Aichtal 

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Typauswahl: Gemeinde
Status: Stadt
Homepage: http://www.aichtal.de
service-bw: Informationen zu wichtigen Adressen, Nummern und Öffnungszeiten in Aichtal
Einwohner: 9614
Bevölkerungsdichte (EW/km²): 407.0
Max. Höhe ü. NN (m): 498.64
Min. Höhe ü. NN (m): 297.67
PLZ: 72631

Das gestreckte Stadtgebiet im Westen des Landkreises Esslingen setzt sich aus drei ehemals selbständigen Gemeinden zusammen, mit denen es von den Ausläufern des dicht bewaldeten Schönbuchs über die deutlich ausgeprägte Fildergrabenschwelle auf die tieferliegende, offene, intensiv agrarisch genutzte, lößüberdeckte Schwazjuratafel der südlichen Filder (Grötzinger Platte) hinab reicht. Im äußersten Westen, am Betzenberg im Schönbuch, wird deshalb mit 497 m über NN das Höhenmaximum erreicht, das bis zur östlichen Stadtgrenze auf rd. 298 m abfällt. Im Schönbuch steht das landschaftlich reizvolle, naturnahe Schaichtal, das weithin die südliche Stadtgrenze bildet, unter Naturschutz. Die Kerne aller drei Stadtteile liegen an der von Westen nach Osten fließenden Aich. Den Stadttitel ererbte die Gemeinde vom mittelalterlichen Grötzingen, das mit Fachwerkbauten und Resten seiner (teilweise wieder aufgebauten) Befestigung hervorsticht. Zum Verwaltungssitz wurde Aich bestimmt. Verkehrsgünstig gelegen ließen sich hier auf Gewerbeflächen im Norden auch mittelständische Betriebe ansiedeln. Anhaltende Zuzüge führten zu kräftigem Siedlungswachstum; im etwas abgerückten einstigen Töpferort Neuenhaus vermehrt erst seit Ende der 1970er Jahre. Heute überwiegen die Auspendler nach Stuttgart und Nürtingen, wohin auch die vorrangigen Buslinien verkehren. Die B312 von Reutlingen über Neckartenzlingen nach Filderstadt mit Anschluss an den Landesflughafen und die A8 berührt Aich und auch die vierspurig ausgebaute B27 Stuttgart-Tübingen quert die Stadt (Aichtalbrücke). Alle Stadtteile gehörten seit 1806 zum Oberamt bzw. 1938 zum Landkreis Nürtingen und kamen 1973 zum Landkreis Esslingen.

Die Stadt Aichtal liegt im Westen des Landkreises Esslingen und vereint auf ihrem 23,64 Quadratkilometer großen, lang gestreckten Gebiet die Gemarkungen von Grötzingen, Aich und Neuenhaus. Der 1978, einige Jahre nach der Gemeindereform gewählte Name ist durchaus zutreffend, zieht sich doch das Aichtal als verbindende Ader durch die Stadtteile. Die Nachbarn sind im Norden Filderstadt und Wolfschlugen, im Osten Nürtingen, im Süden Neckartailfingen, Schlaitdorf und Walddorfhäslach (Landkreis Reutlingen) und im Westen Waldenbuch (Landkreis Böblingen). Aichtal liegt zwar näher an der Stadt Esslingen (Luftlinie 14 Kilometer) als an Stuttgart (18 Kilometer), der Anschluss an die Landeshauptstadt ist jedoch aufgrund der gut ausgebauten Bundesstraßen B 27 und B 312 günstiger. Nach dem Landesentwicklungsplan gehört die Gemeinde zur Randzone um den Verdichtungsraum. Im Stadtgebiet heben sich die waldreichen Ausläufer des Schönbuchs im Westen mit einem scharfen Schnitt von den offenen Fildern im Osten ab. Die Naturraumgrenze quert unmittelbar westlich von Aich die Stadt von Nordwesten nach Südosten. Sie ist identisch mit der Störungszone am Westrand des Fildergrabens, einer Schar von Verwerfungen, entlang derer der Graben bis zu 70 Meter abgesunken ist. Während auf dem Gebiet der Stadt Aichtal der Schönbuch, hier die Untereinheit Nördlicher Schönbuch, von Keuperschichten aufgebaut wird, ist am Südostrand der Filder (Untereinheit Grötzinger Platte) in tektonisch tieferer Lage der Unterjura (Schwarzer Jura) erhalten geblieben. Das Hauptgewässer der Gemeinde, die Aich, durchfließt von Westen kommend beide Naturräume, zuerst den Schönbuch, wo sie sich in den Stubensandstein und in die Bunten Mergel eingetieft hat. In Aich, an der Fildergrabenverwerfung, verlässt sie ihr enges Waldtal und formt im Unterjura ein breiteres und flacheres Tal, dessen Hänge von Wiesen und Äckern eingenommen und oben von der Filderhochfläche begrenzt werden. Ab Grötzingen bis zur Einmündung des Föllbachs, dem tiefsten Punkt im Stadtgebiet (295 Meter über Normalnull), verläuft das Tal im Knollenmergel. Der Talboden selbst ist mit vorwiegend sandigen Ablagerungen erfüllt. Der zweite größere Bach, die Schaich, markiert auf Gemarkung Neuenhaus die südliche Stadtgrenze und mündet beim Stadtteil Neuenhaus in die Aich. Zwischen Aich und Schaich erhebt sich der Betzenberg, ein bewaldeter Rücken mit Unterjuraauflage, der den Nordostteil des Naturparks Schönbuch bildet. Hier befindet sich mit 497 Metern über Normalnull der höchste Punkt im Stadtgebiet. Am Betzenberg erreicht der Stubensandstein eine mittlere Mächtigkeit von 40 bis 60 Meter und spielte in früheren Jahrhunderten als Baustein eine große Rolle. In vielen kleinen Steinbrüchen wurde aus seinen harten Schichten grobkörniger Sandstein gebrochen, aus dem sich ausgezeichnete, haltbare Bau- und Mühlsteine herstellen ließen. Die Sandsteine fanden sogar Verwendung beim Bau des Ulmer Münsters, des Kölner Doms und des Münchner Rathauses. Im Gewann Neuhauser Wand kann ein aufgelassener Steinbruch mit einer kleinen Auswahl dort gewonnener Bau- und Mühlsteine besichtigt werden. Neben festen Sandsteinbänken enthält der Stubensandstein auch weichere Sandlagen, die Fegsand lieferten, sowie bunte Mergel und Tone, darunter hervorragende Hafnertone. Sie machten Neuenhaus vom 14. bis 19. Jahrhundert als Töpferort (Häfner-Neuhausen) weithin bekannt. Ton und Lehm gewann man auch aus dem Knollenmergel und aus Auenlehm. Die Töpferwaren wurden landesweit im Hausierhandel und auf Märkten verkauft. Schöne Stücke des alten Töpferhandwerks sind im Häfnermuseum in Neuenhaus ausgestellt. Die überwiegend vom Unterjura gekennzeichnete Osthälfte des Stadtgebiets trägt auf weiten Flächen eine Lössdecke. Wo sie fehlt beziehungsweise abgetragen ist, zum Beispiel an den Hangkanten des Aichtals, oder in dessen Nebentälchen (Finsterbach, Weiherbach), stehen Angulatensandstein und Arietenkalk an. Auffällig ist der Kontrast von den ruhigen Formen der Unterjura-Löss-Hochflächen, die talabwärts von Grötzingen unterhalb der Hangkante auf das bewegte, verrutschte Gelände des Knollenmergels treffen. Zwischen Knollenmergel und Unterjura ist hier Rhätsandstein entwickelt, der nach Osten zu mächtiger wird und in der Föllbachschlucht an der Grenze nach Nürtingen einen sehenswerten Aufschluss bildet. Im Stadtgebiet ist die Bodennutzung ein klares Spiegelbild der unterschiedlichen Naturräume: Wald bedeckt 44 Prozent der Fläche und konzentriert sich auf den Schönbuch. Hier spielen Forstwirtschaft und Naherholung eine wichtige Rolle. 39 Prozent der Bodenfläche werden landwirtschaftlich genutzt, davon 54 Prozent als Ackerland und 46 Prozent als Grünland. Die Böden aus Unterjura und Löss eignen sich hervorragend für den Ackerbau, während die rutschungsgefährdeten Knollenmergelhänge meist Obstbaumwiesen tragen. An wärmebegünstigten Hängen in Grötzingen wurde früher auch Weinbau betrieben. Obwohl sich Grötzingen, Aich und Neuenhaus am Südhang des Aichtals ausgedehnt haben, ist die Fläche, die von Siedlungen und Verkehrsflächen beansprucht wird, mit rund 15 Prozent vergleichsweise klein. Die Stadt Aichtal weist deshalb noch viele naturnahe, oft jedoch schutzbedürftige Landschaftsbereiche auf. Vorrangig gilt dies für das Schaichtal, das 1995 zwischen Dettenhausen und Neuenhaus als Naturschutzgebiet ausgewiesen wurde. Auslöser war die Planung eines großen Rückhaltebeckens, das den biologisch und ökologisch hochwertigen Lebensraum bedroht hätte. Doch ließ man die Schaich weiterhin frei mäandrieren, und die feuchten Talwiesen, Weiher und Tümpel blieben erhalten. Zu beiden Seiten rahmen Waldhänge das Tal ein, in die wiederum zahlreiche Klingen (zum Beispiel Hummelsklinge) eingeschnitten sind. Mehr als die Hälfte des Stadtgebiets ist unter Landschaftsschutz gestellt. So hat es Anteil am Landschaftsschutzgebiet Schönbuch, dem größten geschlossenen Waldgebiet im Herzen Württembergs, zugleich Naturpark und Natura 2000-Gebiet. Im Landschaftsschutzgebiet Aichtal mit angrenzenden Gebieten sind landschaftstypische Bachläufe und Wiesenauen, Hecken, Streuobstwiesen und Halbtrockenrasen geschützt. Kleinere Landschaftselemente sind zu Naturdenkmalen erklärt worden, wie die Aicher Heide (Geißhau-Heide), eine für die Gegend seltene Wacholderheide mit verschiedenen Orchideenarten und Graslilien, oder der erwähnte aufgelassene Steinbruch, ebenso Feuchtgebiete an der Aich, Heckengebiete, Hohlwege und Eichenhaine, die Lindenallee südlich von Grötzingen und einzelne, landschaftsprägende Bäume. Kleine Anteile besitzt die Stadt an den Schonwäldern Bombachtal (siehe Filderstadt) und Föllbach (siehe Nürtingen). Diese verschiedenen Schutzgebiete, in denen Boden, Wasser, (Klein-)Klima sowie Tier- und Pflanzenwelt sich unbeeinträchtigt entwickeln sollen, sind als ökologisches Ausgleichs- und Naherholungsgebiet am Rand des Verdichtungsraums von großer Bedeutung.

Wappen von Aichtal

Unter goldenem (gelbem) Schildhaupt, darin eine schwarze Hirschstange, fünfmal von Grün und Gold (Gelb) geteilt.

Beschreibung Wappen

Das Wappen war zuvor von der alten Stadt Grötzingen geführt worden. Es ist seit 1535 nachweisbar und verbindet das fünfmal von Grün und Gold geteilte Wappen der Herren von Bernhausen, die diese Stadt gegründet hatten, mit der Hirschstange des Hauses Württemberg, das 1337 Eigentümer von Grötzingen wurde. Die durch Vereinigung von Aich, Grötzingen und Neuenhaus am 1. Januar 1975 gebildete neue Stadt Grötzingen nahm, nachdem sie am 1. August 1978 ihren Namen in Aichtal geändert hatte, das Wappen und die Flagge der alten Stadt wieder auf. Beide wurden ihr vom Landratsamt Esslingen am 4. Dezember 1978 verliehen.

GND-ID:
  • 4079652-8