Das Schwedenkreuz bei Aasen

Wegkreuz bei Aasen
Wegkreuz bei Aasen, Quelle: Landauf, LandApp

Zu Karfreitag: Bei Aasen, heute ein Ortsteil von Donaueschingen, steht auf offenem Feld eine Stele mit Jahreszahl 1634, „Schwedenkreuz“ genannt. Die 1953 veröffentlichte Aasener Chronik vermerkt dazu: "Am 10. April 1634 wurde der Aasener Bürger Johannes Bühler außerhalb des Dorfes von den Schweden grausam totgeschlagen. (Wahrscheinlich dort, wo das Schwedenkreuz steht.)" Zu jener Zeit tobte in der Region der Dreißigjährige Krieg. Ab 1633 wurde Villingen mehrfach belagert. Württembergische Truppen unter Oberst Georg Friedrich von Holtz lagen vor der Stadt, verstärkt durch ein schwedisches Reiterregiment mit Oberst Gassion. Schließlich sollte die Brigach aufgestaut und die Stadt überflutet werden, um sie zur Aufgabe zu zwingen. Der Krieg wurde nicht nur auf militärischem Gebiet ausgetragen. Wo immer es ging, suchten sowohl Soldaten als auch Bevölkerung den notwendigen Lebensunterhalt zu beschaffen und schwärmten plündernd und brandschatzend bis weit in die Umgebung aus. Die Belagerung und der Bau des Staudamms bei Villingen mussten nach der Niederlage von Nördlingen im September 1634 abgebrochen werden. Herzog Eberhard von Württemberg flüchtete nach Straßburg, Oberst von Holtz folgte nach. Eine weitere Episode des Dreißigjährigen Krieges wird mit dem „Bettelhansenkreuz“ im Aasen benachbarten Heidenhofen in Verbindung gebracht, bis vor etwa 100 Jahren Ziel einer vorwiegend zu Karfreitag begangenen Wallfahrt. Bilder und Erläuterungen auf Landauf, LandApp. An dieser Stelle vielen Dank fürs Einstellen! Zum Weiterlesen: Die Wasserbelagerung von 1634, Schriften des Geschichts- und Heimatvereins Villingen e.V.

Zum 75. Todestag Dietrich Bonhoeffers

Dietrich Bonhoeffer
Dietrich Bonhoeffer. Bildquelle: Gedenkstätte Deutscher Widerstand

Dietrich Bonhoeffer wurde 1906 in Breslau als Sohn einer großbürgerlichen Familie geboren und wuchs zusammen mit sieben Geschwistern in Berlin auf. Die väterlichen Vorfahren der Bonhoeffers stammten aus Schwäbisch Hall, wo die ursprünglich niederländische Familie seit dem frühen 16. Jh. lebte und bis zu Pfarrer Sophonias Franz Bonhöffer (1797-1872) nachweisbar ist. Der Tod des zweitältesten Bruders im Ersten Weltkrieg war mit ausschlaggebend, dass sich Dietrich philosophischen Fragen zuwandte und evangelische Theologie studierte, zunächst in Tübingen, später in Berlin, wo er 1931 einen Universitäts-Lehrauftrag erhielt und Pfarrer der Matthäuskirche wurde. Zwei längere Auslandsaufenthalte führten Bonhoeffer 1930 an das Union Theological Seminary nach New York und ab 1933 nach London als Pfarrer für zwei deutsche Kirchengemeinden. 1935 kehrte er nach Deutschland zurück und übernahm die Ausbildung am Predigerseminar für die 1934 gegründete Bekennende Kirche, das ab 1937 im Untergrund operierte. Über Hans von Dohnanyi, dem Ehemann seiner Schwester Christine, hatte Dietrich Bonhoeffer Kontakt zu Wilhelm Canaris. Dem Netzwerk gehörten auch Christine selbst und der Bruder Klaus an. Ab 1941 konnte Dietrich Bonhoeffer seine internationalen Kontakte für den Widerstand nutzen. Offiziell arbeitete er für die deutsche Spionageabwehr. Am 13. und 21. März 1943 unternahm die Gruppe um Canaris Anschläge auf Hitler. Kurz darauf wurden Dietrich Bonhoeffer und Dohnanyi verhaftet. Nach dem Stauffenberg-Attentat wurden er und mehrere Angehörige der Gruppe zu „persönlichen Gefangenen Hitlers“ in der Berliner Gestapo-Zentrale erklärt. Über das KZ Buchenwald kam Dietrich Bonhoeffer 1945 nach Flossenbürg. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs befahl Hitler die Exekution aller Verbliebenen des 20. Juli 1944. Dietrich Bonhoeffer wurde am 9. April 1945 hingerichtet.
Über den Widerstand hinaus sind die Bemühungen Dietrich Bonhoeffers um Frieden und Gerechtigkeit in einer gesellschaftlich offenen und ökumenisch orientierten Kirche von Bedeutung.

Die Guldenglocke der Stiftskirche Stuttgart

Die Osanna-Glocke der Stiftskirche Stuttgart kurz vor ihrer Wiederaufhängung
Die geschmückte Osanna-Glocke, auch Guldenglocke genannt, der Stiftskirche Stuttgart kurz vor ihrer Wiederaufhängung an Ostern 1950, Quelle: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg

Seit mehr als 1000 Jahren rufen Glocken Christen zum Gottesdienst und zum Gebet, sie läuten zu freudigen und traurigen Anlässen, zu Taufen, Trauungen und Beerdigungen. Jede Kirchengemeinde hat eine sogenannte „Läuteordnung“. Diese Aufnahme zeigt eine ganz besondere Kirchenglocke, die sogenannte Osanna Glocke der Stiftskirche Stuttgart, hier kurz vor ihrer Wiederaufhängung an Ostern 1950. Die circa 6000 Kilogramm schwere Glocke wurde 1520 durch den Biberacher Martin Kisling aus dem Metall zersprungener Geschütze, die bei der Belagerung des Aspergs durch den Schwäbischen Bund zum Einsatz gekommen waren, gegossen. Da bei Begräbnissen für ihr Geläute einst ein Gulden gezahlt werden musste, wird sie auch Guldenglocke genannt. Sie hängt im Westturm der Stiftskirche, ist die Festtagsglocke (Gloriosa) und schlägt auch die vollen Stunden an.
Mehr zur Entwicklungsgeschichte der Kirchenglocken im deutschsprachigen Raum erfahren Sie auf der Internetseite des Glockenmuseums der Stiftskirche Herrenberg
 

Brisilleneier aus Trossingen

 Brisilleneier aus Trossingen
Brisilleneier: Mit Blauholz gefärbte Ostereier. Eine Tradition aus Trossingen. Quelle: Museum Auberlehaus Trossingen

Zum Färben dieser Eier wurde Blauholz verwendet, auch als „Brasilholz“ bezeichnet, da der Blauholz- oder auch Blutholzbaum in Zentral- und Südamerika heimisch ist. Beim Kochen der Späne in einer alkalischen Lösung entsteht zunächst ein roter Sud. Der damit getränkte Stoff nimmt beim Trocknen an der Luft eine tiefdunkelblaue, fast schwarze Farbe an. In den Ortschaften der evangelischen Baar wurden daraus Hippen, die Röcke der Frauen genäht. Bei der Verwendung der Farbe für die Herstellung von Ostereiern entstehen schöne Marmoreffekte in einer breiten Palette von Purpur- über Blau- bis zu Gelbtönen. Besonders gepflegt wird die Tradition in Trossingen, wo sich die Trachtengruppe in die Geheimnisse des Färbens eingearbeitet hat. Zum Verzehr bestimmte Eier sollten allerdings nicht mit Blauholz behandelt werden, da es nicht als Lebensmittelfarbe zugelassen ist.

Eine kleine Anekdote zum Palmesel

Ein hölzerner Palmesel, hergestellt um 1490
Eine hölzerne Palmesel-Skulptur, hergestellt um 1490, Quelle: Landesmuseum Württemberg

Am Palmsonntag wird dem Einzug Christi in Jerusalem gedacht. Prozessionen mit Palmbüscheln, die anschließend geweiht werden, ziehen zu den Kirchen. Bis Ende des 18. Jh. waren hölzerne Palmesel in Gebrauch, Nachbildungen der ursprünglich mitgeführten echten Esel, die vermutlich auf heidnisches Brauchtum zurückgehen. Im Anschluss an die Aufklärung verschwanden die Esel aus den Prozessionen. Nur wenige Figuren blieben erhalten. Die vergnügliche Schilderung einer diesbezüglichen Anekdote findet sich in der Mitte des 16. Jh. entstandenen Zimmerschen Chronik:
Zur Erledigung eines Rechtsgeschäfts hatten sich die Herren Gottfried (senior) und Johann Werner von Zimmern nach Augsburg begeben. Nach Meßkirch zurückgekehrt, habe sich „uf den palmabendt ain lecherliche historia“ ergeben: Es war üblich, dass nach der Vesper der Palmesel von der Priesterschaft, den „schulern“ und sechs Vornehmen des Raths zur Kirche Unserer Frau jenseits der Ablach geleitet wurde. Dabei musste der Esel über das sicherlich holprige Gelände gezogen werden. Auch die beiden genannten Herren von Zimmern nahmen teil. Als die Prozession vor dem Unteren Tor ins Stocken kam, gerieten zwei andere Teilnehmer aneinander: »Hainrich, du zeuchst nit« - darauf dieser, ein wunderlicher alter Mann: »Ich zeuch den teufel, was treibst du doch?« Dass er statt des Herrgotts den Teufel hinter sich herziehe sorgte für großes Gelächter unter den Teilnehmern und brachte dem armen Mann so viel Spott ein, dass er „die hailig zeit sich wenig sehen lassen oder under die leut kommen ist.“ Dem Gottfried von Zimmern hat die Blasphemie nicht so gut gefallen. Zitiert nach „De Zimmersche Chronik“, Wikisource S. 2096 f.

Suche

LEO-BW-Blog

Logo LEO-BW-Blog

Herzlich willkommen auf dem LEO-BW-Blog! Sie finden hier aktuelle Beiträge zu landeskundlichen Themen sowie Infos und Neuigkeiten rund um das Portalangebot. Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu den einzelnen Posts.