Ritter – Landespatron – Jugendidol. Markgraf Bernhard II. von Baden

Linolschnitt des seligen Bernhard von Baden, 1947, Vorlage: Landesarchiv BW, GLAK
Linolschnitt des seligen Bernhard von Baden, 1947, Vorlage: Landesarchiv BW, GLAK

1769 – also vor nunmehr 250 Jahren – wurde Markgraf Bernhard II. von Baden vom Papst seliggesprochen. Wer war dieser Mann, der im Sommer 1458 in Moncalieri bei Turin einem Fieber erlag? Die zeitgenössischen Quellen sind spärlich, sie lassen somit viel Raum für Deutungen und Zuschreibungen. In Moncalieri wurde schon bald von Wundern berichtet, die man der Fürsprache des badischen Markgrafen zusprach. In seiner Heimat am Oberrhein blieb die Verehrung auf das Haus Baden beschränkt.

Erst im frühen 18. Jahrhundert – also zu einer Zeit, als Markgraf Ludwig Wilhelm als Türkenlouis glänzende militärische Siege gegen die Osmanen auf dem Balkan errang – wurde Bernhard als christlicher Ritter, der für einen Kreuzzug zur Befreiung der heiligen Stätten im Orient warb, verehrt. Das drohende Erlöschen der katholischen Linie der badischen Markgrafen 1771 vor Augen, wurde Bernhard zum konfessionellen Schutzpatron der katholischen Bevölkerung in der vereinigten lutherischen Markgrafschaft. Der Bernhardusbrunnen in Rastatt wurde errichtet, zahlreiche Gemälde in den katholischen Pfarrkirchen des Landes vermittelten der breiten Bevölkerung ein plastisches Bild vom seligen Markgrafen Bernhard.

Bernhard war stets ein politischer Heiliger – ohne jemals heiliggesprochen worden zu sein. Das 1827 gegründete Erzbistum Freiburg wählte ihn zu seinem Mitpatron. In den Jahren des Kirchenkampfs in Baden während der Amtszeit des Erzbischofs Hermann von Vicari (1842–1868) und in der unmittelbar nachfolgenden Ära des Kulturkampfs der Reichsgründungszeit diente der selige Markgraf als Leitfigur einer wiedererstarkenden katholischen Kirche, die sich der Auseinandersetzung mit dem konstitutionellen Staat zu stellen hatte, ohne die regierende Dynastie als Stabilitätsfaktor in der Umbruchzeit der Industrialisierung angreifen zu wollen. Am Ende der Epoche wurde der selige Bernhard zur Symbolfigur der Aussöhnung zwischen katholischer Kirche und staatlicher Obrigkeit in Baden.

Als nach dem Zusammenbruch des Nationalsozialismus die Bevölkerung neue Vorbilder suchte oder sich alter Helden erinnerte, wurde Bernhard von Baden zum Jugendstar, zu einem Idol im Kampf gegen die Versuchungen der Moderne, zu denen die Konsumfreude der Wirtschaftswunderzeit ebenso zählte wie eine um sich greifende vermeintliche Sittenlosigkeit. Die Bedrohung des Abendlandes durch die Gefahr aus dem Osten in der Epoche des Kalten Krieges konnte mühelos an das Bild des tapferen Kreuzzugsritters anknüpfen.

Martin Stingl und Wolfgang Zimmermann

Quelle: Archivnachrichten 58 (2019), S. 48