Von Binau bis Eberbach

 Die Neckarschleife bei Binau – Quelle: LABW
Die Neckarschleife bei Binau – Quelle: LABW

Vor allem die Mosbacher Stadtbezirke Neckarelz und Diedesheim waren in der Vergangenheit wiederholt von verheerenden Neckarhochwassern betroffen, weswegen die B37, die streckenweise direkt am Neckarufer verläuft, hier, im Bereich der Elzmündung, auf Stelzen gebaut wurde. Diese Siedlungsverdichtung darf freilich nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Fluss ab Neckarzimmern bis Neckargemünd – kurz vor Heidelberg – Landesteile durchzieht, die der Landesentwicklungsplan dem Ländlichen Raum im engeren Sinn zuordnet und die vielfach dünner besiedelt und deutlich industrieärmer sind. So verwundert es nicht, dass von hier bis über den Binauer Bogen hinaus der Fluss weiterhin als nur mäßig belastet eingestuft wird. Erstaunlicher ist, dass im selben Ländlichen Raum, etwa ab Neckargerach bis zur Schleife bei Hirschhorn, der Belastungsgrad auf kritisch ansteigt. Dies mag mit einer geringeren Klärkapazität der umliegenden Orte bei verstärkter Gewässerbeeinträchtigung durch vorherrschende Landwirtschaft zu erklären sein.

 Der Neckar bei Zwingenberg, wo der Fluss zwischen dem Kleinen Odenwald und dem Zentralen Buntsandstein-Odenwald, im Hintergrund, verläuft – Quelle: LABW
Der Neckar bei Zwingenberg, wo der Fluss zwischen dem Kleinen Odenwald und dem Zentralen Buntsandstein-Odenwald, im Hintergrund, verläuft – Quelle: LABW

Der steil ausgebildete Prallhang gegenüber Obrigheim, von dem aus die Burgruine Dauchstein auf den Fluss blickt, besteht nicht mehr aus Muschelkalk, sondern ist aus dem darunter liegenden Buntsandstein aufgebaut. Die Schichtstufenfolge tritt allerdings im Umfeld des Neckartals wenig prägnant zutage. So fällt auch kaum auf, dass an der engen Schleife bei Binau drei Naturräume aufeinandertreffen: von Südwesten reicht der Kraichgau, von Süden bzw. Südosten das Bauland und von Norden der Odenwald heran. Die Binauer Schleife ist weitgehend in den Buntsandstein eingetieft. Flussabwärts treten ab hier die Talflanken noch enger zusammen, werden deutlich höher, bis 300 m oder auch mehr, und zeigen sowohl auf den Böden als auch an den Felsen vielfach die typische rötliche Färbung des Buntsandsteins. Charakteristische Erosionserscheinungen bilden auch die als Klingen bezeichneten, meist sehr engen, tief eingeschnittenen, aber oft kurzen schluchtförmigen Kerbtäler mit Zugang zum Hauptstrom, die die durch die Odenwaldhebung bedingte höhere Reliefenergie dokumentieren. Sie fügen sich damit gut in das Reliefbild des sich auf der rechten Seite des Neckars erstreckenden, generell stark und tief zertalten Zentralen Buntsandstein-Odenwalds ein, der sich von dem weitaus weniger zerschnittenen, eher flächigen Kleinen Odenwald auf der linken Flussseite abhebt. Geradezu beispielhaft für solche Klingenformen steht die Margarethenschlucht südlich von Neckargerach, mit der der Unterlauf des Flursbachs die rund 100 m hohe Flanke des Gickelbergs zum Neckar hin durchbricht. Er bildet dabei einen achtstufigen Wasserfall, der als höchster im Odenwald gilt. Seit 1940 steht die Margarethenschlucht unter Naturschutz.

Begrenzt durch jetzt meist dicht mit Laubwald bedeckte Hänge schlängelt sich der Neckar bis Eberbach in überwiegend sanften Windungen durch den Buntsandstein. Die Talsohle nimmt dabei – zumindest auf der rechten Flussseite – neben der Bundesstraße (B37) auch die meist eng am Hangfuß verlaufende Eisenbahntrasse der Neckartalbahn auf. Dabei passieren Fluss und Bahn das Dorf Zwingenberg am Neckar, wo die ursprüngliche Fährverbindung seit 2011 durch eine Neckarbrücke ersetzt ist. Vornehmlich aber ist der Ort durch seine etwa einen Kilometer neckarabwärts hoch auf einem Sporn über dem Fluss liegende, bewohnte Burg bekannt sowie die Wolfschlucht, die als langgestreckte, wildromantische Klinge unterhalb des Burgstandorts in den Neckar mündet.

Stromabwärts bei Eberbach-Rockenau ist rechts des Flusses am Kranichsberg der blassrote, verkieselte, sehr harte Neckartäler (Bunt-)Sandstein in einem großen, ehemaligen Steinbruch aufgeschlossen. Wie zahlreiche kleinere Brüche der Umgebung, hier aber besonders günstig am Fluss gelegen, lieferte er lange Zeit hochwertigen Baustoff, der auch zur Errichtung der Kirche St. Johannes Nepomuk in Eberbach verwendet wurde. Über dem Steinbruch erhebt sich der Aussichtspunkt Teufelskanzel, eine markante Felsformation. Beides ist seit 1981 zum Naturschutzgebiet Kranichsberg zusammengefasst.