Hans Müller von Bulgenbach (geb. zwischen 1485 und 1495, gest. 1525)
von Aaron Bauer
Wann genau Hans Müller zur Welt kam, ist unklar. Aller Wahrscheinlichkeit nach stammte er jedoch aus dem in der Landgrafschaft Stühlingen gelegenen Ort Bulgenbach, dessen Vogtei um 1525 das Kloster St. Blasien besaß.
Der Notar des Klosters beschrieb Hans Müller später als einen geschickten Redner und erfahrenen Landsknecht. Vermutlich wurde er aufgrund dieser Qualitäten Ende Juli 1524 von den Aufständischen in der Landgrafschaft Stühlingen zum Anführer ihres Fähnleins gewählt.
Hauptmann der Stühlinger Bauern
Unter der Führung des Hans Müller gelang es den Stühlinger Aufständischen im August 1524, die der reformatorischen Lehre zuneigende Stadt Waldshut zum Bündnis zu bewegen. Auch schlossen sich weitere Aufständische aus dem Schwarzwald, vor allem aus den zum Kloster St. Blasien gehörenden Dörfern, den Stühlingern an.
Von der vorderösterreichischen Regierung in Innsbruck wurde zunächst angenommen, die Stühlinger wollten eine Erhebung im Zeichen des ‚Bundschuhs‘ anzetteln, wie dies um 1500 mehrfach am Oberrhein geschehen war. Die adlige Seite begann sich militärisch auf eine solche Erhebung vorzubereiten und versammelte sich in Radolfzell. Neben Graf Sigmund von Lupfen kam dabei dem von Erzherzog Ferdinand entsandten österreichischen Rat Graf Rudolf von Sulz eine führende Rolle zu.
Ab September wurden Verhandlungen mit den Aufständischen geführt, in denen die Stadt Schaffhausen zu vermitteln versuchte. Hans Müller scheint bei diesen Verhandlungen nicht vertreten gewesen zu sein, wie die Liste der 22 Vertreter der Aufständischen zeigt. Den in Schaffhausen ausgehandelten Vertrag lehnten die Stühlinger Aufständischen jedoch schließlich ab, denn sie waren nicht bereit, ihren Herren unbewaffnet zu huldigen. Auf adliger Seite war insbesondere Hans Müller von Bulgenbach als „der Urheber für die bäuerliche Ablehnung des Schaffhauser Vertrags“[1] ausgemacht worden.
Nachdem es in der Folge zu ersten gewaltsamen Handlungen gekommen war, schlossen sich Anfang Oktober die Stühlinger mit den Aufständischen aus Ewattingen und Bonndorf zu einem rund 3.500 Mann starken Haufen zusammen. Zeitgleich erhoben sich auch die Bauern im benachbarten Hegau, weshalb die vorderösterreichische Regierung befürchtete, die Aufständischen könnten sich mit Herzog Ulrich oder den Eidgenossen verbünden. Der österreichische Landvogt Hans Jakob von Landau wurde deshalb beauftragt, den Aufstand militärisch niederzuschlagen. Erneute Verhandlungen führten am 12. Oktober zu einem Vertrag, der den Stühlingern eine Schlichtung durch ein Schiedsgericht versprach.
Hauptmann der Schwarzwälder Bauern
Nach der Einigung vom 12. Oktober 1524 ließen die Stühlinger Aufständischen ihren Widerstand zunächst ruhen und warteten die versprochene Schlichtung ab. Ebenso hatten sich die Hegauer verpflichtet, ein Urteil des Stockacher Landgerichts abzuwarten. Der Aufstand hatte in der Zwischenzeit jedoch auch die Bauern im Klettgau und in der zu St. Blasien gehörenden Herrschaft Hauenstein erreicht. Auch hier wurden zunächst Abgaben und Frondienste verweigert und eine vertragliche Lösung gefordert.
Da der Abt von St. Blasien den Forderungen seiner Bauern nicht nachkam, schlossen sich im November die Hauensteiner Bauern mit einem Teil des Stühlinger Haufens unter der Führung Hans Müllers im Brigachtal zusammen. Im Dezember plünderten die rund 1.500 Aufständischen das Kloster St. Trudpert. In den Augen der Regierung in Innsbruck war Hans Müller damit zum Aufwiegler und Rädelsführer des Aufstands im Schwarzwald geworden.
Um den Jahreswechsel 1524/25 begannen die im Oktober vereinbarten Verhandlungen über die Forderungen der Stühlinger und Hegauer Bauern. Den Stühlingern wurde zugesagt, dass ihre Sache künftig am Reichskammergericht in Esslingen ausgetragen werden sollte. Im Zuge dieser Verhandlungen trat ein Michel Heim als Hauptmann der Stühlinger Aufständischen auf. Hans Müller, der in diese Verhandlungen nicht involviert war, hatte sich wohl bis Februar 1525 vom Stühlinger Haufen gelöst und begonnen, im Schwarzwald einen weiteren Haufen zu formieren. Mit diesem soll er sich zunächst Herzog Ulrich bei seinem Feldzug angeschlossen haben, diesen jedoch Ende Februar wieder verlassen haben.
Nachdem sich Anfang März in Oberschwaben die ‚Christliche Vereinigung‘ gebildet hatte, schlossen sich um den 9. April in Löffingen die Schwarzwälder Bauern mit dem Hegauer Haufen unter Hans Benkler zu einer ‚Christlichen Bruderschaft‘ zusammen. Gemeinsam zogen sie durch die Baar und den Hegau und brachten dabei unter anderem Hüfingen, Fürstenberg und Donaueschingen unter ihre Kontrolle, Radolfzell wurde belagert. Auch die Bauern der Landgrafschaft Stühlingen schlossen sich den Aufständischen wieder an.
Unterwerfung Freiburgs und Zerfall des Schwarzwälder Haufens
Das Heer des Schwäbischen Bundes, das sich Mitte April nach dem Abschluss des Weingartener Vertrags zunächst Richtung Schwarzwald in Marsch gesetzt hatte, bewegte sich Ende April in Richtung Württemberg. Die Niederlage der württembergischen Aufständischen bei Böblingen zwang den Schwarzwälder Haufen, sich über Kirchzarten weiter nach Westen zu bewegen.
Unter Hans Müller rückte der Haufen gegen die vorderösterreichischen Besitzungen im Breisgau vor, wobei sich dem Haufen mehr und mehr Bauern anschlossen – teils freiwillig, teils gezwungenermaßen. Die Stadt Freiburg, in der zahlreiche geistliche Würdenträger und adlige Familien, allen voran der badische Markgraf mit Frau und Kindern, Zuflucht gesucht hatten, wurde von bis zu 12.000 Aufständischen drei Tage lang belagert. Am 24. Mai handelte der Freiburger Rat schließlich einen Vertrag mit den Aufständischen aus und ging ein Bündnis mit der Christlichen Bruderschaft ein.
Nach diesem erfolgreichen Zug gen Westen ließ Hans Müller den Haufen über Neustadt wieder gen Osten ziehen, um die Hegauer bei der Belagerung von Radolfzell zu unterstützen. Jedoch waren Hans Müller keine weiteren militärischen Erfolge vergönnt, denn die Belagerung musste unter dem Druck eines Entsatzheeres am 19. Juni aufgegeben werden. Anfang Juli war der Schwarzwälder Haufen dann in mehreren Gefechten unterlegen, womit der Aufstand im Hegau und im Schwarzwald allmählich zusammenbrach.
Hans Müller hatte sich bereits am 30. Juni vom Schwarzwälder Haufen abgesetzt. Zwar wurde er von der Stadt Schaffhausen aufgegriffen, die ihn nach einem kurzen Verhör jedoch wieder laufen ließ. Am 14. Juli fiel er dann aber Ulrich von Habsberg, dem Vogt von Laufenburg in die Hände. Erneut wurde Hans Müller verhört und vermutlich Mitte August in Laufenburg mit dem Schwert hingerichtet.
Als Hauptmann und Führungsfigur des Stühlinger und später des Schwarzwälder Haufens hatte Hans Müller zwischen Sommer 1524 und Sommer 1525 den Aufstand am Hochrhein und im Südschwarzwald wesentlich geprägt. In seinem Geburtsort Bulgenbach wurde 1962 ein Gedenkstein für Hans Müller aufgestellt. Zu diesem Anlass wurde auch ein Schwert, das ihm gehört haben soll, in den Besitz der Gemeinde Grafenhausen übergeben.
Anmerkungen
[1] Oka, Landgrafschaft Stühlingen, S. 15.
Literatur
- Buszello, Horst, Art. „Müller, Hans“, in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz66472.html#ndbcontent (aufgerufen am: 28.08.2025).
- Duffner, Wolfgang, Der Aufruer ein Anfänger. Eine Erinnerung an Hans Müller von Bulgenbach und die Schwarzwälder Erhebung. Zum Lutherjahr 1983, in: Badische Heimat 63/4 (1983), S. 561-566.
- Oka, Hiroto, Der Bauernkrieg in der Landgrafschaft Stühlingen und seine Vorgeschichte seit der Mitte des 15. Jahrhunderts, Konstanz 1998.
Zitierhinweis: Aaron Bauer, Hans Müller von Bulgenbach (geb. zwischen 1485 und 1495, gest. 1525), in: Bauernkrieg, URL: […], Stand: 07.12.2024.

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