Briefe des katholischen Priesters Kurt Habich aus dem KZ Dachau

„Wir KZ-Häftlinge haben hineingeschaut in das Gesicht des Teufels!“

Kurt Habich als Häftling Nr. 33687 im KZ Dachau. Vorlage: LABW, GLAK N Habich 1.
Kurt Habich als Häftling Nr. 33687 im KZ Dachau. Vorlage: LABW, GLAK N Habich 1.

79 Briefe aus der Hölle – die Schreiben des katholischen Priesters Kurt Habich sind ein einzigartiges Dokument über die Barbarei und Willkür im SS-Staat. Die Briefe des Häftlings Nr. 33687 aus Block 26 dokumentieren Alltag, Terror und Erniedrigung im Dachauer Konzentrationslager.

Kurt Habich wurde am 30. Januar 1912 im badischen Lahr geboren. Nach dem Studium der katholischen Theologie und der Priesterweihe am 7. März 1937 in Freiburg wirkte er als Vikar in Karlsdorf bei Bruchsal, wo er die Unvereinbarkeit von christlich-katholischem Glauben mit der NS-Weltanschauung zu spüren bekam. Die Gestapo schrieb seine Predigten mit und durchsuchte das Pfarrhaus nach Flugblättern. Diese Auseinandersetzung war zum einen angesichts Habichs Selbstbildnis als Glaubenszeuge unausweichlich. Das damalige liturgische Verständnis vom Opfercharakter der heiligen Messe animierte zu einer Hingabe bis zum Tod. Zum anderen verlangten seine Tätigkeiten in Unterricht, Predigt und Seelsorge ein eindeutiges Bekenntnis.

1937 in die Gemeinde St. Franziskus in Pforzheim versetzt, geriet der Jugendseelsorger und Religionslehrer in Konflikt mit dem weltanschaulichen Monopolanspruch der Nationalsozialisten in der Jugenderziehung. Als in den LiLi-Lichtspielen am Pforzheimer Leopoldplatz der im August 1941 uraufgeführte Propagandafilm Ich klage an gezeigt wurde, der den NS-Krankenmord legitimieren sollte, protestierte Kurt Habich lautstark gegen die Ausstrahlung.

Am 25. März 1942 nahm ihn die Gestapo fest. Ein Schüler der 8. Klasse hatte ihn denunziert, den Film Ich klage an mit den Worten, dass das Beseitigen von sog. lebensunwerten Leben Mord sei, kommentiert zu haben. Zudem hatte Habich für seinen von der Gestapo verhafteten und nach Dachau verschleppten Mitprimizianten Emil Kiesel beten lassen. Am 15. April 1942 aus dem Karlsruher Gefängnis entlassen, setzte Habich seine Jugendarbeit entschlossen fort, ehe ihn die Gestapo am 8. Juni 1942 wegen Beunruhigung der Bevölkerung erneut in sogenannte Schutzhaft nahm. Die Gestapo warf ihm vor, das Vertrauen der Jugend zur politischen Führung untergraben zu haben.

Über die Gefängnisse Konstanz, Singen, Friedrichshafen, Ulm und Ingolstadt wurde Habich am 7. August 1942 in das Konzentrationslager Dachau verschleppt. Von den SS-Wachmännern mit den Worten Hier kommen Sie nie wieder raus! Sie Verbrecher!

Am 28. März 1945 aus dem Konzentrationslager Dachau entlassen, litt Habich unter den gesundheitlichen Folgeschäden seines Freiheitsentzugs. Nach einem kurzen Aufenthalt in Bräunlingen setzte er sich wieder in der Jugendarbeit ein. Von April 1945 bis 1950 wirkte er als Jugendseelsorger und Kaplan in der Offenburger Pfarrei Hl. Dreifaltigkeit, danach leitete er mehr als elf Jahre als Rektor das Diözesanschulungsheim im Bund Katholischer Jugend in St. Ulrich/Bollschweil, das im Jahr zuvor als zentrale Weiterbildungsstätte vom ehemaligen Landvolkpfarrer Paul Wollmann gegründet worden war. Im benachbarten Kloster und in der Pfarrei St. Trudpert im Münstertal wirkte er lange Zeit als Mitseelsorger. Von 1961 bis 1982 war Kurt Habich Pfarrer der Gemeinde St. Barbara in Freiburg-Littenweiler.

Als Überlebender des NS-Terrors war es ihm ein besonderes Anliegen, seine Erlebnisse mitzuteilen. Bereits im Frühjahr 1945 berichtete er in einer Rede in Bräunlingen über seine Leidenszeit im Konzentrationslager Dachau. In der Nachkriegszeit hielt er in der Erzdiözese Freiburg Vorträge über die Rolle der katholischen Kirche in der NS-Zeit, in denen er sich kritisch mit dem Verhalten der Kirchenleitung auseinandersetzte. 1993 erhielt er für sein beharrliches Engagement als Zeitzeuge der nationalsozialistischen Willkürherrschaft das Bundesverdienstkreuz. Er starb am 9. September 1997 in Staufen. Weitere Ehrungen erfuhr er posthum in Pforzheim, wo im Ortsteil Südweststadt eine Straße nach ihm benannt wurde.

Peter Exner

Quelle: Archivnachrichten 59 (2019), S. 42.