Frickenhausen 

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Typauswahl: Gemeinde
Status: Gemeinde
Homepage: http://www.frickenhausen.de
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Einwohner: 8693
Bevölkerungsdichte (EW/km²): 766.0
Max. Höhe ü. NN (m): 442.27
Min. Höhe ü. NN (m): 297.9
PLZ: 72636

Im Süden des Landkreises Esslingen reicht die Gemeinde mit ihren beiden eingemeindeten Teilorten von der Kreisgrenze zu Reutlingen nach Nordosten über das bachreiche Braunjura-Hügelland der Neuffen-Vorberge der Mittleren Schwäbischen Alb bis an die Stadtfläche von Nürtingen heran. Auf der Kuppe der Mochenhalde ganz im Osten wird mit 443 m über NN die höchste Geländehöhe erreicht, die zur Westgrenze bis auf 300 m zur Steinach abfällt. Diese und der kleinere Krummbach sind die zentralen Gewässer. Wiesen, an den Hängen Streuobstfläche, in den geschützten Tälern Obstkulturen und neuerdings auch wieder Reben bestimmen die Landnutzung. Hauptsiedlungsachse ist das breite Steinachtal, in dem sich der Hauptort früh entlang der Eisenbahnlinie in Nord-Süd-Richtung, mit der Ansiedlung von Heimatvertriebenen auch stark nach Nordwesten bzw. bis in jüngste Zeit (2006) nach Westen entwickelte. Die Ortskernsanierung brachte neben einer modernen Altenwohnanlage in zwei sanierte Fachwerkhäuser Altenbegegnungsstätte, Sozialstation und die Ortsbücherei in den Ort. Bildungsstätten wurden ausgebaut. In den 1960er Jahren wies man im Westen des Hauptortes ein kleineres, nach 1978 im Norden ein großes Gewerbegebiet aus, in dem sich bereits mehrere namhafte Unternehmen (Maschinen- und Elektrobau) niederließen. Sie führen die Tradition der frühindustrialisierten Gemeinde (Textil- und Schuindustrie) fort, die heute nur einen geringen Auspendlerüberschuss aufweist. Sie ist Haltepunkt der Bahnlinie Nürtingen-Neuffen („Tälesbahn“) und wird von der vielbefahrenen L1250 (Nürtingen-Neuffen) innerorts durchquert. Alle Teilorte gehörten ab 1806 zum Oberamt bzw. (1938) Landkreis Nürtingen und kamen 1973 zum Landkreis Esslingen.

Die Gemeinde Frickenhausen, die Linsenhofen und Tischardt einschließt, umfasst im Süden des Landkreises eine Fläche von 11,35 Quadratkilometern. Nachbargemeinden sind Nürtingen, Beuren, Neuffen, Kohlberg und Großbettlingen sowie die im Landkreis Reutlingen gelegene Gemeinde Grafenberg. Die Entfernung zur Stadt Esslingen beträgt Luftlinie 17 Kilometer, wohingegen das Mittelzentrum Nürtingen nur 4 Kilometer entfernt ist. Nach dem Landesentwicklungsplan zählt Frickenhausen zum Verdichtungsraum. Frickenhausen liegt im Vorland der mittleren Schwäbischen Alb in der naturräumlichen Untereinheit Neuffen-Vorberge, einem vom Mitteljura geprägten, bachreichen Hügelland. Die von Süden kommende Steinach ist das Hauptgewässer und ihr Tal die Hauptsiedlungsachse der Gemeinde. An größeren Nebenbächen nimmt sie am Ortseingang von Linsenhofen von rechts den Beurener Bach auf und in Frickenhausen von links den Krummbach, der sich aus dem von Tischardt kommenden Sallenbrunnenbach und dem Lenghartbach gebildet hat. In Tischardt, das auf einem Sattel liegt, verläuft die Wasserscheide zur Autmut; diese markiert die westliche Gemeindegrenze. In den Wäldern nordöstlich von Linsenhofen (Hirschplan, Benzenhau) verläuft eine weitere Wasserscheide zum Tiefenbach. Sein Nebenbach, der Schabenbach, der einen eindrucksvollen Tobel aufweist, bildet hier die Gemeindegrenze. Die Höhenunterschiede in der Gemeinde betragen fast 150 Meter. Der tiefste Punkt liegt bei 300 Metern über Normalnull an der Steinach an der Grenze nach Nürtingen. Die 400 Meter-Marke wird an mehreren Stellen deutlich überschritten, zum Beispiel an der Mochenhalde nordöstlich von Frickenhausen (443 Meter über Normalnull, höchster Punkt der Gemeinde), am Waldrand des Hirschplans (431 und 435 Meter über Normalnull), auf dem Eichenfirst (438 Meter über Normalnull) sowie bei Tischardt (421 und 440 Meter über Normalnull). Der Untergrund der Gemeinde wird mit dem Opalinus- (Braunjura alpha) und Ludwigienton (Braunjura beta) im Wesentlichen von den unteren Mitteljuraschichten gebildet. Die Verbreiterung des Steinachtales von 200 auf etwa 500 Meter bei Linsenhofen ist darauf zurückzuführen, dass die Steinach von den härteren Ludwigienschichten in den Opalinuston eintritt, den sie leichter abtragen konnte. Da bis zur Mündung in den Neckar im nahen Nürtingen kein großes Gefälle mehr besteht, erodierte sie auch seitlich und schuf flache Hänge. Bei geringerer Wasserführung schotterte sie den Talboden auf. Flussschotter, überwiegend aus Oberjurakalken, aber auch aus Mitteljura-Sandsteinen, sowie sandig-lehmige Anschwemmungen füllen das Tal aus, das in Frickenhausen fast 1 Kilometer breit ist. Die Seitenbäche bilden an der Mündung flachgewölbte Schwemmfächer. So liegt zum Beispiel Linsenhofen größtenteils auf dem Schwemmfächer des Beurener Baches, der die Steinach an den gegenüberliegenden Talhang drückt. Über dem Opalinuston setzen am Hang dann die festeren Ludwigienschichten ein, die aus sandigen Tonen, Mergeln und Kalksandsteinen bestehen. Sie schließen mit eisenreichen, oolithischen Bänken ab, wodurch sich die oberen, steilen Hänge und die bewaldeten Hochflächen wie auf dem Eichenfirst, dem Hirschplan oder der Vorhalde bilden. Auch die deutliche Stufe südlich von Tischardt ist darauf zurückzuführen. Randlich greift eiszeitlicher Lösslehm von Norden in die Gemeinde über. Er wurde früher in der Ziegelei Frickenhausen zusammen mit dem unterlagernden Opalinuston abgebaut und verarbeitet. In der aufgelassenen Grube blieb ein Restprofil des Opalinustons (mit Toneisensteinkonkretionen) und der Lösslehmbedeckung erhalten (Naturdenkmal). Zu den Besonderheiten zählen zwei tertiäre Vulkanschlote des Kirchheim-Uracher Vulkangebiets: der Burrisbuckel rechts des Lenghartbaches nahe dem Zusammenfluss mit dem Sallenbrunnenbach und ein Schlot nordöstlich von Linsenhofen. Der Burrisbuckel ist eine stark abgetragene Tuffröhre von gut 100 Metern Durchmesser. In den Vulkanschlot sind Brocken von Oberjurakalken gestürzt, die in geringem Umfang abgebaut wurden. Der zweite, im Grundriss ovale, etwa 250 mal 450 Meter große Schlot wird von einem Seitenbach der Steinach zerschnitten und hebt sich nicht aus der Umgebung ab. Dennoch ist der Vulkantuff mit eingelagerten Oberjurablöcken an der Böschung des Taleinschnitts gut aufgeschlossen. Auch ein Teil der Weinberge im Gewann Sand liegt auf Vulkanuntergrund, was ausschlaggebend für die Qualität des Weines sein soll, der unter dem Namen Täleswein vermarktet wird. Frickenhausen ist durch die Ansiedlung von Gewerbe vor allem entlang des Steinachtals stark gewachsen, sodass inzwischen 26 Prozent der Gemarkung überbaut sind. Die landwirtschaftliche Nutzfläche erreicht noch 46 Prozent, wobei das Grünland (einschließlich Streuobstwiesen) das Ackerland bei weitem überwiegt. Die schweren, in ebenen Lagen wasserstauenden Böden der unteren Mitteljuraschichten sind für Wald-, Wiesen- und Obstbau besser geeignet als für Ackerbau. Äcker sind deshalb fast nur auf den Talböden – und hier ist der Platz knapp – sowie im Gewann Egert vorhanden. An den Hängen liegen Wiesen und Streuobstwiesen. Im milden Klima der geschützten Tallagen spielt auch der Erwerbsobstbau eine große Rolle: Obstanlagen nehmen 14 Hektar ein, das entspricht fast 9 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Der Weinbau war früher weiter verbreitet, wie die Flurnamen Wüster Weinberg und Weinberge erkennen lassen, wird heute aber wieder auf rund 1 Hektar an den wärmsten Hängen nordöstlich von Frickenhausen (Gewann Mochenhalde) und nordöstlich von Linsenhofen (Gewann Sand) betrieben. Für den Wald bleiben 25 Prozent der Gemeindefläche übrig. Er bedeckt die Höhen, den Eichenfirst und reicht randlich von den großen Waldgebieten Nürtingens, Kirchert und Vorhalde sowie dem Neuffener Wald Weinschnaid in die Gemeinde Frickenhausen herein. Als ökologische Ausgleichsfläche zum dicht besiedelten Steinachtal wurden 1982 364 Hektar um Frickenhausen, Linsenhofen und Tischardt, bestehend aus vier Teilgebieten, als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Es nimmt 32 Prozent der Gemarkung ein, vorwiegend Streuobstwiesen, und dient zugleich als Naherholungsgebiet. Ein Obstlehrpfad lädt zum Spazieren ein und unterstreicht die wichtige Rolle des Obstanbaus. Die Obstbaumwiesen nordöstlich von Frickenhausen sind darüber hinaus in das europäische Schutzgebietsnetz Natura 2000 einbezogen. Zudem wurden etliche stattliche Bäume, vorwiegend Linden, zu Naturdenkmalen erklärt. Flächenhafte Naturdenkmale sind neben der erwähnten Tongrube und dem Vulkantuff-Aufschluss der Beurener Bach von der Gemeindegrenze bis zum Ortseingang von Linsenhofen, ein Feuchtgebiet im Gewann Neue Wiesen und ein Eichen-Buchen-Bestand im Gewann Trauf. Schöne Aussichtspunkte bieten die Waldränder an den Bergnasen über der Mochenhalde und dem Gewann Sand. Von dort überblickt man das Neuffener Tal bis zum Hohenneuffen, Hörnle und Jusi.

Alle drei Gemeinden, Frickenhausen, Linsenhofen und Tischardt, gehörten seit der Auflösung des Amtes Neuffen 1806 zum Oberamt Nürtingen. Seit dem 1. Januar 1973 gehört Frickenhausen mit seinen Teilorten zum Landkreis Esslingen. Bereits 1821 löste Linsenhofen den Weinzehnt ab, nach 1832 lösten die Gemeinden die Fronen und die meisten Fruchtgülten ab; die Ablösung zog sich bis nach 1848. Frickenhausen pachtete 1826 und 1836 die Zehntrechte der Pfarrei. 1848/49 kämpfte in Frickenhausen der Bürgerausschuss gegen die Privilegien der Gemeinderäte und forderte erweiterte Mitwirkung bei der Verwaltung der Gemeindefinanzen und bei der Armenfürsorge. Linsenhofen war zu dieser Zeit eine Hochburg der Liberalen und Demokraten. Mit dem Wandel zum Arbeiterwohnort an der Jahrhundertwende begann in allen drei Orten der Aufstieg der SPD. In Frickenhausen, in dem es seit 1905 einen sozialdemokratischen Arbeiterverein gab, erhielt die SPD bei den Reichstagswahlen 1912 60,3 Prozent der Stimmen (Nationalliberale 20,6 Prozent, Bauernbund 19,1 Prozent). In Linsenhofen und Tischardt wurde noch vor dem Ersten Weltkrieg ein Ortsverein der Sozialdemokraten gegründet. In Tischardt erzielten die Sozialdemokraten bei den Reichstagswahlen 1912 77,3 Prozent aller Stimmen. Zur Nutznießerin der wirtschaftlichen und politischen Instabilität der Weimarer Republik wurde die KPD, die bei Reichstags- und Landtagswahlen in Frickenhausen bis zu 38,7 Prozent der Stimmen auf sich vereinen konnte. In Linsenhofen und Tischardt gab es während der Weimarer Republik eine hohe Fluktuation im linken Wählerspektrum. In Linsenhofen kam die KPD bei der Reichstagswahl im Mai 1924 auf 45,1 Prozent (SPD 11,8 Prozent), wohingegen sie bei der Reichstagswahl im Mai 1928 nur 16,2 Prozent (SPD 42 Prozent) erzielte. Stabilste konservative Kraft in Frickenhausen und Linsenhofen war der Württembergische Bauern- und Weingärtnerbund, der bei Landtagswahlen immer etwas besser abschnitt als bei Reichstagswahlen. Nach 1930 begann der Aufstieg der NSDAP. Bei den Landtagswahlen im April 1932 holte sie in Frickenhausen 45,7 Prozent der Stimmen. Bei den Reichstagswahlen im November fiel sie hier auf 40,6 Prozent zurück. Mithalten konnte nur die KPD, die bei den Novemberwahlen auf 38,5 Prozent kam. Die SPD erhielt nur noch 9,1 Prozent; andere Parteien spielten keine Rolle mehr. 1933 wurden zwei Einwohner Frickenhausens in Schutzhaft genommen. Ein ehemaliger Gemeinderat jüdischen Glaubens kam 1941 in Buchenwald ums Leben. Während des Krieges musste Frickenhausen Evakuierte aus luftkriegsgefährdeten Großstädten aufnehmen. Frickenhausen beklagte 84 Gefallene; 57 Soldaten blieben vermisst und 61 kehrten schwer kriegsbeschädigt zurück. In Linsenhofen wurden in den letzten Kriegsjahren Evakuierte aus Städten im Rheinland, im Saargebiet und aus Stuttgart einquartiert. 52 Soldaten aus Linsenhofen fielen, 19 blieben vermisst. Aus Tischardt fielen 20 Soldaten, acht blieben vermisst und 16 kehrten schwer kriegsbeschädigt zurück. Erster Nachkriegsbürgermeister in Frickenhausen wurde mit Emil Gneiting ein Sozialdemokrat, der schon vor 1933 dem Gemeinderat angehört hatte. Die Wahlen zur Verfassunggebenden Versammlung des Landes Württemberg-Baden erbrachten 1946 in allen drei Gemeinden linke Mehrheiten. In Frickenhausen entfielen auf die SPD 44,2 Prozent und auf die KPD 16,9 Prozent, die CDU erhielt 25,1 Prozent, die DVP 13,8 Prozent. In Linsenhofen erhielt die SPD 56,2 Prozent, die KPD 10,6 Prozent, die CDU 25,8 Prozent und die DVP 10,6 Prozent der Stimmen. In Tischardt erzielte die SPD mit 65,1 Prozent ein Spitzenergebnis. Bei der Bundestagswahl 1953 konnte die CDU in Frickenhausen mit 51,9 Prozent der Stimmen die Führung erringen und seitdem behaupten. In Linsenhofen lag die SPD auch bei den ersten Bundes- und Landtagswahlen weit vor der CDU (Bundestagswahl 1949: SPD 33,6 Prozent; CDU 24,6 Prozent, Landtagswahl 1952: SPD 50,1 Prozent; CDU 14,2 Prozent). Bei Bundestagswahlen war 1961 ein Gleichstand erreicht (CDU 35,3 Prozent; SPD 35,2 Prozent), bei Landtagswahlen erst 1968 (CDU 38,7 Prozent; SPD 36,2 Prozent). Erster großer Erfolg der CDU in Tischardt waren 52,9 Prozent der Stimmen bei der Bundestagswahl 1957. Bei Landtagswahlen konnte die SPD ihren Vorsprung vor der CDU bis nach 1960 behaupten. In der neuen Gesamtgemeinde erzielte die CDU bei der Bundestagswahl 1983 mit 57,8 Prozent ihr bestes Ergebnis (SPD 29,3 Prozent, FDP 7,1 Prozent). Seither geht ihr Stimmenanteil bei Bundestagswahlen zurück (2005: 42,7 Prozent), liegt aber noch weit vor der SPD (2005: 28,8 Prozent). Die FDP kam 2005 auf 11,5 Prozent, die GRÜNEN auf 8,7 Prozent. Bei Landtagswahlen konnte die CDU die SPD erst 1968 überholen. 2006 lagen die GRÜNEN mit 9,7 Prozent erstmals gleichauf mit der FDP (9,7 Prozent). Die CDU erhielt 46,2 Prozent, die SPD 24,4 Prozent. Bei den Gemeinderatswahlen (2004) erhielt die CDU sieben, die Bürgerliche Wählervereinigung Frickenhausen fünf und die SPD sechs Sitze. Bei der Europawahl 2004 kam die CDU auf 48,8 Prozent, die SPD auf 19,8 Prozent. Die GRÜNEN erreichten 10,3 Prozent. Die Republikaner lagen mit 6,7 Prozent vor der FDP mit 5,4 Prozent. Im Zuge der Gemeindereform zu Anfang der 1970er Jahre lehnte der Landtag die Zuordnung Linsenhofens zu Neuffen ab. In der Folgezeit kam es zu Verhandlungen mit Frickenhausen, dessen Teilgemeinde Linsenhofen am 1. Januar 1975 wurde. Tischardt hatte sich schon am 15. April 1972 Frickenhausen angeschlossen.

Wappen von Frickenhausen

In Silber (Weiß) ein schwarzes Fleckenzeichen in Form eines spitzen Hakens, dessen Schaft oben in ein vierspeichiges Rädchen ausläuft.

Beschreibung Wappen

Das vermutlich wesentlich ältere Fleckenzeichen wurde vor 1930 zeitweilig und seither ständig in den Gemeindesiegeln geführt. Im Jahre 1951 hat der Gemeinderat die Farben des Wappens festgelegt, das - samt der Flagge - am 16. August 1973 vom Innenministerium verliehen wurde.