Henriette von Württemberg-Teck – eine „Großmutter Europas“

 

Herzogin Henriette von Württemberg, Quelle: Haus Württemberg
Herzogin Henriette von Württemberg, Quelle: Das Haus Württemberg. Ein biographisches Lexikon

Über 45 Jahre lebte Herzogin Henriette von Württemberg, die als Tochter des Hauses Nassau-Weilburg am 22. April 1780 in Kirchheimbolanden in der Pfalz geboren wurde, auf Schloss Kirchheim. Die Familie hatte nach schwierigen Jahren in der Stadt an der Teck Zuflucht gefunden. Als Ehemann Ludwig 1817 starb, widmete sich Henriette caritativen Aufgaben, wofür sie von den Einwohnern sehr geschätzt wurde. Hilfe war dringend nötig, fiel doch der Tod des Ehemannes in die Hungerjahre nach Ausbruch des Vulkans Tambora. Ihr Engagement verdeutlicht als eines von vielen Beispielen, mit welchen Maßnahmen den sozialen Erfordernissen in der ersten Hälfte des 19. Jh. begegnet wurde. Bereits 1817 unterstützte Henriette die neu eröffnete Industrieschule für mittellose Kinder und stand ab 1821 dem ebenfalls neu gegründeten Wohlfahrtsverein vor. Zusammen mit der Stadt, der Oberamtei und einem Stiftungsrat wurde 1826 das Waisenhaus Paulinenpflege realisiert, das sich am Vorbild des Stuttgarter Waisenhauses orientierte. Mitbegründerin des Stuttgarter Waisenhauses war Henriettes Tochter Pauline, verheiratet mit König Wilhlem I. von Württemberg. Außerdem entstanden eine Kleinkinderschule und ein nach neuesten Maßstäben konzipiertes Krankenhaus. Henriette galt als geistig rege, sehr gläubige und bescheidene Frau, die den Kontakt zur Bevölkerung nicht scheute. Mit ihrer Initiative zur Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr zeigte sie erneut Interesse an Innovationen.

Nicht nur über Pauline war Henriette eng mit dem Stuttgart Königshaus verbunden, wo sie viele Vorbilder für die sozialen Einrichtungen gefunden haben mag. Sie genoss das Vertrauen König Friedrichs I. von Württemberg, einem Bruder ihres Ehemanns. Tiefe Freundschaft bestand auch zu Katharina, der 1819 verstorbenen zweiten Ehefrau König Wilhelms I.

Die Ehe mit Herzog Ludwig von Württemberg war 1797 in Bayreuth geschlossen worden. Der Umgang mit dem autoritären und hoch verschuldeten Ludwig scheint Fingerspitzengefühl erfordert zu haben. Nur mithilfe seines Bruders war dieser 1811 nach mehrmonatiger Inhaftierung durch seine Gläubiger in Warschau freigekommen. Daraufhin erhielt die Familie Schloss Kirchheim als Wohnsitz zugewiesen. Der Verbindung entstammten fünf Kinder, von denen die Töchter und Enkelinnen in verschiedene europäische Herrscherhäuser einheirateten. Henriette starb am 2. Januar 1857 und wurde in der Stuttgarter Stiftskirche beigesetzt. Enkel Franz Paul Ludwig (1837-1900) und seine Schwestern erhielten als erste offiziell den Titel der Fürsten von Teck. Franz war der Vater der späteren Königin Mary, der Großmutter Königin Elisabeths II.

Zum Weiterlesen: Biographisches Lexikon des Hauses Württemberg
Die Seitenlinie der Herzöge von Teck
Henriette, Herzogin von Württemberg-Teck (1780-1857)
Ludwig (Louis), Herzog von Württemberg-Teck (1756-1817)

Schlösser und Gärten: Schloss Kirchheim - Landesfestung und Witwensitz Württembergs

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