Jäcklein Rohrbach (geb. 1499/1500, gest. 20./21. Mai 1525)
von Rosalie Dörflinger
Jakob „Jäcklein“ Rohrbach wurde vermutlich kurz vor 1500 in Böckingen geboren. Er war Leibeigener des Herrn von Neipperg und seine Familie befand sich in Abhängigkeit zum Wimpfener Stift. Bereits in jungen Jahren rebellierte Rohrbach gegen diese Abgabenverhältnisse sowie gegen höhere Amtsträger, wofür er mehrmals verurteilt wurde. Als Rohrbach ab etwa 1524 seinen eigenen Hof in Böckingen bewirtschaftete, verweigerte er einen Großteil der Zehntabgabe und lehnte sich auch hier gegen die Abhängigkeit gegenüber dem Wimpfener Stift auf. Das Aufkommen der oppositionellen Tendenzen der Untertanen gegenüber der Obrigkeit und der daran anknüpfenden Verfassung der Zwölf Artikel spiegelten somit auch seine persönlichen Interessen wider, sodass er sich dem aufkeimenden Aufstand anschloss.
Jäcklein Rohrbach traf sich bereits im Februar 1525 mit anderen Untertanen in Böckingen und zog dann von Heilbronn nach Flein, wo er mit den mitgeführten Aufständischen sein Hauptquartier errichtete. Ende März/Anfang April 1525 formierte sich daraus der Neckartaler Haufen, welcher von Rohrbach angeführt wurde. Im Zeitraum vom 4. bis zum 10. April kam es darauffolgend im Kloster Schöntal zum Zusammenschluss der Neckartaler mit dem Odenwälder Haufen zum Neckartal-Odenwälder-Haufen.
Jäcklein Rohrbach erlangte insbesondere durch seine leitende Position bei der Bluttat von Weinsberg Bekanntheit, bei welcher er am 16. April 1525 (Ostersonntag) nach der Erstürmung der Burg Weinsberg bei Heilbronn mit einer Gruppe von Aufständischen unter anderem aus dem Neckartal-Odenwälder-Haufen 16 Adelige tötete, indem sie „durch die Spieße gejagt“ wurden. Rohrbach selbst soll die Kleidung des Grafen Ludwig von Helfenstein tragend eine Art „verkehrte Welt“ vorgespielt und dem Grafen den ersten Stich zugefügt haben. Rohrbach galt insbesondere nach seinen Handlungen bei Weinsberg unter den Bauernführern als radikalere Führungsfigur, unter dessen Leitung eine Gruppe Aufständischer von dem mehrheitlich gewaltlosen Vorgehen innerhalb des Aufruhrs abließ.
Nach der Tat bei Weinsberg wurde Jäcklein Rohrbach vom Neckartal-Odenwälder-Haufen ausgeschlossen, welcher unter dem neuen Hauptmann Götz von Berlichingen Richtung Würzburg weiterzog. Rohrbach schloss sich Mitte April 1525 dem vereinigten Württemberger Haufen an. Trotz des rücksichtslosen und gewaltsamen Vorgehens bei Weinsberg, erhielt Rohrbach auch innerhalb der Württemberger mit dem Rang des Unterhauptmanns eine tragende Position. Mit einigen württembergischen Aufständischen besetzte er das Zisterzienserkloster Maulbronn, verhinderte hier allerdings eine Zerstörung der Klosteranlage.
Als sich das Heer des Schwäbischen Bundes nach der Zerschlagung der Aufstandsbewegung in Württemberg durch die Niederlage der Aufständischen in der Schlacht bei Böblingen Richtung Weinsberg begab, um dort den versammelten Aufständischen entgegenzutreten, wurde auf dem Weg Jäcklein Rohrbach in Neckargartach hingerichtet. So wurde Jäcklein Rohrbach am 20./21. Mai 1525 genau wie Melchior Nonnenmacher, der neben Rohrbach zu den Federführenden bei der Bluttat von Weinsberg gehörte und kurz zuvor hingerichtet worden war, bei lebendigem Leib verbrannt. Diese Strafe wurde durch Georg III. Truchsess von Waldburg verhängt und kann als Racheakt für die Weinsberger Tat inszeniert worden sein, da Ludwig von Helfenstein ein Schwager des Georg Truchsess war. Am 21. Mai 1525 hatte man zudem die Stadt Weinsberg niederbrennen lassen.
Quellen
- Harer, Peter, Peter Harers Wahrhafte und gründliche Beschreibung des Bauernkriegs, hg. von Günther Franz, Kaiserslautern 1936 (Schriften/Pfälzische Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften 25).
Literatur
- Angerbauer, Wolfram, Brackenheim. Heimatbuch der Stadt Brackenheim und ihrer Stadtteile, Brackenheim 1980.
- Blickle, Peter, Der Bauernjörg. Feldherr im Bauernkrieg, München 2015.
- Blickle, Peter/Buszello, Horst/Endres, Rudolf, Der deutsche Bauernkrieg. 3. Auflage, Paderborn 1995.
- Gruber, Hartmut, Ludwig Helferich von Helfenstein und die Bauern von Weinsberg 1525, in: Sie lebten in Geislingen - Kurzbiografien namhafter Persönlichkeiten aus neun Jahrhunderten, hg. vom Stadtarchiv Geislingen, Geislingen an der Steige 2016.
- Heidenreich, Benjamin, Ein Ereignis ohne Namen?. Zu den Vorstellungen des „Bauernkriegs" von 1525 in den Schriften der „Aufständischen" und in der zeitgenössischen Geschichtsschreibung, Berlin/Boston 2018.
- Klebon, Michael, Im Taumel des Evangeliums. Anton Eisenhut und der Kraichgauer Haufen im „Bauernkrieg". Absichten, Planungen und Taten als Ausdruck einer ungemein dynamischen Phase der Revolution von 1525, Ubstadt-Weiher/Heidelberg/Weil am Rhein 2020.
Zitierhinweis: Rosalie Dörflinger, Jäcklein Rohrbach (geb. 1499/1500, gest. 20./21. Mai 1525), in: Bauernkrieg, URL: […], Stand: 07.06.2024.

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