Die Kocher-Jagst-Ebenen

(Naturraum Nr. 126)

Die Kocher-Jagst-Ebenen in der Großlandschaft Neckar- und Tauber-Gäuplatten - Quelle LUBW
Die Kocher-Jagst-Ebenen in der Großlandschaft Neckar- und Tauber-Gäuplatten - Quelle LUBW (zur Vergrößerung bitte klicken)

Die langgestreckte naturräumliche Einheit der Kocher-Jagst-Ebenen liegt im Norden des Landes Baden-Württemberg und ist ein Teil der nordöstlichen Gäuplatten des Süddeutschen Schichtstufenlandes. Im Norden grenzen die Ebenen an das Tauberland, im Osten und Süden an die Hohenloher-Haller-Ebene und im Westen an das Bauland.

Als flachwellige Unterkeuper- und Muschelkalkebene, die an ihrem Südsaum mit Löss bzw. Lösslehm bedeckt ist, steigt das Relief hier langsam von etwa 250 m über NN auf bis zu 450 m an. Nahezu unvermittelt unterbrechen jedoch die annähernd parallel zueinander verlaufenden und die gesamte Einheit durchziehenden Täler der namengebenden Flüsse Kocher und Jagst die Flächenausdehnung. Sie beeinträchtigen dadurch massiv die Durchgängigkeit des Raumes, was diesen entscheidend prägt.

Ingelfingen im Kochertal - Quelle LMZ BW
Ingelfingen im Kochertal - Quelle LMZ BW

Die Kocher-Jagst-Ebenen lassen sich kleinräumig in mehrere Untereinheiten gliedern. Dazu gehören die direkt an das Bauland anschließenden Neudenauer Hügel, der Seckach-Kessach-Riedel, das untere Jagsttal und der zwischen Kocher und Jagst gelegene Hardthäuser Wald nach Osten hin sowie das Kochertal und der Odenwaldriedel. Jagst und Kocher haben sich in dem hier kräftig aufgewölbten Assamstädter (Fränkischen) Schild – Hebungsachse etwa Krautheim an der Jagst - Niedernhall am Kocher – in windungsreichem Lauf als Sohlentäler weit in den Muschelkalk, bei Ingelfingen sogar bis in den Buntsandstein eingeschnitten, ihre Zuflüsse in steilen Kerbtälern einen Zugang vom Tal zur Hochfläche eröffnet. Auf den tieferliegenden Flanken des Schildes im Osten und Westen hat sich – oft stark in Riedeln zerlappt – unterer Keuper (Lettenkeuper) erhalten, während im Scheitelbereich, insbesondere an der Jagst und deren Zuflüssen (z.B. der Seckach), hauptsächlich der darunter lagernde Muschelkalk freiliegt. Da der Keuper auf den Kocher-Jagst-Ebenen selten kräftig ausgeprägt ist, treten häufig Verkarstungserscheinungen wie z.B. Flussversickerungen, Karstquellen oder Erdfälle auf. Die Böden bestehen überwiegend aus Kalklehmen, tonigen Sanden oder entkalktem Lösslehm.

Während die Landschaft im Bereich der beiden großen Flusstäler mit Wiesen, Weiden, Äckern, Steinriegeln und Mischwäldern deutlich strukturiert ist, zeigen die wasserarmen Hochflächen nur ein geringes Relief mit mosaikartig verstreuter Bewaldung. Die Landschaft zeichnet sich durch eine hohe Wald-Offenland-Verzahnung aus. Grünland tritt stark zurück, fast ausschließlich wird Getreide angebaut. Forstwirtschaft spielt nur in Hanglagen und auf den östlichen Höhenzügen eine Rolle. Die Hang- und Schluchtwälder mit ihrer typischen Artenausstattung, aber auch die reich strukturierten Trockenhangkomplexe sind wichtige Biotopräume. Zum Teil wurden die verbliebenen Laubwälder durch artenärmere Nadelholzaufforstungen, z.B. mit Schwarzkiefer und Douglasie, ersetzt. Die Besiedlung konzentriert sich einerseits auf die breiten, namengebenden Täler, wo insbesondere die Schwemmfächer der Zuflüsse zum Ausgangspunkt der Siedlungsentwicklung wurden. Auf den Hochebenen sind wegen der Verkarstung vor allem ergiebigere Quellen die Merkmale der bevorzugten Siedlungsstandorte. Dort entstanden bei geringerer Siedlungsdichte wenige, aber größere Dörfer. 

Weiterführende Informationen zu diesem Naturraum finden Sie unter dieser URL im Webangebot der LUBW.