Die Seitenlinie Winnental (1677–1734)

Einleitung: Christoph Eberlein (Lexikon des Hauses Württemberg, S. 231-233)

Schloss Winnental in Winnenden. Quelle: Landesarchiv BW
Schloss Winnental in Winnenden. Quelle: Landesarchiv BW

Unmittelbar vor seinem Tod verfügte Herzog Eberhard III. von Württemberg in seinem Testament vom 1. Juli 1674, daß jeder seiner nachgeborenen Söhne eine fürstliche Residenz und eine Apanage erhalten sollte. Sein zweitgeborener Sohn Friedrich Carl sollte „auß Unserer Cammer-Schreiberey […] Fünffzig Tausend Gulden Haubtgutts […] eintweder in Paarem geld, oder völlig verzinsenden Capitalien erhalten“ und „zu einer Wohnung Winnenthal“ mit dessen Einkünften beziehen. Die testamentarischen Bestimmungen traten 1677 mit der Vollendung des fünfundzwanzigsten Lebensjahrs Friedrich Carls in Kraft. Da jedoch einerseits dessen ältester Sohn Carl Alexander mit seiner Familie an die Stelle der Stuttgarter Hauptlinie trat, andererseits die Ehe des viertgeborenen Sohns Friedrich Ludwig ohne Nachkommen blieb, erlosch die Linie Winnental schon nach fast sechzig Jahren wieder.

Stammtafel der Seitenlinie Winnental.
Stammtafel der Seitenlinie Winnental. Quelle: Lexikon des Hauses Württemberg , S. 232. Zur Vergrößerung bitte klicken.

Der bedeutendste Vertreter der Winnentaler Linie war der Begründer Friedrich Carl selbst. Seine Regentschaft als Administrator von 1677 bis 1693 stand ganz im Zeichen der Franzosenkriege. Der „erste barocke Regent in Württemberg“ (Wunder) war sehr ambitioniert und versuchte nach dem Frieden von Nymwegen 1678 eine verfassungspolitische Richtungsänderung durchzusetzen. Dabei betrieb er auch eine stärkere Annäherung an Frankreich, um eine größere Unabhängigkeit des Herzogtums vom Reich zu erreichen. Aufgrund der geopolitischen Lage Württembergs wäre dazu allerdings die Aufstellung eines stehenden Heeres nötig gewesen. Damit wäre der Durchbruch zum landesfürstlichen Absolutismus erfolgt, was zwangsläufig den Widerstand der Landschaft und insbesondere des Geheimen Rates hervorrufen mußte. Denn dieser wollte seine machtvolle Position gegenüber dem Landesfürsten natürlich nicht aufgeben. Da Friedrich Carls Stellung als ein auf Zeit eingesetzter Administrator letztlich nicht stark genug war, mußte er sich 1682/83 der Grundsatzentscheidung des Geheimen Rats unter Führung Jakob Friedrich Rühles, der auf der traditionellen Mittelposition Württembergs zwischen Frankreich und dem Kaiser beharrte, beugen. Dieser Entscheid bedeutete faktisch die politische Entmachtung des Administrators: Fünf Jahre lang trat der Herzog-Administrator Friedrich Carl politisch kaum in Erscheinung.

Sein seit 1687 betriebener Soldatenhandel hatte schlimme Folgen für das Herzogtum. Zur Verbesserung seiner eigenen finanziellen Situation gedacht, unterschätzte Friedrich Carl sträflich die außenpolitischen Wirkungen dieses Geschäfts. Denn Ludwig XIV. von Frankreich gab seine Zurückhaltung gegenüber Württemberg auf, nachdem er erfahren hatte, daß Friedrich Carl auch seinen wichtigsten Gegner im Französisch-Holländischen Krieg, Wilhelm von Oranien, mit Truppen belieferte. 1688 fielen französische Truppen in das Herzogtum ein und besetzten es bis Ende des Jahres. Friedrich Carl flüchtete auf den Hohentwiel, nach Nürnberg und Regensburg. Ludwig XIV. legte dem Land hohe Kontributionen auf und betrieb die militärische Entfestigung Württembergs, doch die bereits um die Jahreswende 1688/89 anrückenden Truppen des Schwäbischen Kreises und des Reichs ließen dieses Vorhaben unvollendet.

Die Pläne der Armierung des Herzogtums ließ Friedrich Carl mit Beginn des Pfälzischen Krieges (1688–1697) erneut aufleben. Nachdem französische Truppen Württemberg besetzt hatten, versuchte er, die Milizen sowohl des Schwäbischen Kreises als auch Württembergs in stehende Heere umzuwandeln. 1691 erreichte er nach hartem Widerstand der Landstände sein lang gehegtes Ziel: Württemberg erhielt ein stehendes Heer. Doch führte dies zum endgültigen Bruch mit den Landständen. Nachdem Friedrich Carl Mitte des Jahres 1692 in französische Gefangenschaft geraten war, betrieb der Geheime Rat die Ablösung des Administrators. Am 20. Januar 1693 erklärte Kaiser Leopold I. Eberhard Ludwig für volljährig – anderthalb Jahre früher als geplant. Friedrich Carl war seiner Administration entbunden und Württemberg für ungefähr zehn Jahre wieder auf der Seite des Kaisers.

Trotz seines Scheiterns war Friedrich Carl ein Fürst, der die jeweilige politische Situation nutzte, um für Württemberg eine bessere Position mit einer eigenständigen Außenpolitik zu erreichen. Ihm selbst gelang es noch nicht, den landesfürstlichen Absolutismus in Württemberg durchzusetzen, aber er säte, was Eberhard Ludwig später ernten konnte. Kulturell zog mit Beginn von Friedrich Carls Administration der europäische höfische Glanz in Stuttgart ein: Salonbesuche, Ballett- und Opernaufführungen wurden die Regel. Er ließ den Prinzenbau fertigstellen und gründete 1686 das Gymnasium in Stuttgart.

Herzog Carl Alexander, der älteste Sohn Friedrich Carls, übernahm nach dem Tod Eberhard Ludwigs, der ohne Nachkommen zu hinterlassen gestorben war, als der Nächste in der Thronfolge die Regierung des Herzogtums Württemberg. Da er zur römisch-katholische Kirche übergewechselt war, wurden bei seinem Regierungsantritt die sogenannten Religionsreversalien unterzeichnet, die die lutherische Konfession in Württemberg sicherstellten. Die nachgeborenen Söhne Friedrich Carls waren allesamt Heerführer auf den verschiedensten europäischen Kriegsschauplätzen. Heinrich Friedrich stand zuerst in niederländischen, später in kaiserlichen Diensten, wo er bis zum General aufstieg. Maximilian Emanuel diente in Polen in der Armee Karls XII. von Schweden, zu dem er auch persönlich guten Kontakt hatte. Der vierte Sohn Friedrich Ludwig war Soldat in holländischen, sächsischen und schließlich kaiserlichen Diensten, wo er zum Generalfeldmarschall befördert wurde.

Die einzige Tochter Friedrich Carls, Christiane Charlotte, regierte 1723–1729 als Vormünderin für ihren Sohn in der Markgrafschaft Brandenburg-Ansbach. Sie war während ihrer Regentschaft bestrebt, Schulden abzubauen und den Beamtenapparat zu verkleinern. Außerdem zeigte sie großes Interesse für Kultur und Baukunst. Fast wären auch ihre Pläne einer Universitätsgründung erfolgreich gewesen.

 

Quellen

  • A.L. Reyscher, Sammlung der württembergischen Gesetze 2. Bd., Stuttgart u.a. 1829, S. 421–434.

Literatur

  • Handbuch der baden-württembergischen Geschichte Bd. 2, hrsg. von Meinrad Schaab und Hansmartin Schwarzmaier, Stuttgart 1995, S. 137–148. 
  • Bernd Wunder, Der Administrator Herzog Friedrich Karl von Württemberg (1652–1698), in: ZWLG 30 (1971), S. 117–163. 
  • Ders., Frankreich, Württemberg und der Schwäbische Kreis während der Auseinandersetzungen über die Reunionen (1679–97), Stuttgart 1971.
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Biographien

1. Friedrich Carl (1652–1698) - Christoph Eberlein

2. Eleonora Juliana (1663–1724) - Christoph Eberlein

3. Carl Alexander (1684–1737) - Gabriele Haug-Moritz

4. Heinrich Friedrich (1687–1734) - Christoph Eberlein

5. Maximilian Emanuel (1689–1709) - Klaus Merten

6. Friedrich Ludwig (1690–1734) - Klaus Merten

7. Ursula Catharina (1680–1743) - Klaus Merten

8. Christiane Charlotte (1694–1729) - Christoph Eberlein

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