„mit meinen geringen Kräften beizutragen zum Aufblühen unserer Kolonie“

Rudolf Gansser in Deutsch-Ostafrika

Rudolf Gansser auf einem Esel reitend, im Hintergrund das Gebäude mit seiner Wohnung in der vorderen Ecke (Parterre) in Daressalam, 1897, Vorlage: Landesarchiv BW, HStAS Q 2/48 Bü 44
Rudolf Gansser auf einem Esel reitend, im Hintergrund das Gebäude mit seiner Wohnung in der vorderen Ecke (Parterre) in Daressalam, 1897, Vorlage: Landesarchiv BW, HStAS Q 2/48 Bü 44

Rudolf Gansser, Sohn eines hohen württembergischen Militärs, hatte die Offizierslaufbahn eingeschlagen und war 30 Jahre alt, als er sich zum Kolonialdienst meldete. Entschlossen wollte er beim Aufbau der jungen deutschen Kolonie Deutsch-Ostafrika mitwirken, zum Wohl und Segen des heimatlichen Mutterlandes. Im Dezember 1896 kam er in Daressalam an. Sein Motto Dem Mutigen gehört die Welt bezeugt seinen Optimismus und Elan.

Gansser sollte die westliche Usambara- Region vermessen, die für den Bau einer Eisenbahnlinie vorgesehen war. An erhöhten Punkten im Gelände waren zahlreiche Holz-Gerüste (sogenannte Signale) zu errichten, die man von verschiedenen Orten aus für Winkelmessungen anpeilen konnte. Bäume waren zu fällen, das Holz zurechtzuschneiden und auf die Höhe zu schleppen und dort pyramidenartige Signale mit gut sichtbarer Spitze zu zimmern. Sodann war eine sogenannte Basis im gut zugänglichen Gebiet präzise zu vermessen. Trigonometrisch ließen sich aus einer Seite und zwei Winkeln eines Dreiecks die unbekannten Seiten errechnen. Aus der gemessenen Basis und den errechneten Seiten konnte er über ein Netz aus Dreiekken die Entfernungen in der bergigen Region ermitteln, die sich einer direkten Messung im unzugänglichen Gelände entzogen. Im November 1899 waren die Arbeiten abgeschlossen und Gansser konnte in die Heimat zurückkehren.

Die Pause war nur kurz. Im Januar 1900 betrat Gansser Deutsch-Ostafrika erneut mit einer neuen Aufgabe: Er war Kompanie- und Bezirkschef von Tabora, einer kaum erschlossenen Region im Inneren der Kolonie. Sein Verwaltungsbezirk entsprach der Größe der drei Königreiche Bayern, Sachsen und Württemberg zusammen. Hier hatte er die militärische und zivile Verwaltung zu leiten. Das Straßen- und Wegenetz war auszubauen, die Verwaltungsgrenzen waren genau festzulegen, Gerichtssitzungen abzuhalten und Streitigkeiten in der Bevölkerung zu schlichten. Außerdem waren die Einheimischen auf die Erhebung von Steuern vorzubereiten.

Der ursprüngliche Elan wich bald der Ernüchterung. 1901 reifte der Entschluss, nach Beendigung der Aufgabe in Tabora nicht weiter in der Kolonialverwaltung zu bleiben. Gansser war zwar überzeugt, das Beste für seinen Bezirk getan zu haben. Aber insgesamt resignierte er: Er habe zu wenig europäische Bedienstete, zu wenig Geldmittel und der Gouverneur zeige zu wenig Verständnis. Ganz besonders enttäuschte ihn, dass die von ihm projektierten Brunnenbohrungen zur Modernisierung der Wasserversorgung am fehlenden Geld scheiterten. An den Kolonialdienst schloss sich eine sechsmonatige Weltreise von Daressalam bis Hamburg an. Dann begab Gansser sich wieder in die Dienste des württembergischen Militärs.

Doch Afrika ließ ihn nicht los. Als in Südwestafrika die Hereros rebellierten, wurde Gansser 1904 als Kompaniechef dorthin abkommandiert. Gleich im ersten bedeutenderen Gefecht am Waterberg fiel er. Rudolf Gansser starb noch nicht 40-jährig.

Peter Schiffer

Quelle: Archivnachrichten 58 (2019), S. 8-9