Organisationsform der Haufen
von Regina Fürsich
An den drei großen Haufen Oberschwabens (Baltringer Haufen, Allgäuer Haufen, Seehaufen), lassen sich Organisationsformen der Haufen besonders deutlich aufzeigen, da mit der Bundes- und Landesordnung der „Christlichen Vereinigung“ Quellen überliefert sind, die sich unter anderem explizit mit der Organisation auseinandersetzen, wenngleich auch nicht en détail. Die drei Haufen unterschieden sich stark in ihrer Entwicklung und Organisationsdichte. Der Allgäuer Haufen baute in seiner Entstehung auf schon vorher bestandenen Einungen der Region auf (die Bauern in Leubas hatten schon 1491 eine Schwurgemeinschaft gebildet, in Kempten trat dem Abt 1523 die Kemptener Landschaft gegenüber). Der Seehaufen entstand im Vergleich zu den beiden anderen oberschwäbischen Haufen erst spät, bildete dann aber in Rappertsweiler ein starkes Zentrum aus. Der Baltringer Haufen war loser organisiert als die anderen beiden, gewichtete aber die Rolle des Obersten stärker und regte auch den Zusammenschluss der drei Haufen zur Christlichen Vereinigung im März 1525 an.
Grundsätzlich waren die oberschwäbischen Haufen auf fünf Stufen organisiert. Die grundlegende Ebene bildeten die einzelnen Gemeinden (Stufe 1), die sich in Plätzen (Zentralorte wie Marktflecken, Kleinstädte o. ä.) zusammenfanden (Stufe 2). Der Zusammenschluss mehrerer Plätze bildete einen Abteilungshaufen (Stufe 3), dem ein Oberer und vier Räte vorstanden. Die drei großen Haufen (Stufe 4) bestanden jeweils aus mehreren Abteilungshaufen und wurden von je einem Obersten geleitet. Gemeinsam bildeten die drei dann schließlich die Christliche Vereinigung (Stufe 5), deren kollektive Spitze, die ‚Ehrsame Landschaft der Christlichen Vereinigung‘, aus den Spitzen der Ebenen 3, 4 und 5 bestand. Diese Organisationsformen waren in Oberschwaben herrschaftsübergreifend angelegt, was durch den Gedanken des Göttlichen Rechts ermöglicht wurde. Im territorial geschlosseneren Herzogtum Württemberg orientierten sich die Organisationsstrukturen hingegen stärker an der württembergischen Ämtergliederung.
Die Landesordnung der Christlichen Vereinigung regelte dann explizit die Lagerordnung, das Alarmsystem, die Kommunikation, die Kommandostruktur, die Kriegsfahne (rotes Andreaskreuz auf weißem Grund) und die Beuteverteilung der Haufen. Neben den allesamt gewählten Obersten, Oberen und Räten gab es auch offizielle Schreiber, Provosen (Inhaber der obersten Polizeigewalt), Quartier- und Proviantmeister (zuständig für Lager und Lebensmittelversorgung), Waibel (regelten die Zug- und Schlachtordnung), Furiere (ordneten die Quartierzuweisung) und Rottmeister (Anführer einer Rotte). Die Besetzung der Funktionsstellen spiegelt dabei die Sozialhierarchien ländlicher Bevölkerung in ihrer ganzen Breite wider. Die Haufen bildeten teils eigene Kanzleien heraus, die für den Schriftverkehr, die Organisation und die Vernetzung der Haufen untereinander sorgten.
Quellen
- Entwurf der Bundesordnung der Bauern in Oberschwaben, in: Quellen zur Geschichte des Bauernkrieges, hg. von Günther Franz, Darmstadt 1963, S. 193-195, Nr. 50.
- Handlung Artickel vnnd Jnstruction so fürgeno[m]men worden sein vonn allen Rottenn vnnd hauffen der Pauren so sich zesamen verpflicht haben: M:D:XXV:, Augsburg 1525, [VD 16 H 488], URL: https://mdz-nbn-resolving.de/details:bsb00103415 (aufgerufen am: 06.09.2021).
- Landesarchiv Baden-Württemberg, Hauptstaatsarchiv Stuttgart H 54 Bü 16,3; ein namentliches Verzeichnis der Hauptleute und Räte dreier Haufen von Baltringen, Allgäu und Bodensee und die Landesordnung des Memminger Tages von 7. März 1525, mit den Artikeln, "wie sich ein jeder, der zu ihrem Haufen gehöre, im Feld, im Lager und auf dem Marsch gegen die Vorgesetzten, sowie auch ein jeder sich gegen den anderen betragen" soll.
- Landesordnung der Oberschwäbischen Bauern, in: Quellen zur Geschichte des Bauernkrieges, hg. von Günther Franz, Darmstadt 1963, S. 198-200, Nr. 54.
Literatur
- Buszello, Horst, Die „Christliche Vereinigung“ Oberschwabens. Organisation und Programm, in: 475 Jahre Bauernkrieg in Oberschwaben 1525-2000. Vortragsreihe der Kreissparkasse Ravensburg in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft Oberschwaben und der VHS Weingarten, hg. von Hans Ulrich Rudolf, Ravensburg 2000, S. 30-42.
- Buszello, Horst, Die Christliche Vereinigung und ihre Bundesordnung, in: Der Bauernkrieg in Oberschwaben (Oberschwaben – Ansichten und Aussichten), hg. von Elmar L. Kuhn, Tübingen 2000, S. 141-173.
- Buszello, Horst, Legitimation, Verlaufsformen und Ziele, in: Der deutsche Bauernkrieg, hg. von Horst Buszello/Peter Blickle/Rudolf Endres, Paderborn/München/Wien/Zürich 1995, S. 281-321.
- Diemer, Kurt, Der Baltringer Haufen, in: Der Bauernkrieg in Oberschwaben, hg. von Elmar L. Kuhn, Tübingen 2000, S. 67-95.
- Haggenmüller, Martina, Der Allgäuer Haufen, in: Der Bauernkrieg in Oberschwaben, hg. von Elmar L. Kuhn, Tübingen 2000, S. 37-65.
- Kuhn, Elmar L., Der Bauernkrieg von 1525 in Oberschwaben. Bildung, Organisation und Programmatik der Haufen, in: 475 Jahre Bauernkrieg in Oberschwaben 1525-2000. Vortragsreihe der Kreissparkasse Ravensburg in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft Oberschwaben und der VHS Weingarten, hg. von Hans Ulrich Rudolf, Ravensburg 2000, S. 16-29.
- Kuhn, Elmar L., Der Seehaufen, in: Der Bauernkrieg in Oberschwaben, hg. von Elmar L. Kuhn, Tübingen 2000, S. 97-139.
Zitierhinweis: Regina Fürsich, Organisationsform der Haufen, in: Bauernkrieg, URL: […], Stand: 07.06.2025.

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