Die Glashütte Einsiedel

 

Auf dem Lageplan aus dem Jahr 1860 sind eine neue Straße und die der Glasproduktion dienenden Gebäude rot eingezeichnet – Quelle LABW (StAWt-R Lit. B Nr. 3328 f)
Lageplan aus dem Jahr 1860 – Quelle LABW (StAWt-R Lit. B Nr. 3328 f)

Der Hofkammer schwante nichts Gutes. Schon nach Bekanntwerden der ersten Pläne des Fürsten Dominik Constantin zur Gründung einer Glashütte im Spessart am Anfang des 19. Jahrhunderts warnten die erfahrenen Beamten in der Finanzbehörde, daß Manufacturen, Fabriken, Bergwerke, auf herrschaftliche Kosten betrieben, selten gediehen. Doch die Voraussetzungen schienen dem Fürsten gut. Da war der umfangreiche Waldbesitz des Klosters Neustadt am Main, der mit der Säkularisation der geistlichen Einrichtung Anfang des 19. Jahrhunderts in den Besitz der Fürsten zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg bergegangen war. Da war das Flüsschen Hafenlohr, das immer Wasser führte. Und da war schließlich sein Kammerdiener Johann Saalig, der früher schon einmal Hüttenmeister in der nahegelegenen Glashütte

Weibersbrunn gewesen war und damit über das notwendige Know-how zu verfügen schien. Dass sich das aber nur auf Mondglas bezog, also Flachware, während schon in den Jahren um 1819/20 auf die Produktion von Hohlglas umgestellt werden musste, zeigte sich erst später. Dennoch übte der Kammerdiener einen gewissen Einfluss auf seinen Herrn aus. Durch den Konkurs der Mondglasmanufaktur in Lohr war außerdem eine Marktlücke entstanden. Mit dem Wechsel von Dominik Constantin auf Fürst Karl Thomas im Jahr 1814 wurde aus der 1807 eingerichteten Glashütte Einsiedel die sogenannte Karlshütte.

Die Abnehmer, die als Zwischenhändler fungierten, saßen in Amsterdam, Heidelberg und Basel. Es sah lso alles gut aus. Dass allein im Jahr 1818 der Zuschuss für die Hütte 55.000 Gulden betrug, also an der anfänglichen Kalkulation, die einen umfangreichen Gewinn versprach, etwas nicht stimmen konnte, fiel nur der Hofkammer auf. Der Absatz war am Anfang gut, die Qualität entsprach jedoch nicht ganz den Erwartungen.

Mit den sozialen Verhältnissen scheint es nicht zum Besten gestanden zu haben. Die Wohnverhältnisse waren aus heutiger Sicht katastrophal. Die Arbeiter waren wegen der schlechten Absatzlage und einem dementsprechend geringen Lohn zum Zuerwerb gezwungen. Erst 1886 trat die Fabrikordnung in Kraft, die
alle Arbeitnehmer zu unterschreiben hatten. Doch im Jahr 1889 war Schluss mit der Glasproduktion.

Auch mit anderen Betrieben machte der Fürst zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg seine Erfahrungen, die manchmal zum Teil von längerer Dauer waren. Da gab es zum Beispiel das Sägewerk St. Hubertus, ebenfalls im Tal der Hafenlohr im Spessart gelegen, das sich den Waldreichtum des Gebietes zunutze machte. Lange bestand die Schlossbrauerei Bronnbach in der 1974 das letzte Bier gebraut wurdeund deren Gebäude heute den Archivverbund Main-Tauber beherbergt. Teilweise bis heute existieren die Weingüter
in Kreuzwertheim, heute Kleinheubach, und in Hallgarten im Rheingau. Sucht der Interessent nach Unterlagen der älteren Glashütte Neulautern in der Grafschaft Löwenstein aus dem 16. bis 18. Jahrhundert, wird er ebenfalls im Staatsarchiv Wertheim fündig.

 Martina Heine

Quelle: Archivnachrichten 46 (2013), S.9.