Von Remseck bis Lauffen am Neckar

Besigheim mit Enzmündung, Hessigheimer Felsengärten rechts und Walheim links im Bild, im Hintergrund das AKW Neckarwestheim – Quelle: LMZ BW
Besigheim mit Enzmündung, Hessigheimer Felsengärten rechts und Walheim links im Bild, im Hintergrund das AKW Neckarwestheim – Quelle: LMZ BW

Der Neckar durchfließt jetzt bis über Heilbronn hinaus die lössbedeckten, fruchtbaren Muschelkalkgäuflächen der naturräumlichen Einheit des Neckarbeckens. Anfangs verläuft der kanalisierte Fluss nur wenig geschwungen bis zur Aufnahme der Rems, Gemeinde Remseck, wo sich sein mittlerer Abfluss auf 59,5 Kubikmeter/Sekunde erhöht. Ab da setzen weite, flache Talmäander ein, wie etwa bei der Stadt Marbach, dem Geburtsort Friedrich Schillers, deren alter Kern auf einem nur wenig angesteilten Prallhang des großen Benninger Flussbogens liegt. Auch die Murr trifft hier auf den Neckar. Zwischen Benningen und Pleidelsheim, Landkreis Ludwigsburg, ist das Neckartal dank der sanften Pleidelsheimer Mulde so breit, dass vom alten Neckarlauf auf einer Höhe von rund 185 m NN ein räumlich deutlich abgesetzter, bereits 1911 bis 1914 erbauter Kraftwerkskanal in Richtung Pleidelsheim abgeleitet werden konnte. 1954 wurde dieser zur Wasserstraße erweitert, von der kurz vor Pleidelsheim ein Schleusenkanal abzweigt, der dann rasch in den Hauptstrom mündet. Ab dieser Abzweigung dient der ursprüngliche Kanal weiterhin als langer Zulauf für das Wasserkraftwerk Pleidelsheim, das, 1915 errichtet, das größte im Königreich Württemberg war und heute unter Denkmalschutz steht. Erst weit unterhalb des Ortes vereint sich der Kanal wieder mit dem Hauptstrom.

An der Kanalableitung bei Freiberg-Beihingen wird der Wasserlauf des Altneckars durch ein Wehr reguliert, das ihm im Regelfall nur wenig Wasser zugesteht. Lediglich in Hochwasserzeiten ist auch hier das Flussbett bis zum Rand gefüllt. Diese Flussstrecke, die noch eine natürliche Flussdynamik sowie weithin ursprüngliche Flora und Vegetation zeigt, gehört zu einem der letzten naturnahen Neckarläufe im Regierungsbezirk Stuttgart. Sie ist deshalb in ihrer gesamten Länge von Freiberg-Beihingen bis Pleidelsheim seit 1977 einschließlich einer aufgelassenen Kiesgrube als Naturschutzgebiet Altneckar und Pleidelsheimer Wiesental ausgewiesen und umfasst insgesamt 44 Hektar Fläche. Zwar hat sich auch hier die Wasserqualität des Flusses seit den 1970er Jahren infolge der enorm gesteigerten Intensität der Abwasserreinigung in den umliegenden Gemeinden erheblich verbessert, sodass auch sensible Fische wieder lebensfähig sind, doch wird sie immer noch als kritisch eingestuft. Dies gilt für die gesamte Neckarstrecke vom Eintritt in die Stuttgarter Bucht bis zur Enzeinmündung, wo der Fluss die Kernzone des Verdichtungsraumes Mittlerer Neckar mit seinen vielen, oft stark wirtschaftsbestimmten Gemeinden durchquert.

Benningen am Neckar, Nachbargemeinde der Schillerstadt Marbach – Quelle: LMZ BW
Benningen am Neckar,  Nachbargemeinde der Schillerstadt Marbach – Quelle: LMZ BW

Mit der Aufwölbung des Hessigheimer Sattels zwischen Pleidelsheim und Besigheim werden die Neckarmäander wieder enger und zeigen hohe, steile Prallhänge. Der Fluss konnte hier den harten Hauptmuschelkalk durchschneiden und auf die weniger widerständigen Schichten des Mittleren Muschelkalks vorstoßen. An den Prallhängen wurde der Hauptmuschelkalk besonders unterspült, löste sich dabei entlang seiner Klüfte auf und rutschte in Einzelfelsen ab. Umfangreiche Sicherungsmaßnahmen versuchten dieser stetigen Gefahr von Felsabgängen entgegenzuwirken. Spektakulär zeigen sich solche Auflösungsformen am Kulminationspunkt der Wölbung an der Oberkante des Prallhangs nordwestlich von Hessigheim. Seit 1942 stehen hier die Hessigheimer Felsengärten unter Naturschutz und wurden 2002 unter veränderten Schutzbedingungen, die auch ein eingeschränktes Erklettern der Felsen erlauben, auf fünf Hektar erweitert.

An der Nordflanke der Hessigheimer Wölbung, im Bereich einer engen Schleife, erhält der Neckar bei der Kleinstadt Besigheim, Landkreis Ludwigsburg, Zustrom von der Enz, seinem längsten und wasserstärksten linken Nebenfluss. Der mittlere Abfluss am Pegel Besigheim beträgt 22,3 Kubikmeter/Sekunde. Dadurch steigt der mittlere Wasserabfluss des Neckars auf 83,8 Kubikmeter/Sekunde an. Wohl auch deshalb, bestimmt aber weil sich ab hier der Verdichtungsraum auf die unmittelbaren Neckargemeinden einengt und das weitere Umland zur deutlich weniger verdichteten Randzone um die Verdichtungsräume gerechnet wird, verbessert sich die Wasserqualität des Flusses. Die Landesanstalt für Umweltschutz stuft sie ab der Enzmündung nur mehr als mäßig belastet ein.

Nach kurzem relativ geradem Flussverlauf weist der Neckar bei Kirchheim am Neckar wieder eine enge Doppelkurve auf, die aus dem Halsdurchbruch einer einst weit nach Westen ausgreifenden Schlinge entstand. Wie eine etwa sechs Meter mächtige Löss- und Lehmdecke über den Neckarschottern im Schlingenbereich zeigt, dürfte dieses Ereignis bereits vor der letzten Eiszeit erfolgt sein. Aber auch heute noch gibt sich der Schlingenrand durch einen etwa 30 m hohen steilen Anstieg zu erkennen, der derzeit überwiegend von Reben, im Süden auch von Obstwiesen eingenommen wird. Im Durchbruchsbereich, am Nordostrand der Schlinge, dehnt sich der Ort Kirchheim aus. Am östlichen Ausgang jener Doppelschleife berührt der Neckar das Areal des Kernkraftwerkes Neckarwestheim mit seinen beiden Druckwasserreaktoren. Das Werk, das in unmittelbarer Ufernähe auf dem Gelände eines ehemaligen Steinbruchs angelegt wurde, nutzt den Fluss maßgeblich als Kühlwasserlieferant. Erwärmt sich der Neckar zu stark, muss die Kraftwerkskapazität gedrosselt werden.