Im Skandalkloster Sant' Ambrogio - Katharina von Hohenzollern und ihr Aufenthalt in Rom

Rom, Klosterkirche Sant' Ambrogio: Blick auf die Querschiffnordwand - Aufnahme: Volker Trugenberger
Rom, Klosterkirche Sant' Ambrogio: Blick auf die Querschiffnordwand, hinter der sich zur Zeit Katharinas von Hohenzollern oben der Nonnenchor befand und unten eine große Halle, in der sich die Klostergemeinde zur Kommunion versammelte - Aufnahme: Volker Trugenberger 

Hoffend, dem Himmel als Nonne nah zu sein, ging sie im Kloster durch die Hölle: Fürstin Katharina von Hohenzollern. Nachdem sie 1853 mit 36 Jahren zum zweiten Mal Witwe geworden war, wollte sie ins Kloster gehen. Ein erster Versuch scheiterte 1855 an gesundheitlichen Problemen. 1858 unternahm sie einen zweiten Anlauf: Am 29. September 1858 wurde sie als Novizin des Franziskanerinnenklosters Sant' Ambrogio in Rom eingekleidet. Das Noviziat kostete sie beinahe das Leben.

Der Münsteraner Kirchenhistoriker Hubert Wolf hat jüngst in seinem Buch über die Nonnen von Sant' Ambrogio die dortigen skandalösen Vorgänge anhand der Inquisitionsakten aufgearbeitet. Katharina, die mit einer Anzeige 1859 das Verfahren bei der Inquisition ins Rollen bringen sollte, bekam in ihrer Klosterzeit nicht das ganze Ausmaß mit – dies zeigte sich erst im Laufe des Verfahrens. Doch sie sah und erfuhr genug, was nicht mit ihren religiösen und moralischen Anschauungen vereinbar war. Vor allem Auftreten und Handlungen der im Kloster wie eine Heilige verehrten Novizenmeisterin stießen auf ihre Kritik. Sie machte sich die Novizenmeisterin so sehr zur Feindin, dass diese sie mit Gift aus dem Weg räumen wollte. Obwohl Katharina schon die Sterbesakramente erhalten hatte, scheiterte der Anschlag letztendlich. Ihr Vetter, der Kurienerzbischof Gustav Adolf von Hohenlohe, holte sie schließlich im Sommer 1859 aus Sant' Ambrogio heraus.

Die Zeit in Sant' Ambrogio ließ Katharina nicht los. Doch während sie über andere Lebenssituationen in autobiografischen Aufzeichnungen reflektierte, fasste sie ihre dortigen Erlebnisse nicht selbst zusammen, sondern ließ ihre Vertraute, Christine Gmeiner, im Juli 1871 eine Darstellung des in St. Ambrogio Erlebten zu Papier bringen. Diese Darstellung, aufgezeichnet nach unmittelbar vorher erhaltener Mittheilung der Fürstin Hohenzollern und unter ihrer Revision befindet sich im Nachlass Katharinas, der Bestandteil des im Staatsarchiv Sigmaringen hinterlegten Fürstlich Hohenzollernschen Haus- und Domänenarchivs ist. Zusammen mit dem übrigen Nachlass wurde dieses wichtige Dokument zu den Vorgängen in Sant' Ambrogio verzeichnet, digitalisiert und ist nun weltweit über das Internet abrufbar.

Die Darstellung zeigt Katharina als Werkzeug Gottes zur Aufdeckung der Missstände in Sant' Ambrogio, zugleich diente sie der Rechtfertigung der Fürstin für den Abbruch auch ihres zweiten Noviziats. Und schließlich sollte der Beichtvater der Nonnen von Sant' Ambrogio, der Jesuitenpater und konservative neuscholastische Theologe Josef Kleutgen – einer der geistigen Väter des 1870 verkündeten päpstlichen Unfehlbarkeitsdogmas – von seinen Verwicklungen in die skandalösen Vorgänge möglichst entlastet werden. Von einer Schuld glaube niemand den Beichtvater entschiedener – so eine eigenhändige Korrektur Katharinas – frei [...] als die Fürstin, die fest an der Annahme hält, er sei [von der Novizenmeisterin] vollständig getäuscht worden. Die Fähigkeit der Frauen, sich anders zu geben, einen Schein anzunehmen, der der Wirklichkeit durchaus nicht entspricht, könne zu einer furchtbaren Waffe werden, der gegenüber den Mann weder Gelehrsamkeit, noch Verstand, noch fester Charakter schützen habe können.

Volker Trugenberger

Quelle: Archivnachrichten 48 (2014), S. 39