Forchtenberg 

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Typauswahl: Gemeinde
Status: Stadt
Homepage: http://www.forchtenberg.de
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Einwohner: 4916
Bevölkerungsdichte (EW/km²): 129.0
Max. Höhe ü. NN (m): 382.36
Min. Höhe ü. NN (m): 176.74
PLZ: 74249, 7467

Mit ihren fünf Stadtteilen erstreckt sich die Stadt Forchtenberg im westlichen Hohenlohekreis entlang des Kochers. Das beiderseits des Flusses bis auf die Hochflächen reichende Gebiet hat Anteil an den Kocher-Jagst-Riedeln im Norden und den Ohrnwaldriedeln im Süden. Die Höhen reichen von 176 m über NN im Kochertal bis zu 382 m auf den Hochflächen beiderseits des Flusses. An der westlichen Kreisgrenze hat das Stadtgebiet Anteil am Naturschutzgebiet Vogelhalde Sindringen/Ohrnberg. Der bis zu 250 m breite Flussabschnitt mit Altarmresten, Weihern und Hangwald nimmt aufgrund der Dichte besonders bedrohter Vogelpopulationen eine Sonderstellung ein. Bis zur Eingliederung in Württemberg war Forchtenberg Amtsstadt. 1972 wurden Ernsbach, Forchtenberg, Muthof und Sindringen zusammengeschlossen, nachdem sich Wohlmuthausen schon 1971 an Forchtenberg angeschlossen hatte. Die im Zweiten Weltkrieges stark zerstörte Stadt wurde mit dem Ziel der Wiederherstellung des Stadtbildes wiederaufgebaut. 1968 begann eine umfassende Stadterneuerung. Neusiedlungen entstanden am südöstlichen, dann auch südlichen, nordöstlichen und schließlich westlichen Stadtrand. Zu den Sehenswürdigkeiten gehören neben dem historischen Stadtbild mit der fast vollständig erhaltenen Stadtmauer die Stollen des ehemaligen Gipswerkes. Die Lage an den Kocherübergängen gab der Stadt stets Bedeutung als Verkehrsknotenpunkt. Verbesserungen erfolgten durch den Ausbau der Kochertalstraße 1962-1968 und der Bahnlinie nach Künzelsau (1924), die 1995 stillgelegt und vom Nahverkehr Hohenlohe ersetzt wurde.

Mit einer Fläche von 38,07 Quadratkilometer erstreckt sich das Stadtgebiet von Forchtenberg entlang des Kochers bis an die westliche Kreisgrenze. Beiderseits des Flusses reicht es auf die Hochflächen hinauf. Im Norden hat es Anteil an den Kocher-Jagst-Riedeln, im Süden an den Ohrnwaldriedeln, wo es mit der Gemarkung Wohlmuthausen besonders weit auf die Hochfläche ausgreift. Die nördlichen beziehungsweise nordöstlichen Anrainer bilden die Gemeinden Schöntal und Weißbach, im Osten und Südosten schließen sich die Städte Niedernhall und Neuenstein an, während im Süden die Gemeinde Zweiflingen und im äußersten Westen die Stadt Öhringen Nachbarn sind. Die Entfernung vom Hauptort Forchtenberg zur Kreisstadt Künzelsau beträgt über die Kochertalachse (L1045) rund 12 Kilometer. Die topographischen Voraussetzungen des Stadtgebiets sind entscheidend von der Lage westlich des Assamstädter Schilds und der ihn begrenzenden Niedernhaller Verwerfung geprägt. Gegenüber dem östlichen Teil sind hier die Gesteinsschichten deutlich abgesenkt, so dass in einem Höhenniveau von 340 bis 350 Meter auf beiden Seiten des Kochers die wasserstauenden Tone des Lettenkeupers an der Oberfläche erhalten blieben, und zudem von mehr oder minder dünnen Löss- respektive Lösslehmschleiern überdeckt werden. Zwar neigen letztere zu starker Vernässung und bleiben dann häufig dem Wald überlassen, doch herrscht weitgehend Ackerland vor, wenngleich auch die schweren, oft steinigen, schwarzen »Stundenböden« des Lettenkeupers äußerst mühsam zu bewirtschaften sind. Aufgrund der besseren Versorgung mit Wasser – worauf die Seen (Tiroler Seen) hinweisen – sind die Mulden beziehungsweise Hänge im Keuper bevorzugte Standorte der dörflichen Siedlungen. Der Schleierhof, dessen abgetrennte Gemarkung als Exklave ebenfalls zur Stadt Forchtenberg gehört, macht dies deutlich. Die Siedlung liegt auf Lettenkeuper, während die Ackerflächen – bedingt durch die hier durchziehende Niedernhaller Verwerfung – fast durchweg Oberen Muschelkalk zur Unterlage haben. Auf der lössüberkleideten Keuperschicht dehnen sich auch die Weiler Büschelhof und Muthof sowie der dazwischen gelegene, bereits zur Gemeinde Schöntal gehörende Eichelshof mit ihren Landwirtschaftsflächen weit in den Wald aus. Ihr Areal gleicht Rodungsinseln, die zudem durch die dem Kocher zustrebenden Bäche (Wölflinger Bach, Ellbach, Stelzersklingenbach) getrennt werden. Sobald jene die nur wenige Meter mächtige Keuperbank durchschnitten haben und auf die darunter lagernden Muschelkalkschichten treffen, bilden sie im harten Oberen Muschelkalk steilwandige Tälchen aus. Ihre Sohlen werden von den mitgeführten tonigen Abtragungsbestandteilen weitgehend abgedämmt, so dass ihr Wasser in dem sehr verkarstungsanfälligen Kalk kaum mehr versickert. Zum Kochertal hin fallen sie steil, oft klingenartig ab und formen damit auf beiden Talseiten des Kochers jene großflächigen Riedel aus, denen die naturräumlichen Einheiten ihre Namen verdanken. Zugleich bilden sie die einzigen gangbaren Wege zu den Hochflächen, zusätzlich dadurch begünstigt, dass – speziell bei den größeren Bächen im Mündungsbereich – die unteren Talpartien aufgrund des dort angeschnittenen Mittleren Muschelkalks meist breitere Formen annehmen. Trotz der Keuperabdeckung wirkt sich die Verkarstung des darunterliegenden Muschelkalks an der Oberfläche aus. Vor allem im Bereich der Sindringer Verwerfung haben sich unter dem Wald zahlreiche Erdfälle erhalten. Sie wurden, wie auch die Zerrungsklüfte der Störungszone, zu Bohnerzfallen, in die Verwitterungsrückstände des Keupers eingeschwemmt sind und wo sich der ansonsten minimale Erzgehalt überdurchschnittlich anreichern konnte. Solche Erze wurden vor allem am Südhang des Kochers und auf der südlichen Hochfläche abgebaut und dem Eisenwerk in Ernsbach zugeführt. Mit oft ausgeprägten Schwemmfächern erreichen die Seitenbäche das Kochertal, das sich in die Lettenkeuper-Muschelkalk-Schichtfläche als breites, im Stadtgebiet in weitgehend ost-westlicher Richtung verlaufendes Kastental mit rund 110 Meter bis zum Mittleren Muschelkalk eintiefen konnte. Diese Schwemmfächer sind die bevorzugten Standorte der Talsiedlungen von Forchtenberg über Ernsbach bis nach Sindringen. Den unterschiedlichen Gesteinshärten entsprechend weist das Talprofil in den oberen Partien, dort wo der Obere Muschelkalk ansteht, steile Hänge auf, die sich mit dem Einsetzen der Ton-, Gips- und Salzlagen des Mittleren Muschelkalks deutlich verflachen. Allerdings hat der mäandrierende Kocher die Talränder bisweilen unterschnitten und dadurch auch in diesen Bereichen zur Versteilung beigetragen. An dem ausgeprägten Bergsporn, der das von Süden kommende Kupfertal bei der Einmündung ins Kochertal gebildet hat, sind Gipse des Mittleren Muschelkalks in größerem Umfang erhalten geblieben. Sie wurden zeitweise unter Tage abgebaut, wobei sich ein besonders hoher, möglicherweise durch die Spornlage bedingter Auslaugungsgrad des Gipses zeigte. Die beiden Gipslager waren nicht nur durch das Haselgebirge, einen Auslaugungshorizont bestehend aus Ton und Dolomitbrocken, getrennt, sondern zeigten selbst innerhalb der Schichten immer wieder große Hohlräume. Westlich des Stadtteils Sindringen quert eine weitere, ebenfalls in nordwestlich-südöstlicher Richtung verlaufende Störungszone das Kochertal. An dieser Sindringer Verwerfung ist der westliche Schollenteil um weitere 40 Meter abgesenkt, so dass der Kocher ab der Störungsstelle statt auf Mittleren auf Hauptmuschelkalk trifft. Dementsprechend ändert sich die Talform, indem die flacheren Unterhänge weitestgehend verschwinden und das typische Kastentalprofil wieder bestimmend in Erscheinung tritt. In einer weiten Schleife biegt der Kocher hier nach Süden ab, um erst bei Ohrnberg wieder zu seiner ursprünglichen Ost-West-Orientierung zurückzukehren. Beide Talhänge sind bewaldet. Buchen, Hainbuchen und Stieleichen bestimmen hier das Bild, während in den schluchtartigen Klingen der Bergahorn vorherrscht. Lediglich am Schorrenberg, westlich von Sindringen, werden die einstigen Weinberge von verbuschten Streuobstwiesen eingenommen. Talsohle und Prallhang des Kocherbogens stehen vom Mühlberg bis kurz vor Ohrnberg als Vogelhalde Sindringen/Ohrnberg unter Naturschutz. 1979 eingerichtet und 1999 vergrößert, bildet diese mit 216 Hektar derzeit das größte Naturschutzgebiet im Hohenlohekreis, das zudem mit seiner Häufung und Dichte von besonders bedrohten Vogelarten in Nordwürttemberg eine Sonderstellung einnimmt. In dem naturnahen, bis zu 250 Meter breiten Flussabschnitt mit seinen Altarmresten, Weihern, Feuchtwiesen, Ufergehölzen und dem Hangwald finden so seltene Vögel wie der Schwarz- und Rotmilan, der Eisvogel und besonders der Graureiher Nahrung und Lebensraum. Seit mehreren Jahrzehnten besteht hier die größte Graureiherkolonie in Nordwürttemberg. 1999 wurden deshalb von der Wasserwirtschaftsverwaltung auf landeseigenen Flächen zusätzliche Nahrungsbiotope wie ein Seitenarm, Flachwasserzonen mit spezieller Ufergestaltung sowie Sukzessionsflächen am Kocher angelegt. Das spezielle Mikroklima des Kochertals wirkt sich auch im Stadtgebiet aus. Dort liegt die mittlere Jahrestemperatur bei etwa 8,6 Grad Celsius, auf den Hochflächen bei etwa 8,3 Grad Celsius. Die überdurchschnittlich warmen, südexponierten Flanken, speziell an ihren oberen steileren Partien, sind im ost-west-gerichteten Tallauf fast durchgängig von Reben eingenommen, während die nach Norden weisenden, in ihren Durchschnittstemperaturen wesentlich kälteren Schattenhänge über die obere Talkante hinaus Wald tragen. Der Talraum fördert die Ausbildung nächtlicher Kaltluftseen, wobei vornehmlich die unteren Hanglagen durch Spätfröste gefährdet sind und damit der Reblandausdehnung Grenzen setzen. Von Süden her münden im Stadtgebiet Kupfer und Sall in das Kochertal. Die längere und wasserreichere Kupfer half im Mündungsbereich mit, den Mittleren Muschelkalk auszuräumen und den Bergsporn bei der Kernstadt Forchtenberg zu bilden. Sie zeigt hier eine breite, von Wiesen eingenommene Talsohle mit weichen unteren Hangpartien. Zum Oberlauf hin, wo der Fluss im Oberen Muschelkalk verläuft, versteilen sich die Hänge zum echten, ganz von Wald eingenommenen Kastental. Ganz ähnliche, gesteinsbedingte Veränderungen im Talprofil zeigt das Salltal, auf dessen Oberlauf das Stadtgebiet allerdings nur mit seinem südwestlichsten Zipfel ausgreift. Beide Flüsse zerlegen die Hochfläche im Stadtgebiet in einen breiten Rücken, der selbst durch Kuppen und kleinere Nebentäler zu einer welligen Ebene gestaltet ist und unweit der Kochertalkante (südlich von Waldberg) mit 352 Meter über Normalnull das topographische Höhenmaximum im Stadtgebiet erreicht. Trotz der Keuperdecke wirkt sich die Verkarstung der Muschelkalkplatte aus, denn einige der kleineren Bachläufe gehören zu den nur periodisch fließenden Gewässern. Den nördlichen Rückenbereich nimmt der Heiligenwald ein, ein ausgedehntes Laubwaldareal, das unter anderem ein wichtiger Holzlieferant für die Niedernhaller Saline war. Nach Süden hin überzieht die Ebene weites Ackerland, allerdings recht unterschiedlicher Qualität. Auf den gut belüfteten Kuppen, Rippen und Hangkanten findet man das Braune Feld (Braun- beziehungsweise Parabraunerden), auf den gebleichten oft staunassen degradierten Lösslehmen das Weiße Feld und in den stark von Ton durchsetzten Mulden die zähen, rasch zur Nässe und dann wieder zur Austrocknung neigenden Böden (Pelosole) des Schwarzen Feldes. Von den ehemals zahlreichen Stauweihern gerade auf Lettenkeuperunterlage ist ein größerer nur nordwestlich von Wohlmuthausen erhalten geblieben. Am südlichsten Zipfel des Stadtgebiets, am Haberhof, wird wiederum die Sindringer Verwerfung erreicht, die hier mit parallel und senkrecht zu ihr verlaufenden Querbrüchen ein kompliziertes Schollenmosaik hervorgerufen hat, durch das die Wachäckerkuppe als Hochgebiet (331 Meter über Normalnull) über die Umgebung leicht herausgepresst wurde.

Forchtenberg war bei seiner Eingliederung in das Königreich Württemberg Amtsstadt. Bis 1809 war es Sitz eines Patrimonialamts, das auch Ernsbach und Wohlmuthausen mit Schwarzenweiler und Orbachshof umfasste. Hohensall und Metzdorf (Amt Kirchensall) sowie Haberhof (Amt Neuenstein) gehörten zum Patrimonialobervogteiamt Neuenstein. 1808 kam Wohlmuthausen mit seinen heutigen Teilorten zur Schultheißerei Kirchensall; seit 1812 bildete es mit Neufels, Neureut und Stolzeneck eine eigene Schultheißerei. Die nachträglich hinzugekommenen Orte wurden bis 1858 wieder ausgegliedert. Die zu Westernhausen gehörigen Weiler Muthof, Büschelhof und Schleierhof bildeten 1835 – zunächst mit Eichelshof und Spitzenhof, die 1888 an Schöntal kamen – die selbständige Gemeinde Muthof. Sindringen, vormals Patrimonialobervogteiamt, war seit 1812 Sitz eines Unteramts, verlor diese Funktion aber noch vor 1824 wieder. Zu Sindringen zählen der Wohnplatz Ziegelhütte und der 1845/46 von Christoph Schies aus Eichach erbaute Schießhof sowie der Hof Neuzweiflingen, der um den 1856 erworbenen Trautenhof erweitert wurde. Seit dem 1. Januar 1972 bilden Ernsbach, Forchtenberg, Muthof und Sindringen infolge der Gemeindereform die Großgemeinde Forchtenberg; Wohlmuthausen schloss sich Forchtenberg bereits zum 1. Dezember 1971 an. Im Gemeindeverwaltungsverband Mittleres Kochertal mit Sitz in Niedernhall ist Forchtenberg seit dem 1. Januar 1975 mit Niedernhall und Weißbach zusammengeschlossen. Die Abschaffung der Grundlasten war eine der Hauptforderungen in der Revolution von 1848. Am 9. März 1848 publizierte die hohenlohische Domänenkanzlei in Öhringen eine Erklärung, wonach die Standesherrschaft zur Ablösung der Grundlasten und zur Beseitigung des Wildschadens bereit war. Bezüglich der letzteren Beschwerden hatte die Forchtenberger Bevölkerung inzwischen zur Selbsthilfe gegriffen; von der Verlautbarung aus Öhringen blieb sie unbeeindruckt. Der Stadtschultheiß berichtete an das Oberamt von Jagdfreveln in Gruppen von fünfzig bis sechzig Personen und äußerte die Sorge, eine strikte Ahndung der illegalen Jagden könne die revolutionäre Gewaltbereitschaft zusätzlich schüren. Ein weiteres Schreiben der Standesherrschaft vom 11. April entzog dann aber der drohenden Eskalation den Boden: Bis zum Jahresende wurde das Jagen generell erlaubt, desgleichen ab dem 1. Januar 1849 die freie Jagd auf eigenem Grund und Boden. Im November 1918 erfasste erneut revolutionäre Stimmung die Bevölkerung und fand diesmal auch bei den Gemeindevertretern Rückhalt. Der links-demokratische Forchtenberger Gemeinderat ließ es sich nicht nehmen, an die offen gebliebenen Rechnungen von vor siebzig Jahren zu erinnern und erklärte in einem Gemeinderatsbeschluss vom 27. Dezember 1918 zur bevorstehenden Abschaffung der Adelsvorrechte, nun werde nachgeholt, was man 1848 versäumt habe. Vielerorts bildeten sich Arbeiter- und Soldatenräte. Sindringer Bürger trafen sich am 2. Dezember 1918 auf Einladung des Arbeiter-, Bauern- und Soldatenrats von Öhringen zur Ratsgründung. Mit Erfolg agierte in Forchtenberg vom Spätherbst 1918 bis in den Herbst 1919 ein Arbeiter- und Bauernrat, auf dessen Tätigkeit das Rücktrittsgesuch des Stadtschultheißen am 1. Oktober 1919 zurückging. Dem Schultheißen wurden Verfehlungen in der Amtsführung nachgewiesen, die seitens des Oberamts zur Androhung eines Disziplinarverfahrens führten. An die Spitze der Gemeinde Forchtenberg rückte nun Robert Scholl, der Vater der Geschwister Scholl. Als fortschrittlicher Bürgermeister stieß Scholl mit Projekten wie Kanalisation, Lagerhaus, Turnhalle, Jugendherberge und Anschluss an die Eisenbahn aber auf manchen Widerstand, der auch ihn als Person nicht ausnahm und seine Wiederwahl 1929 scheitern ließ. In den 1890er Jahren fächerte sich das Parteienspektrum auf. Neben die traditionellen Großparteien – Nationalliberale, Deutsche Reichspartei und Volkspartei – traten die SPD, das Zentrum und gegen Ende der 1890er Jahre der Bauernbund. Muthof, einst Besitz des Klosters Schöntal (1895 89 Prozent Katholiken), wählte bis zum Ende der parlamentarischen Demokratie 1933 vorwiegend die katholische Zentrumspartei. Die Agrargemeinde Wohlmuthausen erwies sich als Hochburg des konservativen Bauernbunds. Die Wählerschaft von Ernsbach, Forchtenberg und Sindringen war hingegen weniger homogen. Als zweitstärkste Gruppierung konnte die linksliberale Volkspartei in der Nachfolge der Nationalliberalen die Wechselwählerschaft des Bauernbunds für sich gewinnen und fand dabei in Forchtenberg und Ernsbach tendenziell Zustimmung. Ernsbach, seit der Wende zum 20. Jahrhundert ein industriell aufstrebender Ort, ermöglichte den Sozialdemokraten zunehmend gute Ergebnisse (1912 31,4 Prozent, 1928 40,9 Prozent, 1930 54,3 Prozent). In den Wahlgängen von 1928 und 1930 konnte sich die SPD in Forchtenberg und seinen Teilorten im Durchschnitt als zweitstärkste Partei hinter dem WBWB – Württembergischen Bauern- und Weingärtnerbund – etablieren, fand aber 1930 ihren gefährlichsten Widersacher in der NSDAP, die damals in Forchtenberg 21,6 Prozent erzielte. Der Erfolg der NSDAP mobilisierte schließlich auch die Wähler des linken Spektrums; deshalb entschieden sich in der Reichstagswahl vom November 1932 in Ernsbach 18,5 Prozent, in Forchtenberg 11,1 Prozent für die KPD. Im Februar 1933 wurde der Amtsnachfolger von Robert Scholl wegen Veruntreuung von Geldern entlassen. An seine Stelle trat Eugen Maurer, ein Kandidat der NSDAP. Die NSDAP konnte unter Federführung ihres Kreisleiters, des Stadtarztes Dr. Dietrich, ihre Basis ausbauen. Die Kriegsauswirkungen erreichten Forchtenberg mit Umquartierten aus gefährdeten Städten. In die unter der Altstadt existierenden Stollen wurde 1943 eine Produktionsstätte der NSU verlagert; hier arbeiteten etwa dreißig Stammarbeiter des Werks und rund sechzig Zwangsarbeiter, überwiegend Russen. In den letzten Kriegstagen fanden in den Stollen viele Forchtenberger Zuflucht vor der Bombardierung durch die amerikanische Luftwaffe am 2. April und dem Beschuss vom 7. bis 11. April, wodurch ein Drittel der Stadt zerstört wurde. Die Stollen können heute besichtigt werden. Die Brücken über Kocher und Kupfer wurden von der deutschen Wehrmacht gesprengt. Am 11. April nahmen die Amerikaner Forchtenberg ein. Ernsbach wurde am 13. April besetzt; zuvor war der Ort von amerikanischer Artillerie beschossen worden, blieb aber von schlimmeren Zerstörungen verschont. Belgische Kriegsgefangene, die sich mit Ernsbach und seiner Bevölkerung verbunden fühlten, gingen den amerikanischen Truppen mit einer weißen Fahne entgegen und bewahrten so das Dorf vor weiterer Gefahr. Die steinerne Kocherbrücke, deren Fundament 1605 Michael Kern gelegt hatte, sprengte deutsches Militär am 8. April. Muthof wurde am 9. April von amerikanischer Infanterie besetzt. In Sindringen wurden bei amerikanischen Luftangriffen am 1. und 8. April etwa dreißig Prozent der Wohnungen zerstört. Die Besetzung erfolgte am 15. April. Die Kocherbrücke von 1525 war am 9. April von der Wehrmacht gesprengt worden. In Wohlmuthausen wurden am 11. und 12. April mehrere Anwesen durch amerikanische Bombardierung und Artilleriebeschuss zerstört. Auch Schwarzenweiler hatte Schäden zu beklagen; desgleichen war Hohensall Angriffsziel. Am 13. April marschierten amerikanische Truppen ein. Orbachshof, Metzdorf und Haberhof blieben von Kampfhandlungen verschont. Wenige Tage vor Kriegsende wurde der stellvertretende Bürgermeister von Forchtenberg, Richard Leitlein, per Handstreich abgelöst und durch Eugen Deyhle ersetzt; der Gemeinderat wurde ausgewechselt. Wegen Amtsanmaßung wurde Deyhle am 5. Juni 1945 von der amerikanischen Militärregierung verhaftet. In der ersten Gemeinderatswahl im Januar 1946 spielten parteipolitische Erwägungen keine Rolle. In den ersten demokratischen Parlamentswahlen nach Kriegsende, der Wahl zur Verfassunggebenden Landesversammlung von Württemberg-Baden am 30. Juni 1946 und der Landtagswahl am 24. November 1946, knüpfte die Wählerschaft an frühere Orientierungen an. Die CDU gewann in beiden Wahlen die Zentrumsanhänger von Muthof zu über 90 Prozent. Wohlmuthausen, ehemals eine Hochburg des konservativen Bauernbunds, setzte zunächst auf die CDU (Wahl zur Landesversammlung 61,6 Prozent), stärkte bei der folgenden Landtagswahl aber die DVP (41,5 Prozent). Die SPD gewann mit jeweils über 30 Prozent in Ernsbach, Forchtenberg und Sindringen ihre früheren Anhänger zurück, die KPD in Ernsbach mit jeweils über 20 Prozent. In der ersten Bundestagswahl 1949 setzte sich der Erfolgskurs der liberalen FDP fort; sie positionierte sich gleichrangig neben der CDU. Beide Parteien erreichten im Durchschnitt aller Teilorte 33,2 Prozent. Forchtenberg erwies sich als traditionell liberal (50 Prozent), gefolgt von Wohlmuthausen (46,7 Prozent), Sindringen (38,4 Prozent), Ernsbach (28,8 Prozent) und Muthof (0,5 Prozent). In Ernsbach gewann die CDU Terrain (31,5 Prozent); SPD und FDP/DVP erreichten jeweils fast ein Drittel der Stimmen (25,6 Prozent beziehungsweise 28,8 Prozent); die KPD verlor viele Wähler und kam nur noch auf 5,6 Prozent. Die Wahlergebnisse der Interessengemeinschaften von Vertriebenen, Flüchtlingen und Kriegsgeschädigten reduzierten sich nach der ersten Landtags- und Bundestagswahl auf einstellige Ergebnisse. In den folgenden Bundes- und Landtagswahlen setzte sich die CDU als Favorit durch; dies blieb bis heute so.

Wappen von Forchtenberg

In Rot der stehende, golden (gelb) nimbierte und silbern (weiß) gerüstete Erzengel Michael mit goldenem (gelbem) Kreuzspeer den Rachen des silbernen (weißen) Lindwurms durchbohrend.

Beschreibung Wappen

Die neue Stadt Forchtenberg wurde am 1. Januar 1972 durch Vereinigung der früheren Städte Forchtenberg und Sindringen mit zwei Dorfgemeinden gebildet, nachdem eine weitere Gemeinde schon zuvor in Forchtenberg eingegliedert worden war. Sie übernahm das in Siegeln seit 1516 nachgewiesene Wappen ihrer namengleichen Vorgängerin, wobei der Speer des Erzengels Michael zur Erinnerung an das goldene Kreuz im Sindringer Wappen (16. Jahrhundert) in einen goldenen Kreuzspeer umgewandelt wurde. Als hohenlohesche Haus- und weinsbergische sowie schöntalische Wappenfarben können die Farben Silber (Weiß) und Rot historisch mit allen in der neuen Stadt aufgegangenen Gemeinden in Verbindung gebracht werden. Das Wappen und die Flagge wurden vom Landratsamt am 7. Juni 1978 verliehen.