Die Umbaupläne des fürstlichen Baumeisters Tilman Ruland

Entwurf zum Umbau der fürstlichen Hofhaltung in Wertheim zu einem - in Anbetracht der Topographie - viel zu großen Residenzschloss – Quelle LABW (StAWt-R K 776, S. 20)
Entwurf zum Umbau der fürstlichen Hofhaltung in Wertheim – Quelle LABW 

Architektenträume sind teuer. Manchmal zu teuer. Das musste jedenfalls Fürst Carl Thomas zu Löwenstein-Wertheim-Rochefort in der Mitte des 18. Jahrhunderts erfahren. Wie viele andere Barockfürsten strebte auch er danach, sein Repräsentationsbedürfnis auszuleben und was lag da näher, als seiner Residenz ein ansprechendes Äußeres zu geben? Die Hofhaltung in Wertheim war ein eher schlichter Bau mit zwei Flügeln, dem größeren Südflügel und dem kleineren Ostflügel. Der Blick auf das große Vorbild Frankreich und die damalige Mode ließen ihn von einer Dreiflügelanlage träumen. Sein Hofarchitekt Tilman Ruland fertigte verschiedene Entwürfe für ihn an, die sich heute online auf den Seiten des Landesarchivs Baden-Württemberg betrachten lassen.

Sieht man heute die verschiedenen Risse, fragt sich der Ortskundige nicht ohne Grund, wo an dieser Stelle so eine in ihren Ausmaßen zum Teil etwas gewaltig geratene Anlage stehen sollte. Die geographische Lage zwischen Burghang und Tauberfluss hätte das nicht hergegeben. Aber davon ganz unabhängig reichten auch die finanziellen Mittel bei weitem nicht aus. Für einen dritten Flügel kam Ruland in einem Überschlag aus dem Jahre 1755 auf eine Summe von mehr als 20.000 Gulden. Nur zum Vergleich: Der zur gleichen Zeit ranghöchste Beamte, Präsident Hieronymus Heinrich von Hinckeldey, bekam jährlich eine Besoldung von 1.500 Gulden neben freiem Logis und verschiedenen Naturalbezügen.
Der Fürst hatte zudem bereits bei Regierungsantritt im Jahr 1735 beträchtliche Schulden übernommen, die ständig mit Zinszahlungen bedient werden mussten.

Auch für einen geplanten Schlossneubau in Kreuzwertheim auf der gegenüberliegenden Mainseite fertigte Tilman Ruland Pläne an. Von diesem Projekt sind allerdings nur die Grundmauern und der Grundstein nachzuweisen. Laut Rechnungen war wohl schon nach dem ersten Baujahr Schluss. Woher Ruland kam, wissen wir nicht. Er stand seit 1. Juli 1741 in den Diensten des Fürsten Carl Thomas, dürfte aber schon vorher für ihn gearbeitet haben. Seine Entwürfe, von denen es weit mehr als 100 Stück im Archivverbund Main-Tauber gibt, wurden nur selten ausgeführt. Ob die Initiative vom Fürsten oder von ihm selbst ausging, bleibt der Spekulation vorbehalten. Die Wahrheit dürfte irgendwo dazwischen liegen. Tilman Ruland starb am 4. März 1762 in Wertheim.

Erst in den 1970er Jahren, also rund 220 Jahre später, wurde der Traum des Fürsten und seines Architekten wahr. In einer äußerlich dem vorhandenen Bau angepassten Form wurde im Westen der Zweiflügelanlage ein dritter Flügel hinzugefügt. Er beherbergte den Archivverbund Main-Tauber. Nach neuerlichen Umbauten zog schließlich das Rathaus der Stadt Wertheim ein.

Martina Heine

Quelle: Archivnachrichten 45 (2012), S.12-13.