Neckartenzlingen 

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Typauswahl: Gemeinde
Status: Gemeinde
Homepage: http://www.neckartenzlingen.de
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Einwohner: 6342
Bevölkerungsdichte (EW/km²): 702.0
Max. Höhe ü. NN (m): 415.36
Min. Höhe ü. NN (m): 278.21
PLZ: 72654

Auf dem Gemeindeareal im äußersten Südwesten des Landkreises Esslingen treffen drei Naturräume zusammen. Sein südlicher, größerer Teil greift auf die oft lößüberdeckte Schwarzjuraplatte des Erms-Albvorlands aus, an die sich im Norden das zum Filderraum zählende, hier relativ enge Neckartal anschließt. Dort steht am rechtsseitigen Steilhang im ‚Schönrain‘ floristisch wertvoller Halbtrockenrasen unter Naturschutz. Die Gemeinde reicht über den Neckar hinweg und kommt in der nördlichen Talaue mit 283 m über NN an ihren tiefsten topographischen Punkt. Im Südwesten stößt schließlich die Walddorfer Platte des Schönbuchs bis an den Neckar vor, auf der sich mit 415 m auch der höchste Punkt befindet. Die Erms durchfließt die Gemeinde. Auf ihrem Schwemmfächer im Neckartel liegt der Ortskern, von dem aus sich die Siedlung ab den 1930er Jahren vornehmlich über den Fluss auf das Westufer, nach 1945 aber vor allem auf den nördlichen Höhenrücken nach Osten ausdehnte. Die beiden einst ortsprägenden Textilunternehmen, von denen das ältere die Wasserkraft im Ermstal nutzte, sind längst durch moderne Betriebe abgelöst. Ein großer, weltweit tätiger ist seit 1957 in der nördlichen Neckaraue ansässig. An der B297 am Neckar entsteht auch ein moderner Gewerbepark. Seine Unternehmen, Fachgeschäfte und Lebensmittelmärkte dienen genauso zum Ausbau des Kleinzentrums wie das seit 2006 im Ermstal fertiggestellte Schulzentrum mit seinen vier allgemeinbildenden Schularten. Der Ort liegt an der dem Neckar folgenden B297 (Nürtingen-Tübingen) sowie an der wie eine Umgehungsstraße ausgebaute B312 (Stuttgart-Reutlingen). Der öffentliche Personennahverkehr erfolgt über Buslinien vor allem nach Nürtingen. Seit 1806 gehörte der Ort zum Oberamt bzw. 1938 Landkreis Nürtingen und kam 1973 zum Landkreis Esslingen.

Neckartenzlingen liegt im äußersten Südwesten des Landkreises Esslingen an der Mündung der Erms in den Neckar. Die 9,03 Quadratkilometer umfassende Gemeinde erstreckt sich zu beiden Seiten des Neckars und schließt den Gutshof Hammetweil im Südwesten mit ein. Nachbargemeinden sind Altenriet, Schlaitdorf, Neckartailfingen, Altdorf und Bempflingen, im Landkreis Reutlingen Pliezhausen sowie die Stadt Reutlingen. Die Gemeinde Neckartenzlingen gehört nach dem Landesentwicklungsplan zum Verdichtungsraum. Sie ist von Nürtingen 8 Kilometer Luftlinie, von Reutlingen 11, von Tübingen 16, von Esslingen 17 und von Stuttgart 22 Kilometer entfernt. In Neckartenzlingen erreicht der Neckar den Landkreis Esslingen und bleibt im Stubensandstein auf ein verhältnismäßig enges Tal beschränkt; die Talsohle ist maximal 500 Meter breit. Den steilen Prallhängen des Schönrains am rechten und der Maierhalde am linken Talhang liegt jeweils ein flacherer Gleithang gegenüber. Als größter Zufluss mündet die Erms aus Südosten in den Neckar. Auf ihrem Schwemmfächer liegt der alte Ortskern von Neckartenzlingen. Besonders während der Eiszeit transportierte die Erms viel Oberjuraschotter und lagerte die Geröllmassen an ihrer Mündung in das gefällearme Neckartal ab. Zufluss erhält der Neckar außerdem vom Merzenbach, der im Südwesten ein Stück die Gemeindegrenze bildet, und vom Höllenbach, dem im Norden ebenfalls die Grenze folgt. Am nördlichsten Zipfel der Gemeinde, dort wo der Neckar Neckartenzlingen verlässt, wird mit 283 Metern über Normalnull der tiefste topographische Punkt der Gemeinde erreicht. In Neckartenzlingen treffen drei Naturräume zusammen: Filder, Albvorland und Schönbuch. Zu den Fildern, hier der Untereinheit Nürtinger-Esslinger-Neckartal, zählt das Neckartal einschließlich der Hänge. Im Südwesten greift der Schönbuch mit den Walddorfer Platten auf die Gemeinde aus. Hier liegt im Rainerwald der höchste Punkt (415 Meter über Normalnull). Den flächenmäßig größten Teil bildet aber das Erms-Steinach-Albvorland, das im Südosten bis ans Neckartal reicht. Die Wasserkraft von Neckar und Erms waren der Grund für die frühe Industrie- und Gewerbeansiedlung in Neckartenzlingen. In den 1880er Jahren wurden an Erms und Neckar zwei große Textilfabriken angelegt, die sich der Wasserkraft über eigens angelegte Kanäle bedienten. Sie existieren zum Teil heute noch. Den Höhenunterschied zwischen Neckartal und Schönbuchhochfläche nutzte man für ein Pumpspeicherkraftwerk. Es wurde kurz vor dem Ersten Weltkrieg gebaut und war das erste seiner Art in Europa. Im und auf dem Neckar spielten der Fischfang und die Flößerei aus dem Schwarzwald wirtschaftlich eine Rolle. So wichtig der Fluss auch als Lebensgrundlage war, er brachte immer wieder verheerende Hochwässer mit sich, die heute allerdings durch Schutzdämme, Schutzmauern und Hochwasserpumpwerke weitgehend gebannt sind. Neckar und Erms haben sich bei Neckartenzlingen in den Unterjura (Schwarzen Jura) eingeschnitten, der im Gemeindegebiet in den höchsten Lagen (Rainerwald) beziehungsweise an den Hangkanten (nordöstlich über dem Ermstal) zutage tritt. Löss bedeckt die höheren Lagen im Osten der Gemeinde und die Umgebung von Hammetweil. Unter der Unterjuraplatte, meist an den flacher geböschten oberen Hängen, ist der Knollenmergel an den unruhigen, wulstigen und verrutschten Oberflächen zu erkennen. Die steilen Talhänge werden von den Stubensandsteinschichten gebildet, einem Wechsel von harten Sandsteinlagen und weichen Tonsteinen. Die Talauen sind von sandig-lehmigen, geröllführenden Flussablagerungen erfüllt. Ältere Flussschotter findet man auf Flussterrassen in verschiedener Höhe an den Talhängen von Neckar und Erms. Die Kiese in der Neckaraue sind ein wichtiger Grundwasserleiter, aus dem talabwärts von Neckartenzlingen Wasser entnommen wird. Im Nordosten der Gemeinde wurde daher das 64 Hektar große Wasserschutzgebiet Heiligenbrunnen ausgewiesen, in dem entsprechende Beschränkungen bei der landwirtschaftlichen Nutzung und der Bebauung festgesetzt sind. Ein bedeutsamer Rohstoff war auch hier der Stubensandstein. Er wurde in zahlreichen Steinbrüchen in Neckartenzlingen gebrochen, teils als fester Sandstein, teils wurde er zermahlen, um Bausand zu gewinnen. Berühmt ist der harte, haltbare Sandstein, der nur in bestimmten Horizonten vorkommt, und im Mittelalter bis nach Ulm zum Bau des Münsters und nach Köln für den Dombau geliefert wurde. Betrachten kann man den Stubensandstein aber auch an vielen Häusern in Neckartenzlingen. Neben Brunnentrögen und Grenzsteinen waren insbesondere die aus dem Neckartenzlinger Sandstein hergestellten Mühlsteine überregional bekannt. An manchen Stellen, wie am Schönrain, lassen sich noch Reste der alten Steinbrüche erkennen. Obwohl sich die Wohngebiete stark ausgedehnt haben und bei Hammetweil ein Golfplatz auf ehemals intensiv genutzten Ackerflächen angelegt wurde, verbleiben als landwirtschaftlich genutzte Fläche 39 Prozent und für den Wald 33 Prozent. Die besten Böden auf Löss dienen dem Ackerbau, während Grünland und Streuobstwiesen auf den Knollenmergelhängen vorherrschen. Bis 1908 wurde in klimatisch begünstigten Lagen Weinbau betrieben. Die Landschaft ist von Natur aus sehr abwechslungsreich, bedarf aber des Schutzes und der Pflege. So ist der steile Prallhang des Schönrains seit 1973 Naturschutzgebiet, um die dort vorkommenden Halbtrockenrasen, ein im Albvorland sehr seltener Lebensraum, langfristig zu erhalten. Neben Wacholder und Heidekraut kommt dort die Herbst-Schraubenstendel, eine in Baden-Württemberg stark gefährdete Orchideenart, in größerer Anzahl vor. Sie gedeiht nur auf Magerrasen, die durch Beweidung kurz gehalten werden. Der Schönrain wird daher beweidet. Aufkommende Gehölze werden entfernt, um den Steilhang offen zu halten. Der Schönrain ist zugleich Natura 2000-Gebiet. Weite Teile der Gemeinde außerhalb der Siedlungen sind Bestandteil des Landschaftsschutzgebietes Neckar-, Erms- und Autmuttal, das sich über mehrere angrenzende Gemeinden erstreckt und dazu dient, die noch vorhandenen Freiflächen der durch die Flüsse in charakteristischer Weise geprägten Landschaft zu erhalten. Zahlreiche Naturdenkmale spiegeln ebenfalls die Vielfalt der Landschaft wider. Bemerkenswert sind die Feuchtwiese und der Auenwald im Gewann Heiliger Brunnen, ein Schilfbestand auf Knollenmergel westlich von Hammetweil, ein ehemaliger Stubensandsteinbruch am Merzenbach, eine Klinge im Stubensandstein nördlich von Hammetweil, die Neckarinseln zwischen Neckar und Floßgasse, ein Stück Ermskanal mit Auenwald und ein Halbtrockenrasen am Südwesthang des Ermstals.

1806 wurde der Ort Teil des Oberamts Nürtingen. Hammetweil war Teilgemeinde und wurde 1931 vollständig eingegliedert. Die Ablösungen alter Lasten und Vorrechte erfolgten im Laufe des 19. Jahrhunderts: Die Ablösung der Umgeldfreiheit der Neckarburg geschah 1832. Im selben Jahr verlor die Neckarmühle ihr Bannrecht mit Auf- und Wiederverkauf durch die betroffenen Gemeinden. Der Ermsmühlenbann erledigte sich mit 1848. 1849–53 wurden die Gefälle und Zehnten zur Ablösung aufgehoben (bis 1873). 1842 war der Floßbretterbezug der Fischereiberechtigten abgelöst worden. Die durch die Flößereigerechtigkeiten behinderten Industriebetriebe betrieben die Ablösung der alten Privilegien. Die ehemals bedeutende Flößerei war bis 1899 ganz zum Erliegen gekommen. In den Reichstagswahlen bis 1893 dominierte im Ort mit absoluten Stimmmehrheiten die Deutsche Partei (1871 und 1887 100 Prozent, bei 51,3 Prozent beziehungsweise 85,2 Prozent Wahlbeteiligung), bis auf die Phase 1877–81, in der die Volkspartei (1877 51,2 Prozent) und die Deutsche Reichspartei (1878 und 1881 jeweils über 90 Prozent) vorne lagen. Nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen 1898 (SPD 31,6 Prozent, DP 34,2 Prozent, VP 34,2 Prozent) konnte sich 1903 erstmals die SPD als stärkste Kraft im Ort mit 39,8 Prozent der Stimmen durchsetzen (vor dem Bauernbund mit 29,5 Prozent). 1907 holte sie 53 Prozent, 1912 59,2 Prozent der Stimmen. Auch in den Reichstagswahlen der Weimarer Republik erwies sich die SPD bis zum Durchbruch der NSDAP als die stärkste Kraft im industriell geprägten Ort (Wahl zur Deutschen Nationalversammlung 1919: 68,6 Prozent). Ab Januar 1932 holte die NSDAP Mehrheiten von 32,7 bis 40,6 Prozent (5. März 1933). Die Volksabstimmung vom August 1934 erbrachte 16 Nein-Stimmen von 1111. Neckartenzlingen galt als »Hochburg des Nationalsozialismus in der Umgebung«. Kriegsschäden verursachten Fliegerangriffe am 2. März 1944 (ein Gebäude, ein Toter und vier Verletzte), 1. März 1945 (eine Scheune), 15./16. März 1945 (Hofgut Hammetweil), 8. April 1945 (drei Gebäude) und Artilleriebeschuss am 20. April 1945 (drei Gebäude). Am 20./21. April 1945 rückten Franzosen in den Ort ein. Die Gemeinde wurde Sitz des Ortskommandanten der französischen Zone im Kreis Nürtingen. Am 15. Juli 1945 verließen die Franzosen den Ort, der Teil der amerikanischen Zone geworden war. Die Grenze verlief bei der Neckarburg. Bürgermeister Heinrich Häberle und zwei weitere Angehörige der Gemeindeverwaltung wurden aus politischen Gründen entlassen. Als kommissarischer Bürgermeister wurde zum 1. Juni 1945 Christian Bauer bestellt. Der Gemeinderat wählte am 30. März 1946 Robert Murr zum Bürgermeister (bis 1954). Die Bürgermeisterdirektwahl am 1. Februar 1948 gewann Murr gegen Häberle mit 64,5 Prozent. Bei den Wahlen zum Landtag in Württemberg-Baden 1946 holte die SPD 61,2 Prozent der Stimmen im Ort. In den Landtagswahlen bis 1972 blieb sie stärkste Kraft (1964 52,3 Prozent), danach setzte sich regelmäßig die CDU durch (2006: CDU 36,4 Prozent; SPD 25,5 Prozent). Auch in den Bundestagswahlen bis 1961 war die SPD zunächst stärkste Kraft, wenn auch ohne absolute Mehrheiten. 1965 und 1969 lag die CDU mit circa 3 beziehungsweise 2 Prozent Vorsprung knapp vorn. 1972–80 konnte wieder die SPD das Feld behaupten, bis sie 1983–94 erneut von der CDU mit teils deutlichem Vorsprung abgelöst wurde. 1998 war noch einmal die SPD mit 38,4 Prozent erfolgreich (2005 SPD 33,4 Prozent), seit 2002 dominiert wieder die CDU im Ort (2005 CDU 36,1 Prozent). Die GRÜNEN wurden sowohl bei den Landtags- als auch bei den Bundestagswahlen 1980 erstmals gewählt, sie erhielten im Ort 4,3 Prozent beziehungsweise 1,5 Prozent (2006 mit 12,9 Prozent vor der FDP mit 11,7 Prozent, beziehungsweise 2005 mit 10,6 Prozent hinter der FDP, die 11,6 Prozent erreichte). Die Republikaner kamen bei der Landtagswahl 2006 auf 5 Prozent im Ort, während sie bei der letzten Bundestagswahl hier keine Rolle spielten. Die Europawahl 2004 gewann die CDU bei der hiesigen Wählerschaft klar mit 41,2 Prozent vor der SPD mit 22,6 Prozent, den GRÜNEN mit 12,6 Prozent, der FDP mit 8,1 Prozent und den Sonstigen mit zusammen 15,5 Prozent. Im Gemeinderat nach der Wahl 2004 entfielen sechs Sitze auf die Freie Bürgerliste (FBL), vier Sitze auf die Unabhängige Wählervereinigung (UWV), drei Sitze auf die SPD, je zwei auf die Alternative für Neckartenzlingen und die Junge Liste Neckartenzlingen (JLN), sowie ein Sitz auf die CDU. Eine Städtepartnerschaft besteht seit 1992 mit Komló in Ungarn. Auf Bundesebene steht der Ort in partnerschaftlicher Beziehung zu Groitzsch in Sachsen. 1973 wurde der Ort Teil des neuen Landkreises Esslingen. Die Gemeinde wurde 1972 Sitz eines mit Altdorf, Altenriet und Schlaitdorf gebildeten Gemeindeverwaltungsverbandes. Bempflingen und Neckartailfingen traten 1975 bei. Im November 2008 trat Bürgermeister Herbert Krüger seine zweite Amtsperiode an.

Wappen von Neckartenzlingen

In Blau ein goldener (gelber) Doppelhaken (N mit spitzen Enden).

Beschreibung Wappen

Das Wappen geht auf ein seit dem 18. Jahrhundert belegtes Fleckenzeichen zurück, das dem Anfangsbuchstaben des Ortsnamens ähnelt. Die Wappenfarben wurden vom Gemeinderat am 2. Mai 1951 festgelegt. Die Verleihung des Wappens und der Flagge durch das Innenministerium erfolgte am 25. September 1967.