Die Stiftsanlage Unterregenbach

Krypta unter dem Pfarrhaus in Langenburg-Unterregenbach, 10. Jh. Copyright: LMZ BW
Krypta unter dem Pfarrhaus in Langenburg-Unterregenbach, 10. Jh. Copyright: LMZ BW

Archäologische Ausgrabung

Die Kellergewölbe des heutigen Pfarrhauses beziehungsweise seines Vorgängerbaus wurden 1859 als Krypta einer Kirche erkannt. Aber erst die umfangreichen Ausgrabungen des Landesdenkmalamts Baden-Württemberg nach 1960 haben das spektakuläre Ausmaß und die Baugeschichte der kirchlichen Gebäude genauer erkennen lassen. Ergraben wurde das größte Bauwerk, die zur Krypta gehörende dreischiffige Große Basilika von 50 m Länge und 17 m Breite, mit Eingangshalle und Treppenanlage. Ein Vorgängerbau der heutigen Pfarrkirche, die Kleine Basilika, wurde ebenfalls archäologisch erschlossen, ferner beim Frankenbauerhof ein Steinhaus mit 1 m dicken Mauern, das als Wohnturm, als Herrensitz gedeutet wird. Reste von Steinbauten zwischen dem Hof und den Kirchen könnten als Konventsgebäude angesehen werden. Der von den ersten Ausgräbern vermutete karolingische Ursprung der Großen Basilika hat sich nicht bestätigt, wie unter anderem kunsthistorische und schriftgeschichtliche Untersuchungen ergaben, welche eine Datierung als ottonenzeitliches Bauwerk erhärten. Es spricht jedoch für die zumindest geplante Bedeutung der Anlage, dass sie über Reliquien mehrerer Heiliger verfügte. Ein zur Basilika gehörender Friedhof ist nicht entdeckt worden.

Historische Zusammenhänge

Schriftliche Quellen für das Schicksal der Anlage fehlen. Regenbach wird zum ersten Mal 1033 in einer Urkunde Kaiser Konrads II. und seiner Frau, der Kaiserin Gisela, genannt, jedoch ohne Erwähnung eines Stifts, Klosters oder einer Kirche. Ein Teil des Orts wird darin von Kaiserin Gisela an Bischof Meginhard von Würzburg geschenkt. Regenbach war also vorher im Besitz der Familie Giselas, der fränkischen Konradiner, gewesen, die seit dem 9. Jh. beherrschenden Einfluss im westlichen Teil des Herzogtums Franken hatten. In diesem Raum haben sie im 9./10. Jh. zahlreiche Stifte gegründet. Wahrscheinlich handelte es sich daher bei den Regenbacher Bauten um ein Stift. Auch allgemein ist gegen Ende des 10. Jh. eine Neubelebung von Stiftsgründungen zu beobachten. Es ist mit großer Wahrscheinlichkeit vom Großvater oder vom Vater der Kaiserin, von den Herzögen Konrad I. (982–97) oder Hermann II. (997–1002) von Schwaben gegründet worden. Es wurde wohl errichtet, um eine Verbindung zwischen dem alten fränkischen Besitzschwerpunkt der Familie und den neuen Herrschaftsschwerpunkten in Schwaben herzustellen. Noch wichtiger dürfte seine Bedeutung als Vorposten gegenüber dem Bistum Würzburg gewesen sein. Denn der dortige Bischof Bernward (990–95) hatte 993 mit der Erwerbung von fünf fränkischen Klöstern einen bedeutenden Machtzuwachs in der Nähe der konradinischen Einflusssphäre erfahren.

Aufgabe des Stifts nach 1002

1033 kann das Stift Regenbach rechtlich nicht mehr existiert haben. Als ein plausibles Datum für sein Ende bietet sich das Jahr 1002 an. Die Herzöge Heinrich von Bayern und Hermann von Schwaben rivalisierten nach dem Tod Kaiser Ottos III. um den Königsthron. Mehrere militärische Aktionen Heinrichs im fränkischen Raum sind bezeugt, die Hermanns Besitzungen verwüsteten. Aufseiten des Bayern stand auch der Würzburger Bischof Heinrich I., der die Auseinandersetzung um den Thron benutzt haben könnte, um das Regenbacher Stift als Stützpunkt des konradinischen Rivalen zu vernichten. Die ungewöhnliche Auflage König Heinrichs II. an den Würzburger Bischof im Jahr 1003, ein bischöfliches Eigenkloster in Lauffen am Neckar zu errichten, könnte als geistliche Kompensation mit einer Zerstörung des Stifts Regenbach zusammenhängen.

Mit der Schenkung Giselas war ganz Regenbach in den Besitz des Würzburger Bischofs gekommen. Zwar ist eine provisorische Wiederherstellung der Großen Basilika (nach 1002?, nach 1033?) archäologisch bezeugt, dieses Flickwerk ist aber kaum als Versuch zu werten, das Stift Regenbach wieder herzustellen. Vermutlich Bischof Bruno (1034–45) begann mit der Errichtung der Kleinen Basilika als bischöflicher Eigenkirche; beide Kirchen dürften also nicht in voller Funktion nebeneinander bestanden haben. Die Bewohner des wohl im späten 11. Jh. ausgebauten Wohnturms, wahrscheinlich niederadlige oder ministerialische Lehensleute des Würzburger Bischofs, verließen um 1200 ihren Herrensitz im Tal und errichteten die Langenburg auf der Höhe, die 1226 zum ersten Mal genannt ist und nach der sie sich selbst nannten. Spätestens jetzt hatte Regenbach seine besondere historische Rolle verloren.

Peter Hilsch

Veröffentlicht in: Der Landkreis Schwäbisch Hall. Hg. v. der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg in Verbindung mit dem Landkreis Schwäbisch Hall (Kreisbeschreibungen des Landes Baden-Württemberg). Ostfildern 2005, Bd. 1, S. 35f.