Thomas Müntzer (geb. 1489/1490, gest. 27. Mai 1525)

von Svenja Galla

Die älteste, nachträglich entstandene und nicht verbürgte Darstellung Thomas Müntzers auf einem Kupferstich von Christoph van Sichem, 1608. [Quelle: Wikipedia gemeinfrei]
Die älteste, nachträglich entstandene und nicht verbürgte Darstellung Thomas Müntzers auf einem Kupferstich von Christoph van Sichem, 1608. [Quelle: Wikipedia gemeinfrei]

Thomas Müntzer war ein Theologe und Reformator, der sowohl im thüringischen Bauernkrieg als auch bei den innerprotestantischen Konflikten mit Martin Luther eine herausragende Rolle spielte.

Müntzer wurde wohl am 21. Dezember 1489 oder 1490 in Stolberg/Harz geboren. Nach dem Besuch der Lateinschule in Quedlinburg ist Müntzer als Student der Universitäten Leipzig (1506) und Frankfurt/Oder (1512) nachweisbar. 1513/14 wurde er in Halberstadt zum Priester geweiht.

Reformation und Spannungen mit Luther

Ab 1517 besuchte Müntzer wohl häufiger Wittenberg, wo er mit großer Gewissheit auf Martin Luther und Philipp Melanchton traf. 1519 vertrat er einen lutherischen Prediger in Jüterbog und kam dort aufgrund seiner Kritik an der scholastischen Theologie und der Kirchenhierarchie rasch in Konflikt mit den Franziskanern. Das Evangelium allein sollte als Maßstab dienen, darüber hinaus galt sein Interesse mystischen Schriften und der Zwickauer Prophetenbewegung.

Sein Wirken in der Zwickauer Marienkirche im Mai 1520 brachte erneut Probleme. Obwohl er zu dieser Zeit als Lutherschüler galt, führte seine apokalyptisch und spiritualistisch geprägte Botschaft zu Spannungen mit den Anhängern Luthers. Im Gegensatz zu Luther forderte Müntzer einen gewaltsamen Umsturz der Obrigkeit und trat für die Beseitigung nicht nur geistlicher, sondern auch sozialer Ungleichheit, namentlich der Ständeordnung, ein.

Prager Manifest

Im April 1521 wurde Müntzer aus diesem Grund vom Rat entlassen und begab sich nach Prag, wo er das Prager Manifest verfasste. In diesem Bekenntnis prangerte er die Kirche an, das Wort Gottes in einer nicht wahrhaftigen und toten Form den Menschen überbracht zu haben und setzte den Heiligen Geist als Notwendigkeit für das Erleben Gottes in den Fokus.

1523 erhielt er in Allstedt die Möglichkeit, sein reformatorisches Gedankengut weiterzuentwickeln und zu etablieren. Müntzer heiratete dort die ehemalige Nonne Ottilie von Gersen, 1524 ging aus der Ehe ein Sohn hervor. In dieser Zeit lag Müntzers Hauptaugenmerk auf der Liturgiereform mit der Übersetzung der Messtexte aus dem Lateinischen ins Deutsche.

Müntzers Fürstenpredigt

Am 13. Juli 1524 hielt er auf Schloss Allstedt vor dem späteren Kurfürsten Johann von Sachsen und dessen Sohn Johann Friedrich die berühmte Fürstenpredigt, in der er diverse Missstände anprangerte. Unter Berufung auf die Bibel wollte er das Untertanenverhältnis zwischen dem gemeinen Mann und den Landesherren aufbrechen und bestand auf einem Widerstandsrecht. Das Volk hielt er für „auserwählt“, den echten Glauben wiederherzustellen.

Während dieser und der folgenden Jahre trat wiederkehrend Martin Luther auf den Plan, um seine Kritik am radikalen Verhalten Müntzers kund zu tun.

Ewiger Bund in Mühlhausen

Im August begab sich Müntzer in die Reichsstadt Mühlhausen. Er traf dort auf eine politisch wie auch geistlich instabile Lage, welche sein Vorhaben, eine radikale Gottesdienstreform auch hier durchzusetzen, begünstigte. Gemeinsam mit dem ehemaligen Zisterziensermönch Heinrich Pfeiffer stieß er auf große Zustimmung beim Volk.

In diese Zeit fällt sowohl die Gründung des „Ewigen Bundes“, ein Schutz- und Kampfbündnis gegen die „Gottlosen“ und die Aufstellung von „Elf Artikeln“ unter Mitwirkung Müntzers und Pfeiffers. Letztere sollten den alten Rat absetzen und ein neues auf Gottes Wort gegründetes Stadtregiment wählen. In der Folge wurden Müntzer und Pfeiffer aus der Stadt vertrieben.

Im Südwesten des Reiches hatte Müntzer bis auf einige Artikel, die in den Verfassungsentwurf der Bauern im Klettgau und Hegau eingingen, kaum Einfluss. Anders gestaltete sich die Situation, als er im Februar 1525 nach Mühlhausen zurückkehrte, denn Müntzer und Pfeiffer konnten dort die Wahl eines neuen „Ewigen Rates“ auf Basis der „Elf Artikel“ letztlich durchsetzen.

Bauernkrieg in Thüringen

Die im Südwesten des Reiches beginnenden Bauernrevolten erreichten im März/April 1525 auch Thüringen. In einem apokalyptisch anmutenden Appell vom 26. April 1525 mobilisierte Müntzer seine Anhänger aus dem Umkreis Mühlhausens, den Streit Gottes auszufechten, da nun die Zeit dafür reif sei. Am 11. Mai traf Müntzer mit 300 Mann in Frankenhausen zur Unterstützung des dortigen Haufens ein.

Die Lage spitzte sich zu, als Landgraf Philipp von Hessen, Herzog Georg von Sachsen, Herzog Heinrich von Braunschweig und Erzbischof Albrecht von Mainz über 2.500 Reiter und 4.000 Knechte losschickten, um den Aufstand niederzuschlagen. Indes predigte Müntzer täglich im Lager vor dem mittlerweile auf ungefähr 6.000–8.000 Mann angewachsenen Haufen und wurde so zu dessen geistlichem Anführer. In seinen Worten wies er auf den Bund mit Gott hin, den die Aufständischen auf ihren Fahnen in einem Regenbogen verbildlicht bei sich trugen.

Schlacht bei Frankenhausen

Die Aufständischen verließen die Stadt und errichteten zu ihrem Schutz eine Wagenburg. Der Haufen spaltete sich unter der Bedrohung des heranrückenden Heeres in gemäßigte und radikale Aufrührer, die auf die Forderung der Fürsten hin, Müntzer lebendig auszuliefern, zu keiner Entscheidung fanden. Müntzer konnte hingegen seine Anhänger ein letztes Mal ermutigen, als sich ein Regenbogen am Himmel zeigte.

Trotz dieses als Zusage Gottes verstandenen Zeichens fielen bei der Schlacht bei Frankenhausen je nach Quellenangabe mindestens 6.000 Aufständische. Müntzer konnte zuerst fliehen, wurde dann aber festgenommen. Am 16. Mai begann unter Anwendung von Folter Müntzers Befragung. Die auf den 17. Mai datierten Dokumente „Brief an die christliche Gemeinde und den Rat zu Mühlhausen“ und der „Widerruf“ sind aufgrund ihrer Entstehung unter Folter höchst umstritten. Bis zuletzt hielt Müntzer daran fest, allein Gott Recht zu geben und aus Gottesfurcht gehandelt zu haben. Dabei sah er die Aufstände der Bauern als Gericht Gottes über die Gottlosen.

Am 27. Mai 1525 wurden Thomas Müntzer und Heinrich Pfeiffer hingerichtet. Nach seinem Tod wurde die Figur Müntzer in den folgenden Jahrhunderten innerhalb unterschiedlicher Kontexte zu diversen Zwecken stilisiert und politisch instrumentalisiert.

Quellen

  • Quellen zu Thomas Müntzer, hg. von Helmar Junghans (Kritische Gesamtausgabe Bd. 3), Leipzig 2004.
  • Thomas Müntzer. Schriften, Manuskripte und Notizen, hg. von Armin Kohnle/Eike Wolgast (Kritische Gesamtausgabe Bd. 1), Leipzig 2017.

Literatur

  • Bräuer, Siegfried/Vogler, Günter (Hg.), Thomas Müntzer. Neu Ordnung machen in der Welt. Eine Biographie, Gütersloh 2016.
  • Brakelmann, Günter, Müntzer und Luther, Bielefeld 2016.
  • Elliger, Walter, Thomas Müntzer. Leben und Werk, Göttingen 1975.
  • Goerz, Hans-Jürgen, Thomas Müntzer. Revolutionär am Ende der Zeiten. Eine Biographie, München 2015.

Zitierhinweis: Svenja Galla, Thomas Müntzer (geb. 1489/1490, gest. 27. Mai 1525), in: Bauernkrieg, URL: […], Stand: 07.06.2024.

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