Jagsthausen 

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Typauswahl: Gemeinde
Status: Gemeinde
Homepage: http://www.jagsthausen.de
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Einwohner: 1612
Bevölkerungsdichte (EW/km²): 91.0
Max. Höhe ü. NN (m): 350.41
Min. Höhe ü. NN (m): 185.57
PLZ: 74249

Jagsthausen zählt zum Landkreis Heilbronn und gehört naturräumlich zu den Kocher-Jagst-Platten. Das 17,67 qkm umfassende Gemeindegebiet mit dem Kernort und dem Teilort Olnhausen liegt im Nordosten des Landkreises und grenzt an den Hohenlohekreis. Es erstreckt sich vom Harthäuser Wald im Süden bis zu den Seckach-Kessach-Riedeln im Norden. Dazwischen hat sich die Jagst in mehreren großen Schlingen tief in das Areal eingeschnitten, das sie von Osten nach Westen durchläuft. Das Höhenmaximum erreicht die Gemeinde im Osten bei etwa 348,5 m NN auf der Hochfläche oberhalb der Jagst an der Grenze gegen Schöntal, den tiefsten Punkt markiert der Fluss auf rd. 185 m NN im Westen, wo er weiter nach Widdern fließt. Im Gewann Kalkklinge, an der Grenze zum Schöntaler Ortsteil Berlichingen, wies man 1994 eine wärmebegünstigte Halbtrockenrasenfläche von 4,3 ha als Naturschutzgebiet aus; der Flusslauf der Jagst wurde zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. In der Nachkriegszeit breitete sich der Kernort auch links der Jagst aus. Jagsthausen ist laut Landesentwicklungsplan Teil des ländlichen Raums im engeren Sinn. Die ritterschaftlichen Orte Jagsthausen und Olnhausen wurden 1806 durch die Mediatisierung der Freiherren von Berlichingen württembergisch. Am 12. Juli 1806 wurden sie dem Oberamt Schöntal, nach dem 27. Oktober 1810 dem Oberamt Neckarsulm und am 1. Oktober 1938 dem Landkreis Heilbronn zugeordnet. Zum 1. Januar 1972 wurde Olnhausen nach Jagsthausen eingegliedert.

Mit einer Fläche von 17,67 Quadratkilometern liegt die Gemeinde Jagsthausen (240 Meter über Normalnull) mit ihren Teilorten Jagsthausen und Olnhausen im Nordosten des Landkreises; dazu gehören noch die Höfe Leuterstal (Stahlhof) rechts der Jagst sowie Äußerer, Mittlerer und Unterer Pfitzhof, Edelmannshof und Stolzenhof links des Flusses. Anrainer sind Hardthausen am Kocher und Widdern sowie Schöntal und Forchtenberg, die beiden letzteren im Hohenlohekreis. Die Entfernung von Heilbronn beträgt in der Luftlinie etwa 30 Kilometer. Dem Landesentwicklungsplan zufolge gehört Jagsthausen zum ländlichen Raum im engeren Sinn. Beiderseits der Jagst reicht das Gemeindegebiet hinauf auf die Hochflächen und hat im Norden Anteil an den Seckach-Kessach-Riedeln, im Süden am Hardthäuser Wald. Die topographischen Voraussetzungen sind im wesentlichen von der Lage im Tal der Jagst geprägt, das als eigene naturräumliche Einheit die Kocher-Jagst-Platten durchschneidet. Der Fluss zieht in drei größeren und einer kleineren Schlinge in ost-westlicher Richtung durch die Gemarkung und bildet dabei stark ausgeprägte Prall- und Gleithänge. Der Höhenunterschied zwischen Talboden und -hang beträgt zwischen 70 und 120 Metern. Der höchste Punkt der Gemarkung liegt mit 348,5 Meter über Normalnull in deren östlichstem Zipfel gegen Schöntal, der tiefste bei etwa 185 Meter am Flusspegel, wo die Jagst sich nach Widdern verabschiedet. Die breit aufgeschüttete Talaue weist überwiegend nährstoffreiche, feinsandig-lehmige Böden auf. Während die Talhänge aus Oberem Muschelkalk bestehen, in den sich der Fluss tief eingeschnitten hat, ist die Ebene im Norden teilweise von Löss bedeckt. Die wenigen darüber hinausragenden Erhebungen sind dem unteren Keuper zuzurechnen, die mittlere Stufe der Trias. Diese teilweise noch mit Lössresten bedeckten Lettenkeuperhochflächen gehören zu den Kessach-Seckach-Riedeln. Im Bereich der Kocher-Jagst-Ebenen hat die Gemarkung auch Anteil an den vielfach lössbedeckten Lettenkeuperrücken des Hardthäuser Walds. Zwischen Jagsthausen und Olnhausen beziehungsweise Sindringen liegt mit nur 1,5 Kilometer Distanz die schmalste Stelle zwischen Jagst und Kocher. Die Seitentäler haben sich tief in den Unterkeuper und in den Oberen Muschelkalk eingegraben und dadurch die Hochfläche in Riedel gegliedert. Typisch für die dabei entstandenen Klingen ist deren nur zeitweise Wasserführung infolge starker Verkarstung und Zerklüftung des Gesteins, in dem das Oberflächenwasser rasch versickert. Das Jagsttal wird in seiner hochwassergefährdeten Talsohle zumeist für Wiesen, Obstwiesen oder Magerrasen genutzt. Die höher gelegenen Flächen dienen dem Ackerbau. Die steilen, südexponierten Hänge waren im 19. Jahrhundert vielfach mit Weinreben bestockt. Heute sind die Weinberge großenteils aufgelassen; zum geringeren Teil werden sie noch im Nebenerwerb bewirtschaftet. Die in Streuobstwiesen umgewandelten Weinbergsflächen sind wegen mangelnder Pflege vielfach von Verbuschung bedroht. Im Talgrund finden sich neben den Wiesen vereinzelt Auenwälder. Kulturbiotope wie die Tal- und Obstwiesen, Magerrasen und Weinberge stellen Rückzugsgebiete für bedrohte Arten dar. In der Kalkklinge südlich von Leuterstal wurde 1994 eine wärmebegünstigte, südwestexponierte Halbtrockenrasenfläche von 4,3 Hektar als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Die steilen Hangpartien, die früher als Schafweide oder Weinberge genutzt wurden, sind heute nicht mehr in Bewirtschaftung und wachsen zu. Die Halbtrockenrasen sind Kalk-Magerweiden, die von Schafen beweidet werden, wodurch Bewuchs verhindert wird. Daher können sich hier ganz spezielle, auf Licht und Wärme angewiesene, weidefeste Pflanzenarten ansiedeln wie beispielsweise die Küchenschelle, der Stinkende Nieswurz, der Fransen-Enzian oder die Golddistel. Außerdem ist das Gebiet Lebensraum zahlreicher Insekten- und Vogelarten. Pflegende Eingriffe erfolgen nur dort, wo eine Überwucherung der als Lebensraum heckenbrütender Vogelarten wichtigen Pflanzen – Heckenrose, Roter Hartriegel, Weißdorn, Liguster, Schlehe – droht.

Die beiden Orte Jagsthausen und Olnhausen, die bis dahin zur Herrschaft der Freiherren von Berlichingen gehört hatten, fielen 1805/06 im Zuge der Mediatisierung an das Königreich Württemberg. Sie wurden zunächst dem bereits Ende 1810 wieder aufgelösten Oberamt Schöntal, danach dem Oberamt Neckarsulm zugeschlagen. Seit dessen Aufhebung durch die Neugliederung von 1938 sind beide Bestandteil des Landkreises Heilbronn. 1823 verzichteten die Freiherren von Berlichingen auf die Patrimonial-Gerichtsbarkeit in beiden Gemeinden, hielten aber noch an der Ausübung der Ortspolizei durch einen eigenen Amtmann bis 1827 und an der Forstgerichtsbarkeit fest. Als württembergische Grundherren hatten zwei Rittergutsbesitzer aus Jagsthausen Sitz und Stimme in der Ersten Kammer des Stuttgarter Landtags. Von 1826 bis 1849 war Gustav Freiherr von Berlichingen ritterschaftlicher Abgeordneter des Jagstkreises und von 1851 bis 1856 Götz Freiherr von Berlichingen ritterschaftlicher Abgeordneter des Neckarkreises. Zum Jahresbeginn 1972 ließ Olnhausen sich freiwillig nach Jagsthausen eingemeinden. Mit Möckmühl, Roigheim und Widdern bildet Jagsthausen heute eine Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft. Wie überall in Württemberg wurden durch Gesetz 1817 die persönliche Leibeigenschaft, 1836 die Fronden und Gefälle sowie 1848/49 die Zehnten aufgehoben. Dieser Prozess vollzog sich nicht ganz konfliktfrei, wie mehrere zwischen 1823 und 1849 vor dem Kreisgerichtshof Esslingen verhandelte Klagen der beiden Gemeinden gegen ihre Grundherrschaft wegen Weide- und Übertriebsrechten, der Kirchenbaulast und verschiedener Fronleistungen belegen. Entgegen zunächst verbreiteten Schreckensnachrichten blieb in den Märztagen 1848 in Jagsthausen alles ruhig. Die Einwohner von Olnhausen, Berlichingen und Jagsthausen erklärten, den Herrn von Berlichingen, der zu Zugeständnissen bereit war, unter Einsatz ihres Lebens »gegen etwaiges Gränzgesindel« aus dem Badischen »ritterlich vertheidigen« zu wollen. Während des 19. Jahrhunderts prägten im heutigen Gemeindegebiet vor allem die Kandidaten, weniger die Parteien das Wahlverhalten bei den Reichstagswahlen. In den letzten drei Wahlen des Kaiserreichs ab 1903 stimmte die Mehrheit für den konservativen Bund der Landwirte, der sich für landwirtschaftliche Schutzzölle einsetzte. Abgesehen von der Wahl zur Nationalversammlung, bei der die Deutsche Demokratische Partei 46,4 Prozent erzielte, blieb die Mehrheit auch nach Einführung des Frauenwahlrechts politisch konservativ-agrarisch orientiert. Erst in den letzten beiden Jahren der Republik konnte die NSDAP den Württembergischen Bauern- und Weingärtnerbund teilweise von seiner Spitzenposition verdrängen. Im März 1933 erhielt die Partei Hitlers 50,5 Prozent der Stimmen. Seit Mai 1933 waren im Gemeinderat von Jagsthausen vier Nationalsozialisten, ein Bauernbündler und ein Deutschnationaler vertreten. Ende 1937 übernahm der NSDAP-Ortsgruppenleiter auch das Amt des Bürgermeisters. Während des Kriegs – ab 1943 – waren ungefähr zweihundert Evakuierte aus von Luftangriffen besonders betroffenen Gebieten in Jagsthausen untergebracht4. Nach der Teilsprengung der Jagstbrücken durch abziehende deutsche Soldaten besetzten die Amerikaner am 6. April 1945 Jagsthausen kampflos und bezogen am 24. April auch in Olnhausen Quartier. In beiden Gemeinden, die nur wenige Gebäudeschäden erlitten hatten, wurden politisch Unbelastete als Bürgermeister eingesetzt. In Olnhausen wählten die Einwohner 1948 Karl Fenchel, der bereits von 1934 bis 1945 dieses Amt bekleidet hatte, erneut zu ihrem Ortsvorsteher. Im heutigen Gemeindegebiet stimmten die Wähler bei den ersten Nachkriegswahlen 1946 zur Verfassunggebenden Landesversammlung und zum Landtag von Württemberg-Baden mit 42 und 34,3 Prozent mehrheitlich für die SPD. Abweichend von den Kreisergebnissen lagen in den Bundestagswahlen bis 1961 und in den Landtagswahlen von 1952 bis 1964 – mit einem Höchststand von 41,8 Prozent 1960 – die Freien Demokraten vorn. In den folgenden Wahlen entschied sich die Mehrheit in der Regel, seit Beginn der 1980er Jahre leicht unter dem Kreisdurchschnitt, für die CDU. Die Christdemokraten erzielten bei der Landtagswahl 1976 mit 56,6 Prozent ihr bestes, bei der Bundestagswahl 2009 mit 28,9 Prozent ihr schlechtestes Ergebnis. Die SPD konnte lediglich bei der Landtagswahl 1992 mit 38,6 Prozent sowie bei den Bundestagswahlen 1994 und 1998 mit 39,7 und 41,2 Prozent die Majorität der Wähler für sich gewinnen, jeweils einige Prozente über dem Kreisdurchschnitt. Während die rechtsradikale NPD bei der Landtagswahl 1968 mit 9,4 und bei der Bundestagswahl 1969 mit 6,3 Prozent ihre besten Ergebnisse errang, erreichten die Republikaner in der Landtagswahl 1996 mit 12,2 Prozent ihren Zenit. Auf ihren bisherigen Höchststand kletterten hingegen die Grünen erst bei der Bundestagswahl 2009 (12,4 Prozent), mussten allerdings der FDP (21,4 Prozent) den Vortritt lassen. Platz fünf nahm die Linke mit 10,2 Prozent der abgegebenen gültigen Stimmen ein. Seit der Kommunalwahl 2009 entfallen acht Sitze des Gemeinderats auf die Freie Wählervereinigung und fünf auf die Freien Bürger. Der Ortsteil Olnhausen hat keinen eigenen Ortschaftsrat; er ist im Gemeinderat mit drei Sitzen vertreten (unechte Teilortswahl).

Wappen von Jagsthausen

In geteiltem Schild oben in Silber (Weiß) ein liegender, eiserner, schwarzer Rechtarm mit geballter Faust, unten in Schwarz ein fünfspeichiges silbernes (weißes) Rad.

Beschreibung Wappen

Mit Zustimmung der Archivdirektion Stuttgart ersetzte die Gemeinde im Jahre 1935 ihr zuvor verwendetes Stempelbild, nämlich ein Haus, das auf den Gemeindenamen hinweisen sollte, durch das jetzige Wappen. Dieses zeigt die berühmte, in der Götzenburg zu Jagsthausen verwahrte „eiserne Hand" des hier im Jahre 1480 geborenen Ritters Götz von Berlichingen über dem Wappenbild seiner Familie, die hier seit dem 14. Jahrhundert ihren Sitz hat. Das Wappen und die Flagge sind der Gemeinde am 4. März 1963 vom Innenministerium verliehen worden.