Der Bauernkanzler Wendel Hipler

Siegel Wendel Hiplers. Copyright: LABW
Siegel Wendel Hiplers. Vorlage: Landesarchiv BW

Der Bauernkanzler Wendel Hipler entstammte einer wohlhabenden Neuensteiner Bürgerfamilie; seine beiden Ehefrauen waren Töchter aus Geschlechtern der Heilbronner bzw. Wimpfner Oberschicht. Um 1465 geboren, studierte er 1482 in Leipzig und trat wenige Jahre später in hohenlohische Dienste. Bereits 1496 war er Leiter der gräflichen Kanzlei und wirkte im folgenden unter dem Grafen Kraft († 1503) und dessen Söhnen Albrecht und Georg in führender Position am Ausbau der Landesherrschaft mit; nach der Teilung zwischen den Brüdern wurde er 1512 Sekretär bei dem in Waldenburg residierenden Grafen Georg. Daneben war er selbst ein vermögender Grundherr, betrieb Rodungen (Finsterrot), legte Glashütten an, war Inhaber der Höfe Stolzeneck und Platzhof sowie Rentenbezieher in Forchtenberg. Dabei geriet er mitunter in Konflikt mit seinen Bauern.

Wegen unerfüllter Besoldungsforderungen kam es 1519/20 zum Bruch zwischen den Grafen von Hohenlohe und ihrem Sekretär, der seine Herrschaft am kaiserlichen Hofgericht in Rottweil verklagte und fortan beim Grafen von Löwenstein Dienste nahm. Der Streit mit Hohenlohe eskalierte, die Grafen beschlagnahmten den Besitz ihres einstigen Dieners, und Hipler wechselte als Landschreiber des Kurfürsten von der Pfalz ins ferne Neustadt an der Haardt (1522).

Zu den schon seit längerem bestehenden Verbindungen zum Ritteradel ergaben sich für den Enttäuschten jetzt auch Kontakte mit unzufriedenen Bauern, was dazu führte, dass er im Frühjahr 1525 zwischen Adel und Bauern zu vermitteln suchte, den Vertrag über Götz von Berlichingens Hauptmannschaft bewerkstelligte und schließlich selbst als Schreiber und oberster Kanzler in die Dienste des Odenwälder Bauernhaufens trat. Als solcher brachte er die Amorbacher Erklärung zustande, durch die die Zwölf Artikel abgemildert wurden, und berief im Mai 1525 die Vertreter der regionalen Bauerngruppen zu einer Versammlung in den Schöntaler Hof nach Heilbronn, um ihre Ziele und Unternehmungen zu koordinieren und eine Legalisierung des Aufstands zu bewirken. Am 2. Juni 1525 nahm er an der Schlacht bei Königshofen an der Tauber teil, in der die Bauern unterlagen, suchte anschließend noch einmal sein Recht beim Hofgericht in Rottweil, geriet aber alsbald in pfälzische Gefangenschaft und starb 1526 in ehrenvoller Haft auf dem Heidelberger Schloss.

Im Ganzen ist Wendel Hipler zweifellos gescheitert, sowohl in seinem Streit mit den Grafen von Hohenlohe als auch mit seinem Einsatz im Bauernkrieg. Sein Charakter weist Züge auf, die an Michael Kohlhaas erinnern. Aber sein Verhalten während des Bauernaufstands und danach muss höchst ehrenwert gewesen sein. Er, der als herrschaftlicher Beamter jahrzehntelang maßgeblich an der Verdichtung der Landesherrschaft beteiligt war, bemühte sich hernach, dem Gemeinen Mann zu seinem Recht zu verhelfen und der Bauernbewegung ein über den Tag hinausweisendes Ziel zu geben. Dabei war sein Verhalten allem Anschein nach stets korrekt, bescheinigte ihm doch nach der Niederschlagung des Aufstands der Heilbronner Rat, seine Entschuldigung sei überflüssig, weil eine Klage gegen ihn nicht vorliege, und der Kanzler des Deutschen Ordens erklärte im September 1526 gegenüber einem Dritten, beim Verhör des inhaftierten Hipler bedürfe es keiner Folter, weil dieser alle Fragen wahrheitsgemäß beantworte, was indes nicht jedermann gefalle.

Gerd Wunder(†) / Kurt Andermann

Veröffentlicht in: Der Hohenlohekreis. Hg. v. der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg in Verbindung mit dem Hohenlohekreis (Kreisbeschreibungen des Landes Baden-Württemberg). Ostfildern 2006, Bd. 1, S. 56.