Der Buhlbachsee im Nordschwarzwald

 Buhlbachsee, vom Aussichtspunkt (Quelle: Staatsarchiv Freiburg)
Der Buhlbachsee, vom Aussichtspunkt fotografiert von Willy Pragher 1966 (Quelle: Staatsarchiv Freiburg)

Der Buhlbachsee liegt im Nordschwarzwald auf der Gemarkung der Gemeinde Baiersbronn, Landkreis Freudenstadt. Er ist ein während der letzten Eiszeit entstandener Karsee, etwa 4,5 km südöstlich des Schliffkopfs (1055 m) und mit diesem Teil des gleichnamigen Naturschutzgebiets.

Der schon im Kartenbild aufgrund seiner Form erkennbare Karsee hat einen ungefähren Durchmesser von 160 m mit einer Fläche von etwa 1,2 Hektar. Die runde Wanne des Kars mit bis zu 120 m hoch aufragenden Wänden öffnet sich nach Nordosten. Am Abfluss des von der Hochfläche kommenden Buhlbachs ist eine etwa 40 m lange Ausbuchtung des Seeufers entstanden, der ihn birnenförmig erscheinen lässt. Vom See aus wendet sich der Bach nach Nordwesten, wo er sich nach wenigen Kilometern in die Rechtmurg ergießt, die später bei Baiersbronn-Obertal in die Murg übergeht. Der gleiche Gletscher, der das Kar des Buhlbachsees schuf, hat etwa 500 m nördlich im Bereich der Seemüsse ein weiteres kleines Kar ausgebildet, das inzwischen verlandet und vermoort ist.

Während des 19. Jahrhunderts wurde der See aufgestaut, um den Holzflößern der Murgschifferschaft als Schwallung für das Holzflößen zu dienen – wie das bei fast allen Karseen des Nordschwarzwalds der Fall ist. Das häufige Stauen und Ablassen des Sees führte dazu, dass sich der bewachsene Seeboden teilweise vom festen Untergrund löste und eine aufschwimmende Insel entstand. Diese mit Moorbirken bestandene Verlandungsinsel ist etwa 0,7 Hektar groß. 

Der Buhlbachsee stellt unter den Karseen des Schwarzwaldes eine Besonderheit dar, denn er benötigt zum Erhalt größere Pflegemaßnahmen. Die den See abschließende Endmoräne wurde, ebenso wie beim Sankenbachsee, im Laufe der Zeit durch das fließende Wasser beschädigt und durchlässig, sodass der See 1945 nur noch wenig Wasser führte. Der Moränenwall wurde daraufhin aufgeschüttet und verdichtet. Auch der Buhlbachsee ist von der voranschreitenden Verlandung und Vermoorung betroffen, die vom Ufer ausgehend in den See vorstößt. 1975 wurden deshalb Teile des Sees zu seiner Erhaltung ausgebaggert.

Karl Friedrich Schimper - Ein verkanntes Genie

 Schimper, Karl Friedrich (Quelle: Universitätsbibliothek Tübingen)
Schimper, Karl Friedrich (Quelle: Universitätsbibliothek Tübingen)

Denn als sie hinschmolz, als sich die Erde neu
Sehnsüchtig aufthat, flutheten grauenvoll,
Dem Guß und Sturz der Wasser weichend,
Weg die Molassen als Löß ins Rheinthal!
Deß Zeuge warst du, herrlicher Kaiserstuhl,
Breisgaues Hochwart, sanfterer Sohn Vulcans!
Neun Linden schmücken jetzt das Haupt dir,
Schauend in spätere Paradiese.

Diese Zeilen stammen aus der Ode „Die Eiszeit“, die der 1803 in Mannheim geborene und 1867 in Schwetzingen verstorbene Geologe und Botaniker Karl Friedrich Schimper im Jahr 1837 veröffentlichte. Bereits in den Jahren zuvor hatte Schimper in München Vorträge über „Weltsommer und Weltwinter“ gehalten, in denen er Vorstellungen über Klimaschwankungen und Zeiten der Vereisung entwickelte. Diese Erkenntnisse waren damals durchaus revolutionär und gelten heute als wegweisend für die Eiszeitlehre und die Paläoklimatologie.

Neben Thesen zur Landschaftsprägung durch Lößbildung finden sich in der Ode außerdem Überlegungen zur Heimat des Eisbären, die nach Ansicht Schimpers nicht immer der arktische Nordpol gewesen sein konnte:„Wohn’st hingedrängt dort [am Nordpol] lange bereits, doch eins war deine Heimath näher bei uns! Es war vielleicht das Urland deiner Schöpfung, winterbedeckt noch, das Herz Europas.“

Doch Schimpers Forschungen waren nicht unbedingt von Erfolg gekrönt. Vor allem in seinen zahlreichen Gedichten verarbeitete Schimper seine Erfahrungen aus der Wissenschaftswelt, die von Missgunst und Ideenklau geprägt zu sein schien. So heißt es beispielsweise in der Ode „Gebirgsbildung“: „Das galileische Folter verübt an dem Sänger der Eiszeit, / oder mit Diebssinn ihn, Tiefes verflachend, bestahl, / während Aglastergeschwätz einer diebischen Elster die Menge / ehrlich und dumm und stumm beklatschend bestaunt.“ Mit der „diebischen Elster“ spielte Schimper vermutlich auf den Naturforscher Louis Agassiz an, der – als einer der wenigen – das wissenschaftliche Potential von Schimpers Eiszeitlehre erkannte und unter seinem Namen verbreitete, sodass er schließlich als Begründer gefeiert wurde.

Auch Schimpers Theorien zur Alpenbildung, die heute noch Gültigkeit beanspruchen können, eckten damals an. 1840 beauftragte Kronprinz Maximilian von Bayern Schmiper mit der geologischen Bestimmung der Alpen. Seine Forschungen führten ihn zu der Erkenntnis, dass die Alpen nicht, wie der Geologe Leopold von Buch zuvor einflussreich lehrte, durch eine plötzliche Erhebung von unten her entstanden sein konnten, sondern durch einen Horizontaldruck, der zur Faltenbildung führte. Doch auch in diesem Fall setzte sich Leopold von Buch mit seiner Lehre wirkungsvoll durch. Erst 35 Jahre später griff der Geologe Eduard Suess in seinem grundlegenden Werk „Die Entstehung der Alpen“ auch auf die Erkenntnisse von Schimper zurück ohne ihn zu erwähnen.

Schimpers Spuren folgen können Sie momentan in einer Ausstellung des Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museum. Dort ist unter anderem auch das Gedicht „Eiszeit“ im Original als Flugblatt zu sehen. Einen Bericht über Schimper und die Eiszeit-Ausstellung finden Sie außerdem beim SWR.

Inflation und Notgeld

 Hohenzollerisches Notgeld (Landesarchiv BW, StAS Dep. 1 T 3-4 Nr. 1502)
Hohenzollerisches Notgeld (Landesarchiv BW, StAS Dep. 1 T 3-4 Nr. 1502)

Zu den häufigsten, meist gut erhaltenen Sachquellen gehören sogenannte Notgeldscheine. Vor allem ihre ortsspezifische Gestaltung macht sie zu einer spannenden Quellengattung. Die bedeutendste Notgeldperiode in Deutschland liegt zwischen 1914 und 1923 und umfasst damit die Jahre des Ersten Weltkriegs sowie die Nachkriegsjahre bis zur Inflation und Währungsreform 1923.

Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs verschlang die Kriegsindustrie nicht nur große Mengen Geld, sondern benötigte auch hochwertige Metalle, die ebenso für die Münzproduktion benötigt wurden. Zudem überschritt infolge der Inflation der Materialwert von Silbermünzen ihren Nominalwert. Viele Menschen begannen daraufhin, Münzen zu horten, die dann dem Geldkreislauf entzogen wurden. Bar- und Kleingeld wurden also knapp. Um den Zahlungsverkehr weiterhin zu ermöglichen, gingen viele Kommunen, aber auch Banken oder Großbetriebe dazu über, eigenes Geld, sogenanntes Kriegs- oder Notgeld auszugeben. Um Vertrauen in das Notgeld als Zahlungsmittel zu erzeugen, orientierte man sich bei der formalen Gestaltung an den offiziellen Zahlungsmitteln, den Reichsbanknoten. Außerdem wurden die Notgeldscheine zusätzlich besonders auffallend und ästhetisch ansprechend gestaltet und mit viel Lokalkolorit versehen. Häufig war auf den Scheinen das jeweilige Wappen des Ortes abgebildet, was nicht nur die zeitliche Begrenzung der Gültigkeit der Scheine betonte, sondern auch deren örtliche Begrenzung. Orts- und Stadtansichten kamen dabei die gleiche Funktion zu.

Das Kriegsende bedeutete jedoch nicht das Ende des Notgeldes. Die kriegsbedingte Währungs- und Wirtschaftskrise der frühen 1920er Jahre mündete 1923 schließlich in einer Hyperinflation. Während der Preis für Waren aller Art stieg, verlor das Geld seinen Wert. Güter des täglichen Gebrauchs wurden unerschwinglich. Die Reichsbank ließ neue, nicht gedeckte Geldscheine mit größeren Nominalwerten drucken, wie dieses Beispiel von 1923 aus dem Regierungsbezirk Sigmaringen zeigt. Dies befeuerte allerdings den Wertverfall des Geldes und ein fataler Kreislauf setzte ein. Die Reparationsforderungen der Alliierten, die ebenfalls durch Druckgeld bedient wurden, verschärften die Probleme. Erst 1924 wurde die Inflation durch einen Währungsschnitt gestoppt.

Ein spannendes Gespräch über den Quellenwert des Notgeldes zwischen dem Historiker Dirk Schindelbeck und Katharina Beiergrößlein und Günter Riederer vom Stadtarchiv Stuttgart finden Sie hier.

Zur Geschichte des Postwesens

 

Vieles hat sich in den letzten Jahrzehnten verändert, doch nach wie vor existieren die gelben Briefkästen zur Beförderung kleinerer Sendungen, hier eine Leerung in Karlsruhe im Mai 1971 [Quelle: Stadtarchiv Karlsruhe A21_144_1_22]
Vieles hat sich in den letzten Jahrzehnten verändert, doch nach wie vor existieren die gelben Briefkästen zur Beförderung kleinerer Sendungen, hier eine Leerung in Karlsruhe im Mai 1971 [Quelle: Stadtarchiv Karlsruhe A21_144_1_22]

Der Austausch von Nachrichten hat eine lange Tradition. Zunächst wurden dazu Boten oder Kuriere eingesetzt. Im Frühen Mittelalter befanden sich die Adressaten vielfach in Klöstern, die zentrale administrative Aufgaben wahrnahmen. Die Könige zogen durch das Land, um herrschaftliche Pflichten zu erfüllen. Mit den Städtegründungen, der Ausweitung des Handels, der Entstehung von Residenzen und nicht zuletzt mit dem Einsatz von Papier wuchsen auch der Bedarf und die Möglichkeiten des Informationsaustauschs. Im Lauf der Zeit entstanden Netzwerke und Organisationen, die festgelegte Routen oder regionale Gebiete abdeckten.

Gegen Ende des 15. Jh. richtete die Familie Taxis im Auftrag der Habsburger einen regelmäßigen und gut aufgestellten Postverkehr ein, der sich über weite Teile Europas erstreckte. Mit der Ausweitung der habsburgischen Hausmacht ab der zweiten Hälfte des 15. Jh. war die Obrigkeit vor die Herausforderung gestellt worden, einen zuverlässigen und zeitlich kalkulierbaren Briefwechsel über große Distanzen zu gewährleisten. Die Postmeister der Taxis verfügten über Erfahrungen im wirtschaftlich prosperierenden Oberitalien. In kurzer Zeit verband ein System von Stationen die habsburgischen Residenzen im Osten mit den Niederlanden, Frankreich und Spanien sowie Rom. Statt der bisherigen, auf wenige Briefe ausgerichteten Botenschreiben wurden die Nachrichten gesammelt und weitertransportiert. Bei den hier eingesetzten Felleisen handelte es sich meist um Lederbeutel. Der Begriff geht auf das mittellateinische valisia zurück und bedeutet Gepäck, teils wurden auch Rucksäcke so bezeichnet. An den Stationen konnten Reiter und Pferde gewechselt werden, zeitliche Vorgaben waren einzuhalten, Vorgänge überprüfbar zu dokumentieren. Auf einer der ersten dauerhaft eingerichteten Postrouten zwischen Innsbruck und den Niederlanden erreichten Sendungen in den Sommermonaten auf diese Weise in durchschnittlich fünf bis sechs Tagen ihre Empfänger. Eine der Hauptrouten im heutigen Baden-Württemberg bestand zwischen Cannstatt und Söflingen bzw. Ulm. Nach den kriegerischen Auseinandersetzungen des 17. Jh. kamen nochmals Neuerungen zum Tragen. So wurden die Frequenz des Austauschs erhöht mit einigen täglich verkehrenden Routen, sowie ein Waren- und Personenbeförderung aufgebaut.

Die Reichspost bediente viele kleinere Territorien des Südwestens, die kein eigenes Postwesen unterhalten konnten. Die größeren Herrschaften, wie Württemberg oder bedeutende Städte, bauten eigene Organisationen auf, die nicht immer mit der sehr effektiven und gut funktionierenden Reichspost konkurrieren konnten. Auch Universitäten richteten eigene Botenanstalten ein, das städtische Botenwesen deckte regionale Bereiche ab. In Baden, der Pfalz und Württemberg bestand eine Metzgerpost, die an die Strecken anknüpfte, die beim Viehtrieb zurückgelegt wurden. In Württemberg regelte eine Verordnung von 1622 die Einzelheiten. Mitte des 16. Jh. wurde darüber hinaus eine Botenpost mit eigenen Stationen und Reiterei ins Leben gerufen, die auch entferntere Orte wie Prag oder Wien erreichte. Die Versuche zur Einrichtung einer Landespost in Württemberg endeten jedoch immer wieder in aufreibenden Auseinandersetzungen mit der Reichspost, die ab 1650 den Namen Thurn und Taxis führte. Im 18. Jh. verbesserte eine Heiratsverbindung die Situation. Nach der Gründung des Königreichs Württemberg bestand bis 1819 eine Staatspost. Anschließend erhielt Thurn und Taxis nochmals für rund 30 Jahre einen Zuschlag und operierte als Taxissche Lehenspost. Per Vertrag gingen die Rechte Mitte des 19. Jh. an die Württembergische Staatspost über. Das Postwesen verblieb auch nach der Reichsgründung 1871 in der Obhut des württembergischen Staates. Die Postorganisation in den badischen Territorien wurde bis zum Beginn des 19. Jh. fast ausschließlich über die Reichspost abgedeckt und nach Gründung des Großherzogtums vom badischen Staat übernommen. Das badische Postwesen ging 1871 in der Deutschen Reichspost auf. Bereits 1851 waren Baden, Württemberg und andere Staaten dem Deutsch-Österreichischen Postverein beigetreten, um ein einheitliches Postwesen mit gemeinschaftlichen Gebühren zu schaffen.

Detaillierte Informationen zu den historischen Entwicklungen und den Postrouten finden Sie im Historischen Atlas von Baden-Württemberg bzw. den Erläuterungen im Beiwort.

Im ehemaligen Pferdestall des Thurn- und Taxis-Hauses Alte Post in Rheinhausen wurde 1990 ein kleines Museum eingerichtet, das der über fünfhundertjährigen Postgeschichte des Ortes gewidmet ist. Die Familie Taxis errichtete bereits 1552 ein eigenes Posthaus am Ort. Die Exponate in der ständigen Ausstellung umfassen Dokumente, Fotos, Postillion-Uniformen, historische Briefkästen, Briefmarken, Posthörner sowie das Modell einer Postkutsche.

Der Nobelpreisträger Otto Heinrich Warburg

 Bild: Porträt von Otto H. Warburg bei der Europatagung der Nobelpreisträger in Lindau 1951, fotografiert von Willy Pragher (Quelle: Landesarchiv BW, StAF W 134 Nr. 020188)
Bild: Porträt von Otto H. Warburg bei der Europatagung der Nobelpreisträger in Lindau 1951, fotografiert von Willy Pragher [Quelle: Landesarchiv BW, StAF W 134 Nr. 020188]

Jedes Jahr im Herbst ist es so weit: Der Nobelpreis, der als wichtigster Wissenschaftspreis der Welt gilt, wird an herausragende Forschende, Schriftstellerinnen und Schriftsteller sowie Menschen, die sich aktiv für Frieden einsetzen, verliehen. Heute erinnern wir an den in Freiburg geborenen Biochemiker Otto Heinrich Warburg, der 1931 den Nobelpreis für Medizin erhielt.

Schon in der Jugend kam Warburg mit der Wissenschaft in engen Kontakt. Im Hause seines Vaters, des Physikprofessors und späteren Präsidenten der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt in Berlin, Emil Warburg, verkehrten führende Wissenschaftler wie Max Planck, Albert Einstein, Walther Nernst und Emil Fischer. Otto Warburg studierte Chemie an der Albert-Ludwigs-Universität zunächst in Freiburg im Breisgau, ab 1903 in Berlin. 1905 schloss er ein Studium der Medizin an, das er in Berlin, München und Heidelberg absolvierte.

Bereits während seiner Promotion galten seine Studien vorwiegend den Grundfragen der Zellatmung, wobei ihn die Überzeugung leitete, daß die Gesetze der Chemie und Physik uneingeschränkt auch für den Bereich der lebenden Zellen Gültigkeit besaßen.

Wenige Monate vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges folgte Warburg einer Berufung zum Abteilungsleiter am Kaiser-Wilhelm-Institut für Biologie in Berlin. Hier gelang ihm 1924 die Entdeckung des Atmungsferments, für die er sieben Jahre später den Nobelpreis erhielt. Ausgangspunkt von Warburgs Forschungen waren Arbeiten zur Atmung von Seeigel-Eiern. Warburg entdeckte, dass der Sauerstoffverbrauch von Seeigeln nach der Befruchtung anstieg. Er wies in den Eiern physiologisch wirksames Eisen nach. Außerdem erkannte er, dass ihre Atmung nach der Gabe von Eisen beschleunigt wurde. Daraus schloss Warburg, dass Eisen bei der Zellatmung (der Umwandlung von Nahrung in Energie) eine zentrale Rolle spielt. Später gelang es ihm, diese These zu verifizieren. Eine neuerliche Verleihung des Nobelpreises an Warburg im Jahre 1944 verhinderten die Nationalsozialisten durch ihr Verbot für die Annahme des Nobelpreises.

Ein weiteres Forschungsfeld Warburgs waren Fragen des Gewebestoffwechsels, insbesondere die Entstehung von Krebs. Schon frühzeitig setzte er sich hier für praktische Vorbeugemaßnahmen ein und regte an, das Rauchen, die Nahrungsmittelzusätze sowie die Abgasemission der Kraftfahrzeuge einzuschränken. In den letzten anderthalb Jahrzehnten seines Lebens vermied Warburg aus Kenntnis um die große Zahl der krebserregenden Stoffe jegliche Zusatzstoffe beim Essen. Er ließ sich Brot aus besonderem Mehl backen, unterhielt einen eigenen Obst- und Gemüsegarten sowie eigene Hühner, Enten, Gänse usw. Selbst Butter und Sahne wurden in seinem Laboratorium aus ausgewählter Milch hergestellt. Warburgs Erkenntnis, daß die „letzte“ Ursache des Krebses der Ersatz der Sauerstoffatmung der Körperzellen durch eine Gärung sei, fand allerdings unter Fachleuten bis heute wenig Zustimmung.

Als Sohn eines jüdischen Vaters sollte Warburg als so genannter „Halbjude“ 1934  entlassen werden. Er durfte keine Lehrveranstaltungen mehr abhalten, jedoch weiter forschen. 1941 verlor er wegen kritischer Bemerkungen gegen das nationalsozialistische Regime seine Stellung, wurde jedoch bereits kurz danach wiedereingestellt. Reichsmarschall Göring arrangierte Warburgs Neueinstufung zum „Vierteljuden“ und ermöglichte ihm so die weitere ungestörte Forschungsarbeit.

Als Warburg im Alter von 87 Jahren in Berlin-Dahlem verstarb, war er seit 57 Jahren Mitglied der Kaiser-Wilhelm- bzw. Max-Planck-Gesellschaft und seit 39 Jahren Direktor des Kaiser-Wilhelm- bzw. Max-Planck-Instituts für Zellphysiologie. Allein für ihn hatte die Max-Planck-Gesellschaft auf die reguläre Pensionierung verzichtet, um ihm die Fortsetzung seiner Arbeit zu ermöglichen.

Die ausführliche Biographie von Helmuth Albrecht aus den Badischen Biographien NF 3 (1990), 282-284 finden Sie hier. (JH)

 

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