‚Weibliche Arbeit‘ im Nationalsozialismus. Propagandistische Darstellungen in der NS.Frauen-Warte

Von Femke de Kort

Die NS-Frauenwarte von 1940
Propagandistische Darstellung weiblicher Arbeit auf dem Titelblatt der Zeitschrift NS-Frauen-Warte 8 (1940), H. 19. [Quelle: Nachlass Emma Maier-Bregger. Außenstelle Südbaden des Badischen Landesmuseums, Staufen]

Das nationalsozialistische Regime betrieb eine beispiellose Propaganda, deren Wirken und Folgen bis heute entsetzlich sind. Seine Ideologie betraf auch Ge­schlechterrollen und Arbeitsteilung. Wie wird im nationalsozialistischen Kontext ‚weibliche Arbeit‘ im Gegensatz zu ‚männlicher Arbeit‘ inszeniert und wie wan­delt sich dies mit Beginn des Zweiten Weltkriegs? Eine Annäherung an diese Frage bieten Darstellungen in der nationalsozialistischen Zeitschrift NS.Frau­en-Warte.

Die NS.Frauen-Warte war die einzige ‚parteiamtliche‘ Frauenzeitschrift des nationalsozialistischen Regimes. Sie erschien ab Juli 1932 bis zum Frühjahr 1945. Die Zeitschrift war als Propagandamittel speziell für die weibliche Ziel­gruppe gedacht und sollte nationalsozialistisches Gedankengut vermitteln. Da­mit fungiert sie als Spiegel der NS-Geschlechterpolitik. Schon mit ihrem Titel bekennt sich die NS.Frauen-Warte eindeutig zur Partei und dem Nationalsozi­alismus. Dadurch eignet sie sich besonders gut, um Aspekte der NS-Propag­anda zu analysieren. Neben dem Inhalt gibt bereits die bloße Auswahl der Texte Aufschluss über das nationalsozialistische Bild der Frau. Ratgeberartikel und Kochrezepte finden sich in den Zeitschriften ebenso wie Schnittmusterbögen für Kleidung – tagespolitische Themen hingegen kaum. Auch die hohe Reich­weite, 1939 mit einer Auflage von 1,5 Millionen Stück, macht die Zeitschrift zu einer wichtigen Quelle. Bei der Leserinnenschaft handelte es sich vor allem um Frauen aus Mittelschicht und Arbeiterklasse, Hausfrauen, Bäuerin­nen und NS-Frauenschaften.

Die Inszenierung von ‚Weiblichkeit‘

Die NS-Frauenwarte von 1940
Titelblatt der Zeitschrift NS- Frauenwarte (8) aus dem Jahr 1940. [Quelle: Nachlass Emma Maier-Bregger. Außenstelle Südbaden des Badischen Landesmuseums, Staufen]

Die Konstruktion von Geschlechtern prägt heute wie vor Jahrhunderten den Alltag von Menschen. Es handelt sich dabei um kulturell und sozial herge­stellte Geschlechterdifferenzen. Diese haben ihren Ursprung in einem traditionellen Geschlechterdiskurs, wo biologische Merkmale als Grundlage einer „männlichen Hegemonie“ gelten. Unter anderem beinhaltet diese, dass Männern rationales Handeln zugeschrieben wird, wohingegen Frauen als wenig rational denkfähig gesehen werden. In der NS-Ideologie lässt sich dieses Denkmuster besonders stark und viel weitgehender beobachten. Das ‚weibliche Gemüt‘ war der NS-Ideologie zufolge schwer kontrollierbar. Daher hatten Frauen nur in Ausnahmefällen öffentliche Positionen inne, ihr Raum in der Gesellschaft beschränkte sich in der Regel auf Familie, Haushalt und Erziehung. Der ‚deutsche Soldat‘ stellte im Gegensatz dazu die Verkörperung der idealen Männlichkeit dar: Kameradschaft, Gewaltbereitschaft, kämpferische Entschlossenheit, Leistungsstärke und Gehorsam. Die NS.Frauen-Warte propagierte die gewünschte Rolle der Frau als Ehefrau, Hausfrau und Mutter, die das ‚Vaterland‘ an der ‚Heimatfront‘ zu unterstützen habe. Vor allem Geschichten und Fortsetzungsromane thematisierten die Tätigkeiten von Frauen in der Heimat.

Die Frau als ‚Hausfrau‘

Die NS-Frauenwarte von 1940
Beitrag in der Zeitschrift NS- Frauenwarte (8) aus dem Jahr 1940. [Quelle: Nachlass Emma Maier-Bregger. Außenstelle Südbaden des Badischen Landesmuseums, Staufen. NS-Frauen-Warte 8 (1940), H. 22, S. 438f.]

Artikel mit Koch- und Haushaltstipps nehmen in allen Jahrgängen der NS.Frau­en-Warte breiten Raum ein. Zum Teil handelt es sich um Rezeptvorschläge, ähnlich wie sie auch heute in diversen Zeitschriften zu finden sind. Dabei wer­den hauswirtschaftliche Ratschläge gegeben, wie sparsam und mit wenigen Lebensmitteln gut gekocht werden kann. In den 1930er-Jahren wurde für den Kauf deutscher Produkte geworben, was dem Autarkiebestreben des Regimes entsprach. Die oftmals beiliegenden Schnittmusterbögen sollten dazu anleiten, Kleider selbst herzustellen. Darunter sind auch Anleitungen zu finden, wie sich Kleider umfunktionieren und reparieren lassen oder wie aus alten Kleidungs­stücken von Erwachsenen neue für Kinder genäht werden können. Dass die Prägung der weiblichen Rolle als Hausfrau schon im Kindesalter begann, zeigen Artikel, die beschreiben, wie Mütter auch ihre Töchter von klein auf mit den als häuslich verstandenen Aufgaben vertraut machen sollen. Bildungsangebote zur Hauswirtschaft werden vorgestellt. Berichte wie zum Beispiel aus der „Reichs­bräute- und Heimmütterschule“ zeigen die entsprechende Erziehung junger Mädchen. Abgedruckte Werbeanzeigen zu Haushaltsprodukten, Schönheits­mitteln oder Artikeln für Babys spiegeln ebenfalls die propagierten Aufgaben der Frau wider, wobei derartige Werbung wie auch Haus­haltstipps keine bloßen Phänomene der nationalsozialistischen Ideologie sind. Diese Thematik lässt sich auch in Zeitschriften aus der Zeit vor 1933 und nach 1945 beobachten.

Das Idealbild der ‚deutschen Mutter‘

Die verheiratete, deutsche Mutter wird in der NS.Frauen-Warte als Idealbild dargestellt, auf das junge Mädchen hinarbeiten sollen. Dazu finden sich in den Zeitschriften Artikel, die vermitteln, wie Frauen ihre Töchter diesen Kriterien entsprechend erziehen sollten. Aufforderungen oder Anleitungen zu Sport und Erläuterungen zu richtiger Körperhygiene suggerieren ein großes Interesse an der Gesundheit der Frauen. Dabei wird auch immer wieder beschrieben, wie wichtig körperliche Gesundheit für die Mutterschaft sei. Schon hier zeigt sich der im Nationalsozialismus herrschende Mutterkult. Die Fähigkeit des Gebärens, die Verantwortung für Fortpflanzung und Nachkommenschaft wurden als weibliche Aufgaben inszeniert. Viele Kinder sorgten für Ansehen, was auch die Etablierung des Mutterkreuzes zeigt. Dieses diente als Auszeichnung für Frauen mit sogenanntem Kinderreichtum. Die NS.Frauen-Warte berichtet selbst über Mütter, denen das Mutterkreuz verliehen wurde und betont dabei, welche Ehre dies für die Frau bedeute. Als Beispiel wird eine Mutter vorgestellt, die gleich neun Söhne in den Krieg „ziehen ließ“ und dabei tapfer blieb. Hier offenbart sich die perfide Vorstellung, dass die Ehe dem Staat diene, um für Nachkommen zu sorgen. Muttersein wird so als Beitrag zum sogenannten Volksganzen inszeniert.

Einen besonderen Stellenwert nimmt in dieser Darstellung die sogenannte ‚Soldatenmutter‘ ein. Den Müttern wurde hier eine große Verantwortung zu­gesprochen, da sie die künftigen Soldaten großzogen. Sie sollten ihre Söhne nach den propagierten Eigenschaften eines Soldaten erziehen, wie Disziplin, Gehorsam und Kameradschaftlichkeit. Wenn die Söhne erwachsen wurden und ihren Kriegsdienst antraten, blieben die Mütter vorbildlich tapfer und gefasst. Auch beim Verlust der Söhne sollten die Frauen still trauern und wurden dabei als „Heldenmütter“ gefeiert.

Die geforderte Selbstlosigkeit und Stärke der „deutschen Soldatenmutter“ wurde von den Ehefrauen auch ihren Männern gegenüber erwartet. So wird zum Beispiel in einer Kurzgeschichte über eine junge Frau berichtet, deren Ehe­mann an die Front berufen wird. Sie bleibt mit dem gemeinsamen kleinen Sohn zurück. Die Autorin beschreibt die Angst und Trauer der Frau, die sich jedoch jede Träne verkneift. Statt ihre Verzweiflung zu zeigen, beginnt sie sofort, die Sachen für ihren Mann zu packen. Außerdem bereitet sie ihm eine besonders gute Mahlzeit vor und tut alles, um seinen Abschied zu erleichtern. Auch hier ist die Frau als sorgendes, Gefühle kontrollierendes Wesen dargestellt, das sich aber nicht von Emotionen leiten lässt, wenn der Mann im Kriegsdienst unter­stützt werden muss. Dabei wird wiederum der Mann als Hauptakteur insze­niert, die Arbeit der Frau hingegen eher als eine Art Begleittätigkeit.

Erwerbsarbeit

In den frühen 1930er Jahren entsprachen erwerbstätige Frauen nicht dem pro­pagierten Weiblichkeitsideal. Frauen wurden durch politische Maßnahmen dazu gebracht, ihren Beruf aufzugeben. Durch ihre Verdrängung vom Arbeits­markt wollte das Regime eine Regulierung der damals hohen Arbeitslosen­zahlen erwirken. Frauen, deren Männer erwerbstätig waren, hatten demnach beruflich lediglich als Hausfrau und Mutter tätig zu sein. Sie sollten ihrer Rolle entsprechend an der sogenannten Volksgemeinschaft teilnehmen. Damit wa­ren die Aufgaben als Mutter und Ehefrau sowie der Haushalt gemeint.

Mitte der 1930er Jahre nehmen die Artikel über erwerbstätige Frauen und weibliche Berufe zu. So werden in einer Ausgabe aus dem Jahr 1935 Maßnahmen zur „Entlastung der Landfrau“ gefordert. Ein anderer Artikel aus dem Jahr 1936 stellt „Frauenberufe“ und die speziell darauf ausgerichtete „Mädchenbildung“ vor. Hier spielt die Tatsache eine Rolle, dass in der Realität auch Frauen einer Erwerbsarbeit nachgingen. Denn nicht alle Frauen, auch wenn dies nicht dem Ideal entsprach, waren verheiratete Mütter, die vom Gehalt eines Ehemannes leben konnten. Schließlich wurden Frauen im Zuge eines Arbeitskräftemangels in der einsetzenden Kriegsindustrie auch direkt für die Erwerbsarbeit angeworben. Gesetze wurden geändert und die Erwerbstätigkeit von Frauen wurde teilweise sogar verpflichtend. Zunächst handelte es sich dabei um Tätigkeiten im affektiven Bereich, wie in der Pflege oder Kinderbetreuung. Die Arbeitsfelder für Frauen wurden im Laufe des Krieges jedoch immer mehr ausgedehnt, zum Beispiel auf Landwirtschaft und Fabriken. Die Propaganda glich sich also den ökonomischen Bedürfnissen an. Diese Verschiebung der weiblichen Tätigkeitsfelder zeigt sich sehr deutlich in den Ausgaben der NS.Frauen-Warte aus den Kriegsjahren. In einem Heft aus dem Jahr 1943 wird beispielsweise von weiblichen Arbeitskräften bei der Feuerwehr berichtet. Hier findet sich auch ein Suchaufruf nach Frauen mit Führerschein, die als Kraftfahrerinnen im Krieg eingesetzt werden sollten. 1944 erscheint eine weitere Annäherung der weiblich inszenierten Arbeit an die soldatische: Während des Fronturlaubs der Männer durften deren werktätige Ehefrauen ebenfalls von der ‚Arbeitsfront‘ beurlaubt werden.

In der NS.Frauen-Warte zeigt sich zudem die sprachliche Propagierung einer gewissen Gleichheit zwi­schen Mann und Frau: Während die Männer als Soldaten ihren Dienst ableis­teten, wurde das Kriegsvokabular ebenfalls auf Frauen angewendet. So ist zum Beispiel vom „Sieg der schaffenden Arbeit“ beim „Fraueneinsatz in der Kriegswirtschaft“ die Rede. Diese Tendenz zeigt sich bereits in den frühen 1930er Jahren, wo von „Kämpferinnen“ gesprochen wird. Die Arbeitsberei­che, für die dieses Vokabular genutzt wurde, verschieben sich im Laufe der Jahre stark. In früheren Zeitschriftenausgaben geht es lediglich um Tätigkeiten, die der Frau ohnehin traditionell zugeschrieben waren. Später treten dazu die bereits genannten, erweiterten Arbeitsfelder.

‚Deutschtum‘ in der NS.Frauen-Warte

Wider Erwarten wird das sogenannte ‚Deutschtum‘ in der NS.Frauen-Warte nicht oft in eigenen Texten thematisiert. Stattdessen finden sich subtilere An­deutungen. So wird das Adjektiv „deutsch“ sehr oft mitgeführt, wie zum Bei­spiel bei der Rede von „deutscher Elternschaft“. Selten finden sich direkt antisemitische Artikel. Hier liegt die Vermutung nahe, dass Faktoren wie die Einhaltung der ‚Rassengesetze‘ als selbstverständlich angesehen wurden. Eine vorbildliche ‚deutsche Mutter‘ konnte der Ideologie zufolge nur jene sein, die sich ohnehin an diese Gesetze hielt. Frauen, die nicht dem propagierten Weib­lichkeitsideal entsprachen, werden in der Zeitschrift kaum explizit genannt. Diese Aussparung kann aber auch als Symbol für deren Ausschluss aus der NS-Gesellschaft verstanden werden.

Die idealtypische Mutter und die erwerbstätige Frau

Die NS-Frauenwarte von 1940
Beitrag über ‚deutsche‘ Mütter in der Zeitschrift NS- Frauenwarte (8) aus dem Jahr 1940. [Quelle: Nachlass Emma Maier-Bregger. Außenstelle Südbaden des Badischen Landesmuseums, Staufen. NS-Frauen-Warte 8 (1940), H. 22, S. 43]

Das Ausgangsbild des Nationalsozialismus von Frauen ist deutlich: Während die Männer mutig in den Krieg ziehen, verrichten sie zu Hause ihren Dienst für das Land. Dazu gehörte die mentale Unterstützung des Mannes wie auch die Erziehung der nächsten ‚volksdeutschen‘ Generation. Die gewünschte ‚deutsche Frau‘ wurde mit Tugenden wie Fleiß, Selbstlosigkeit, Treue und Liebe zum Ehemann wie zum Vaterland versehen. Diese Darstellung zeigt sich von Anfang an in der NS.Frauen-Warte und wird bis zu deren Ende 1945 aufrechterhalten. Die Idealvorstellung der deutschen Hausfrau und Mutter findet sich durchgängig. Zunehmend ließ die Propaganda jedoch auch erwerbstätige Frauen zu, was durch den kriegsbedingten ökonomischen Bedarf ausgelöst wurde. Daran lässt sich sehr deutlich das flexible Vorgehen des nationalsozialistischen Propagandaapparats ablesen: Scheinbare Grundsätze über Tätigkeiten der Frau werden verworfen, um wirtschaftliche wie militärische Interessen verfolgen zu können. Dabei vollzieht sich diese Entwicklung ebenfalls unter dem Deckmantel einer propagandistischen Strategie. Das eigentliche Ideal der Frau wird weiterhin gepriesen und eingefordert. Dass die erwerbstätige Frau eigentlich nicht in dieses Bild passt, ist zweitrangig. In Bezug auf die Kriegsarbeit wird zudem immer wieder eine scheinbare Gleichstellung zwischen Mann und Frau inszeniert.

Die propagierte Weiblichkeit im Kontext von Arbeit in der NS.Frauen-Warte wirft die Frage auf, welches Bild von Weiblichkeit und ‚weiblicher Arbeit‘ eigentlich nach 1945 suggeriert wurde. Gab es Aspekte in späteren Frauenzeitschriften, die weiterhin eine Rolle spielten und damit nicht nur als Teil eines nationalsozialistischen Rollenbildes, sondern einer auch darüber hinaus wirkenden Geschlechterideologie zu verstehen sind?

Literatur

  • Bensow, Laura, „Frauen und Mädchen, die Juden sind euer Verderben!“ Eine Untersuchung antisemitischer NS-Propaganda unter Anwendung der Analysekategorie Geschlecht, Hamburg 2016.
  • Döhring, Kirsten/Feldmann, Renate, Von „N.S. Frauen-Warte“ bis „Victory“. Konstruktionen von Weiblichkeit in nationalsozialistischen und rechtsextremen Frauenzeitschriften, Berlin 2004.
  • Kühne, Thomas, Männergeschichte als Geschlechtergeschichte, in: Thomas Kühne (Hg.): Männergeschichte – Geschlechtergeschichte. Männlichkeit im Wandel der Moderne, Frankfurt am Main 1996, S. 7–30.

 

Zitierhinweis: Femke de Kort, Weibliche Arbeit im Nationalsozialismus. Propagandistische Darstellungen in der NS.Frauen-Warte , in: Alltagskultur im Südwesten, URL: […], Stand: 08.08.2020

 

Dieser Beitrag von Femke de Kort erschien unter dem Titel „‚Weibliche Arbeit‘ im Nationalsozialismus. Propagandistische Darstellungen in der NS.Frauen-Warte“ in der Publikation: Karin Bürkert und Matthias Möller (Hg.): Arbeit ist Arbeit ist Arbeit ist … gesammelt, bewahrt und neu betrachtet. Tübingen: Tübinger Vereinigung für Volkskunde 2019, S. 119-128.