Heidelberg

von Matthias Untermann

Heidelberg vor der Zerstörung um 1710, Darstellung von Gabriel Bodenehr nach einer Vorlage von Matthäus Merian. [Quelle: Landesarchiv BW, GLAK J-B Heidelberg 64]
Heidelberg vor der Zerstörung um 1710, Darstellung von Gabriel Bodenehr nach einer Vorlage von Matthäus Merian. [Quelle: Landesarchiv BW, GLAK J-B Heidelberg 64]

Die frühstädtische Siedlung Heidelberg entstand im späten 12. Jahrhundert am Ausgang des Neckartals unterhalb einer Burg der Pfalzgrafen bei Rhein, gegenüber dem exponierten Heiligenberg, auf dessen Gipfel sich mit St. Michael und St. Stephan zwei Nebenklöster der Abtei Lorsch erhoben; wenig neckaraufwärts bestand bereits das Frauenkloster Neuburg. Um 1225 wurden Burg und Stadt durch Pfalzgraf Ludwig I. (1214–1231) planmäßig neu angelegt, die Stadt ummauert, mit einer Neckarbrücke und Umladehäfen für die Schifffahrt versehen. Im Nordosten wurde der große Hof der nahen Zisterzienserabtei Schönau in die Stadtmauer einbezogen.

Als erstes Kloster innerhalb der Stadt ist 1279 das Kloster der Augustinereremiten (1) fassbar, es lag in der Südwestecke der Stadtmauer im Bereich eines frühstädtischen Herrenhofs. Das im 13. Jahrhundert im Osten vor der Stadtmauer entstandene Franziskanerkloster (2) erhielt 1320 einen großen Bauplatz im Ostteil der Stadt. 1400 ließ König Ruprecht I. (1400–1410) die Stadtkirche Heiliggeist (3) zum Kollegiatstift und zur Universitätskirche erheben. Sein gleichnamiger Vorgänger Kurfürst Ruprecht I. (1329-1390) hatte 1386 in Heidelberg die nach Prag und Wien dritte Universität im deutschen Sprachraum gegründet und 1392 westlich der Stadt eine sehr ausgedehnte Neustadt anlegen und ummauern lassen. 1476 stiftete Pfalzgraf Friedrich den Dominikanern ein Kloster (4) in dieser Neustadt. Mit der pfälzischen Reformation 1551/56 endete in Heidelberg zunächst alles klösterliche Leben. Nur die ab 1228 belegte Deutschordenskommende blieb aufgrund ihres Rechtsstatus unangetastet (5).

Lageplan Heidelberg: 1 Augustineremiten; 2 Franziskaner; 3 Kollegiatstift Heilig-Geist; 4 Dominikaner; 5 Deutscher Orden; 6 Kapuziner; 7 Jesuiten; 8 Augustinerchorfrauen; 9 Karmeliten; 10 Domikanerterziarinnen; 11 Lazaristen. [Quelle: Liegenschaftskataster: Geobasisdaten des LGL Baden-Württemberg Stand 2016, Entwurf: Matthias Untermann, Zeichnung: Heribert Feldhaus]. Zum Vergrößern bitte klicken.

Erste Rekatholisierungsbestrebungen waren 1629, wie üblich, von einer provisorischen Niederlassung der Kapuziner begleitet, die 1688 in der Neustadt ein Areal des pfalzgräflichen Herrengartens als Bauplatz erhielten (6). Ihr Kloster entging - im Gegensatz zu vielen Städten - den Brandzerstörungen durch französische Truppen 1689 und 1697. Kurfürst Johann Wilhelm (1690 –1716) förderte beim Wiederaufbau nachdrücklich die katholische Konfession. 1698 erhielten die Franziskaner ihren Klosterplatz (2) zurück und konnten die Gebäude wiederherstellen. Zeitgleich ließ der Pfalzgraf im Südwesten der Altstadt ein mit der Universität verbundenes Jesuitenkolleg errichten (7); die Straßenverläufe in diesem Quartier wurden ab 1703 für die großen Konvents- und Kollegbauten verändert.

1700 gründete der Kurfürst nahebei in der Neustadt einen Konvent von Augustinerchorfrauen (8). 1701 erhielten die Unbeschuhten Karmeliten (9) die 1688 neuerbaute Jakobskirche vor dem Oberen Tor in der östlichen Jakobsvorstadt; ihr großer Klosterbezirk nahm fast den ganzen Südteil dieser Vorstadt ein. 1707 kam es zur Wiedergründung auch des Dominikanerklosters (4) an der noch vorhandenen mittelalterlichen Kirche in der Neustadt. 1720/24 wurde für Dominikanerterziarinnen (»Weißnonnen«) ein Kloster am Südrand der Neustadt neben dem Schießtor erbaut (10). Die Stadtansichten des 18. Jahrhunderts werden von den großen Klosteranlagen geprägt. 1781 gelangten die Bauten des 1773 aufgehobenen Jesuitenkollegs wie in Mannheim an die Lazaristen (11).

Im 19. Jahrhundert sind in Heidelberg die Kirchen und Konventsbauten fast aller Klöster abgebrochen worden, mit Ausnahme der Heilig-Geist-Kirche sowie der Gebäude der Jesuiten und des Deutschen Ordens.

Zitierhinweis: Matthias Untermann, Heidelberg, in: Badisches Klosterbuch, URL: […], Stand: 31.03.2025.

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