Römerpark Köngen

Bild des archäologischen Parks auf dem Gelände des ehemaligen Römerkastells in Köngen
Der archäologische Park auf dem Gelände des ehemaligen Römerkastells in Köngen

Eines der wichtigsten archäologischen Denkmale des Kreises Esslingen ist sicherlich der Römerpark in Köngen. Das Gelände des Kastells sollte eigentlich überbaut werden, durch ein Gerichtsverfahren konnte dies jedoch verhindert werden, vielmehr wurde hier im Jahr 1988 ein archäologischer Park mit Museum eingerichtet. Schon 1911 war hier auf Initiative des Schwäbischen Albvereins der südwestliche Eckturm rekonstruiert worden.

Der Park zeigt den Grundriss des Kohortenkastells mit den wichtigsten Bauten, die durch entsprechende Beläge angedeutet sind, so vor allem die Straßenführungen und der Grundriss des Stabsgebäudes in der Lagermitte. Ein Bronzemodell des Kastells vermittelt eine gute Übersicht über die Anlage. Neben der 50 m langen und 33 m breiten Prinzipia ist vor allem im vorderen Kastellbereich der Grundriss eines Bades zu sehen, das schon 1783 und 1896 untersucht wurde. Wahrscheinlich wurde es jedoch nach der Auflassung des Kastells, nach 150 v. Chr. erbaut.

Zahlreiche Steindenkmäler sind verschiedenen Themenbereichen gewidmet. Aus dem Verwaltungsbereich sind es Bau- und Weiheinschriften aus Rottenburg, Walheim, Marbach oder Bad Cannstatt, auch der Nachguss der bekannten Jupitergigantensäule aus Walheim ist nahe dem Eckturm aufgestellt. Verschiedene Grabsteine und Grabreliefs beleuchten den Totenkult, zahlreiche Darstellungen von Göttern den Themenbereich Religion. Die Untersuchung der zahlreichen Pflanzenreste aus einem 1979 entdeckten Brunnen durch die Universität Hohenheim führte zur Anlage eines antiken Obstgartens mit verschiedenen Obstbäumen auf dem Kastellgelände. Über einem Zwischenturm der Befestigung wurde ein Museum erbaut, in dem die Geschichte des Kastells und der umgebenden Ansiedlung anschaulich dargestellt ist. Durch zahlreiche Rekonstruktionszeichnungen wird die Funktion der einzelnen Gebäude erläutert, auch die des Lagerdorfes, das das Kastell umgab. Das Handwerk, Essen und Trinken sowie die Religion sind besonders dargestellt. Wichtig für den Nachweis eines weitreichenden Handels sind vor allem die gestempelten Wein- und Ölamphoren aus Andalusien und Südfrankreich. Bleiplomben stellten die Qualität der Produkte fest oder wurden vom römischen Zoll angebracht.

Die Funde eines 1979 ergrabenen Friedhofes nehmen eine wichtige Stellung in der Ausstellung ein. In einem durch eine Friedhofsmauer eingefassten Areal von 51 x 72 x 58 x 90 m konnten 250 von ursprünglich weit über 1000 Gräbern untersucht werden. Meist handelt es sich um Brandgräber, aber auch einige besonders interessante Körpergräber konnten freigelegt werden. Auch die Reste von steinernen Grabmonumenten sind ausgestellt.

Besonders zu erwähnen ist ein römischer Münzschatz, der 1967 im Keller eines Gebäudes entdeckt wurde. In einem Tongefäß wurden um die 610 Silbermünzen versteckt. Der Schatz kam um 264 n. Chr. während der Alemannenunruhen in den Boden, kurz bevor das Lagerdorf endgültig aufgegeben werden musste. Der römische Name des Kastells ist bekannt, vor allem auf zwei Inschriften wird er als Grinario überliefert.

Jörg Biel

Veröffentlicht in: Der Landkreis Esslingen. Hg. v. der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg in Verbindung mit dem Landkreis Esslingen (Kreisbeschreibungen des Landes Baden-Württemberg). Ostfildern 2009, Bd. 2, S. 86.