einer Petershausener Gruppe innerhalb der Hirsauer Reform gesprochen wurde.11 Um 1092 stellte Theoderich den Baugrund für Kloster Mehrerau bei Bregenz zur Verfügung und unterstützte den Bau finanziell. Die Vertreibung Bischof Gebhards durch den kaiserlichen Gegenbischof Arnold von Heiligenberg 1103 zwang auch Abt Theoderich ins Exil; er fand Zuflucht in der Oberpfalz, wo er, unterstützt von regionalen Adeligen, mit zwölf Petershauser Mönchen das Kloster Kastl gründete. Kaum war Theoderich nach Petershausen zurückgekehrt, schickte er 1105/06 auf Bitten des Grafen Hartmann von Dillingen Petershauser Mönche ins Kloster Neresheim im Härtsfeld. Wohl ebenfalls 1105 unterstellte Bischof Gebhard die Zelle Wagenhausen unter Petershausen, weil ein Streit zwischen dem Stifter und dem Kloster Allerheiligen ihren Bestand bedrohte. Zu einem unbestimmten Zeitpunkt entsandte Bischof Gebhard den Petershauser Mönch Kuno als Abt nach Rheinau; um die Mitte des 12. Jahrhunderts wirkten Petershauser Mönche als Äbte in Fischingen.12 Diese Aufbauarbeit strapazierte Petershausen materiell und personell zum Vorteil der jeweiligen Eigenklosterherren und des Bischofs, ohne dass es einen längerfristigen eigenen Nutzen davon gehabt hätte. Unter Abt Konrad I. (1127–1164) gab es erste wirtschaftliche Schwierigkeiten, verschärft durch die weitgehende Zerstörung des Klosters durch ein Feuer am 2. Juni 1159. Allerdings erfuhr das Kloster nach dem Brand Zuwendungen, darunter von Kaiser Friedrich I. (1152–1190) und Herzog Heinrich dem Löwen (1142–1180). Die Staufer besaßen ein strategisches Interesse an Petershausen: Im 12. Jahrhundert konnte das Kloster sein Recht der freien Abtwahl gegenüber den Bischöfen durchsetzen, blieb aber, wie Papst Eugen III. (1145–1153) 1147 und Kaiser Friedrich I. 1155 bestätigten, ein bischöfliches Eigenkloster.13 In den 1160er Jahren begannen die Staufer, am Bodensee ein geschlossenes Territorium aufzubauen, worin sie Petershausen als Reichskloster einfügten: Nach einem ersten Vorstoß Herzog Friedrichs VI. (1170–1191) stellte König Friedrich II. (1212–1250) 1214 das Kloster Petershausen unter königlichen Schutz. Sein Sohn König Heinrich (VII.) sicherte zu, dass die Vogtei über das Kloster und seine Güter für immer beim König lägen; König Wilhelm (1254–1256) verstand sie 1255 als Zubehör des Herzogtums Schwaben.14 Im 14. Jahrhundert geriet die Abtei in den Sog der Agrarkrise; dagegen wuchs die Stadt Konstanz und begann, Einfluss auf das Dorf Petershausen zu nehmen. Bischof Gebhard hatte bei der Gründung des Klosters das Siedlungsareal zwischen dem Bischof, dem Domkapitel und dem Kloster gedrittelt, was zu einer Aufsplitterung von Vogtei und Meieramt führte. Gleichwohl erlangte die Abtei zunächst eine weitgehende Anerkennung als Niedergerichtsherr, wie aus ihrem Vertrag mit der Gemeinde des Petershauser Oberdorfs (östlich des Klosters) von 1392 hervorgeht.15 Zu dieser Zeit hatte die Stadt bereits begonnen, Eigenleute der Abtei in Petershausen in ihr Bürgerrecht aufzunehmen, mitunter in größerer Anzahl. 1417 löste König Sigismund (1411–1437) das Dorf aus der Landgrafschaft Nellenburg und unterstellte es der städtischen Hochgerichtsbarkeit; dem Abt versicherte der König, dass Petershausen keine Konstanzer Vorstadt sei und seine Rechte nicht eingeschränkt würden.16 In den folgenden Jahrzehnten wurde Peterhausen jedoch in die Stadtbefestigung einbezogen und die Befugnisse der Gemeinde gingen auf die Stadt über. In der Neuzeit war die Hoheit der Abtei in Petershausen hier auf ihr enges Klosterareal beschränkt.17 Die niedergerichtlichen Zuständigkeiten der Abtei in Landschlacht (Thurgau), Wiesendangen und Oberwinterthur (bei Winterthur), Thayngen und Schlatt am Randen (Hegau) sowie Herdwangen (mit Schwende, Gailhöfe, Sauldorf und Roth) im Linzgau waren einer zu starken Konkurrenz ausgesetzt, als dass sie dort die Bildung einer dauerhaften Territorialherrschaft erlaubt hätten; umfassende Herrschaftsrechte in Herdwangen erwarb Petershausen erst in der Neuzeit.18 Zu Beginn des Konstanzer Konzils (1414–18) beherbergte die Abtei König Sigismund und seine Gemahlin Barbara; zum Dank bestätigte der König die Privilegien Petershausens.19 Allerdings versorgte sich das königliche Gefolge unerlaubt mit Holz aus dem Petershauser Forst; Hans Truchsess von Waldburg regulierte als Landvogt von Oberschwaben den Schaden.20 Die Konzilsversammlung gestattete Abt Johannes III. Frey (1392–1415) und seinen Nachfolgern, beim Gottesdienst die bischöflichen Gewänder zu tragen.21 Vom 28. Februar bis zum 19. März 1417 tagte in Petershausen ein Kapitel der Benediktineräbte der Ordensprovinz Mainz-Bamberg. Sie ermittelten, welche Gemeinschaften als benediktinisch gelten sollten, und schrieben das Ergebnis auf das Petershauser Kirchenportal: »Es gibt sechstausend und sechshundert Klöster des heiligen Benedikt«.22 Die Beschlüsse des Kapitels zielten auf eine Stärkung des klösterlichen Gemeinschaftslebens, eine einfache mönchische Lebensweise, würdigen und regelmäßigen Gottesdienst und die Hebung des Bildungsstandards.23 Im weiteren Verlauf des 15. Jahrhunderts nahm Petershausen eine ungünstige Entwicklung: Abt Diethelm II. Wiß (1427–1443) verschuldete sich übermäßig bis zu seiner Absetzung durch den Konstanzer Bischof 1443. Sein Nachfolger Abt Johann V. Huw (1443–1451) nahm eine wirtschaftliche und geistliche Reform in Angriff, wurde aber aussätzig und trat darum 1451 ab. Alsbald nahmen die Äbte wieder Schulden auf und veräußerten Klostergut, bis der Unterhalt des Konvents nicht mehr möglich war. 1495 wurden die Mönche zeitweilig auf andere Klöster verteilt, Abt Martin Brülin als Propst nach Rötsee abgeschoben. Die Geschäfte übernahm der dafür offenbar gut befähigte Johann Merk, von 1519 an selbst als Abt. Allerdings wurde seine Verwaltung von je einem Vertreter des Bischofs, des Landvogts und der Stadt Konstanz beaufsichtigt. Damit gewann die Stadt Einfluss auf die Wirtschaftsführung Petershausens, vergleichbar den Verhältnissen in den innerstädtischen Klöstern.24 1507 wünschte die Stadt von König Maximilian I. (1493–1519) vergebens die Petershauser Kastvogtei als Ausgleich für den Verlust des Landgerichts im Thurgau; immerhin versprach ihr Maximilian 1511, eine etwaige Inkorporation Petershausens in das Hochstift Konstanz nicht zulassen zu wollen.25 Auf Forderungen des Konstanzer Rats im Sommer 1524, den Pfarrer von Petershausen, Jakob Ruf, zu entlassen, da er nicht der Schrift gemäß predige, reagierte Abt Andreas Berlin (1524–1526) dilatorisch, ließ aber zu, dass die Konventualen auf die städtische Obrigkeit den Eid ablegten. Bei der anstehenden Abtswahl im Spätsommer 1526 konnten der Bischof und Österreich, das durch die Landvogtei Schwaben die Kastvogtei über das Kloster besaß, mit der Wahl des Petershauser Konventualen Gebhard Dornsperger (1526–1556) ihren Kandidaten durchsetzen. Der Konstanzer Rat erhöhte den Druck auf die Abtei: Er ließ im Frühjahr 1527 die Reformmönche aus der Abtei Wiblingen, die sich seit 1526 in Petershausen aufhielten, ausweisen, weil diese sich weigerten, den Eid auf die städtische Obrigkeit abzulegen. Zudem verbot der Rat die Aufnahme von Novizen. Erst nach massivem Druck durch den Rat zogen Abt und Konvent Jakob Ruf von der Predigerstelle ab und stellten auch die Feier der Messe ein. Am 26. April 1528 predigte erstmals der Reformator Johannes Zwick in Petershausen. Im März 1529 wurden die Altäre aus der Klosterkirche entfernt, der Konventuale Johannes Jung predigte fortan im Sinn der Reformation. Abt Gebhard Dornsperger zog sich – offensichtlich in Begleitung von nur einem Konventualen – in die Reichsstadt Überlingen zurück, wohin er einen Teil der Urkunden und des Kirchenschatzes schon zuvor in Sicherheit gebracht hatte. Prior Ambrosius Kalt und drei weitere Benediktiner verblieben in der reformierten Reichsstadt und wurden vom Rat abgefunden. Erst 1546 zog der Rat die liturgischen Geräte an sich, nachdem er bereits 1542 die Ornate hatte fortbringen lassen. Der Wert des eingeschmolzenen Silbers wurde auf 855 Gulden taxiert, aus dem Gold wurden Münzen im Wert von 241 Gulden geprägt.26 Während des »Spaniersturms«, der Belagerung der Stadt durch die kaiserlichen Truppen im Sommer 1548, nahmen die Gebäude schweren Schaden, ein Teil wurde auch niedergebrannt, da der Angriff auf die Reichsstadt von Petershausen aus erfolgt war. Sofort nach der Einnahme der Reichsstadt durch Österreich nahm Abt Gebhard im Oktober 1548 Verhandlungen mit dem neuen Konstanzer Stadtherren auf, die bereits am 28. März 1549 zu einem Abschluss gebracht wurden, nach dem der Abtei ein Betrag von 20.000 Gulden zugesprochen wurde; zudem waren den Mönchen die eingezogenen Gültbriefe und Immobilien zurückzuerstatten. Die Stadt beglich ein Teil der Forderungen auf österreichischen Druck mit Erträgen aus dem Besitz des →Dominikanerinnenklosters St. Peter an der Fahr, das erst 1574 wieder besiedelt wurde. 1556 kehrten die Benediktiner nach Petershausen zurück. 1567 trat Petershausen der neu gegründeten »Vereinigung der oberschwäbischen Benediktineräbte« bei, aus der heraus sich 1603 die »Oberschwäbische Benediktinerkongregation« entwickelte. Abt Christoph Funk (1556–1580) stand zusammen mit dem Abt von Weingarten der Vereinigung vor. Wirtschaftsweise und Lebenswandel des Petershauser Abts führten wenig später zu einer tiefen Krise im Kloster. Der päpstliche Nuntius Felician Ninguarda hielt sich im August und September 1579 zur Visitation des Konstanzer Klerus in der Bischofsstadt auf. Abt Christoph führte offensichtlich das Leben eines vortridentischen Reichsprälaten. Er war auf Repräsentation bedacht, war nicht nur Vater von mehreren Kindern, sondern nahm auch seine liturgischen Aufgaben in der Benediktinerabtei nicht angemessen wahr. Zudem stellte sich heraus, dass Petershausen schwer verschuldet war und der Abt widerrechtlich mit dem Siegel des Konvents hohe Geldbeträge aufgenommen hatte. Ninguarda verhängte den Hausarrest über den Abt, ließ ihn dann sogar in Petershausen inhaftieren. Nach längeren Verhandlungen, der kurzzeitigen Flucht des inhaftierten Prälaten und der förmlichen Absetzung von Funk wählte der Konvent, der vermutlich aus nicht mehr als vier oder fünf Mönchen bestand, am 28. Juli 1580 Prior Andreas Öchslin, einen Gegner seines Vorgängers, zum neuen Abt.27 Bischöfliche Pläne, die Einkünfte und die Baulichkeiten von Petershausen zum Aufbau eines Priesterseminars zu nutzen, wurden wegen der schlechten finanziellen Situation der Abtei nicht weiterverfolgt. Sowohl Andreas II. Öchslin (1580–1605) als auch seine Nachfolger Johannes VIII. Stephani (1605–1608), Jakob Renz (1608–1621) und Benedikt Pfeiffer (1623–1638/39) legten, durch Bischof und/oder Visitatoren des Benediktinerordens gezwungen, ihre Würde nieder, ein Hinweis auf die internen Schwierigkeiten der Abtei. Nur eine geringe finanzielle Erleichterung erbrachte die Inkorporation der Benediktinerabtei St. Georgen in der reformierten Kleinstadt Stein am Rhein, die 1597 auch durch den Papst genehmigt wurde.28 Bereits 1581 hatte der »Restkonvent« von St. Georgen, der sich nach Radolfzell geflüchtet hatte, Abt Andreas Öchslin in Personalunion zu ihrem Abt gewählt. 1580 verkaufte das Kloster die Propstei Rötsee an die Herrschaft Schellenberg. Mit Beginn des Dreißigjährigen Krieges zog die Stadt Konstanz zum Bau von Festungswerken Teile des Klostergeländes an sich. Phasenweise wurde ein Großteil der Mönche in andere Klöster geschickt, je zwei Konventualen gingen nach Weingarten, Ochsenhausen und Mehrerau. Verbindungen mit anderen Klöstern Südwestdeutschlands stellten Gebetsverbrüderungen dar, so zum Beispiel 1586 mit den Benediktinern in Ochsenhausen,29 1589 mit dem Augustinerchorherrenstift Kreuzlingen im Thurgau,30 letzte Verträge wurden 1753 mit den Prämonstratensern in Obermarchtal31 oder 1740 mit den Benediktinern in →St. Blasien32 geschlossen. Der Gründungskonvent von Petershausen bestand aus 12 Mönchen, unter Abt Theoderich sollen es – nach der Hirsauer Reform – bereits 40 Mönche und 50 Laienbrüder gewesen sein. Später nahm die Zahl wieder ab: An der Prozession zum Abschluss des Konstanzer Konzils 1418 nahmen von Petershausen der Abt und 13 Mönche teil; 1495 gab es neben dem Abt noch sechs »Klosterherren«, die bürgerlichen Familien der Städte Konstanz, Lindau, Rottweil, Wangen und Winterthur entstammten.33 In der Mitte des 18. Jahrhunderts lebten 25 Patres und drei Professen im Konvent (1750), ihre Zahl stieg bis 1769 auf 33 Patres und sieben Professen; die Zahl der Laienbrüder war in der Neuzeit stets sehr gering. Nach den Daten der frühneuzeitlichen Professlisten, die von der Mitte des 16. Jahrhunderts bis zur Aufhebung 167 Religiosen verzeichnen,34 stammte der Großteil der Mönche aus dem Bodenseeraum, Oberschwaben und vereinzelt auch aus dem Allgäu, darunter 19 aus Konstanz und sieben aus Markdorf. Seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts lässt sich auch in Petershausen der barocke Aufschwung des Klosterwesens erkennen. Abt Wunnibald Sauer (1671–1685) wurde von seinem Mitbruder Felix Egger 1715 als »zweiter Gründer« von Petershausen (alter monasterii nostri fundator) gefeiert.35 Die innere Konsolidierung ging einher mit einer vertraglichen Absicherung seiner Herrschaftsrechte. Versuche des mächtigen Nachbarn und Inhabers der Kastvogtei Österreich, das Kloster unter seine Landeshoheit zu bringen, blieben erfolglos. Die Planungen für einen repräsentativen Neubau der Klosteranlage, der das mittelalterliche Bauensemble ablösen sollte, verdeutlichen das Selbstverständnis und den herrschaftlichen Anspruch der reichsunmittelbaren Abtei. Petershausen besaß im 18. Jahrhundert das Niedergericht im Klosterbezirk, zudem in der Herrschaft Hilzingen, die zusammen mit dem Gerichtsbezirk Riedheim (seit 1735) durch einen Statthalter verwaltet wurde. 1776 kaufte die Abtei für 92.000 Gulden von den Fürsten von Fürstenberg die Hochgerichtsrechte in der reichsunmittelbaren Herrschaft Herdwangen. Den Erwerb des ehemaligen Wilhelmitenklosters im oberschwäbischen Mengen aus dem Besitz von →St. Blasien im Jahr 1740 konnte Petershausen 1773 wieder rückgängig machen, weil man sich nicht in der Lage sah, die erforderliche Zahl von sechs Mönchen für das Subpriorat zur Verfügung zu stellen. Im frühen 19. Jahrhundert verfügte die Reichsabtei über ein kleines Territorium mit 1.400 Einwohnern. Am 6. Oktober 1802 erfolgte die militärische Besitznahme der Abtei durch die Markgrafschaft Baden. Mit den Mönchen wurde am 20. Dezember 1802 ein Vertrag geschlossen, der ihnen ermöglichte, weiter im Kloster zu leben. Die Patres erhielten jährlich Zahlungen, der Abt 4.000 Gulden, die Mönche zwischen 400 und 600 Gulden. Zum Zeitpunkt der Aufhebung lebten 29 Patres und zwei Brüder im Kloster. Bis 1808 war der Konvent auf neun Mönche zusammengeschmolzen. Mit dem Tod des letzten Mönchs 1832 erlosch die Abtei. Die Besitzungen der ehemaligen Reichsabtei wurden durch den Großherzog in einer eigenen Standesherrschaft Petershausen – Salem vergleichbar – zusammengefasst, die bis 1830 von Petershausen aus verwaltet wurde. In Hilzingen und Herdwangen besaß die Verwaltung eigene kleine Ämter. 1830 übernahm das Rentamt Salem diese Aufgaben. 1850 erwarb das badische Kriegsministerium für 75.000 Gulden das gesamte Klosterareal, auf dem zu diesem Zeitpunkt bereits ein Militärspital eingerichtet war. Besitz und WirtschaftDas erste Buch der Petershauser Chronik enthält Angaben zur frühen materiellen Ausstattung des Klosters. Bischof Gebhard stiftete einen erheblichen Anteil der Gründungsausstattung aus seinem Familienerbe; hinzu kamen Güter aus dem Besitz des Domstifts. Weiter bewog Gebhard sein hochadeliges Umfeld dazu, Petershausen zu unterstützen, etwa seine Tante Herzogin Hadwig, seinen Onkel Graf Adalhard, seinen Bruder Graf Marquard. Die ersten Besitzschwerpunkte lagen im Nibelgau (Aichstetten), Linzgau (Owingen, Sauldorf), Hegau (Thayngen), Thurgau (Neuheim/Landschlacht, Oberwangen) und am oberen Neckar (Epfendorf). Sodann kam Petershausen in den Genuss weiterer Zuwendungen zumal Adeliger, die der Hirsauer Reform nahestanden oder im Kloster bestattet werden wollten. Die Petershauser Chronik und die Nekrologien nennen insgesamt rund einhundert Orte des weiteren Bodenseeraumes, in denen Petershausen in den ersten beiden Jahrhunderten seines Bestehens begütert war. Manches davon gehörte dem Kloster nur kurzzeitig beziehungsweise wurde bereits in der Absicht erworben, wieder eingetauscht zu werden. Trotzdem war die Ausstattung insgesamt großzügig; sie erlaubte einen aufwendigen Neubau nach dem Brand 1159. Hinderlich für die weitere Entwicklung war die weite Streuung der jüngeren Schenkungen, die zudem mehrheitlich im Linzgau lagen, wo die Zisterzienserabtei →Salem, die Grafen von Heiligenberg und das Hochstift Konstanz wenig Spielraum für eine konkurrierende Güter- und Territorialpolitik ließen. Im beengten Nahbereich konnte Petershausen 1230 den Eichhornwald von Kloster Reichenau erwerben.36 1255 ist eine Mühle des Klosters bei Gottlieben genannt, 1296 beim →Predigerkloster auf der Rheininsel vor der Stadt.37 1303 gestattete König Albrecht dem Abt Diethelm die Anlage zweier Mühlen an der Rheinbrücke.38 Sie waren für die Versorgung von Konstanz wichtig, weshalb König Maximilian 1502 dem Abt die Wiederherstellung einer davon, genannt der Rottengatter, befahl.39 Die Abtei war an der Fischerei im Seerhein beteiligt.40 In der Frühneuzeit lässt sich das Bemühen von Petershausen erkennen, seinen Grundbesitz auf möglichst wenige Orte und Herrschaften zu konzentrieren und zugleich seine Besitzungen in reformierten Herrschaften abzustoßen, um dadurch finanzielle Liquidität für Neuerwerbungen zu erhalten. So wurde 1580 das Amt Winterthur an Zürich verkauft, 1659 das Amt Thayngen an Schaffhausen. In Oberschwaben veräußerten die Mönche 1621 das Amt Ringgenweiler an die Benediktinerabtei Weingarten. Durch den Erwerb des Klosters St. Georgen in Stein am Rhein mit der Propstei Klingenzell (1583/97) konnte Petershausen seine Besitzungen im Hegau verdichten, wobei das Bistum Bamberg aufgrund seiner alten Lehensrechte alle Erwerbungen billigen musste, so erhielt Petershausen erst 1722 die Zustimmung zur Erwerbung des Ortes Ramsen (Kt. Schaffhausen). Seit 1659 besaß Petershausen die Herrschaft Hilzingen, zunächst als Pfand. 1735 konnte zudem der angrenzende Ort Riedheim mit allen Rechten erworben werden. Am Ende des Alten Reichs besaß Petershausen somit eine konsolidierte Grundherrschaft im Bereich des westlichen Bodensees, deren Besitzschwerpunkte durch Statthalter in Hilzingen und Herdwangen verwaltet wurden. Religiöses und kulturelles WirkenSeinem Stiftungszweck entsprechend diente das Kloster Petershausen zunächst der liturgischen Aufwertung der Konstanzer Bischofskirche. Ausdruck dessen waren Prozessionen mit Stationsgottesdiensten an allen wichtigen Heiligtümern der Stadt oder der gemeinsame Gottesdienst, den die Domherren und die Mönche am Tag des heiligen Gregor (12. März) in Petershausen begingen.41 Hinzu kam das Gebetsgedenken für den Stifter Bischof Gebhard, der seit seiner Translation 1134 eine dem Stadt- und Bistumspatron Konrad vergleichbare Verehrung genoss. Die Hirsauer Reform, deren Sorge nach der Petershauser Chronik der Strenge des regelgemäßen Lebens und dem Gottesdienst galt, führte zu einer Steigerung der Liturgie: Unter den Äbten Theoderich und Konrad entstanden neue Altäre und Kapellen; sie bargen die Reliquien von rund 160 Heiligen.42 Zeugnisse für die Spiritualität im hochmittelalterlichen Petershausen sind mehrere in der Chronik festgehaltene Jenseitsvisionen.43 Das Kloster Petershausen war mit Schule, Bibliothek und Skriptorium eine Bildungsstätte. Die Chronik listet die von Abt Theoderich angeschafften Bücher auf; neben liturgischen und biblischen Codices vor allem patristische Schriften, insbesondere Gregors des Großen und Augustins. Weltliche Bücher fehlen; diese einseitig theologische Ausrichtung mag den in allen freien Künsten versierten Schulmeister Rupert zum Übertritt ins Kloster Reichenau bewogen haben.44 Aus dem hochmittelalterlichen Konvent ging ein bedeutender eigenständiger Autor hervor, der Verfasser der Gebhardsvita (vor 1134) und des Hauptteils der bemerkenswert zuverlässigen Petershauser Chronik (bis 1156). Sein Name ist unbekannt; er verrät lediglich, dass er vor seiner Zeit in Petershausen um 1120 dem Wagenhauser Konvent angehört hatte und ein Neffe Abt Gebinos von Wagenhausen war.45 Auf dem Klosterareal stand eine von Wolfrad und Gotistiu von Burgweiler nach der Mitte des 11. Jahrhunderts gestiftete Kapelle St. Johannes Baptist und Nikolaus. Später diente sie als Petershauser Pfarrkirche St. Nikolaus und wurde vom Kloster betreut: Ein Petershauser Priestermönch ist 1276 als Pfarrer belegt, 1367 ein Leutpriester Heinrich Sämli, wohl der spätere Abt; 1431 erfolgte die Gründung einer Bruderschaft.46 Weitere frühe Petershauser Eigenkirchen waren die um 1111/16 von Bischof Ulrich I. erkaufte Kirche in Rötsee, die von Abt Konrad I. (1127–1164) erbauten Kirchen in Aichstetten, Epfendorf, Mimmenhausen, Neuheim (Landschlacht), Oberwangen und im Rheinhard bei Thayngen.47 Im 14. Jahrhundert beschlossen Konstanzer Bischöfe die Inkorporation der Pfarrkirchen von Oberwinterthur (1350) und von Herdwangen (1379) in die Abtei, was erst auf einen Befehl Papst Martins V. (1417–1431) endgültig vollzogen wurde (1419/22).48 Daneben hatte die Abtei das Patronatsrecht an einigen Kirchen ihrer alten Grundherrschaft, zumal in Oberschwaben (Aichstetten bis 1491, Andelshofen bis 1462, Herdwangen, Ringgenweiler, Rötsee, Sauldorf, Waltershofen, Wittenhofen bis 1441); ihr Patronatsrecht in Thayngen ging bereits 1183 an St. Blasien über.49 Mit der Inkorporation des Kloster St. Georgen (1597) gelangte das Patronatsrecht von Hilzingen (bis 1802) und Ramsen (bis 1650?) an Petershausen, von Erzherzog Ferdinand Karl (1646–1662) erhielten die Mönche 1659 die Kaplanei zu Riedheim (bis 1802) sowie die Pfarrei Binningen von Hans Werner von Reischach. In der Frühneuzeit übernahmen zum Teil Mönche die Seelsorge (1794 in Herdwangen [1 Statthalter und 1 Pfarrer], in Hilzingen [1 Statthalter und 1 Pfarrer], in Sauldorf und Petershausen sowie in Klingenzell [1 Propst und 1 Pfarrer]), zudem stellten sie auch längere Zeit die Beichtväter für den Frauenkonvent in →Adelheiden. Für 1374 ist ein Heinrich Eberlin von Reichenau belegt, der Meister der Schule des Klosters. Als Studienorte Petershauser Mönche kennt man für das 15. Jahrhundert Wien, Bologna, Rom und Pavia, in der Neuzeit dann vermehrt die Jesuitenuniversitäten in Dillingen und Freiburg.50 Mit dem Aufschwung von Petershausen nach dem Dreißigjährigen Krieg war auch eine kulturelle Blüte des Konvents verbunden, die zugleich Frömmigkeitsformen der katholischen Konfessionskultur förderte: 1671 wurde eine Schutzengelbruderschaft gegründet. Gebeine von Katakombenheiligen kamen nach Petershausen und wurden in der Klosterkirche prominent ausgestellt. Besonders Abt Wunnibald Sauer (1671–1685) bemühte sich um den Ausbau des klösterlichen Reliquienschatzes. Für das Jahr 1733 ist eine Beschreibung der Reliquien überliefert, die verdeutlicht, dass die Verluste der Reformationszeit längst ausgeglichen waren, dies gilt in gleicher Weise für den Kirchenschatz.51 Die Bedeutung des Besitzes von Reliquien für das ständische Selbstbewusstsein von Petershausen wird in einer kleinen gedruckten Schrift dokumentiert, die die Serie der Äbte des reichsunmittelbaren Klosters mit einer Aufzählung der im Kloster verehrten Reliquien und ihrer Authentiken verbindet.52 Die Bedeutung der Eucharistie wurde seit der Mitte des 18. Jahrhunderts in besonderer Weise in Szene gesetzt, indem seit 1761 in der Oktav des Fronleichnamsfestes mit kleinen Girlanden aus Lämpchen Inschriften gebildet wurden, deren knappe Texte für die Jahre 1767 bis 1802 überliefert sind.53 Die Musik besaß in den Gottesdiensten einen besonderen Stellenwert, wie gedruckte Partituren von Petershauser Mönchen belegen. Im Kloster wurden junge Mönche in der Theologie und im Kirchenrecht unterrichtet, auch stellte der Konvent Dozenten für das Benediktinergymnasium in Rottweil und unterhielt in Petershausen eine eigene Klosterschule. Mit theologischen Publikationen trat besonders Felix Egger (1659–1720) hervor.54 Dem barocken Brauch entsprechend, hielten Mönche Predigten bei Festen in anderen Klöstern, so etwa bei den Jubiläumsfeierlichkeiten in Zwiefalten (1689: 600 Jahre, 1789: 700 Jahre). Ganz im Sinn der Aufklärung engagierte sich die Abtei in der Verbesserung der Erträge durch neue Methoden in der Landwirtschaft, aber auch im Handel: der aus Konstanz stammende Abt Franz Öderlin (1685–1714) ließ venezianische Kaufleute nach Petershausen kommen. Ganz dem Trend der Zeit entsprechend baute Petershausen im späten 18. Jahrhundert ein Naturalienkabinett mit Mineralien auf, das rund eine halbe Million Stücke umfasste, in vier Sälen aufbewahrt wurde und vom St. Galler Bibliothekar Nepomuk Hauntiger in den höchsten Tönen gelobt wurde. Eine schillernde Persönlichkeit der Zeit des Umbruchs ist P. Franz (Johann Georg) Übelacker, seit 1763 Mönch in Petershausen. Der umtriebige und hochbegabte Mönch entwarf nicht nur die Pläne für den Neubau der Konventsbauten, sondern leitete auch die Arbeiten. Vor dem Reichshofrat in Wien vertrat er die herrschaftlichen Interessen von Petershausen. Zahlreiche Publikationen zeigen seine wissenschaftlichen Interessen. Zunehmend entfremdete er sich seinem Konvent, 1782 ließ er sich »säkularisieren«, d. h. er wurde seiner monastischen Gelübde entbunden und lebte künftig als Weltpriester. Unter vielen Ämtern war er von 1788 bis 1790 Archivar bei der vorderösterreichischen Regierung und Kammer in Freiburg. Unter dem Pseudonym Johann Kleeraube – das Anagramm lässt sich leicht in »Übelacker« auflösen – erschien 1784 eine Schrift, die ganz im Sinn der zeitgenössischen Mönchskritik mit den Reichsprälaten Süddeutschlands abrechnete und eine publizistische Debatte auslöste. Bibliothek und ArchivZeugnis aus der Gründungszeit des Klosters ist das um 980 auf der Reichenau entstandene Peterhauser Sakramentar, ein Hauptwerk der Reichenauer Buchmalerei (Abb. 7). Auf den Klosterpatron Papst Gregor den Großen verweisen etliche vom 8. bis 11. Jahrhundert stammende Überlieferungen seiner Moralia in Iob. Aus der Amtszeit des 1116 verstorbenen Abtes Dietrich ist ein Katalog der von ihm in Auftrag gegebenen Handschriften erhalten, in dem neben Liturgica Werke von Augustinus dominieren. Dem Klosterbrand 1159 fielen die Bücher zum Opfer, die auf Altären und im Chor lagern. Aus dem 12. Jahrhundert stammt die Klosterhistoriographie Casus monasterii Petridomus. Dem insbesondere in Misswirtschaft begründeten Niedergang des Klosters im 15. und reformatorischen Wirren in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts fiel der größte Teil des mittelalterlichen Buchbesitzes zum Opfer. Einen Aufschwung nahm die Bibliothek in der Amtszeit des 1524 verstorbenen Verwalters und Abtes Johann Merk. Ab dem 17. Jahrhundert konnte sich die Bibliothek kontinuierlich entwickeln, und die Mönche Gebhart Moder und Beda Goldbach schufen klosterhistoriographische Arbeiten. Ein Ende des 18. Jahrhunderts entstandener Katalog nennt einen Bestand von 3.700 Werken. Nach der Aufhebung wurde die Petershauser Klosterbibliothek nach Salem verbracht und zusammen mit dieser Sammlung 1826/27 an die Universitätsbibliothek Heidelberg verkauft. Hier werden heute etwa 20 Handschriften und Fragmente bewahrt; hinzu kommen etwa zehn im Bestand anderer Bibliotheken verstreute Codices. Die Petershauser Inkunabelsammlung ist mit über 300 Titeln bemerkenswert groß gewesen. Ähnlich wie die Bibliothek erlitt auch das Klosterarchiv in der Reformationszeit größere Verluste, wurde unter Abt Placidus Weltin (1714–1737) neu geordnet, doch wurde wenige Jahre später dessen schlechte Ordnung beklagt. Unter den Ämtern der Mönche findet sich auch ein Archivar. Mit der Säkularisation ging das Archiv an das Haus Baden, das den größeren Teil nach Salem verbrachte, von dort wurden die Archivalien in der Mitte des 19. Jahrhunderts dem Generallandesarchiv in Karlsruhe übergeben. Die Verwaltung der Standesherrschaft Petershausen hatte bereits 1842 Unterlagen an das Generallandesarchiv abgegeben, behielt aber auch Schriftgut, das noch für die Verwaltung benötigt wurde, zurück. Diese Überlieferung des Petershauser Rentamts (und der beiden Verwalterstellen in Hilzingen und Herdwangen) wurde später nach Salem verbracht. 2014 übergab das Haus Baden diese Unterlagen an das Generallandesarchiv als Depositum. Bau- und KunstgeschichteLageDas ehemalige Kloster Petershausen am nördlichen Rheinufer besteht heute nur noch aus der Prälatur an der Spanierstraße aus dem 16./17. Jahrhundert, der Dreiflügelanlage von 1768–71, und Teilen des Klostergartens. Kirche und KonventsbautenÜber den Bau und die Ausstattung des ersten, 983 errichteten Klosters sind wir hauptsächlich durch die Petershauser Chronik und die Vita Gebehardi unterrichtet.55 Bau I (Grundsteinlegung 983, Weihe 992) war eine dreischiffige Säulenbasilika mit einem gerade geschlossenen, wahrscheinlich quadratischen Chor. Ein Querhaus ist spekulativ. Die Seitenschiffe endeten mit Apsiden, deren südliche Gebhard als Bestattungsort diente. Das Mittelschiff besaß eine kassettierte Holzdecke mit vergoldeten Knöpfen, die Wände waren im Norden mit Szenen des Alten, im Süden mit Szenen des Neuen Testaments ausgemalt. Der Nimbus Christi trug jeweils eine Goldauflage. Ein ursprünglicher, aus Steinplatten zusammengesetzter Altar wurde später durch einen massiven ersetzt, welcher an der Rückseite, also nach Westen, mit einer mit Silber- und Goldblechen beschlagenen Tafel mit einem Marienbild geschmückt war. Auf der Vorderseite sah man Christus in der Mandorla mit Cherubim und Evangelisten, Engelchören und den 24 Ältesten. Darüber stand ein Ciborium, ebenfalls mit einer Darstellung der Evangelisten und einer Inschrift. Weiter erfährt man von mehreren Altären, Grabstellen, Inschriftentafeln, Reliquiaren, zwei Kronleuchtern, Chorschranken und sogar von einer Orgel. Unter dem Chor befand sich eine Krypta mit drei Zugängen von Mittelschiff und Chor und einem Brunnen. Sie schloss wohl mit einer halbkreisförmigen Apsis mit freistehenden Arkaden auf stuckierten Säulen und den Bildern der Hll. Gregor und Gebhard mit Inschriften auf Kupfertafeln. Geschnitzte Holztüren trennten das Langhaus von einer Vorhalle oder einem Paradies mit Kolonnaden. Zwischen vier Säulen hingen Glocken. Im Umkreis dieser Kirche gab es neun Kapellen, darunter die möglicherweise schon 983 geweihte Michaelskapelle. Von den Klostergebäuden sind Abtshaus, Dormitorium an der Südseite der Kirche, Schlafsaal für die dienenden Brüder, caldarium aqua plenum, Kapitelsaal, dessen Sitze und Wände zu festlichen Gelegenheiten mit Teppichen geschmückt wurden, Refektorium, Speicher und Vorratsräume, Krankenhaus, Herberge, Armenhaus und Handwerkerwohnungen sowie ein Häuschen für die Kerzenherstellung und ein Garten genannt. Abt Theoderich ließ den ersten Kreuzgang restaurieren und das gesamte Kloster mit einer Mauer einfassen. Später erhielt der Kreuzgang an zwei Seiten Säulen. Am 29. Juni 1159 gingen die Kirche und Teile des Klosters in einem Feuer unter. Nur Sakristei und Bibliothek sowie die beiden Kapellen des Hl. Johannes und der Hl. Fides nahe beim Friedhof blieben verschont. Ab 1162 entstand unter Abt Konrad ein Kirchenneubau. Die Weihe erfolgte 1180, danach Altarweihen zwischen 1205 und 1207. Zu diesem Bau bieten die Schriftquellen kaum Auskünfte. Jedoch lässt sich aus der Schenkung von Säulen durch eine Gönnerin nach dem Brand von 1159 schließen, dass es sich abermals um eine Säulenbasilika handelte.56 Eine Zeichnung von Gabriel Bucelin von 1627 gibt eine Vorstellung der zweiten Klosteranlage (Abb. 9): Umgeben von einer Mauer bestand das Ensemble aus der dreischiffigen, leicht trapezförmigen Klosterkirche mit eingezogenem Querhaus und Dachreiter, sowie einem Rechteckchor, drei Kapellen oder Nebenräumen und einem freistehenden Turm. Im Norden befand sich die dreischiffige und fünfachsige Nikolauskapelle mit anschließendem Kapitelhaus.57 Beide Kirchen schlossen an den vierflügeligen Klosterkomplex im Westen an, der sich an der Südseite mit der (erhaltenen) Prälatur fortsetzte. In dem weiten ummauerten Hof gab es weitere Gebäude des 15. und 16. Jahrhunderts. Neuere Grabungen bestätigen und präzisieren diese Zeichnung.58 Ein Grundriss von ca. 180059 zeigt das dreischiffige Langhaus von sechs Jochen, wobei das erste Joch vom Chor aus durch eine Schranke abgeteilt war, wie es in den Kirchen der hirsauischen Reformklöster üblich war. Es folgen eine Vierung mit einem kaum oder gar nicht hervortretenden Querhaus und ein flacher, rechteckiger Chor. Identisch auch die drei kleinen Gebäude im Süden der Kirche, der Turm und die Prälatur. Die Lage der Kirche im Ensemble weicht indessen ab. Auf dem Plan bildet sie die Südwestecke der Anlage. Eine gute Vorstellung vom Äußeren der Klosterkirche vermittelt eine Zeichnung von Nikolaus Hug,60 der die Kirche 1831 kurz vor ihrem Abbruch zeichnete. Er zeigt das dreischiffige Langhaus von sechs Jochen, das hohe Querhaus und den Chor, der ebenfalls einen Anbau in der Tiefe der Seitenschiffe hat. Daran schließt der Turm an. Wie das Münster sind an Lang- und Querhaus und am Turm die Oberkanten der Mauern und der Giebel durch Bogenreihen ausgezeichnet, der Turm besitzt Staffelgiebel. 1551–63 entstanden die bis heute erhaltene Prälatur am Rheinufer, heute Spanierstraße, und nach Nordwesten anschließend Pfisterei und Verwaltungsgebäude. Es handelte sich um einen langgestreckten Flügel mit Treppenturm und Kreuzstockfenstern sowie zwei barocken Ziergiebeln an der Außenseite. Diese grenzte unmittelbar an den Graben. Im Innern noch eindrucksvolle Portalgewände aus Sandstein, Holzdecken und in einem Saal des ersten Obergeschosses eine barocke Stuckdecke. Im Übrigen schien die Bautätigkeit stillzustehen. Erst während der 1660er Jahre erhielt die Kirche eine aufwändige barocke Ausstattung, zu der Johann Christoph Storer aus Konstanz 1663 mehrere Altargemälde lieferte. Ab 1750 scheint es Pläne für einen Neubau von Kirche und Klostergebäuden gegeben zu haben. Ein 1767 entstandenes Gemälde von Matthias Ott dokumentiert die umfangreichen, wenn auch unausgeführten Vorstellungen von Abt Georg Strobel: Ein dreischiffiges Langhaus mit einer imposanten Doppelturmfassade, einer mächtigen Laterne mit Kuppel über der Vierung und ein schmaler Langchor bildeten die Südflanke einer Vierflügelanlage mit viergeschossigen Flügeln, Eck- und Mittelrisaliten. Eine Zeichnung im Rosgartenmuseum Konstanz zeigt den geplanten spätbarocken Innenraum der dreischiffigen Basilika: ein dreizoniger Aufriss unter einer kassettierten Tonne, eine Kuppel über der Vierung und ein tonnengewölbter Chor. Die Prälatur sollte erhalten bleiben. Zunächst wurden die Baumeister Jakob Emele und Xaver Thumb (der Sohn von Peter Thumb), 1765 der Architekt und Ingenieur Philippe de la Guêpière, bestellt, aber offenbar scheiterten die Projekte an den Kosten. Stattdessen überließ Abt Georg Strobel Entwurf und Ausführung der Klostergebäude P. Franz Übelacker, der die Pläne de la Guêpières kannte. Ab 1768 oder 1769 entstanden der Ost- und der Nordflügel und Teile des Westflügels. Die Flügel sind dreigeschossig über einem Sockel, der Risalit mit schlanken Eckpilastern und einem geschweiften Giebel über Voluten am Mittelrisalit viergeschossig. Pilaster zeichnen auch die Gebäudeecken und das Ädikulaportal an der Rückseite aus. Auffallend ist der östliche Pavillon, der frei steht, da der Ostflügel eingerückt ist. Diese Disposition war bereits im Entwurf vorgesehen. 1830 wurde der Konvent aufgelöst, die romanische Kirche auf Abbruch versteigert. Materielle Kulturgeschichte, BauausstattungVon der Ausstattung sind nur Teile des zweifach gestuften romanischen Ostportals erhalten: Sturz und Tympanon, die figürlichen Kapitelle der vier rahmenden Säulchen sowie die knapp lebensgroßen Gewändefiguren – der Hl. Gebhard mit Stiftermodell und Papst Gregor der Große mit Buch und Taube. Auf dem Sturz, in den das Figurenfeld leicht eingetieft ist, so dass ein Rahmen entsteht, sehen wir in flachem Relief Maria (neben ihr der Name des Bildhauers: WEZILO) und die Apostel. Das Tympanonbild, ebenfalls leicht eingetieft, zeigt den Salvator in der Mandorla, begleitet von zwei Engeln.61 Die Figuren mit ihren flatternden Gewandsäumen sind auffallend bewegt, ihre Körperhaltung kompliziert, an burgundische Vorbilder erinnernd.62 Nikolaus Hug63 dokumentierte das Portal mit Gewände und Tympanon sowie den acht flachen rahmenden Nischen – jeweils zwei Kreise und zwei Rundbögen im Wechsel übereinander, darin insgesamt sechs Flachreliefs in mäßigem Erhaltungszustand mit Darstellungen der Werke der Barmherzigkeit. BibliographieQuellen: Lünig 1716, S. 399–433; Lindner 1910; Krebs 1935 (b); Chronik Kloster Petershausen 1956. Handbücher und Lexika: Dehio, Baden-Württemberg Bd. 2, S. 379 (Leo Schmidt); GermBen V, S. 484–502 (Gebhard Spahr/Anneliese Müller); HelvSac III,1,2, S. 966–979 (Manfred Krebs); KDM Bd. 1, S. 230–244 (Franz Xaver Kraus). Literatur: Krebs 1936; Miscoll-Reckert 1973; Schmid 1978 (a); Tausend Jahre Petershausen 1983; Weber 2016. Anmerkungen
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| Objekttyp: | Konvent |
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Literatur + Links
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