Frauenklöster des 12. bis 15. Jahrhunderts
von Matthias Untermann
Die Bauten der mittelalterlichen Frauengemeinschaften in Baden und Hohenzollern kommen erst mit diesem Klosterbuch intensiver in den Blick der Forschung. Neben den frühmittelalterlichen Frauenkonventen in Säckingen und Waldkirch gab es in der Region im 9. Jahrhundert wichtige Konvente in Zürich, Lindau, Buchau, Andlau (Elsass) und Worms. Die seit dem 12. Jahrhundert vielerorts entstehenden frommen Frauengemeinschaften bildeten zunächst Konvente ohne Regel (»Klause«, »Sammlung«). Im Blick der Forschung waren es vor allem städtische Konvente, die nach der schriftlichen Überlieferung normale Stadthäuser bewohnten. Erstaunlich häufig sind solche Frauenkonvente aber im Untersuchungsraum auch in Dörfern oder sogar ortsfern auf dem Land und einsam im Waldgebirge : Altenburg, Bächen, Bodenwald, Bohlingen, Brunnen, Dauchingen, Eichstetten, Geisingen, Gruol, Grünenberg, Heiligenzimmern, Hermannsberg, Ihringen, Inzigkofen, Kattenhorn, Möhringen, Neuhausen, Nidingen, Niedereschach, Oberweiler, Oberwolfach, Reihen, Rubacker, Rust, Sipplingen, Kirnberg bei Steißlingen, Stetten bei Haigerloch, Waldhausen bei Villingen, Weildorf, Weilheim, Weppach und Wittichen. Ohne detaillierte Bauuntersuchungen und Ausgrabungen wird die meist wohl unauffällige Baugestalt ihre Gebäude nicht materiell greifbar, und vielerorts sind sie nicht einmal präzise zu lokalisieren. Gelegentlich besetzten sie landschaftlich hervorragende Stellen, wie in Inzigkofen hoch über dem Austritt der Donau aus ihrem Albdurchbruch. In Bergheim bei Markdorf, Gengenbach, Handschuhsheim bei Heidelberg und Oberdorf bei Oberkirch sind die hoch- bis spätmittelalterlichen Pfarrkirchen erhalten, neben denen das Wohngebäude der Schwestern stand. Anschaulich ist das 1489 neugebaute Schwesternhaus in der Kleinstadt Buchen mit seiner Kapelle. In den Städten Engen und Pfullendorf erwarben die dominikanischen Frauenkonvente nacheinander die angrenzenden Wohnhäuser und bauten sie mehrgeschossig aus, so dass stadtbildprägende Gebäudekomplexe, aber keine klösterlichen Anlagen entstanden. Ein einzelnes, gut sichtbar am Stadttor errichtetes Haus beherbergte die Kürnecker Sammlung in Villingen. Nur geringe Reste sind von der Klause St. Gallus in Überlingen erhalten, nur ein Plan vom Freiburger Regelhaus zum Lämmlein. Mit der Übernahme einer anerkannten Klosterregel war vielerorts der Bau von Kirche und klösterlichen Wohngebäuden verbunden.
Auch wenn die Frauen für ihren Gebetsdienst eigene Kapellen hatten, besuchten sie für die Messe meist die nahegelegene Pfarrkirche. In Meersburg hatte der Konvent eine so große Kapelle, dass sie der nahen Pfarrkirche architektonische Konkurrenz machte. Das Kloster war seitlich an die Kirche angebaut, die Räume der Konventsleiterin in deren Verlängerung.
Die ältesten in Baden fassbaren zisterziensischen Konvente in Billigheim und Lobenfeld ließen dreischiffige Kirchen mit anspruchsvoller Baugestalt errichten. Das Chorgestühl der Frauen stand dort – wie das der Männerkonvente – zwischen dem Hochaltar und dem Laienbereich. »Nonnenemporen«, auf denen der Frauenkonvent weit entfernt vom Hochaltar sein Chorgebet hielt, sind in Baden und Hohenzollern im 12./13. Jahrhundert noch nicht belegt,[1] während es sie in Franken schon um 1230 gab.[2]
Die mittelalterlichen Anlagen der großen Benediktinerinnen-Konvente sind wegen ihrer barocken Neubauten bislang unbekannt. Mit reformbenediktinischen Männerklöstern verbunden waren die Frauenklöster in Grafenhausen (zu Allerheiligen in Schaffhausen), Amtenhausen und Friedenweiler (zu St. Georgen), Berau und Sitzenkirch (zu St. Blasien), während Frauenalb unabhängig blieb. In Sitzenkirch sind umfangreiche Reste der romanischen Saalkirche mit Apsis erhalten. Cluny unterstellt waren die Frauenpriorate Istein und Sölden. Für Istein, in dramatischer Lage neben einem Felssporn am Rheinufer gelegen, ist eine große Saalkirche mit Apsis überliefert; in Sölden sind Teile der gotischen Klosterkirche erhalten. In Grafenhausen stammt nur der Kirchturm noch aus dem Mittelalter. Vom kleinen, kurze Zeit bestehenden Zisterzienserinnenkloster Rheintal, trotz seines Namen in der Vorbergzone des Schwarzwalds gelegen, sind nur wenige Mauerreste bekannt.
Charakteristisch für Frauenklöster zisterziensischer und dominikanischer Ordnung des 13./14. Jahrhunderts waren große Saalkirchen, wie sie in Habsthal Wonnental bei Kenzingen, Konstanz St. Peter an der Fahr und Zoffingen, Lichtenthal, Neuburg, Neudingen, Pforzheim, Seligental, Stetten im Gnadental, Wald und Wittichen erhalten oder zumindest im Plan überliefert sind. Diese Kirchen bezogen teilweise ältere Bauten mit ein (Lichtenthal), oft wurden sie schon bald nach der Klostergründung erweitert und verlängert (Zoffingen, Lichtenthal, Wald). Zu ihnen gehörten vierseitige Kreuzgänge, an denen (wie in den Männerklöstern) die Gemeinschaftsräume anschlossen. In Wald weist der Kapitelsaal im Ostflügel die typischen unverschlossenen Arkaden in spätromanischen Formen auf. Mancherorts wurde die ältere Pfarrkirche zur Klosterkirche ausgebaut und behielt ihre Funktion.
Erst mit den Klosterreformen des 15. Jahrhunderts wurde eine stärkere Einschließung der Frauen angestrebt, wodurch sich der Bau von Nonnenemporen erklärt (Lichtenthal, Lobenfeld, Pforzheim, Wald). Bei anderen dominikanischen Konventen blieb das Chorgestühl zu ebener Erde (Zoffingen und St. Peter an der Fahr in Konstanz). Für viele, allenfalls bildlich überlieferte Frauenklosterkirchen fehlen hierzu Informationen (Marienau bei Breisach; Günterstal, Adelhausen, St. Katharina, St. Klara und St. Agnes bei Freiburg).
Anmerkungen
[1] Für Billigheim legt Charlotte Lagemann in diesem Klosterbuch eine neue Baugeschichte vor.
[2] Mohn 2006; Lagemann 2007; Untermann 2015.
Die vollständigen Literaturangaben sowie die Auflösung der Abkürzungen finden Sie hier.
Zitierhinweis: Matthias Untermann, Frauenklöster des 12. bis 15. Jahrhunderts, in: Badisches Klosterbuch, URL: […], Stand: 10.06.2025.

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