Die Rebellion der Mainhardter gegen ihre Obrigkeit in den Jahren 1745-1755

Karte des Fürstentums Hohenlohe und der Grafschaft Limpurg von C. F. Hammer, 1806. Der Kartenausschnitt zeigt das hohenlohische Amt Mainhardt. Vorlage: Landesarchiv HZAN GA 105 Nr. 481
Karte des Fürstentums Hohenlohe und der Grafschaft Limpurg von C. F. Hammer, 1806. Der Kartenausschnitt zeigt das hohenlohische Amt Mainhardt. Vorlage: Landesarchiv HZAN GA 105 Nr. 481.

Karg ist die Gegend im Mainhardter Wald noch heute. Vor 250 Jahren aber bedeutete dies für die Bewohner des hohenlohischen Amtes Mainhardt, dass der Boden häufig nicht genug Ertrag abwarf, um das eigene Überleben zu sichern. Wer nicht genügend Wald besaß, dem blieb oft nichts anderes übrig, als sich und die Seinen mit Hausiererhandel, als Salzführer oder Salzträger durchzubringen.

In einer solchen Situation stößt die Erhöhung von Steuern und Abgaben nicht gerade auf Begeisterung. Fürst Ferdinand von Hohenlohe-Pfedelbach hatte jedoch seit der Übernahme der Regierung 1729 eine rege und teure Bautätigkeit entfaltet, die zu finanzieren war. Als sein Bruder und Nachfolger, Fürst Joseph von Hohenlohe-Pfedelbach, am 1. Juli 1745 dann auch noch die Umwandlung des Frondienstes in ein Dienstgeld verfügte, brachte dies das Fass zum Überlaufen. Die fürstlichen Geldeintreiber wurden von den Mainhardter Untertanen beschimpft, tätlich angegriffen und mussten schließlich erfolglos umkehren.

Die Bewohner des Amtes Mainhardt ergriffen nun selbst die Initiative, suchten in Stuttgart den Rat der Württemberger und sandten dann zwei Männer aus ihren Reihen nach Wien, um die Sache vor den Reichshofrat zu bringen. Dort erhoben sie Klage nicht nur gegen die Umwandlung der Frondienste in Geldabgaben, sondern auch gegen die Erhöhung der Steuern und Abgaben binnen 20 Jahre um das Drei- bis Vierfache.

Mit diesem Vorstoß begann ein jahrelanges Ringen. Ein erstes kaiserliches Urteil, das die Bewohner des Amtes Mainhardt zum Gehorsam gegenüber dem Fürsten und zur Zahlung der geschuldeten Abgaben verpflichtete, wurde von ihnen nicht beachtet. Ganz im Gegenteil: Man setzte den Prozess fort. Fürst Joseph suchte demgegenüber der Anführer des Widerstands habhaft zu werden, drohte mit der stellvertretenden Verhaftung einiger Mainhardter und beschlagnahmte Vieh und andere Pfänder. In kurzer Folge wurden zwei Amtmänner verschlissen.

Am Ende saß der Fürst am längeren Hebel. Der Reichshofrat in Wien hielt an seinem Urteil fest, eine kaiserliche Exekutionskommission wurde eingesetzt und quartierte sich im Januar 1755 in Mainhardt ein. Die Bewohner des Amtes mussten ihren Widerstand aufgeben und öffentlich bereuen. Am Ende konnten sie sogar froh sein, dass ihr Landesherr die Exekutionskommission, die sie finanziell weiter belastete, schnell abreisen ließ, um das Amt wirtschaftlich nicht noch stärker ausbluten zu lassen.

Zehn Jahre hatte der Konflikt der Mainhardter Untertanen gegen ihren Fürsten gedauert. Die Ausstände an Steuern und Abgaben, deren Zahlung sie in dieser Zeit gänzlich eingestellt hatten, beliefen sich am Ende auf fast 11 000 Gulden, zuzüglich der Kosten für die Exekutionskommission. Niedergeschlagen hat sich das lange Ringen in fast zwei Metern Archivgut, die heute im Hohenlohe-Zentralarchiv Neuenstein, Teilarchiv Bartenstein, aufbewahrt werden – und in der Armut der Mainhardter, deren Amtmann 1770 feststellen musste, dass das hiesige Amt seit dem geführten Process herunter und in Armut geraten sei. Ein Nährboden für jene Räuberbande, die im Mainhardter Wald in den 1760er-Jahren entstand und der manche Rebellen der Jahrhundertmitte angehörten – aber das ist eine andere Geschichte.

Ulrich Schludi

Quelle: Archivnachrichten 49 (2014), S. 20-21.