"Mit dem Mazze-Mobil durch Mannheim" - Wissenswertes zum jüdischen Pessach-Fest

 

Tiah Weil (geb. 1721 in Prag, gest. 1805 in Karlsruhe), war als Oberlandrabbiner in Karlsruhe Herausgeber einer Haggada, einer Handlungsanweisung für den Seder, Quelle LMZ BW
Tiah Weil (geb. 1721 in Prag, gest. 1805 in Karlsruhe), war als Oberlandrabbiner in Karlsruhe Herausgeber einer Haggada, einer Handlungsanweisung für den Seder, Quelle LMZ BW

Das im Frühling gefeierte Pessach ist eines der wichtigsten Feste des Judentums. Es erinnert an die Befreiung des jüdischen Volkes aus der Sklaverei der Pharaonen und den Auszug aus Ägypten: Neun Plagen, die Gott den Ägyptern sandte um die Juden zu befreien, waren vergeblich. Da kam eine zehnte. Alle erstgeborenen Söhne starben. Verschont wurden nur die jüdischen Familien, die nach dem göttlichen Gebot ihre Türen mit dem Blut eines geschlachteten Lamms bestrichen hatten. Pessach bedeutet Vorübergehen. Der Tod ging an diesen Häusern vorbei.

In diesem Jahr beginnt Pessach am Abend des 27. März und dauert bis zum 4. April. Es wird auch als Fest des ungesäuerten Brotes bezeichnet, weil kurz vor der Befreiung kein Brotteig angesetzt werden konnte. In den Tagen vor Pessach werden Brot, Getreide und alle damit verbundene Produkte weggeschlossen oder aus dem Haus verbannt. Ein (rituellen) Großputz dient der Reinigung des Hauses bis zum kleinsten Krümel. Das Geschirr wird koscher gemacht oder besonderes Festgeschirr hervorgeholt. Die Vorbereitungen sind auch ein willkommener Anlass, sich von überflüssigen Gegenständen zu trennen. An allen Pessach-Tagen gibt es die nach strengen Regeln hergestellten Mazzen, deren Teig sofort nach der Zubereitung gebacken wird, um Säuerung zu vermeiden. Der erste und der letzte Pessach-Tag sind arbeitsfrei.

Pessach ist ein Fest, bei dem die Zeit der Sklaverei und der Exodus aus Ägypten nachvollzogen werden. Gefeiert wird innerhalb der Familien. Den Auftakt bildet der Seder-Abend. Vor dem eigentlichen Festmahl werden Speisen mit symbolischer Bedeutung auf einem Seder-Teller gereicht. Zwei Bitterkräuter, etwa Meerrettich, stehen für die Zeit der Sklaverei. Gebratenes Fleisch mit viel Knochen soll an das Pessach-Opfer im Jerusalemer Tempel erinnern. Mus aus Früchten und Nüssen verkörpert den Mörtel harter Maurerarbeiten, Gemüse aus der Erde die kärglichen Erträge der Felder. Ein hartgekochte Ei symbolisiert neben Fruchtbarkeit auch Zerbrechlichkeit und erinnert an die Zerstörung des Jerusalemer Tempels. Zum festen Bestandteil des Abends gehört der Pessach-Wein, von dem vier Gläser getrunken werden. Eine besondere Rolle kommt den Kindern zu. Das jüngste stellt vier Fragen, die auf die Bedeutung des Festes verweisen und von denen die erste lautet: "Was unterscheidet diese Nacht von allen andern?" Viele Familien verbinden mit Pessach ihre eigene Befreiungsgeschichte. Trotz allen erlittenen Unrechts ist Pessach ein fröhliches Fest. Im Mittelpunkt steht nicht Rache sondern die Befreiung mithilfe Gottes.

Interessante Aspekte zur Bedeutung von Pessach aus historischer und gegenwärtiger Sicht hat das Jüdische Museum Berlin zusammengestellt.
So gibt es einen Bericht über die Verteilung von Mazzen während der Corona-Zeit Mit dem Mazze-Mobil durch Mannheim

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