“… und verspricht anstatt des alten Zollerberg einen goldenen hinzustellen“ – Ein Scharlatan am Hechinger Hof

Konstruktionsplan von Chevalier de St. Martin für einen Hochofen. Vorlage: Landesarchiv BW, StAS FAS DS 1 T 8 R 75,1
Konstruktionsplan von Chevalier de St. Martin für einen Hochofen. Vorlage: Landesarchiv BW, StAS FAS DS 1 T 8 R 75,1

Die Erleichterung am hoch verschuldeten Hechinger Hof war groß, als im Jahr 1771 der selbsternannte Bergwerks- und Ökonomieexperte Chevalier de St. Martin seinen Weg nach Hechingen fand. Nur zu gerne vertraute Fürst Joseph Wilhelm von Hohenzollern-Hechingen dem mit einer Empfehlung des Grafen von Waldburg-Zeil-Wurzach ausgestatteten Chevalier. Sogleich ernannte er diesen zum Generaldirektor der gesamten Hechinger Ökonomie. De St. Martin beabsichtigte, die von ihm in der Umgebung von Hechingen vermuteten Gold-, Silber- und Kupfervorkommen zu heben. Außerdem wollte er eine Eisenschmelze zur Verhüttung von Stufenerz errichten lassen. Angeblich verfügte er über einige Erfahrung im Bergwerksgewerbe und hatte bereits etliche Eisenschmelzen in Frankreich errichtet. Daher wurde auf seine Veranlassung am Martinsberg bei Hechingen nach Stufenerz gegraben, sowie Kohleholz von Burladingen für ein geplantes Schmelzwerk herangefahren. Noch vor Errichtung des Eisenwerkes war bereits dessen Verpachtung geplant worden.

Doch als die versprochenen Erfolge des Bergwerksexperten sich nicht einstellen wollten und von der prophezeiten, dringend benötigten Steigerung der Einkünfte um mehr als die Hälfte nach einem Jahr noch nichts zu sehen war, schöpften der Fürst und dessen Hofmarschall von Steuben Verdacht gegen den Chevalier. Nach der Unterbrechung der mehrjährigen Frankreichtour des Fürsten und seines Hofmarschalls wurde der Hochstapler in Hechingen schnell entlarvt. Bei dem angeblichen Chevalier handelte es sich um einen verschuldeten Händler aus Lothringen mit bürgerlichem Namen Claude Frémy Martin. Dieser durchreiste auf der Flucht vor seinen Gläubigern Frankreich, Österreich, Ungarn und Deutschland. Neben seinen großangelegten Betrügereien in Hechingen war er zu allem Überfluss dort ebenfalls durch einen unsittlichen Lebenswandel aufgefallen. In seinem Geständnis dankte er dem Fürsten für die Gnade, die dieser ihm willfahren ließ. Ob der falsche Chevalier tatsächlich straffrei aus der Angelegenheit herauskam, verraten die Akten nicht. Letztendlich hatten das Bergwerksexperiment und dessen Initiator nur für weitere Ausgaben gesorgt.

 Birgit Meyenberg

Quelle: Archivnachrichten 51 (2015), S.26.