Schwein gehabt - Die Wiedergeburt des Schwäbisch Hällischen Landschweins

Schweinepferch im Freilandmuseum Wackershofen.Copyright: LABW
Schweinepferch im Freilandmuseum Wackershofen.Copyright: LABW

Auf der Landesgartenschau 1982 in Schwäbisch Hall staunten die Besucher über ein paar bunte Schweine, denen etwas Exotisches anhaftete. Waren sie doch nicht wie gewöhnlich von weißer bis rosiger Hautfarbe, sondern trugen am Kopf, Hals und Hinterteil auffällige schwarze Binden oder Flecken, die den Tieren den Namen Mohrenköpfle einbrachten. Doch die Schweine stammten nicht aus China oder Südostasien, sondern vom Betrieb F. Horlacher in Wolpertsdorf bei Schwäbisch Hall, in dem noch ein winziger Restbestand der einst hier weit verbreiteten robusten Schweinerasse überdauerte. Ihr Ende schien gekommen.

Doch manchmal geschehen Wunder! Zu verdanken ist es der Initiative einiger mutiger Schweinezüchter, die sich 1983 in Wolpertshausen trafen, um das vom Aussterben bedrohte Schwäbisch Hällische Landschwein zu retten. Denn amtlich gab man dem robusten Landschwein seit Mitte der 50er Jahre des 20. Jh. keine Chance mehr in der Fleischwirtschaft, die andere Qualitäten für den Markt suchte. Langgestreckt, mit einem Rippenpaar mehr, fettarm, stressresistent und schnellwüchsig, kurzum industriegerecht sollte das Schwein der Zukunft sein. Mit Antibiotika, Leistungsförderern und strenger Zuchtauslese hätte sich dieses Idealschwein züchten lassen. Aber unter welchen Bedingungen für Halter und Verbraucher? Manchem Züchter schien dies der falsche Weg zu sein. Die in Wolpertshausen versammelten Züchter beschlossen, die wenigen verbliebenen Muttersauen und Eber der Schwäbisch Hällischen Landschweinrasse einer Kör-Kommission vorzuführen, mit dem Ziel, ein Herdbuch aufzulegen und eine neue Zucht nach strengen Regeln zu beginnen. Und so geschah es! 1986 entstand die Züchtervereinigung des Schwäbisch Hällischen Schweins, die heute rund 180 Mitglieder umfasst.

Was das Schwäbisch Hällische Landschwein auszeichnet, sind Eigenschaften wie große Fruchtbarkeit, Frühreife, gute Futterverwertung, Widerstandsfähigkeit und hervorragendes Fleisch, also Qualitätsmerkmale, die in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts beim Züchter nicht gefragt waren, weil sie sich nur mit einem vergleichsweise hohen Aufwand erreichen ließen, der Verbraucher indes nach billigem, fettarmem Schweinefleisch verlangte, welches in den Mastställen Norddeutschlands, Hollands und Dänemarks im großen Stil produziert wurde. Zum Glück waren nicht alle dieser Meinung, vor allem weil der Geschmack dieses Industrie-Schweinefleischs sehr zu wünschen übrig ließ. In der wachsenden Unzufriedenheit der Verbraucher mit dem industriell erzeugten Schweinefleisch lag die Chance für die Wiedergeburt des Schwäbisch Hällischen Landschweins. So wuchsen zunächst im kleinen, dann im größeren Umland von Jahr zu Jahr die Zahl der Züchter und die Bestände, sodass heute die Erhaltung der alten Schweinerasse gesichert erscheint. Der Lohn der Bemühungen blieb nicht aus, es gab Auszeichnungen: 1988 und 1990 wurden auf der Grünen Woche in Berlin beim Schlachtleistungswettbewerb mit allen gängigen Rassen jedes Mal reinrassige Schwäbisch Hällische Tiere Bundessieger. 1998 hat auch die EU-Kommission den Begriff Schwäbisch Hällisches Qualitätsschweinefleisch ähnlich anderen Ursprungserzeugnissen wie Parma-Schinken unter Schutz gestellt. Bleibt nachzutragen, dass seit 1988 der Absatz von Zuchttieren und Schlachtschweinen über die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall erfolgt.

Rainer Loose

Veröffentlicht in: Veröffentlich in: Der Landkreis Schwäbisch Hall. Hg. v. der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg in Verbindung mit dem Landkreis Schwäbisch Hall (Kreisbeschreibungen des Landes Baden-Württemberg). Ostfildern 2005, Bd. 1, S. 196.