Mainhardt 

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Typauswahl: Gemeinde
Status: Gemeinde
Homepage: http://www.mainhardt.de
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Einwohner: 5791
Bevölkerungsdichte (EW/km²): 99.0
Max. Höhe ü. NN (m): 517.11
Min. Höhe ü. NN (m): 319.75
PLZ: 74523, 74535

Das im äußersten Westen des Landkreises Schwäbisch Hall sich auf eine Fläche von 58,69 qkm erstreckende Gemeindegebiet von Mainhardt liegt in den Schwäbisch-Fränkischen Waldbergen mit seinen ausgedehnten geschlossenen Sandsteinschichten und randlichen Keuperhöhen. Den höchsten Punkt erreicht die Hochfläche westlich des Hauptortes beim Nüßlenshof mit ungefähr 513 m NN, die niedrigste Stelle weist das Gemeindegebiet am Ausfluss der Brettach über die Nordwestgrenze mit etwa 321 m NN auf. Mainhardt gehört zum Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald, im äußersten Norden des Gemeindegebiets besteht seit 1986 das 6 ha große Naturschutzgebiet Kalksklinge. An das einstige römische Kohortenkastell des obergermanischen Limes erinnern im Hauptort noch wenige konservierte Reste. Die sichtbaren Relikte des antiken Grenzwalls, der das Gemeindegebiet durchschneidet, wurden 2005 in die Liste der UNESCO-Welterbestätten aufgenommen. 1332 und 1369 wurde Mainhardt zwar als Stadt bezeichnet, jedoch ist von einer Stadterhebung oder einer Befestigung nichts bekannt. 1803 fiel das bis dahin zur Reichsstadt Schwäbisch Hall gehörende Bubenorbis, 1806 auch die hohenlohischen Orte Ammertsweiler, Geißelhardt und Mainhardt sowie das Kondominat Hütten ganz an Württemberg. Bubenorbis wurde dem Oberamt Hall zugewiesen, für die anderen wurde Schwäbisch Hall erst 1938 die zuständige Amtsstadt. Die vier genannten, bisher selbständigen Gemeinden wurden vom 1. Juli 1971 bis zum Jahresbeginn 1974 nach Mainhardt eingemeindet.

Teilort

Wohnplatz

Wüstung

Die Gemeinde Mainhardt liegt mit ihren Teilorten im äußersten Westen des Landkreises rund 14 Kilometer von Schwäbisch Hall entfernt. Im Südwesten grenzt die Gemeinde an den Rems-Murr-Kreis, im Westen an den Landkreis Heilbronn und im Norden an den Hohenlohekreis. Die Gemeinde im namengebenden Mainhardter Wald ist mit einem Bodenflächenanteil von 53,2 Prozent waldreich. Erschlossen wird sie über die B 14, die das Gemeindegebiet in Ost-West-Richtung quert, und durch die von Westen kommende B 39, welche beim Nüßlenshof in die B 14 einmündet und den Raum mit Heilbronn verbindet, während die B 14 den östlichen Raum gegen Schwäbisch Hall erschließt. Das Gemeindegebiet stellt einen Ausschnitt der Schwäbisch-Fränkischen Keuperwaldberge (350–500 Meter über Normalnull) dar. Es wird einerseits von der zentralen, flächen- und zum Teil weiträumig verebnungsbildenden Stubensandsteinhochfläche des Hinteren Mainhardter Walds bestimmt, andrerseits wird die Hochfläche von zwei bis zu 150 Meter tief einschneidenden und sie mit steilen Hängen begleitenden Flusssystemen – Brettach und Rot – entwässert. Trotz der flächenhaften Dominanz des Stubensandsteins sind mancherorts – vor allem in den Taleinschnitten – die Gesteine des Mittleren Keupers (Gipskeuper, Schilfsandstein, Untere Bunte Mergel, Kieselsandstein, Obere Bunte Mergel) aufgeschlossen. Daneben gibt es aber auch quartäre Einschübe (pleistozäne Terrassenablagerungen und holozäne Rutschungen) bedeutenderen Ausmaßes. Die Wasserscheide zwischen Brettach und Rot verläuft auf der zentralen Stubensandsteinhochfläche des Mainhardter Walds. Die nach Nordwesten fließende Brettach hat sich aufgrund höherer Reliefenergie relativ schnell und stark ins Keuperbergland eingeschnitten und die Hochfläche an ihren Rändern stark aufgelöst. Die Rot, welche in südlicher beziehungsweise östlicher Richtung ursprünglich der Ur-Brenz zufloss und damit das alte danubische Entwässerungssystem nachzeichnet, mündet bei Unterrot-Gaildorf in den durch Flussumkehr nach Nordwesten gerichteten Kocher ein. Auf der gesamten Stubensandsteinhochfläche sind die Böden in erheblichem Maß einem starken Wandel (Mosaikböden) unterworfen. Durch die vielfältigen Wechsel innerhalb des Stubensandsteins mit sandigen, mergeligen, tonigen und schiefrigen Lagen führt dies zur Bildung von Sand- und/oder Tonböden. Auf dem Stubensandsteinplateau selbst gibt es hauptsächlich nur magere, wasserdurchlässige, aufnahmeschwache Böden. Zugleich zeigen sich als Besonderheit in den weiten Senken die so genannten Mainhardter Mergel, die im Mainhardter Umland bis 14 Meter mächtig werden können. Sie stellen Reste älterer, höher gelegener, tonig-mergeliger Keupersedimente dar. In abflusslosen Zonen können staunasse Gleyeböden auftreten. Die schweren Tonböden wie die einschränkenden Faktoren der Höhenlage mit ihrem raueren Klima (Jahresdurchschnittstemperatur 7,5–8 Grad Celsius) bieten der Landwirtschaft mindere Standorte für Hackfrüchte und Getreide, weshalb Grünlandwirtschaft überwiegt. Die Waldwirtschaft nutzt heute vorzugsweise Nadelhölzer, die an Stelle der früheren Eichen und Buchen traten. Unterbrochen werden die Stubensandsteinverebnungen lediglich von Rodungsinseln. Einzelhöfe, Weiler und Dörfer beherrschen das Siedlungsbild. Der Wald diente ursprünglich der Rohstoffversorgung (Pottaschegewinnung) der frühmerkantilistischen Glasproduktion, worauf noch zahlreiche Ortsnamen oder Ortsnamensendungen hinweisen (-hütten, Glas-, Aschen-). Ein beredtes Beispiel der frühneuzeitlichen Glasproduktion stellt das Glasbläserdenkmal Mainhardts dar. Die Quarzsande des Stubensandsteins und der Holzreichtum lassen vermuten, dass die Hochflächen ursächlich nicht für die selbstgenügsame Landwirtschaft gerodet wurden, und dass diese lediglich in die Nachfolge der Glashütten der dort verbliebenen Bevölkerung eintrat. Besonders auffällig ist der relative Niederschlagsreichtum des Mainhardter Walds mit Niederschlagssummen von über 1000 Millimetern. Ein Großteil des versickernden Niederschlags tritt in einer Vielzahl von Quellen in der Hangfußzone an der Grenze von Keupertonen und Sandsteinen zutage. Mehrheitlich handelt es sich um kleine, wenig ergiebige Quellen, die aber bei Mainhardt ein dichtes Netz bilden (bis zu 14 Quellen pro Quadratkilometer). Aufgrund der Quellenvielfalt konnten sich früher die Einzelhofsiedlungen selbst mit Wasser versorgen. Wegen der geringen Schüttung legten viele Müller entlang der Bachläufe Reserveteiche und Weiher an. Eine seit dem 15. Jahrhundert nachweisbare Mineralquelle wird heute zur Speisung des Freibads und zur Getränkeherstellung verwendet.

Durch den Reichsdeputationshauptschluss von 1803 fiel das bis dahin der Reichsstadt Hall zugehörige Bubenorbis, durch die Rheinbundakte von 1806 auch das restliche heutige, zuvor vorwiegend fürstlich hohenlohe-bartensteinische Gemeindegebiet an Württemberg. Mainhardt, bis Ende 1812 Sitz eines württembergischen Unteramts, wurde nacheinander dem Oberamt Neuenstein, 1809 Öhringen, 1810 Weinsberg und mit dessen Auflösung 1926 dem Oberamt Hall zugeschlagen. Das gleiche Schicksal erlebte die 1828 aus Mainhardt herausgelöste und fortan selbstständige Gemeinde Ammertsweiler ebenso wie zunächst der Ort Geißelhardt, der 1842 allerdings wieder zum Oberamt Öhringen zurückkehrte. Hütten war anfänglich Bestandteil des Weinsberger, seit 1808 des Gaildorfer Oberamts, während allein Bubenorbis seit seiner Zugehörigkeit zu Württemberg beim Haller Bezirk blieb. Bis zur Aufhebung der Mittelinstanz der Kreisregierungen 1924 zählten die heutigen Ortsteile im Oberamt Weinsberg zum Neckarkreis, die übrigen zum Jagstkreis. Mit der Auflösung des Oberamts Weinsberg 1926 wurden sie dem Oberamt Hall zugewiesen, 1938 kamen dazu auch die Gemeinden Geißelhardt vom Kreis Öhringen sowie Hütten vom damals aufgehobenen Kreis Gaildorf. Erstmals war damit das heutige Gemeindegebiet nicht mehr von Grenzen der untersten staatlichen Verwaltung zerschnitten. Die letzte kommunale Gebietsreform brachte für Mainhardt den Zugewinn von Ammertsweiler am 1. Juli 1971, von Bubenorbis und Geißelhardt am 1. Januar 1972 und von Hütten am 1. Januar 1974. Die Eingemeindungen trafen jedoch nicht allerorts auf ungeteilte Zustimmung. Wie überall in Württemberg wurde durch Gesetz 1817 die Aufhebung der persönlichen Leibeigenschaft, 1836 diejenige der Fronen und Gefälle sowie 1848/49 die Zehntablösung in die Wege geleitet. Die Agrarkrise in der Mitte des 19. Jahrhunderts führte in den naturräumlich benachteiligten Gemeinden mit bedeutendem Holzwaren-Hausierhandel zu sozialen Spannungen und Problemen. Im Mai des Revolutionsjahrs 1848 rückte württembergisches Militär wegen der ständigen Holzdiebstähle in den staatlichen und standesherrlichen Waldungen für einige Tage in die Gemeinde Hütten und weitere Orte des Rottals ein. Von 1855–73 wurde Geißelhardt als eine der 39 ärmsten und ›verwahrlosten‹ Gemeinden des Königreichs, die ihre kommunalen Mittel nicht selbst aufbringen konnten und sich ›in sittlichem Zerfall‹ befanden, ›unter besondere Staatsaufsicht‹ gestellt. Die Reichstagswahlen des Kaiserreichs 1871–1912 zeigen in den fünf Waldgemeinden mit protestantischer und kleinbäuerlicher Bevölkerung ein weitgehend übereinstimmendes Bild des politischen Wandels. Bis 1887 erhielten die Vertreter der Nationalliberalen (Deutsche Partei), sofern nicht andere konservative parteilose Persönlichkeiten kandidierten, häufig bis zu 100 Prozent der Stimmen. In den 1890er Jahren lag die württembergische Volkspartei (Linksliberale), 1903 und 1907 der konservative Bund der Landwirte meistens vorne. Die SPD erreichte 1898 in Ammertsweiler und Geißelhardt die relative, 1912 in Mainhardt die absolute Mehrheit. Bei dieser letzten Vorkriegswahl dominierten die Konservativen in Ammertsweiler und Bubenorbis, während in Geißelhardt der Kandidat der Volkspartei, in Hütten derjenige der Nationalliberalen an der Spitze lag. Die Wahlen zur Verfassunggebenden Deutschen Nationalversammlung 1919 ergaben bei unterschiedlicher Wahlbeteiligung sozialdemokratische Mehrheiten in Ammertsweiler (74 Prozent), Geißelhardt (53,9 Prozent) und Mainhardt (63 Prozent), in Bubenorbis (53,5 Prozent) und Hütten (42 Prozent) war indes die konservative Württembergische Bürgerpartei erfolgreich. Während der Weimarer Republik konnte die SPD ihre Position nicht halten. Die konservativen und nationalen Parteien lagen bei den Wahlen von 1932 und 1933 vor der SPD. Bei der Märzwahl 1933 siegte die NSDAP bei hoher Wahlbeteiligung in allen Teilorten; teilweise vereinigte sie – wie in Mainhardt – mehr als drei Viertel der abgegebenen Stimmen auf sich. Während des Zweiten Weltkriegs waren in Ammertsweiler zehn, in Geißelhardt 24 und in Hütten 22 französische Kriegsgefangene als Arbeitskräfte im Einsatz. Hinzu kamen ausländische Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter (›Ostarbeiter‹) in variierender Anzahl und mit unterschiedlicher Aufenthaltsdauer: Bei Kriegsende war die Zahl der Zwangsarbeiter in der Gesamtgemeinde auf 228 Erwachsene (darunter Mütter mit insgesamt 9 Kindern) angestiegen. Am 1. Dezember 1941 wurde die staatenlose Jüdin Rosa Piotokowsky, eine gebürtige Mannheimerin, die seit 1940 bei ihren Pflegeeltern in Ammertsweiler lebte, nach Riga deportiert und ermordet. Anfang April 1945 starben in einem Wald bei Hütten 47 von 1000–1500 KZ-Häftlingen, die sich auf einem Evakuierungsmarsch von den Konzentrationslager-Außenkommandos am Neckar Richtung Hessental befanden (seit 1957 beigesetzt auf dem KZ-Friedhof in Bad Friedrichshall-Kochendorf). Die fünf Teilorte, in denen auch Evakuierte aus bombardierten Städten eine Unterkunft gefunden hatten, wurden am 17. April 1945 von vorrückenden US-Truppen nach kurzen Gefechten mit deutschen Einheiten besetzt. Im Verlauf der Kämpfe kam es auch zu Opfern in der Zivilbevölkerung und zu erheblichen Gebäudeschäden. Auffällig ist bei den Bundestagswahlen und insbesondere den Landtagswahlen das gute Abschneiden der FDP in der Gesamtgemeinde Mainhardt, die hier stets über dem Kreisdurchschnitt lag. Die Freien Demokraten erhielten bei den Bundestagswahlen 1949 und bei den Landtagswahlen 1956–68 und 2001 die Mehrheit, bei den Landtagswahlen 1960 und 1964 sogar die absolute Majorität der Stimmen. Die CDU erzielte ihre besten Wahlergebnisse bei der Bundes- und der Landtagswahl 1976 mit 59,7 beziehungsweise 57,5 Prozent, während die SPD – stets unter dem Kreisdurchschnitt – mit 31,3 Prozent bei der Bundestagswahl 1998 ihr Maximum erreichte. Die GRÜNEN kamen bei der Bundestagswahl 2002 auf 10,4 Prozent, die Republikaner – stets über dem Kreisdurchschnitt – bei der Landtagswahl 1996 sogar auf 15 Prozent.

Wappen von Mainhardt

In gespaltenem Schild vorne in Schwarz ein goldener (gelber) Löwe, hinten in Gold (Gelb) auf grünem Boden eine natürliche Birke.

Beschreibung Wappen

Die Gemeinde nahm 1927 ein Wappen an. In gespaltenem Schild vorne in Schwarz ein hersehender silberner Löwe, der mit der linken Pranke ein silbernes Schildchen, darin zwei schreitende, hersehende schwarze Löwen übereinander, hält; hinten in Gold auf grünem Dreiberg ein grüner Baum. Während das hohenlohesche Wappentier samt dem von ihm gehaltenen Stammwappen der Grafen beziehungsweise Fürsten von Hohenlohe an deren von 1416 bis ins 19. Jahrhundert währende Herrschaft erinnerte, bezog sich der Baum auf die Ortsnamenendung „hardt" = Weidewald. 1957 wurde dieses Wappen vereinfacht und vom Innenministerium bestätigt. Die vordere Schildhälfte weist nun auf die ursprüngliche staufische Herrschaft hin. Das Landratsamt Schwäbisch Hall hat die Flagge am 17. März 1980 verliehen.