Von Aschermittwoch bis zur Karwoche: Geschichte und Traditionen der Fasten- oder Passionszeit  

Rituale aus Konstanz, um 1500 - Quelle UB Heidelberg Cod. Sal. IX,17b, fol. 7r, Zeile 13-15
Rituale aus Konstanz, um 1500 - Quelle UB Heidelberg Cod. Sal. IX,17b, fol. 7r, Zeile 13-15, CC BY SA 

Die Bitte, einen Engel vom Himmel zu schicken, der die Asche segnen möge, ist das zentrale Element des Gebets des Priesters zur Aschenweihe, wie es in einem Konstanzer Rituale aus der Zeit um 1500 zu finden ist, das in der UB Heidelberg liegt: mittere […] sanctum angelum tuum de celi, qui benedicat et sacrificet hos cineres (Blatt 7r, Zeile 13-15). Die so gesegnete Asche, gewonnen aus den verbrannten Palmzweigen des Vorjahres, wurde und wird in der katholischen und teilweise auch evangelischen Liturgie verwendet, um den Gläubigen am Aschermittwoch das Aschenkreuz auf die Stirn zu zeichnen oder auf das Haupt zu streuen. Die Asche findet sich bereits im Alten Testament als Zeichen der Buße, vgl. beispielsweise Dan 9,3.

Damit ist sie ein gutes Symbol zum Aschermittwoch, mit dem die vierzigtägige Fastenzeit, in den reformatorischen Kirchen auch Passionszeit genannt, beginnt. Denn dieser mit dem lateinischen Begriff Quadragesima genannte Zeitraum stellt in den westlichen Kirchen eine der beiden großen Bußzeiten dar  - die andere ist der Advent - und war bereits dem Konzil von Nicaea (325) bekannt. Im frühen Christentum war die Taufvorbereitung wichtiges Element der Fastenzeit. Zu Ostern wurden neue Gemeindemitglieder durch die (Erwachsenen-)Taufe in die Kirche aufgenommen. Von Anfang an galten Fasten-und Askesevorschriften, so nur eine Mahlzeit am Tag unter Verzicht auf Fleisch und Wein, später auch von Milchprodukten und Eiern. Während die Fastenvorschriften ab dem Hochmittelalter nach und nach wieder abgemildert wurden, gewann die Thematik des Leidens Christi, seine Betrachtung und auch Nachahmen an Bedeutung. Ein Beispiel hierfür ist das Villinger Passionsspiel, das in einer Handschrift von 1600 in der Badischen Landesbibliothek zu finden ist:

Die Passionszeit mündet in die Karwoche ab dem Palmsonntag, der seit dem 9. Jahrhundert bis heute von Palmprozessionen geprägt ist, so in Fischerbach im Ortenaukreis 1967und endet mit den Kartagen Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag. Die Fasten- oder Passionszeit wird heute als Vorbereitung auf das Osterfest und als Zeit des Innehaltens und der Selbstreflexion verstanden. Der Fastenaspekt findet sich häufig in Form von Verzicht auf Genussmittel oder Medienkonsum. 

Wolfgang Krauth