Oedheim 

Regionalauswahl:
Typauswahl: Gemeinde
Status: Gemeinde
Homepage: http://www.oedheim.de
service-bw: Informationen zu wichtigen Adressen, Nummern und Öffnungszeiten in Oedheim
Einwohner: 5960
Bevölkerungsdichte (EW/km²): 281.0
Max. Höhe ü. NN (m): 249.55
Min. Höhe ü. NN (m): 144.86
PLZ: 74196, 74229

Im Norden des Landkreises Heilbronn gelegen, erstreckt sich das 21,24 qkm große Gemeindegebiet mit den Ortsteilen Oedheim und Degmarn über den Westen des Naturraums Hohenlohe-Haller Ebene. Die Gemeinde liegt am Unterlauf des Kochers, der sich von Osten nach Westen in Schlingen durch das Areal windet. Weitere Gewässer sind im Süden der Salengraben sowie der Hirsch- und der Lautenbach. Der Kocher markiert an der Grenze gegen Bad Friedrichshall auf rd. 149 m NN den tiefsten Punkt; dort befindet sich südlich des Hirschfeldparks das am 11.05.1990 ausgewiesene Landschaftsschutzgebiet Kocheraue und Salinenkanal, an dem die Gemeinde neben Bad Friedrichshall Anteil hat. Das Höhenmaximum erreicht das Gelände im Süden am Lautenbacher Berg und am Seeberg auf etwa 245 m NN. In der Nachkriegszeit breitete sich Oedheim auch rechts des Kochers aus, Degmarn blieb auf dem linken Ufer und entfaltete sich nach Westen. Der Landesentwicklungsplan schreibt die Gemeinde der Randzone um den Verdichtungsraum Stuttgart zu. Die deutschordischen Gemeinden Oedheim und Degmarn fielen 1805 an Württemberg. Sie gelangten am 18.03.1806 an das Oberamt Neckarsulm (30.01.1934) und am 1.10.1938 an den Landkreis Heilbronn. Zum 1.07.1973 wurde Degmarn nach Oedheim eingemeindet.

Die Gemeinde Oedheim mit den Ortsteilen Oedheim und Degmarn liegt am Unterlauf des Kochers in der nördlichen Landkreishälfte. Zu der 21,26 Quadratkilometer großen Gemeinde gehören außerdem der Weiler Falkenstein und die Höfe Grollenhof, Lautenbach und Willenbach. Nachbarstädte und -gemeinden sind Neckarsulm, Bad Friedrichshall und Neuenstadt am Kocher. Die Entfernung nach Heilbronn beträgt Luftlinie 11 Kilometer. Nach dem Landesentwicklungsplan gehört Oedheim zur Randzone um den Verdichtungsraum Heilbronn. Oedheim liegt im Westen des Naturraums Hohenlohe-Haller Ebene, dem hier die Kocherplatten untergeordnet sind, überwiegend lössbedeckte Unterkeuper- und Gipskeuperflächen. Der Kocher selbst ist bis in den Oberen Muschelkalk eingetieft und windet sich von Ost nach West in großen Schlingen durch die Gemeinde. Die Flussufer bilden sowohl im Osten gegen Neuenstadt als auch im Westen gegen Bad Friedrichshall auf längeren Strecken die Gemeindegrenze. Zuflüsse erhält der Kocher vor allem von der rechten Seite, wo zahlreiche kleinere Bäche und Gräben wie der Willenbach einmünden und kleine Schwemmfächer aufgeschüttet haben. Die überwiegend lössbedeckte Gipskeuperfläche im Süden der Gemeinde wird ebenfalls von mehreren kleinen Bächen und Gräben durchzogen – Hirschbach, Salengraben und Lautenbach –, die jedoch parallel zum Kocher nach Westen fließen. Die Höhenlage der Gemeinde reicht von 245 Meter über Normalnull am Lautenbacher Berg und am Seeberg bei Lautenbach bis hinab zum Kocher, der Oedheim bei 149 Meter über Normalnull nach Bad Friedrichshall verlässt. Das Gelände steigt nördlich und südlich des Kochers mehrfach auf 230 Meter und darüber an. Die ältesten Gesteine im Gemeindegebiet sind die Schichten des Oberen Muschelkalks, die im Kochertal anstehen und früher in den Gewannen Mutzenberg, Balzig und Diener abgebaut wurden. Die Kocheraue selbst, hier durchschnittlich 300 Meter breit, ist mit über 6 Meter mächtigen Auensedimenten gefüllt. Die oberen 2 bis 2,5 Meter bestehen aus sandigem und teilweise Gerölle führendem Auenlehm. Darunter liegen oft mehrere Dezimeter mächtige Auensande und darunter noch 1 bis 3,5 Meter mächtige Talauenschotter (Kies). In der Kocherschlinge westlich von Oedheim hat man diese Kies- und Sandvorkommen früher als Rohstoff für die Bauwirtschaft ausgebaggert; zurück blieb eine Gewässerlandschaft, die in ein Freizeitgelände (Hirschfeldpark) umgewandelt wurde. Hinweise auf die landschaftsgeschichtliche Entwicklung geben Flussschotter des Neckars, die in verschiedenen Höhenlagen bis zu 9 Kilometer vom heutigen Neckarlauf entfernt angetroffen werden können. Die ältesten Schotter, die sogenannten Höhenschotter, sind in Oedheim an mehreren Stellen auf den Hochflächen nördlich und südlich des Kochers, hoch über dem heutigen Neckarniveau erhalten. Eine größere Ansammlung Jüngerer Hochterrassenschotter findet man am Kocher-Gleithang zwischen Oedheim und Degmarn im Löss. Eine Besonderheit stellen in diesem Gebiet die Oedheimer Sande dar, weniger als 1 Meter mächtige sandige Sedimente, die hier den Löss auf einer rund 1 Quadratkilometer großen Fläche überlagern. Vermutlich handelt es sich dabei um zersetzte und danach umgelagerte grobe Sandsteinschotter, die zur Höhenschotter-Zeit dem Kocher zugeführt wurden. Auf den Hochflächen verdeckt eine zwischen 3 und 7 Meter mächtige Lösslehmdecke vielerorts den Unterkeuper und Gipskeuper. Nördlich des Kochers ist der Unterkeuper nur in der Umgebung des Weilers Falkenstein unverhüllt, südlich des Kochers auf einer größeren Fläche im Umkreis von Degmarn. Im Süden, am Hirschbach und Lautenbach sowie im Gewann Loh, ist auch noch Gipskeuper erhalten. Dies hängt mit dem Einfallen der Schichten nach Südsüdosten zusammen, da die großräumige tektonische Situation vom Übergang der Heilbronner Mulde zum Odenwaldschild geprägt wird. Tektonisch entlang von Verwerfungen vorgezeichnet sind auch die markanten Mäander des Kochertals. Neben Kies, Sand und Muschelkalk wurden früher noch weitere Rohstoffe gewonnen. Am westlichen Ortseingang von Oedheim und im Gewann Lachenberg waren früher Ziegeleien in Betrieb, die aus Löss, Lösslehm und den unterlagernden, verwitterten Tonsteinen des Keupers Ziegeleiprodukte herstellte. Am Kochertalhang bei Degmarn fanden im 19. Jahrhundert im Unterkeuper Abbauversuche auf Kohle statt, die aber wenig erfolgreich waren, da das Kohleflöz zu dünn und zu tonhaltig war. Grundwasser wird aus den Talkiesen des Kochers, aus dem Unterkeuper und aus dem Gipskeuper gefördert und dient der öffentlichen Trinkwasserversorgung. Oedheim ist stark von der Landwirtschaft geprägt. Rund 70 Prozent der Fläche werden hierfür genutzt. Auf den weit verbreiteten, fruchtbaren Lössböden überwiegt der Ackerbau (91 Prozent der Landwirtschaftsfläche), während Grünland nur 7 Prozent, hauptsächlich in der Kocheraue, und Rebland 2 Prozent ausmachen. Die Weinberge befinden sich am Prallhang des Kochers (im Buchberg unterhalb des Weilers Falkenstein) sowie im Süden der Gemeinde (Seeberg, Lautenbacher Berg, Hofgreut und Neugereuth). Wald steht auf 12 Prozent der Gemarkung. Die Siedlungs- und Verkehrsflächen entsprechen mit 15 Prozent etwa dem Landkreisdurchschnitt. Wasserflächen fallen mit bemerkenswerten 56 Hektar ins Gewicht, das entspricht 2,6 Prozent. In der ackerbaulich intensiv genutzten Landschaft, in der viele Feldgehölze, Alleen und Hecken entfernt und Bäche begradigt wurden, sind für wild lebende Tiere und seltene Pflanzen die Lebensräume knapp geworden. Die Naherholung konzentriert sich auf das Kochertal mit Radwegen auf beiden Seiten des Kochers, ein Segelfluggelände nordwestlich von Degmarn und das Freizeitgelände Hirschfeldpark. Südlich des Hirschfeldparks beginnt das Landschaftsschutzgebiet Kocheraue und Salinenkanal bei Bad Friedrichshall und Oedheim, an dem Oedheim zwischen dem Bahndamm (heute Radweg) und der Straße nach Kochendorf Anteil hat. Die landschaftlich reizvolle Kocheraue mit Auenwiesen und der Wald am Talhang bilden hier eine ökologisch wertvolle Grünzone mit hohem Erholungswert in der dicht besiedelten Umgebung. Die oben genannten Wälder der Gemeinde sind Bestandteil des Fauna-Flora-Habitat-Gebiets Untere Jagst und Unterer Kocher, das Teil des europäischen Schutzgebietenetzes Natura 2000 ist. Der Gemeindewald Aspenloch ist als Erholungswald eingestuft. Die Kocheraue bereichern mehrere Feuchtgebiete.

Am 27./28. November 1805 besetzte Württemberg Oedheim und Degmarn, die beide von ihrer jahrhundertelangen Zugehörigkeit zum Deutschen Orden geprägt waren. 1806 gelangten beide ans Oberamt Neckarsulm (seit 1934 Kreis), das 1938 im Landkreis Heilbronn aufging. Aufgrund der Deutschen Gemeindeordnung wurden die Teilgemeinden Lautenbach und Willenbach 1935 aufgelöst. Zum 1. Juli 1971 erfolgte Degmarns Eingemeindung nach Oedheim, nachdem mehr als 70 Prozent der Degmarner sich dafür ausgesprochen hatten. Seit 1975 besteht eine Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft mit Bad Friedrichshall und Offenau. Im März 1848 kam es in Oedheim zu Ausschreitungen, die sich besonders gegen Juden richteten. Möglicherweise hatten auch die im Gemeinderat entstandenen Unruhen, die mindestens ein Mitglied zum Austritt bewegten, einen revolutionären Hintergrund. In Oedheim wurde eine Bürgerwache aufgestellt, Degmarn lehnte solches aus Kostengründen ab. In Degmarn bildete sich wie anderwärts im Frühjahr 1919 ein Arbeiter- und Soldatenrat. In den ersten Reichstagswahlen im Kaiserreich konnten meist abwechselnd die demokratisch-liberale Volkspartei und die Zentrumspartei die meisten Stimmen der überwiegend katholischen, landwirtschaftlich verwurzelten Bevölkerung auf sich vereinen. Seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert votierten die Wähler zunehmend für das Zentrum, das bis zur nationalsozialistischen Machtergreifung stärkste Kraft blieb. Wenn das Zentrum keinen Kandidaten stellte, bot der zu Beginn des 20. Jahrhunderts aufgekommene Bauernbund (später WBWB) eine Alternative. In Oedheim, wo die seit der Jahrhundertwende erstarkende SPD mit den Stimmen der Arbeiterschaft ihren Anteil auf fast 20 Prozent (1924) steigern konnte, ehe die NSDAP populär wurde, erlangte das Zentrum etwas schwächere Mehrheiten als in Degmarn, verlor dann aber auch in der Reichstagswahl vom März 1933 weniger Stimmen an die Nationalsozialisten als dort (NSDAP in Degmarn 32,2 Prozent, in Oedheim 23,9 Prozent). Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde der katholische Jungmänner- und Arbeiterverein verboten und sein 1927 eingeweihtes Jugendheim der Gemeinde übereignet. Ein dem Regime kritisch gegenüberstehender Arbeiter wurde in politische Haft genommen, ein anderer Oedheimer zwangssterilisiert. Von den sechzehn 1933 noch in Oedheim lebenden Juden konnten elf rechtzeitig emigrieren, die übrigen wurden deportiert. In der Reichspogromnacht wurde der jüdische Friedhof von Angehörigen der SA verwüstet, zudem das Wohnhaus der Familie Mergentheimer beschädigt, die Bewohner verprügelt, desgleichen Nachbarn, die versuchten zu protestieren. Seit 1937 wurde südlich der Straße Kochendorf–Neuenstadt ein Militärflugplatz angelegt. Ihm galt der erste Luftangriff am Pfingstsamstag 1944; von März bis Juni 1944 befand sich an gleicher Stelle ein Zwangsarbeiterlager. Mit dem Herannahen amerikanischer Truppen bezogen deutsche Soldaten Stellung vor dem Ort, der Flugplatz wurde geräumt, die Startbahn und andere Anlagen gesprengt. Nach zehn Tagen militärischer Auseinandersetzungen vor allem aus der Luft erfolgte am 13. April 1945 die Übergabe des Dorfs an die Amerikaner. Neben großen Gebäudeschäden verloren 35 Menschen das Leben, darunter auch Emil Baumgart, der auf Veranlassung des Ortsgruppenleiters wegen seiner Kritik an der Sprengung der Kocherbrücke erschossen wurde. Das zu 80 Prozent zerstörte Degmarn wurde am selben Tag übergeben. Dort waren 24 oder 25 Menschen gestorben. Auch das Hofgut Willenbach wurde in Brand geschossen. 1945 fand ein Wechsel an der Verwaltungsspitze statt. In Oedheim wurde Eugen Joos, seit 1928 Bürgermeister, seines Amtes enthoben. Die amerikanische Militärregierung bestellte den Maler Hermann Wolf zum kommissarischen Bürgermeister. Ihm folgte vom Sommer 1946 bis ins Jahr 1948 der aus Berlin stammende Gerhard Seesan. Nach seiner Entnazifizierung wurde Joos erneut Bürgermeister bis zu seiner Verabschiedung in den Ruhestand 1951. In Degmarn folgte mit Kriegsende August Horch auf den seit 1925 amtierenden Karl Schiemer. Bei den ersten demokratischen Gemeinderatswahlen am 27. Januar 1946 fielen in Degmarn alle Sitze an Parteilose, in Oedheim verteilten sich die Stimmen auf die neu gegründete CDU (59,4 Prozent) sowie auf parteilose Kandidaten (40,6 Prozent). Die Wahlen zur Verfassunggebenden Landesversammlung in Württemberg-Baden ergaben 1946 in beiden Gemeinden einen klaren Sieg für die CDU mit jeweils mehr als 70 Prozent; die SPD konnte rund 20 Prozent auf sich vereinigen, die restlichen Stimmen fielen an KPD und DVP. Seit den ersten Wahlen zum Bundes- und Landtag kristallisierte sich das bis heute geltende Kräfteverhältnis heraus und knüpfte damit an die Wahlergebnisse der Weimarer Republik an. Stärkste Kraft wurde die CDU, die die Zentrumswähler an sich band. Ihr folgte die SPD, die sich ebenfalls auf ihre traditionellen Wählerschichten stützen konnte. Seit den 1980er Jahren verlor die CDU ihre anfangs häufigen Zweidrittelmehrheiten, die Positionen der beiden großen Parteien näherten sich einander an. Die SPD erreichte ihr bestes Ergebnis bei den Bundestagswahlen 1998 mit 36,4 Prozent der Stimmen. Den dritten Platz belegte die FDP/DVP, die stets unter 10 Prozent der Stimmen blieb und erst in der Bundestagswahl 2009 16,1 Prozent erreichte. Um Platz drei konkurrierten zeitweise auch die Republikaner und die Grünen. Letztere erzielten bei den Wahlen zum Europäischen Parlament 1994 mit 10,3 Prozent der Stimmen ihr bestes Ergebnis und lagen damit vor den Liberalen. Im Gemeinderat entfallen nach der Kommunalwahl von 2009 elf Sitze auf die CDU, fünf auf die Freie Wählervereinigung und drei auf die SPD. Der europäische Gedanke kommt in der 1985 begründeten Partnerschaft mit der schwedischen Gemeinde Degerfors zur Geltung, die auf Kontakte der beiderseitigen Musikvereine zurückgeht.

Wappen von Oedheim

In Silber (Weiß) aus einem mit einem linkshin schwimmenden silbernen (weißen) Fisch belegten blauen Schildfuß wachsend ein rot bekleideter Mann mit roter Mütze, in jeder Hand einen aufrechten schwarzen Pfeil haltend.

Beschreibung Wappen

Ein Wappenstein von 1600 am Rathaus weist unter einigen Deutschordenswappen auch zwei Schilde auf, die mit der Gemeinde in Verbindung gebracht werden. Einer davon enthält eine Pflugschar, die 1607 auch im Gerichtssiegel erschien und somit wohl als Fleckenzeichen angesprochen werden kann. Der andere Schild zeigt den bisher nicht gedeuteten Mann mit den Pfeilen. In Siegeln des 19. und 20. Jahrhunderts wurden beide Wappen in einem Schild vereinigt, wobei die zuletzt durch einen Pflug ersetzte Pflugschar in den Schildfuß gelangte, aus dem der Mann wächst. 1952 trat an die Stelle des Pflugs der auf den Kocher hinweisende Fisch. Die vorläufige Regierung verlieh das Wappen und die Flagge am 17. August 1953.