Fränkisch

Von Rudolf Bühler

 Dialekträume, Historischer Atlas
Raumgliederung der Mundarten um 1950. Zum Vergrößern der Karte auf das Bild klicken. [Quelle: Historischer Atlas Baden Württemberg]

Um den Begriff „Fränkisch“ im Zusammenhang mit den Dialekten in Baden-Württemberg verwenden zu können, muss man einige Anmerkungen zu ihrer Benennung vorausschicken. Zum Fränkischen zählen Dialektforscher die Mundarten ungefähr im nördlichen Drittel unseres Bundeslandes. Damit werden alle Mundarten zusammengefasst, die landläufig als Badisch, Kurpfälzisch, Odenwälderisch oder Hohenlohisch bezeichnet werden. Man kann sie mithilfe der mittelhochdeutschen Sprache einem gemeinsamen Dialektraum, dem Fränkischen, zuordnen und als Bezugspunkt jeweils eine Lautung oder eine Form dieser Ausgangsstufe für unsere Mundarten wählen. Für die Einteilung von Dialektgebieten werden meist lautliche Phänomene herangezogen, da sie ganze Lautgruppen erfassen und somit bei sehr vielen Wörtern gleichzeitig in Erscheinung treten können.

Als gemeinsames sprachliches Merkmal für das Fränkische in Baden-Württemberg eignet sich zum Beispiel die Aussprache von Wörtern wie reiten und Eis sowie Haus und Maus, die im Mittelalter mit einem langen ii bzw. uu gesprochen (und geschrieben) wurden. In den fränkischen Mundarten Baden-Württembergs spricht man diese Wörter mit ai bzw. au. Hier heißt es auch glaawe (bzw. glääwe oder gleewe im Odenwald und in Tauberfranken) für glauben, das in mittelhochdeutscher Zeit mit ou gesprochen wurde. Aus altem ir und ür wie in den Kirschen oder den Würsten wurde im Fränkischen bei uns e(r) oder ä(r), also Kä(r)sche, We(r)scht und Wärscht. Auch im Bereich der Grammatik findet man Gemeinsamkeiten bei den fränkischen Mundarten in Baden-Württemberg. Das Verb haben wird im Norden unseres Bundeslandes zweisilbig ausgesprochen: hawwe, ho(o)we, hewwe, während weiter südlich haa, han oder hao gilt. Auch die Partizipform dieses Wortes unterscheidet sich vom Süden des Landes: Während dort für gehabt Formen wie ghet, gheet oder ghaa auftreten, heißt es im Norden ghat oder (im Nordosten) ghot.

Eine Gemeinsamkeit der fränkischen Mundarten in Nordbaden ist die Aussprache von nd, wenn es wie in Kinder oder binden zwischen zwei Vokalen steht. So heißt es von Karlsruhe über Heidelberg bis nach Wertheim Kinner oder binne. Typisch für das Kurpfälzische oder Rheinfränkische ist der ich-Laut in Wörtern wie Dächer, Rechen, Knecht oder leicht, die im Rhein-Neckar-Raum wie Däscher, Resche, Knescht oder laischt gesprochen werden. Hier finden wir auch den Appel und den Kopp für Apfel und Kopf, da im Rheinfränkischen der alte germanische p-Laut nicht zu pf verschoben wurde. Eine besondere Entwicklung im Südfränkischen ist die Dehnung alter Doppellaute wie in Auge, breit oder heiß. Hier heißt es also Aaog, braait und haaiß, während es im Rhein- und Ostfränkischen Aag oder Aach, braat und haaß heißt. Für letztere hört man im Odenwald und östlich der Tauber breet/bräät und heeß/hääß. Charakteristisch für das Ostfränkische ist die Aussprache des a-Lautes in Wörtern wie Magen, tragen, Graben oder laden. Er wird - besonders im Hohenlohischen - ganz geschlossen als o-Laut ausgesprochen: Mooche, trooche, Groowe, loode. Im Hohenlohischen begegnen uns auch die Gaggelich als Wort für die Eier, dank der nur hier vorkommenden Bildung von Verkleinerungsformen in der Mehrzahl mit lich - zwei Rädlein oder Sträßlein werden also zu Rädlich oder Sträßlich. Eine Besonderheit der Mundarten in Baden-Württemberg bilden die grenznahen Orte im Main-Tauber-Kreis, die bereits zum Unter-Ostfränkischen gezählt werden.

Das Tauberfränkische wird bereits durch das benachbarte Unterfranken beeinflusst. So hört man hier gerundete Vokale in Öpfel für Apfel oder nöü, Föüjer, faücht und Maüs für neu, Feuer, feucht und Mäuse ebenso wie kurze Laute in schlaff, Strass für schlafen, Straße und Wörter, in denen altes e zu a wird wie in Fanster, Mahl, Watter für Fenster, Mehl und Wetter - Fanster dann auch mit -st-, da östlich der Tauber im Inlaut kein scht mehr gesprochen wird.

 

Zitierhinweis: Rudolf Bühler, Fränkisch, in: Alltagskultur im Südwesten, URL: […], Stand: 08.08.2020