Schwörmontag und Nabada in Ulm

Von Felix Teuchert

Schwörmontag und Nabada in Ulm, 1960 [Quelle: Landesfilmsammlung Baden-Württemberg]

Der „Schwörmontag“ mit der anschließenden „Nabada“ ist ein traditionelles Fest der Stadt Ulm, dessen Ursprung im 14. Jahrhundert liegt. Dieses bunte und fröhliche Spektakel ist politischen Ursprungs. In der Reichsstadt tobte damals ein erbitterter Streit zwischen den alteingesessenen Patrizierfamilien und den wirtschaftlich erstarkenden Zünften, die von der Stadtregierung ausgeschlossen waren und für politische Mitbestimmung kämpften. Der „Kleine Schwörbrief“ von 1345 sollte den Streit, der zum Teil blutig ausgetragen wurde, beilegen. In diesem Dokument sicherten sich die 17 Zünfte im Stadtrat die Mehrheit. Der sogenannte „Große Schwörbrief“ von 1397, das bedeutendste Verfassungsdokument der Ulmer Stadtgeschichte, baute den politischen Einfluss der Zünfte weiter aus und legte fest, dass ein von der Bürgerschaft gewählter Bürgermeister das Stadtoberhaupt sein sollte. Ein eigenes politisches Ritual verlieh der Verfassung einen sichtbaren symbolischen Ausdruck. So musste der Bürgermeister am jährlichen Schwörtag Rechenschaft über seine Regierung ablegen; Bürgerschaft und Bürgermeister leisteten Treueschwüre auf die Verfassung und versicherten sich ihrer gegenseitigen Solidarität. Kaiser Karl V. beseitigte 1548 zwar den Schwörbrief und entmachtete damit auch die Zünfte, jedoch hielt sich der Brauch des Schwörens, von Unterbrechungen abgesehen, bis heute.

Jedes Jahr am vorletzten Montag im Juli bekräftigt der Bürgermeister mit einer über 600 Jahre alten Schwurformel seinen Eid: „Reichen und Armen ein gemeiner Mann zu sein in allen gleichen, gemeinsamen und redlichen Dingen ohne allen Vorbehalt.“ Der Schwur markiert heute Beginn und Ende des politischen Jahres. Am Nachmittag des Schwörmontages findet die Nabada auf der Donau statt, die auch in diesem Filmausschnitt von 1960 zu sehen ist: Ein karnevalartiger Wasserumzug, der von hunderten, zum Teil phantasievoll dekorierten Motto-Booten und Flößen begleitet wird. Der Brauch des Nabada – ein schwäbisches Wort, das mit „Hinunterbaden“ übersetzt werden kann – wurde allerdings sehr viel später mit dem Schwörmontag in Verbindung gebracht. Die Nabada geht auf einen alten Kirchweihbrauch, das „Bäuerle Hinunterfahren“ zurück, der sich bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. Dabei wurde ein Bauernpaar die Donau hinuntergefahren und in den Fluss gestoßen.

Literatur

  • Petershagen, Wolf-Henning, Schwörmontag. Ein Ulmer Phänomen, Ulm 1996.
  • Petershagen, Wolf-Henning, Schwörpflicht und Volksvergnügen. Ein Beitrag zur Verfassungswirklichkeit und städtischen Festkultur in Ulm, Stuttgart 1999.
  • Wagner, Wulf, Bräuche im Ländle, Stuttgart 2017.

 

Zitierhinweis: Felix Teuchert, Schwörmontag in Ulm, in: Alltagskultur im Südwesten, URL: […], Stand: 10.11.2020