Götz von Berlichingen (geb. um 1480, gest. 23. Mai 1562)
von Pauline Zondler
Gottfried von Berlichingen, genannt Götz, wurde um 1480 in eine fränkische Ritterfamilie mit Gütern an Jagst und Kocher geboren. Seine Jugend verbrachte er in der Obhut seines Onkels Konrad von Berlichingen, mit dem er schon früh Reichstage besuchte, wo er zahlreiche Beziehungen zu anderen Adeligen knüpfen konnte. Nach dem Tod seines Onkels 1497 und seines Vaters 1498 sammelte er zunächst im Dienst verschiedener Herren militärische Erfahrungen, bevor er, nachdem er 1504 in Landshut seine rechte Hand verloren hatte, selbstständig agierte.
Jahrelang bestritt er zahlreiche Fehden in fremdem Auftrag besonders gegen diverse Reichsstädte, wobei ihn sein Beziehungsnetz aus Familie und einflussreichen Gönnern schützte. Obwohl er dabei stets auf die Einhaltung eines Ehrenkodex achtete, was zu seiner großen Beliebtheit beitrug, machte er sich damit immer wieder Feinde, darunter u. a. die Städte Köln und Mainz. Als ihm der Schwäbische Bund 1522 schließlich eine Urfehde aufzwang, die ihm jegliches Vorgehen gegen dessen Mitglieder verbat, wendete sich Götz immer mehr seinen Gütern und häuslichen Angelegenheiten zu.
Doch dabei sollte es nicht bleiben. Mitte März 1525 erreichte der Bauernkrieg Franken: Die Odenwälder Bauern organisierten sich in einem Haufen und schlossen sich mit den Haufen aus Hohenlohe und dem Neckartal zusammen. Da die Güter seines Bruders Hans durch die Bauern bedroht waren, traf und besprach sich Götz schon früh mit ihnen und hoffte anfangs wohl auch, ihre Anliegen für seine eigenen Interessen instrumentalisieren zu können.
Auf der anderen Seite hatten die Bauern die Hoffnung, dass der militärisch erfahrene Götz die verschiedenen Bauernhaufen als Führungsfigur würde vereinen können. Wie genau ihm dann die Hauptmannschaft übergeben wurde, ist noch nicht restlos geklärt: Obwohl er sie immer wieder (u. a. mit dem Verweis auf seine Urfehde) ablehnte, wurde er schließlich von den Bauern für einen Monat verpflichtet.
Seine Führungsrolle war allerdings keineswegs unumstritten; besonders den Radikalen war er als Adliger ein Dorn im Auge. Als Hauptmann war Götz u. a. an der Belagerung von Amorbach und der versuchten Stürmung des Marienbergs in Würzburg beteiligt. Wie viel Einfluss er dabei auf die Bauern hatte, ist schwer festzustellen. Seine Wirkung war wahrscheinlich eher moralischer und symbolischer Natur. Er versuchte mäßigend auf die Bauern einzuwirken und zögerte Entscheidungen immer wieder heraus, weswegen er sogar kurzzeitig von den Bauern abgesetzt wurde.
Als der Sturm des Marienbergs, der Festung des Würzburger Bischofs, am 15. Mai 1525 scheiterte und die Truppen des Schwäbischen Bundes immer näher rückten, ordnete Götz den Rückzug seines Odenwälder Haufens an. Am 23. Mai brachen sie in Richtung Lauda auf. Unterwegs floh Götz am 28. Mai bei Adolzfurt und ergab sich dem Bundesmitglied Dietrich Spät. Diese Aktion rettete ihm wohl das Leben, da der Odenwälder Haufen am 2. Juni vom Schwäbischen Bund blutig geschlagen und die meisten Anführer hingerichtet wurden.
In der Folge begann ein langer Gerichtsstreit um Götz' Hauptmannschaft, der erst 1530 mit der erzwungenen Annahme der Heilbronner Urfehde endete, die sein öffentliches Handeln extrem einschränkte und ihn auf dem Hornberg festsetzte. Götz beschäftigte sich nun als adliger Hausherr vor allem damit, seinen Besitz zu mehren und die Reformation in seinen Gütern zu fördern.
Um 1540 veränderte sich seine Situation nochmals: Durch seine reformatorische Einstellung stieg das Wohlwollen seiner ehemaligen Gönner (darunter Pfalzgraf Friedrich) wieder; zudem wurde er durch den Kaiser rehabilitiert, für den er zweimal (1542 und 1544) in den Krieg zog. Götz starb am 23. Juli 1562 mit etwa 82 Jahren.
Quellen
- Götz von Berlichingen, Mein Fehd und Handlungen, hg. von Helgard Ulmschneider (Forschungen aus Württembergisch Franken, Bd. 17), Sigmaringen 1981.
Literatur
- Auge, Oliver, Hauptmann der Bauern oder ihr Gefangener. Götz von Berlichingens Rolle im Bauernkrieg, in: Bauernkrieg. Regionale und überregionale Aspekte einer sozialen Erhebung (Kraichtaler Kolloquien, Bd. 14), hg. von Kurt Andermann/Gerrit Jasper Schenk, Ostfildern 2024.
- Moritz, Tilman G., Autobiographik als ritterschaftliche Selbstverständigung. Ulrich von Hutten, Götz von Berlichingen, Sigmund von Herberstein (Formen der Erinnerung, Bd. 70), Göttingen 2019.
- Press, Volker, Götz von Berlichingen (ca. 1480 bis 1562) – vom „Raubritter“ zum Reichsritter, in: Adel im Alten Reich. Gesammelte Vorträge und Aufsätze (Frühneuzeit-Forschungen, Bd. 4), hg. von Franz Brendle/Anton Schindling, Tübingen 1998, S. 333-356.
- Ulmschneider, Helgard, Götz von Berlichingen. Ein adeliges Leben der deutschen Renaissance, Sigmaringen 1974.
Zitierhinweis: Pauline Zondler, Götz von Berlichingen (geb. um 1480, gest. 23. Mai 1562), in: Bauernkrieg, URL: […], Stand: 07.06.2024.

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