Gotthilf Schenkel – einer, der wider stand! Sein Kampf gegen die NSDAP im Jahr 1933

Dr. Gotthilf Schenkel als Stadtpfarrer in Zuffenhausen, um 1930.Quelle: LandesarchivBW HStAS Q 1/71 Bü 274_1
Dr. Gotthilf Schenkel als Stadtpfarrer in Zuffenhausen, um 1930.Quelle: Landesarchiv BW, HStAS Q 1/71 Bü 274_1

 

Wir wissen, daß wir für Menschlichkeit, Recht und Frieden kämpfen. Und wenn die Welt voll Nazi wäre, das Recht muß uns doch bleiben. Diese Sätze sprach Gotthilf Schenkel am Ende einer großen Wahlkampfveranstaltung der SPD zur Reichstagswahl am 5. März in der Stadthalle Stuttgart am 24. Februar 1933. Die Äußerungen gaben den letzten Anstoß, seine Laufbahn als evangelischer Stadtpfarrer in Zuffenhausen im März 1933 abrupt zu beenden. Sowohl der Kirchengemeinderat als auch der Oberkirchenrat bedrängten ihn daraufhin, sein Amt in Zuffenhausen niederzulegen und den Ort rasch zu verlassen. Nach einigen Wochen im Verborgenen verlor Schenkel als erster Pfarrer in Deutschland sein Amt und wurde zunächst in den Ruhestand versetzt. Der Oberkirchenrat schickte ihn dann allerdings als Amtsverweser in die vakante Pfarrei Unterdeufstetten im Dekanat Crailsheim, wo er sich jedoch auch häufiger Angriffe und Belästigungen von Seiten der Nationalsozialisten ausgesetzt sah.

Gotthilf Schenkel wurde 1889 in Ostindien als Sohn des Basler Missionars Rudolf Philipp Schenkel geboren, noch vor Vollendung seines ersten Lebensjahrs kehrte die Familie dann nach Württemberg zurück. Ab 1904 besuchte er das Evangelisch-Theologische Seminar in Schöntal, wo er 1908 das Abitur machte. Nach seinem einjährigen Militärdienst nahm er in Tübingen das Studium der Philosophie und der Theologie auf und legte im Frühjahr 1914 die erste Theologische Dienstprüfung ab. Als der Erste Weltkrieg ausbrach, meldete er sich frei- willig zum Militärdienst, wurde Anfang 1915 schwer verwundet und war nach seiner Genesung nicht mehr felddienstfähig. Von Juli 1915 bis Ende März 1918 bekleidete er Stellen als Vikar und Stadtpfarrverweser in Zuffenhausen, bevor er kurz vor Kriegsende die Stelle als Stadtpfarrer antrat. Im Jahre 1926 promovierte Schenkel an der Universität Tübingen mit der Arbeit Die Freimaurerei im Licht der Religions- und Kirchengeschichte. Zu dieser Zeit war er bereits Mitglied der Freimaurerloge. Mitte der 1920er Jahre begann seine schriftstellerische Tätigkeit. Als Pfarrer einer Vorort- und Industriegemeinde setzte sich Gotthilf Schenkel aktiv für die Heimstätten- und Siedlungsbewegung ein und stand als Geschäftsführer dem Bau- und Heimstättenverein Stuttgart vor. Auch politisch war er engagiert und trat 1928 der SPD bei. Bis 1933 betätigte sich Schenkel aktiv im Bund religiöser Sozialisten. Zudem war er Schriftleiter des Sonntagsblatts Der religiöse Sozialist, das 1933 verboten wurde. Schenkel stellte sich offen gegen den Nationalsozialismus.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Gotthilf Schenkel 1947 erster Stadtpfarrer in Oberesslingen. Der Höhepunkt seiner politischen Karriere war die Ernennung zum Kultusminister von Württemberg-Baden am 11. Januar 1951 und ein Jahr später zum ersten Kultusminister des neu gegründeten Landes Baden-Württemberg. 1952 wählte man ihn zum Mitglied der Verfassungsgebenden Landesversammlung und zum Landtagsabgeordneten. 1953 legte er das Amt des Kultusministers nieder, blieb aber weiterhin als Landtags- und Kreistagsabgeordneter wie auch Gemeinderat in Esslingen politisch aktiv. Im Jahre 1959 sollte ihm das große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik verliehen werden. Allerdings lehnte er die Auszeichnung aus Protest gegen Bundeskanzler Konrad Adenauer ab, weil dieser einzelne Sozialdemokraten verleumdete und die SPD diffamierte. Am 10. Dezember 1960 verstarb Gotthilf Schenkel in Esslingen am Neckar.

 Peter Bohl

Quelle: Archivnachrichten  50 (2015), S.14-15.
 

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