Leingarten 

Regionalauswahl:
Typauswahl: Gemeinde
Status: Gemeinde
Homepage: http://www.leingarten.de
service-bw: Informationen zu wichtigen Adressen, Nummern und Öffnungszeiten in Leingarten
Einwohner: 10897
Bevölkerungsdichte (EW/km²): 464.0
Max. Höhe ü. NN (m): 326.58
Min. Höhe ü. NN (m): 163.65
PLZ: 74211
Gemeindenamen und Gemeindebildung: Am 1.1.1970 schlossen sich Großgartach und Schluchtern freiwillig zur neuen Gemeinde Leingarten zusammen.

Im Westen des Landkreises Heilbronn gelegen, erstreckt sich das 23,48 qkm große Gebiet mit den Teilorten Großgartach und Schluchtern in das Leintal. Dies ist Teil des Leinbachgäus, das wiederum zum größeren Naturraum des Kraichgaus zählt. Von Osten durchfließt die Lein das Areal nach Westen und markiert dort, wo sie auf Heilbronner Gebiet austritt, auf ca. 164,4 m NN das Höhenminimum. Im Süden steigt das Gelände auf dem Heuchelberg auf etwa 315,2 m NN bei der Heuchelberger Warte an. Durch die rege Siedlungstätigkeit in der Nachkriegszeit wuchsen die Teilorte vor allem südlich der Bahnlinie nahezu übergangslos zusammen. Der Landesentwicklungsplan weist Leingarten dem Verdichtungsraum um Stuttgart zu. In Großgartach fiel der speyerische Anteil an dem Kondominat mit Württemberg 1803 an Baden, ehe Württemberg durch Gebietstausch am 17.10.1806 beide Teile erhielt. Großgartach zählte zum Oberamt Kirchhausen und wechselte zum 26.4.1808 zum Oberamt Brackenheim. 1811 wurde es dem Oberamt (1.10.1938 Landkreis) Heilbronn zugewiesen. Das pfälzische Schluchtern wurde 1803 leiningisch und 1806 badisch. Am 22.6.1807 und am 15.11.1810 wurde es den standesherrlich fürstlich-leiningischen Ämtern Hilsbach und Sinsheim, am 24.7.1813 dem Bezirksamt Eppingen zugeteilt. Am 1.4.1924 wechselte es zum Bezirksamt Sinsheim (25.6.1939 Landkreis). 1945 wies die amerikanische Militäradministration Schluchtern dem Landkreis Heilbronn zu. Zum 1.1.1970 vereinigten sich Schluchtern und Großgartach zur Gemeinde Leingarten.

Die aus den Teilorten Großgartach und Schluchtern bestehende Gemeinde Leingarten liegt im Leintal, im westlichen Teil des Landkreises, und ist etwa 6 Kilometer von Heilbronn entfernt. Nachbargemeinden sind Nordheim und Schwaigern sowie der Stadtkreis Heilbronn, des näheren die Stadtteile Kirchhausen, Frankenbach, Böckingen und Klingenberg. Dem Landesentwicklungsplan zufolge gehört Leingarten zum Verdichtungsraum um Stuttgart. Das Gemeindegebiet umfasst 23,48 Quadratkilometer. Es erstreckt sich beiderseits der Lein vor dem nordöstlichen Ausläufer des Heuchelbergs und zieht im Südwesten teilweise auf diesen hinauf. Nach Osten leitet es über in die absteigenden Schotterterrassen des Neckars. Die beiden weitgehend zusammengewachsenen Teilorte liegen auf etwa 170 Meter über Normalnull; der höchste Punkt wird mit 315,2 Metern bei der Heuchelbergwarte erreicht, der tiefste mit 164,4 Metern dort, wo die Lein auf Heilbronner Gebiet wechselt. Das Leintal ist Teil des Leinbachgäus, das naturräumlich zur größeren Einheit des Kraichgaus und zur Großlandschaft der Neckar- und Tauber-Gäuplatten gehört. Die Gipskeuperflächen sind überwiegend mit Löss bedeckt, der nur an wenigen Stellen von Mergelinseln durchbrochen wird; diese sind stellenweise mit Reben besetzt. Die Böden der Keupermergel sind zäh und tonig, zum Teil wechselfeucht oder sumpfig. In der Bachniederung finden sich in den feuchten Auen Wiesen und entsprechende Gehölze. Insgesamt überwiegt der Ackerbau. Im Südwesten der Gemarkung, auf dem Sporn des Heuchelbergs (Hardtwald), und ganz im Norden (Taschenwald) steht Laubmischwald. Auf der Nordseite des Heuchelbergsporns wurde das zur Lein hin entwässernde Eichbott-Tal aus einem Wiesental zum Naherholungsgebiet mit zwei größeren und einem kleineren See sowie einem Biotop entwickelt. Klimatisch gehört der Naturraum zum Klimabereich Kraichgau und Neckarbecken. Das Wuchsklima ist sehr warm, die vorrangig für den Acker-, Obst- und Weinbau sowie als Grünland genutzten Böden weisen mittlere bis gute Eignung auf. Die potentielle natürliche Vegetation umfasst reichen Hainsimsen-Buchenwald mit Maiglöckchen und Traubeneichen im Wechsel mit Perlgras-Buchenwald. In den Tälern überwiegt Sternmieren-Stieleichen-Hainbuchenwald, auf Tonböden dagegen Waldlabkraut-Traubeneichen-Hainbuchenwald. Der Weinbau erstreckt sich rund um den Fuß des Heuchelbergs auf einer Fläche von etwa 100 Hektar und bringt ungefähr zu 60 Prozent Rotwein hervor. Der Teilort Großgartach liegt entlang der Heilbronner Straße am südlichen Talhang der Lein. Während die Wohnbebauung, die durch eine rege Neubautätigkeit in jüngerer Zeit deutlich ausgeweitet wurde, sich überwiegend südlich der Ortsstraße sowie in geringerem Maße nördlich bis zur Stadtbahnlinie erstreckt, sind nördlich davon, zwischen der Bahnlinie und der Bundesstraße, vor allem aber jenseits derselben, im Gewerbegebiet Wasen allerlei Betriebe angesiedelt. Schluchtern breitet sich auf dem nördlichen Talhang der Lein aus und ist seit Beginn der 1950er Jahre ebenso wie Großgartach durch eine rege Neubautätigkeit zunächst im Süden nahe der Bahnlinie, dann aber auch im Norden und im Westen stark gewachsen. Seit etwa 1970 weitete sich die Bebauung auch in östlicher Richtung nach Großgartach zu aus, so dass die beiden Stadtteile seither sichtbar aufeinanderzugewachsen sind.

Im Zuge der Mediatisierung fiel der Besitz des Stifts Bruchsal-Odenheim in Großgartach 1802/03 an Baden, in Schluchtern zunächst an die Fürsten von Leiningen (bis 1806). Im übrigen blieb Großgartach noch Kondominatsort, denn der kleinere Teil war weiterhin württembergisch; der größere Teil wurde erst 1806 tauschweise an Württemberg abgetreten. Bis 1808 war Großgartach dem Oberamt Kirchhausen zugeteilt, bis 1811 dem Oberamt Brackenheim und seit 1938 dem Landkreis Heilbronn. Schluchtern wurde 1806 von Baden mediatisiert. Zunächst gehörte es zum standesherrlich fürstlich leiningischen Amt Hilsbach, dann zum standesherrlich fürstlich leiningischen Amt Sinsheim (1810/13) und kam 1813 zum Bezirksamt Eppingen, aber 1841 erneut für wenige Monate zum standesherrlichen Stabsamt Sinsheim. Der Wechsel vom Bezirksamt Eppingen zum Bezirksamt Sinsheim erfolgte 1924 (seit 1939 Landkreis). Nach dem Ende des Zweiten Welkriegs teilte die amerikanische Besatzungsmacht Schluchtern 1945 dem Landkreis Heilbronn zu, was allerdings Württemberg noch 1946 nicht anerkannte. Die definitive Eingliederung in den Landkreis Heilbronn erfolgte erst 1956 mit einem Beschluss des Landtags von Baden-Württemberg. Die gegen Ende des 19. Jahrhunderts in der Reichspolitik etablierte SPD war in Großgartach früher und durchweg mehr beliebt als in Schluchtern. Bis zum Ersten Weltkrieg lag der Anteil der SPD-Wähler in Großgartach immer über 44 Prozent, in Schluchtern hingegen erzielte die SPD ihr bestes Vorkriegsergebnis 1907 mit 24,9 Prozent. Hier votierten viele Wähler für die Zentrumspartei, später für den Bund der Landwirte. Obwohl beide Gemeinden agrarisch geprägt waren, bevorzugten die Bürger im kleineren Schluchtern mit jüdischem Bevölkerungsanteil und wachsender katholischer Gemeinde eher die konservativen und religiös geprägten Parteien. Der Bauernbund erreichte in Großgartach nach 1900 zwar ebenfalls weit über 30 Prozent, der badische Bund der Landwirte verzeichnete jedoch in Schluchtern 1912 mit 52,3 Prozent sein bestes (Vorkriegs-) Ergebnis, während die Nationalliberalen mit 25 Prozent noch knapp vor der SPD lagen. Bei der Wahl zur Deutschen Nationalversammlung 1919 entschieden sich 55,5 Prozent der Großgartacher für die SPD, bei der Reichstagswahl 1920 erhielten die Sozialdemokraten aber nur noch knapp 42 Prozent der Stimmen. Im Dezember 1924 errangen sie wieder über 51 Prozent der Wählerstimmen, 1928 sogar über 54 Prozent. Auch 1930 stimmten 48,7 Prozent für die SPD, während die NSDAP mit 1,2 Prozent noch hinter den Kommunisten mit 5,3 Prozent lag. Die Zentrumspartei spielte in Großgartach mit unter einem Prozent nie eine Rolle. Im November 1932 lag die Wahlbeteiligung erstmals seit Kriegsende unter 70 Prozent, 1930 hatte sie noch 85 Prozent betragen. Auch 1932 ging die SPD noch mit 38,4 Prozent als Sieger aus der Wahl hervor, gefolgt vom Württembergischen Bauern- und Weingärtnerbund mit 21,6 Prozent. Dieser hatte hier immer den zweiten Platz belegt und seit seinem Spitzenergebnis von 37,7 Prozent im Jahr 1920 einen stetigen Stimmenrückgang auf 27,4 (1930) zu verzeichnen gehabt. Große Zuwächse erzielten im November 1932 mit 18,4 Prozent auch die Kommunisten noch vor der NSDAP mit 14,5 Prozent. Bei der Reichstagswahl im März 1933 stieg die Wahlbeteiligung in Großgartach auf 85,8 Prozent, die NSDAP belegte diesmal mit 32 Prozent der Stimmen nach der SPD mit 34,5 Prozent den zweiten Platz. Mit großem Abstand folgten der Württembergische Bauern- und Weingärtnerbund (16,8 Prozent) und die KPD (11,1 Prozent). Am Vorabend dieser Wahl wurde die Rede des Reichskanzlers der Menge durch Lautsprecher auf den Kirchplatz übertragen. Anhänger der KPD hissten dabei auf dem Kirchturm ein blaues Tuch mit Hammer und Sichel sowie der Aufforderung zur Wahl von Kommunisten. Als der neue Gemeinderat 1933 nur noch aus Fraktionen von NSDAP, SPD und Bauern- und Weingärtnerbund bestand, hatte die NSDAP gerade ein knappes Drittel von Großgartach hinter sich. Auf die SPD und den Bauern- und Weingärtnerbund entfielen je vier Stimmen, zwei auf die NSDAP. Mit der Auflösung der SPD rückten durch eine Ergänzungswahl drei NSDAP-Anhänger und ein Bauern- und Weingärtnerbund-Mitglied nach. Im kleineren Schluchtern orientierten sich die Wähler auch in der Zwischenkriegszeit eher in der Mitte und am rechten Rand. Hier war die SPD bis 1930 stärkste Partei in Konkurrenz mit dem Zentrum, im genannten Jahr sogar mit ihrem bestem Zwischenkriegsergebnis (37,2 Prozent). Zu diesen beiden Parteien gesellte sich neben der DDP und dem Badischen Landbund die wachsende Anhängerschar der Christlichen Volkspartei, die 1928 immerhin 20,2 Prozent der Stimmen erhielt. Viele Wähler wechselten in den nächsten Jahren zur NSDAP. 1930 noch mit 12,5 Prozent weit abgeschlagen, war diese in Schluchtern bereits bei der ersten Reichtstagswahl von 1932 mit 34,9 Prozent stärkste Partei, gefolgt vom Zentrum und der SPD (29 beziehungsweise 26,2 Prozent). Beim zweiten Urnengang in diesem Jahr mobilisierten die demokratischen Parteien ihre Anhänger ein letztes Mal. Trotz schwächerer Wahlbeteiligung steigerten Zentrum und SPD ihre Anteile, wenn auch nur leicht (29,2 beziehungsweise 27,0 Prozent), während die NSDAP auf 31,4 Prozent zurückfiel, aber doch stärkste Partei blieb. Bei den letzten freien Wahlen vor dem Krieg lag die NSDAP in Schluchtern mit 38,8 Prozent erneut vor dem Zentrum mit 25,3 Prozent, knapp gefolgt von der SPD mit 24,6 Prozent. Die 1933 noch 28 Mitglieder zählende jüdische Gemeinde von Schluchtern wurde danach nahezu ausgelöscht. Großgartach wurde am 4. April 1945 nach Brückensprengungen durch die deutsche Nachhut von amerikanischen Panzern beschossen. Dabei nahm der Kirchturm schweren Schaden; 35 Wohnhäuser, vier Scheunen, dreißig Stallungen und 34 Schuppen wurden ganz oder teilweise zerstört. Der Bürgermeister ergab sich mit weißer Fahne, die Kampfhandlungen wurden eingestellt und die Amerikaner zogen noch am selben Tag weiter. Unter den nachfolgenden Franzosen beziehungsweise Marokkanern starben noch zwei Ortseinwohner und sieben deutsche Soldaten. In Schluchtern hatte der Volkssturm in Erwartung der Amerikaner Panzersperren in den Hohlen errichtet und Schützenlöcher entlang der Straße nach Schwaigern gegraben. Jedoch umging die US-Armee den Ort im Norden und erreichte so zuerst Großgartach; Schluchtern wurde tags darauf vom Taschenwald her besetzt, nachdem ein deutsches Sprengkommando noch die Allmendbrücke zerstört hatte. Der Ort selbst erlitt ansonsten kaum Schäden. Die ersten demokratischen Wahlen 1946 boten in Großgartach im wesentlichen das Bild der Weimarer Zeit. In der Wahl zur Verfassunggebenden Landesversammlung von Württemberg-Baden 1946 erhielt die SPD in ihrer einstigen Hochburg 57,3 Prozent, während sich die früheren Anhänger des Württembergischen Bauern- und Weingärtnerbundes überwiegend bei der nationalliberalen DVP wiederfanden, die mit 26,9 Prozent weit vor der CDU mit 8,9 Prozent lag. Auch in Schluchtern wurde zunächst ähnlich wie vor der NS-Zeit gewählt. Die SPD war auch hier die stärkste Partei (41,3 Prozent), das konservativ-bürgerliche Lager aus CDU (38,2 Prozent) und DVP (18,2 Prozent) hatte jedoch die Mehrheit. Bei der nachfolgenden Landtagswahl 1946 verlor die SPD in Großgartach 5 Prozentpunkte, die DVP legte von 26,9 auf 33,5 Prozent zu, in Schluchtern steigerte sie sich um 2 Prozentpunkte zu Lasten vor allem der CDU. Der Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten erhielt bei der Landtagswahl 1952 knapp 10 Prozent der Wählerstimmen aus Großgartach, fand aber in Schluchtern weit weniger Anklang. Die Neubürger votierten in den folgenden Landtags- und Bundestagswahlen in beiden Teilorten allmählich überwiegend für CDU und DVP beziehungsweise FDP/DVP. Die SPD blieb vor allem in der Landespolitik meist stärkste Kraft, immer in Konkurrenz mit der CDU. Bis zum Aufkommen der Grünen erzielte die SPD oft weit über 40 Prozent und lag bei den Landtagswahlen von 1952 bis 2001 nur 1976 mit 43,6 Prozent knapp hinter der CDU, 2006 aber mit deutlichem Stimmenverlust auf 29,9 Prozent. Bei den Europawahlen lag die CDU 1999 erstmals vor der SPD. Beide große Parteien verloren in den Landtagswahlen von 1996 und 2006 zusammen mehr als 10 Prozent an die Grünen, in den Landtagswahlen 1992 und 1996 vorübergehend sogar 13,9 und 14 Prozent an die Republikaner. Bei der Bundestagswahl 2009 entsprach das Wahlverhalten der Leingartner weitgehend dem im ganzen Land; CDU und SPD erreichten mit 29,5 beziehungsweise 22,7 Prozent ihre bisher schlechtesten Ergebnisse, die Linke kam erstmals auf 6,5 Prozent. Zum 1. Januar 1970 schlossen sich Schluchtern und Großgartach zur neuen Gemeinde Leingarten zusammen. Künftig sollten die Verwaltung und die Wasserversorgung sowie die Erschließung von Baugebieten und der Bau von Sportanlagen gemeinsam geregelt werden. Der erste neue Gemeinderat setzte sich aus sechzehn Mitgliedern zusammen, von denen acht auf die Freien Wähler entfielen sowie je vier auf die SPD und die Unabhängige Bürgerschaft. Die seit 1975 bestehende Partnerschaft mit Lésigny bei Paris wurde 2004 zu einer trilateralen mit Asola in Italien erweitert.

Wappen von Leingarten

In gespaltenem Schild vorne in Rot ein gesenktes silbernes (weißes) Schwert, hinten in Silber (Weiß) ein roter Rost.

Beschreibung Wappen

Dem am 1. Januar 1970 aus der Vereinigung der ehemaligen württembergischen Gemeinde Großgartach und der früheren badischen Gemeinde Schluchtern hervorgegangenen neuen Gemeinwesen war von der Archivdirektion Stuttgart zunächst die Übernahme des auf der ältesten bekannten württembergischen Dorfsiegeltradition von 1379 fußenden Großgartacher Wappenbildes vorgeschlagen worden. Nachdem diese Lösung kommunalpolitisch nicht durchzusetzen war, wurden in einem neuen Wappen die Attribute der in den erloschenen Gemeindewappen vollständig abgebildeten Kirchenpatrone beider Orte, nämlich der Heiligen Pankratius (Schwert) und Laurentius (Rost) vereinigt. Das Wappen und die Flagge wurden vom Innenministerium am 25. September 1970 verliehen.